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Tierisch? Takamine Santa Fe Ltd. 97 Von Franz Holtmann Die Idee ist einfach genial: Einmal im Jahr plaziert Takamine ein Sondermodell in limitierter Auflage auf dem Markt und bringt sich auf diesem Wege mit exklusiven Designs immer wieder ins Gespräch. Der japanische Hersteller ist zwar längst eine feste Größe in der Branche, bekannt für hohen Fertigungsstandard und profunden Gitarrenbau, aber was ist besser geeignet, um in der Diskussion zu bleiben als ein augenfälliges Styling, das gelegentlich auch geeignet ist, die Gemüter zu erhitzen ob des Sinns oder Unsinns des außergewöhnlichen Zierats, der diese Edition auszeichnet. Der Sammler jedenfalls mag sich freuen über diese jährlichen Ausbrüche aus dem relativ einheitlichen Erscheinungsbild in der Gitarrenwelt. Daß die Optik eines Instruments Einfluß auf das Kaufverhalten hat, ist ja eh nicht von der Hand zu weisen, aber damit es nicht dabei bleibt und die Gitarren der Sonderserie nur noch als Kunstobjekte angesehen werden, dafür hat man Sorge getragen, indem hinter dem exklusiven Äußeren schließlich auch ein Instrument der Spitzenklasse auf einen kundigen Spieler wartet. Wer wissen möchte, was es mit Ornamentik im Instrumentenbau auf sich hat, der werfe nur einmal einen Blick in einen jener Prachtbände, die Saiteninstrumente des 17. und 18. Jahrhunderts, vor allen Dingen aus Italien und Frankreich, darstellen. Die Ltd. 97 jedenfalls zeichnet sich nicht durch spektakuläre Optik aus, vielmehr haben wir es mit einem dezenten und durchaus eleganten Design zu tun, das eine bemerkenswerte Verbeugung der japanischen Gitarrenbauer vor der nativen indianischen Kultur des amerikanischen Südwestens als Inspirationsquelle zum Inhalt hat. Darüber hinaus besticht das Instrument auf den ersten Blick durch eine hervorragende Wahl von exquisiten Tonhölzern.
Konstruktion Wie das Vorjahresmodell ist die diesjährige Sonderausgabe auf der Grundlage der NEX-Korpusform - eines von Takamine entwickelten etwas verkleinerten Jumbodesigns - aufgebaut. Die Konstruktion verfügt über eine Zargentiefe von im Schnitt über 10 cm und ist damit ein Instrument, das ein beachtliches Luftvolumen in Schwingung versetzt. Die gleichmäßig gemaserte Decke trägt als auffälligstes Merkmal einen Gekko, der wie in zwei Zierringen gefangen das Schalloch zu umkreisen scheint. Diese Intarsienarbeit ist aus echten Türkisen und Walnußholz gefertigt. Der Korpus besteht aus hawaiianischem Koa", einem Tonholz von hoher Qualität und wirklich bestechender Zeichnung und Farbe. Die Stoßkante des zweiteiligen Bodens und die Decken- und Bodenränder werden von einem rot-schwarzen dreilagigen Zierstreifen abgesetzt, der auch als Schalloch-Einfassung Verwendung findet. Die Bindings und der Halsstockabschluß müssen mit Kunststoff auskommen, für Stoßkanten nicht die schlechteste Wahl und klanglich sowieso ohne Einfluß. Der einteilige Hals aus erstklassigem Mahagoni trägt ein Palisandergriffbrett, das unserem Gekko doch eine gewisse Beweglichkeit zuspricht, denn von links oben nach rechts unten verläuft quer über die Bünde die Spur des kleinen Reptils. Obwohl im zwölften Bund beginnend und im dritten Bund endend, sind diese originellen Einlegearbeiten aus Ahorn nicht unbedingt als Kennung für die Lagen zu gebrauchen, dafür ist ihr Verlauf zu unregelmäßig. Die flachen und schmalen Bünde sind absolut perfekt abgerichtet und hochglanzpoliert, bei Takamine allerdings ein Standard, der auch in tieferen Preisklassen lobenswerterweise zu finden ist. Die konische Kopfplatte krönt ein wunderbar geflammtes Koafurnier, in das der Firmenname aus Abalone eingelegt ist. Die vergoldeten Luxusmechaniken kommen von Gotoh und arbeiten leicht und präzise. Zwischen dem Steg aus einem kräftigen Stück Palisander mit einer zweigeteilten Einlage und dem Sattel, beide erwartungsgemäß akkurat gearbeitet, schwingt eine Saitenlänge von 644 mm, also eine zum Standard leicht verkürzte Mensur.
Die Elektronik Im oberen Zargenkopf ist die hochwertige Elektronik untergebracht, die den Piezo-Tonabnehmer im Steg kontrolliert. Bei dem System Accuracoustic" handelt es sich um eine bewährte und flexible Steuereinheit, die über ein versenkbares Volumenpoti, Baß- und Trebleregler und einen zuschaltbaren parametrischen Equalizer in zweibandiger Ausführung verfügt, über welchen Einfluß auf Frequenzen zwischen 80 Hz und 10 Khz genommen werden kann. Ein wirkungsvolles Instrument zur Klanganpassung unter wechselnden akustischen Bedingungen im Live-Betrieb. Durch einen Bypass"-Schalter läßt sich die Elektronik mit einem Griff auf linear" umschalten. Die Zugriffsmöglichkeiten umfassen einen enormen Regelbereich, sind aber auf knappem Raum mit Fingerspitzengefühl zu behandeln. Das Batteriefach und die Ladekontrolle befinden sich in der Regeleinheit - der Batteriewechsel ist problemlos zu bewerkstelligen. Die Fader der Tonregelung sind bei Bedarf über integrierte, dezent leuchtende LEDs auch in dunklen Spielstätten noch ablesbar.
Akustischer Klang und Handhabung Die Santa Fe Ltd. verdient unsere ungeteilte Aufmerksamkeit in besonderem Maße - soviel sei vorweggenommen - weil es sich tatsächlich um ein hochwertiges Instrument handelt, was bei elektrifizierten Gitarren bekanntlich nicht immer der Fall ist. Dabei verhält es sich so, daß die Pickups natürlich nur übertragen können, was an akustischer Substanz vorhanden ist. Diese grundlegende Eigenschaft erschließt sich beim Test der Takamine spontan mit den ersten Akkorden und Linien und macht die elektrische Seite der Gitarre zunächst einmal vergessen. Ein schlankes, elegantes Hals-Shaping sorgt auf Anhieb für ein angenehmes Spielgefühl, das, unterstützt von den nun erzeugten Klängen, übergangslos in Spielfreude mündet. Lebendige und sonore Bässe verschmelzen mit silbrig-brillanten Höhen, die weich und hell zugleich erscheinen, zu einem dynamischen, sehr harmonischen Sound. Die Baßsaiten und geschlagenen Akkorde vermitteln ein strammes, kompaktes und springlebendiges Klangbild, ja, der Ton kommt schnell und leicht und unterstützt jede Facette im Melodiespiel mit klarer Artikulation. Bei kräftigem Anschlag läßt sich bei einzelnen Tönen schon einmal ein leichtes Sirren" beim Einschwingen der Saite vernehmen, aber das liegt noch im grünen Bereich" und ist ein akzeptables Zugeständnis an die flache und fingerfreundliche Saitenlage. Die Gitarre liegt dank ihrer schmalen Taille sehr angenehm am Körper und erfreut den Spieler mit einer optimalen Spielhaltung, die über das tiefe Cutaway auch die höchsten Bünde noch zwanglos erreichbar macht. Die schon erwähnten Spuren des Gekkos als Intarsien auf dem Griffbrett sind eventuell anfangs etwas irritierend, was das Lokalisieren der Bünde angeht, aber das dürfte nach kurzer Gewöhnung erledigt sein, und zur Kennung sind zudem kleine Dots an den üblichen Stellen in die Oberkante des Griffbretts eingelegt. Was bleibt, ist die geschmackliche Ausrichtung des Gitarristen nach der idealen Klangkonzeption für seine individuelle Stilistik, aber im Klangspektrum hinterläßt die Takamine schon rein akustisch gespielt ein sehr gutes Bild.
Elektroakustischer Klang Angeschlossen macht die Santa Fe dank des ausgezeichneten Accuracoustic-Systems ebenfalls eine gute Figur. Pur" betrieben (Bypass = mit überbrückter Klangregelung) überzeugt die lineare Übertragung mit einem natürlichen Klangbild, das die akustisch so erfreulichen Eigenschaften des Instruments sorgsam überträgt. Auch die immer etwas kritischen Höhen des Piezosystems sind gut steuerbar, und dank der ausgewogenen Bässe lassen sich auch noch gehobene Lautstärken ohne Kopplungsgefahr realisieren. Bei Zuschaltung des Equalizers steht eine enorme Bandbreite der Klangbeeinflussung zur Verfügung, die einiges an Frequenzverbiegung zu bieten hat. Die kurzen Regelwege sind allerdings mit Fingerspitzengefühl zu behandeln, denn die extremen Einstellungen sind wahrscheinlich eher selten gefragt. Es lassen sich sehr gute Abgleichungen an die jeweilige Akustik des Veranstaltungsortes erzielen, und der Trumpf ist die facettenreiche Formbarkeit des in der Wurzel schon sehr gesunden Klangcharakters. Der Equalizer kann auch als Preset für einen zweiten Sound dienen, etwa beim Wechsel vom Begleit- zum Solospiel. Bemerkenswert ist die allgemeine Nebengeräuschfreiheit des Systems selbst bei riskanten Einstellungen. Alles in allem zeigt die Santa Fe, daß auch mit einem piezokeramischen Pickup gute Klangübertragung möglich ist, wenn die akustische Basis stimmt und eine gut abgestimmte Regeleinheit die Arbeit macht.
Fazit Es ist - so das Resumée - möglich, in einem Instrument zwei verschiedene Anwendungsbereiche optimal zu vereinen. Gute Hölzer, zweifelsfreie Verarbeitung und ein stimmiges Konstruktionskonzept führen zu einer Gitarre mit ausgewogenen Klangeigenschaften und lebendiger Tonentwicklung. Hervorragende Bespielbarkeit und ein gutes Pickup-System runden das Bild der Santa Fe Ltd. ab, die sich in der akustischen und elektroakustischen Welt gleichermaßen bewährt. Eine runde Sache, zumal der deutsche Vertrieb in diesem Jahr einen angemessenen Luxuskoffer aus kanadischer Produktion spendiert.
Technische Daten Herkunft Japan Typ Elektroakustik Decke Fichte, massiv Boden/Zargen Koa Hals Mahagoni (einteilig) Griffbrett Palisander Anzahl der Bünde 20 Hals-Korpus-Übergang 14. Bund Halsbreite Sattel 4,2 cm Halsbreite 12. Bund 5,2 cm Lackierung Hochglanz natur Steg Palisander Mensur 644 mm Mechaniken Diecast-Takamine mit Tortoise-Flügeln Elektronik Accuracoustic-System Besonderheiten Cutaway, Intarsien, limitierte Auflage Preis ca. 3.150,- DM, inkl. Luxuskoffer |