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Durchgecheckt Glückwunsch LAKEWOOD, JUMBO ANNIVERSARY Von Ralf Bauer Lakewood-Guitars in Gießen feierte gerade sein zehnjähriges Firmenjubiläum, und zu diesem Anlaß wurden vier spezielle Anniversary-Modelle" mit höchst exklusiver Ausstattung designt. Es sollte natürlich nichts Alltägliches sein, und so ließ sich Firmenchef Martin Seeliger anläßlich des Geburtstages einiges einfallen: In einer limitierten Auflage von jeweils zehn Exemplaren spiegeln diese Gitarren die vielschichtigen Optionen und Korpusformen in der Lakewood-Linie wieder. Eine dieser Korpusformen feiert mit der Anniversary-Reihe ihre Premiere: die Jumbo, ab 1997 auch serienmäßig im Lakewood-Angebot. Bereits bevor Martin Seeliger den Markennamen Lakewood ins Leben rief, waren Instrumente aus seiner Werkstatt erhältlich. Nach Beendigung seiner Ausbildung beim Gitarrenbaumeister Pletz in Taunusstein dauerte es nur ein Jahr, bis er den Weg in die Selbständigkeit suchte und in Gießen ein kleines Musikgeschäft eröffnete, das sich auf akustische Gitarren spezialisierte. Drei Jahre später, mit Erhalt des Meisterbriefes, wurde zusammen mit einem Lehrling die Produktion von Klassik- und Westerngitarren gestartet. Der Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Jahre allerdings immer mehr auf den Stahlsaiten-Sektor. Die Klassiker in der Lakewood-Linie, die Dreadnought und die M-Form, sind heute die Basis im Programm. Neu hinzugekommen sind vor ungefähr einem Jahr die zwölfbündige A-Form und die bereits erwähnte Jumbo. Jede dieser vier Bauformen ist, in einer jeweils unterschiedlichen Ausführung, in der Anniversary-Serie vertreten. Die Jubiläumsmodelle Die Dreadnought besitzt einen Korpus aus türkischem Walnuß und eine Zederndecke. Die Ränder bestehen aus Muschelahorn, das Griffbrett ist ebenfalls aus türkischem Walnuß gefertigt. Ausgesuchtes, altes Rio-Palisander und Zeder wurden beim Grand Concert Modell (M-Form) verwendet, das Griffbrett ist aus Ebenholz, und die Ränder sind aus Eibe. Für die kleine A-Form, mit Zwölfbund-Korpus und dem ausgestochenen Kopf (Slotted Head"), kommen Zypresse und Fichte zur Verwendung, Griffbrett und Ränder bestehen aus Rio-Palisander. Alle vier Modelle besitzen sehr aufwendige Perlmutt-Inlays und Schallochumrandungen, bei der Grand Concert erstrecken sich die Perlmuttränder sogar noch über die Kanten von Zargen und Boden. Zusätzliche Einfassungen und Einlegespäne an der Kopfplatte und am Korpus sowie die Verwendung ausgesuchter Hölzer unterscheiden die Geburtstagskinder schon optisch erheblich von den Serienmodellen und lassen das Herz des Gitarrenliebhabers höher schlagen. Die Jumbo Bei der vorliegenden Testgitarre handelt es sich um die Nummer 1 der 10er-Serie und überhaupt um eines der ersten Jumbo-Modelle aus der Gießener Werkstatt. Die normale" Jumbo-Reihe beginnt übrigens mit der J-14 (Mahagoni/Fichte, ca. 2.500,- DM) und hört bei der J-50 aus geflammtem Ahorn (ca. 4.350,- DM) auf. Die verwendeten Materialien bei der Anniversary Jumbo sind rundum vom Feinsten, sie verleihen dieser Gitarre eine äußerst ansprechende Gesamtoptik. Wunderschönes Muschelahorn wurde für Zargen und Boden sowie Schallochring und Kopfplattenfurnier ausgewählt. Korpus- und Kopfplatteneinfassung bestehen aus Kirsche, abgesetzt mit feinen Spänen. Die helle Fichtendecke ist, wie der Schallochring, mit Perlmutt und feinen Einlegespänen aus Palisander und Ahorn eingefaßt. Leider ist der Palisandersteg optisch nicht unbedingt passend zum Ebenholzgriffbrett ausgesucht, was aber wiederum klangliche Gründe hat: Die geringere Masse des Palisandersholzes sorgt für schnelle Ansprache und zügelt etwas das Sustain, um Klarheit und Trennschärfe zu gewährleisten. Die Verarbeitung ist sauber ausgeführt. In diesem Preisbereich sollten diesbezüglich aber auch nicht die geringsten Kompromisse eingegangen werden. Wie im Jumbobereich üblich, besitzt auch die Lakewood einen Hals aus geflammtem Ahorn; Halsfuß und Kopfplatte sind angesetzt. Überhaupt orientiert sich diese Gitarre - zumindest in der Auswahl der verwendeten Materialien - am Klassiker von Gibson, der legendären J-200. Die Form des Bodys ist allerdings eine gänzlich eigene Kreation von Lakewood, mit einer weniger runden Schulter als gewohnt. Für mich persönlich ist sie in ihren Proportionen absolut stimmig, und irgendwie identifiziert man sie sofort als Lakewood - auch wenn es nicht auf der Kopfplatte stände. Ein typisches Merkmal aller Lakewood-Gitarren, und dies ist auch bei der Jumbo nicht anders, ist die stark ausgeprägte Decken- und Bodenwölbung, und zwar in Längs- und Querrichtung. Diese Wölbung verleiht den Instrumenten zum einen erhebliche Stabilität, zum anderen ist sie ein entscheidender klanglicher Faktor. Die ersten Super-Jumbos, die von Gibson in den 30er Jahren gebaut wurden, waren für diese Zeit von gewaltigen Ausmaßen. Sie besaßen einen kräftigen Hals mit einer 66-cm-Mensur, denn schließlich waren sie für echte Cowboys gebaut, zumindest für solche, die sie auf den Leinwänden der gerade aufblühenden Filmindustrie Hollywoods verkörperten. Die Lakewood ist diesbezüglich eher den heutigen Trends angepaßt, doch hat auch ihr Hals ein kräftiges, flaches D-Profil mit einer Breite von 46 mm am Sattel. Die Mensur beträgt dabei 65 cm. Das persönliche Spielgefühl ist natürlich immer eine extrem subjektive Angelegenheit. Ich für meinen Teil könnte mir ein runderes D" bzw. ein weiches V-Profil für diese Gitarre ebenso vorstellen. Spieler, die eine klassische Ausbildung genossen haben, werden mir da unter Umständen widersprechen, doch steht bei einer Jumbo, die ihre Stärken im Strumming-Bereich hat, Akkordarbeit" meistens im Vordergrund - weniger klassische Grifftechnik. Zum Klang Jede Bauform bringt gewisse klangliche Erwartungen mit sich, und die liegen bei einer Jumbo zunächst meistens im voluminösen Bereich. Trockene, mächtige Bässe, verbunden mit gehöriger Klangfülle und Volumen, machen eine Jumbo zur idealen Gitarre für Liedbegleitumg und Rhythmusarbeit in der Gruppe. Auch die Lakewood empfiehlt sich in erster Linie dafür. Das Spielgefühl insgesamt ist relativ straff, die großflächige Decke macht einen sehr steifen und festen Eindruck. Das Aha-Erlebnis beim Test habe ich, nachdem ich den ersten Satz Medium-Saiten aufziehe. Nun ist es möglich, die Decke in die Schwingung zu versetzen, die nötig ist, um dem Instrument sein volles tonliches Leistungsvermögen zu entlocken. Auch in Sachen Dynamik kann so die gesamte genutzt werden. Der Stahlstab des Halses kann übrigens trotz des hohen Saitenzuges völlig gelöst bleiben - dies spricht für die Stabilität des Ahornhalses. Der Klang erscheint zunächst unheimlich mächtig und voluminös, die Bässe besitzen diese trockene und seidige Charakteristik, wie sie von Instrumenten dieser Art erwartet wird, ohne dabei an Transparenz und Trennschärfe einzubüßen. Sie sind nicht so vordergründig wie die einer Dreadnought, aber dennoch äußerst präsent und ausschlaggebend für den tonlichen Gesamteindruck. Die Höhen zeichnen sich durch einen schneidenden und straffen Charakter aus, der von viel Brillanz und Obertonreichtum geprägt ist. Die Stärke der Lakewood Jumbo liegt für mich klar im Akkordspiel mit Plektrum und in der traditionellen Flatpicking-Technik. Dabei besticht sie durch hervorragende Trennschärfe, Klarheit und großes Obertonspektrum - nicht zu vergessen Klangvolumen und Lautstärke. Fazit Die Jumbo ist ein echtes Flaggschiff im Lakewood-Programm, das in Sachen Größe, Klangvolumen und Lautstärke Maßstäbe setzt. Im Vergleich zu anderen Jumbos zeichnet sie sich vor allem durch erhöhte Klarheit und Trennschärfe im Baßbereich aus. Aufgrund der hohen Deckenspannung ist der Ton aber auch etwas härter geprägt, durch sehr viel Oberton und Brillanz in den Höhen. Absolut gelungen ist die Abstimmung der Hölzer (mit Ausnahme des Steges) sowie die Gesamtoptik. Ich bin jetzt schon sicher, daß sich die Jumbo zu einem festen Bestandteil in der Lakewood-Linie entwickeln wird - die Grundlage ist vorhanden. Wohl den Glücklichen, die sich eines dieser zehn Anniversary-Modelle zulegen können und damit ein echtes Stück Lakewood History" ihr eigen nennen dürfen. Technische Daten Hersteller: Lakewood Guitars, Gießen Modell: Jumbo Anniversary Decke: deutsche Fichte, massiv Boden/Zargen: Muschelahorn, massiv Hals: Ahorn, geflammt Griffbrett: Ebenholz Steg: Palisander Mensur: 650 mm Halsbreite am Sattel: 46 mm Preis: 8.710,- DM, inkl. Koffer Sonstiges: Limited Edition, Nr.1 von 10 |