Sorgenkind Akustikgitarre
oder
Was kann ich selbst tun - wann muß ich zum Arzt?

Von Martin Seeliger

Es gibt im Leben einer Gitarre Augenblicke, in denen ihr Besitzer sich um die Existenz und das Wohlverhalten seines Instruments berechtigterweise Gedanken machen soll. Eine Gitarre ist ein empfindliches Etwas. Besitzer einer eher stapazierfähigen „Sperrholz-Klampfe" mögen mir da zwar nicht unbedingt beipflichten. Die Realitat sieht aber so aus: Je besser ein Instrument klingt und je mehr es aus exquisiten Tonhölzern gebaut worden ist, desto größer kann die Anfälligkeit für kleine oder größere Beeinträchtigungen sein.

Haben Sie sich eventuell gerade eine ganz tolle und nicht ganz billige Gitarre gekauft? Seien Sie also von nun an gewiß, das Sie es hören werden, wenn etwas mit Ihrem Instrument nicht in Ordnung ist. Ihre eigenen musikalisch-technischen Unterlassungen nimmt Ihnen Ihre Neuerwerbung übrings auch übel! Aber grämen Sie sich nicht. Normalerweise erfüllt Ihre Gitarre die zugedachte Bestimmung - mehr oder weniger eingeschränkt - Freude am Musizieren zu verschaffen. Mitunter ist jedoch dieser Genuß getrübt. Sie kommen mit der Gitarre nicht mehr klar. Es ist Ihnen aufgefallen, daß etwas nicht in Ordnung ist. Vielleicht wissen Sie noch nicht, was genau los ist, aber es hat sich was getan und macht Ihnen Sorgen.

In der alltäglichen Reparaturpraxis gibt es immer wiederkehrende Probleme, die an Gitarren auftreten. Teils lassen sie sich im Nu lösen, mitunter sind aber auch Reparaturarbeiten notwendig, um den Erhalt und die Bespielbarkeit des Instruments zu gewährleisten. Eine Auswahl der Problemfälle und mögliche Lösungen gibt es nachfolgend:

 

Ihre Gitarre ist schlecht spielbar?

Zunächst sollten Sie sich fragen, ob Ihre Gitarre überhaupt jemals leicht für Sie zu spielen war. Ja, ja, jetzt erwarten Sie vielleicht, daß ich wieder über anderer Leute Gitarrenspiel lästere - aber diesen Gefallen erweise ich Ihnen nicht. Wenn auch das Spielgefühl von persönlichen Empfindungen abhängig ist, so muß Ihre Gitarre doch so eingestellt sein, daß Sie in der Lage sind, das Instrument selbst vernünftig zu bedienen. Falls das von Beginn an nicht der Fall sein konnte, nehmen Sie den Musikhändler oder Gitarrenbauer in die Pflicht, der Ihnen das Leben etwas schwerer machen wollte. Sie lassen den Hals und die Saitenlage einstellen und entscheiden sich nach Ihren Bedürfnissen für weichere oder härtere Saiten. Manche Musikhändler sollen sich im übrigen schon darüber gewundert haben, daß man von ihnen einen Service nach dem Kauf erwartet hat.

Sie gehören aber zu den „Altnutzern"? Sie haben Ihre Gitarre(n) schon längere Zeit, und Ihr „Schätzchen" will sich nicht mehr so gut spielen lassen?

Sie sind dran. Saitenlage kontrollieren am 12. Bund: Wenn das Greifen der Saiten in den ersten Lagen schwerfällt, ist der Sattel am Hals-Kopf-Übergang eventuell nicht korrekt eingekerbt. Um das zu prüfen, drücken Sie die Saiten jeweils am 3. Bund nieder. Zwischen den Saiten und dem ersten Bundstäbchen sollte nun eine geringe Distanz sein, gerade soviel, daß ein Blatt Papier durchpassen würde. Selbsthilfe: Zur Anfertigung eines Sattels benötigt man spezielle Werkzeuge. Üerlassen Sie diese Arbeit einem Fachmann.

 

Halskrümmung kontrollieren: Es bieten sich zwei Methoden an. 1.Sie können an der Griffbrettkante vom Kopf zum Schalloch „entlangpeilen" und sollten bemerken, daß der Hals dem Saitenzug entsprechend etwas nach vorn gebeugt ist. Vom 12. oder 14. Bund zum Schalloch darf das Griffbrett durchaus etwas abfallen. 2. Sie drücken eine Saite am 1. und 12. Bund gleichzeitig nieder und bemerken, daß die Saite dazwischen einen geringen Abstand zu den Bundstäbchen hat. Selbsthilfe: Mit dem Halseinstellschlüssel kann der Halsstab der Gitarre justiert und die Krümmung des Halses verändert werden. Hierfür sollten die Saiten etwas gelockert werden. Für diese Justage sollte ein begründetes Selbstvertrauen vorhanden sein.

Die Saiten schnarren? Sie hören Nebengeräusche beim Spielen?

Störgeräusche beim Spielen des Instruments können sehr unterschiedlicher Natur sein. Sehen wir mal davon ab, daß auch die handwerklichen Fähigkeiten des Gitarrenspielers eine große Rolle spielen und Gitarrenmusik von manchen Mitmenschen als Störgeräusch selbst empfunden wird. Spaß beiseite - Störgeräusche beim Gitarrespielen treten immer wieder einmal auf. Verursacher sind oft fehlerhafte oder abgenutzte Saiten. Es ist anzuraten, die Saiten erst einmal zu wechseln, bevor man auf den Hersteller seiner Gitarre flucht. Lassen Sie, wenn Sie es nicht selbst machen, die Saitenlage Ihrer Gitarre richtig einstellen; einige Anhaltswerte habe ich Ihnen geliefert. Dennoch kann es zu Schnarrproblemen kommen. Hier eine kleine Auswahl:

 

Saiten schnarren „leer" angeschlagen: Dies deutet darauf hin, daß die Saitenkerben im Sattel der Gitarre zu tief sind. Testen Sie, wie oben beschrieben, die Sattelhöhe.

 

Saiten schnarren beim Greifen in der ersten bis fünften Lage: Der Hals ist zu gerade oder dem Saitenzug entgegengesetzt gebogen. In diesem Fall sollte der Verstellstab des Halses etwas gelockert werden. Eventuell ist es auch notwendig, die Bundstäbchen oder sogar das Griffbrett abrichten zu lassen. Mitunter haben auch einige Bundstäbchen Kerben an der Oberfläche bekommen und müssen abgerichtet oder ausgetauscht werden.

 

Saiten schnarren beim Spielen am Hals-Korpus-Übergang: Eventuell ist in diesem Bereich das Griffbrett etwas unregelmäßig oder steigt sogar zum Schalloch hin an. Versuchen Sie, wie beschrieben, an der Griffbrettkante entlangzupeilen, um Unregelmäßigkeiten zu entdecken. Wenn dies der Fall ist, müssen in der Regel das Griffbrett abgerichtet und neue Bundstäbchen eingesetzt werden.

 

Nebengeräusche aus dem Korpusbereich der Gitarre: Prüfen Sie zunächst, ob Sie die Saiten am Steg richtig befestigt haben. Danach klopfen Sie einmal auf die Rückseite des Gitarrenhalses, um festzustellen, ob der Verstellstab lose ist und Nebengeräusche verursacht. Ferner ist es möglich, daß bei Gitarren mit eingebautem Tonabnehmersystem einzelne Komponenten bei bestimmten Frequenzen mitschwingen. Schließlich ist es denkbar, daß sich eine Holzverbindung im Korpusinnern gelöst hat. Grundsätzlich sollten Sie das Instrument zu einem Fachmann bringen, wenn das Nebengeräusch nicht verschwindet.

 

Der Steg der Gitarre hebt sich von der Decke ab: Das einzige, was Sie tun können, ist die Saiten der Gitarre zu lösen. Ansonsten muß sich ein Fachmann um die Reparatur kümmern.

 

Es sind Lack- oder sogar Holzrisse aufgetreten: Manche Lacke sind bei Temperaturschwankungen rißgefährdet. Lackrisse sind nicht unbedingt gefährlich für das Instrument, sollten Sie aber selbst an eine geeignete Aufbewahrung Ihrer Investition erinnern.

Anders ist es mit Holzrissen, die grundsätzlich repariert werden müssen. Schieben Sie es nicht auf die lange Bank, die Gitarre zum Service zu geben. Bei größeren Rissen, besonders in der Gitarrendecke, leidet auch die Stabilitat des Instruments. Es können Folgeschäden auftreten, deren Beseitigung sehr kostspielig sein kann. Wenn Ihnen ein Riß im Holz auffällt, lösen Sie die Saitenspannung und geben Sie Ihr Instrument zur Reparatur. Im übrigen habe Risse im Holz oft mit einer ungeeigneten Lagerung der Gitarre zu tun. Zum Thema „Luftfeuchte" werde ich mich in einer der nächsten Ausgaben von AKUSTIK GITARRE äußern.

In der Hoffnung, Ihnen wieder ein paar gute Anregungen gegeben zu haben, verbleibe ich mit meinen besten Wünschen. Wenn Sie Fragen haben oder Sie die Sorge um Ihre Gitarre umtreibt, können sie mich jederzeit brieflich über AKUSTIK GITARRE oder per E-Mail direkt erreichen: compuserve 100422,2610.