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Komplettcheck Rauhe Schale Norman ST-40 Dreadnought und Torque T-100AR Akustikverstärker Von Günther Sohn Vor uns liegen zwei Pakete. Das eine enthält eine Akustikgitarre des kanadischen Herstellers Norman mit einem integrierten Fishman-Pickup/Preamp-System. Das andere einen Combo der britischen Marke Torque, der speziell zur Verstärkung akustischer Instrumente oder Mikrofone gedacht ist. Wenngleich beide Produkte von unterschiedlichen Firmen, sogar aus verschiedenen Ländern stammen, haben sie doch einiges gemeinsam: Beide stammen von vergleichsweise jungen Firmen, die dafür bekannt sind, daß sich ihr Angebot im eher erschwinglichen Preisbereich bewegt. Und beide besitzen ein vergleichsweise unscheinbares Äußeres, eine rauhe Schale eben. Ob sich hinter dieser auch der berühmte weiche Kern verbirgt, soll sich im Test zeigen. Und da es so naheliegend war, mußten unsere beiden Kandidaten ihre Qualitäten im Team unter Beweis stellen. Norman ST-40 Die Norman-Gitarren entstammen - wie auch die Art&Lutherie-Instrumente - der Fabrik des Kanadiers Robert Godin. Dieser verwendet für seine Produktion vorzugsweise einheimische Hölzer - der tropische Regenwald dankt es ihm. Alle seine Instrumente, auch die preisgünstigsten, werden inklusive eines hochwertigen Koffers ausgeliefert, so auch die ST-40. Öffnet man das Case, steigt sofort ein extrem holziges Aroma in die Nase, das mit der Bearbeitung des Holzes zusammenhängen mag. Dieses wurde nämlich nicht mit dicken und möglicherweise schwingungshemmenden Hochglanzlackschichten traktiert, sondern mit einer kaum sicht- und spürbaren Lackierung auf Alkoholbasis behandelt, die eher einer Versiegelung gleichkommt und das Holz fast naturbelassen erscheinen läßt. Zusammen mit der nicht deckend lackierten Kopfplatte und den überaus schlichten Verzierungen, wie dem braunweißen Binding und der unauffälligen Schallochrosette, ergibt sich eine recht rustikale Optik, die sich, wie sich noch zeigen wird, im Spielgefühl der Gitarre fortsetzt - was allerdings keineswegs negativ zu verstehen ist. Gut Holz Es bietet sich für Robert Godin die Möglichkeit, für seine "Normans" auf Hölzer zurückzugreifen, die im Schnitt nicht weniger als 800 Jahre alt sind. Im Falle der ST-40 sind dies gesperrtes Mahagoni für Zargen und Boden, Mahagoni für den einteiligen Hals (lediglich Halsstock und Kopfplatte sind angesetzt) sowie Zeder für die massive Decke. Griffbrett und Steg bestehen aus Palisander. Die Decke wird durch ein X-Bracing verstärkt, das in seiner Funktion durch die etwas unsaubere Entgratung sicherlich nicht eingeschränkt wird - also was solls. Schließlich reden wir hier über eine von Hand gefertigte Gitarre, die angesichts ihrer Bestandteile (massive Decke, Fishman-Elektronik) alles andere als überteuert ist, warum also Haare spalten? Und sonst Die Mechaniken tragen keinen Namen, erfüllen ihre Funktion aber gleichmäßig und präzise wie beispielsweise Schaller- oder Gotoh-Modelle. Etabliert ist dagegen der Hersteller des Pickup/Preamp-Systems. Larry Fishman zählt mit seinen Produkten zu den Marktführern im Bereich der Abnahmesysteme für akustische Instrumente. Die ST-40 verfügt über einen im Steg eingelassenen Piezo-Pickup sowie den "Prefix"-Preamp. Dieser wiederum besitzt vier Schieberegler ("Bass", "Contour", "Treble", "Frequency") zur Klangregelung sowie einen Drehregler zur Lautstärkeeinstellung. Eine LED zeigt an, wann die Batterie ausgetauscht werden sollte. Der "Contour"- und der "Frequency"-Regler arbeiten zusammen. Letzterer dient der Anwahl einer Mittenfrequenz zwischen 250 und 10.000 Hz, die mittels des Contour-Reglers verstärkt oder abgesenkt werden kann. Das Batteriefach befindet sich unterhalb der in den Zargen eingelassenen Bedienplatte des Preamps, die zum Erreichen der Batterie pfiffigerweise komplett ausgeklappt werden kann. Die Anschlußbuchse für das Gitarrenkabel wurde in den hinteren (und einzigen) Gurthalteknopf integriert. Angespielt Tatsächlich setzt sich der rustikale Eindruck, den die Gitarre schon optisch (und geruchsweise) machte, beim ersten Anspielen fort. Das beginnt mit der Korpusform - eine Dreadnought ist bekanntermaßen nicht sonderlich zierlich - und setzt sich beim Hals fort, der in seinen recht massigen Dimensionen ziemlich feist in der Hand liegt. Der unverstärkte Klang hört sich schließlich so an, wie man es von einer Gitarre mit solch herzhaftem Spielgefühl erwarten würde: Der Sound besitzt ein enormes Volumen, mit äußerst prominenten Bässen, prägnanten Mitten und weniger präsenten Höhen. Die Lautstärke und die Baßstärke übertreffen meine 68er Gibson J-200 (Jumbo) bei weitem, dafür klingt die ST-40 (bei diesem etwas unfairen Vergleich) in den Höhen weniger filigran und spricht auch nicht ganz so feinfühlig an. Will heißen: Wenngleich man die Gitarre auch leise spielen kann, entwickelt sie ihre Stärken (unverstärkt) vor allem bei kraftvollem Strumming. Es darf also ordentlich hingelangt werden. Aufgrund der massiven Decke darf erwartet werden, daß sich Dynamik und Anspracheverhalten der Gitarre mit regelmäßigem Spiel noch verbessern werden. Das akustische Klangvolumen und auch der Klangcharakter sind für eine Gitarre dieser Preisklasse ausgezeichnet. Torque T-100AR Zur Verstärkung der Norman ST-40 diente im Test der Torque T-100AR, der zunächst einmal durch seine professionelle Ausstattung angesichts eines sehr niedrigen empfohlenen Verkaufspreises auffällt. Wo da der Haken ist, werden manche fragen - na, dann "schaun mer mal"... Das Äußere des T-100AR wirkt tatsächlich, wie weiter oben schon bemerkt, recht schlicht. Nicht, daß er sich in Aufbau und Design wesentlich von anderen Comboverstärkern unterscheidet - es sind nur Kleinigkeiten, die diesen Eindruck ausmachen. So besitzt er kein auffällig gestyltes Logo, die Reglerknöpfe könnten aus dem Elektronikfachhandel sein, und alle sichtbaren Bauteile, von der Regler-Frontplatte bis zu den Kunstoff-Schutzecken, wirken eher wie "von der Stange", als daß man damit einen Designerpreis gewinnen könnte. Dies hat natürlich auf die Funktion keinerlei Einfluß, wohl aber auf den Preis. Insofern kann man das optische Understatement (das dem Geschmack einiger Gitarristen übrigens auch entgegenkommen wird) als "Sparen an der richtigen Stelle" vermerken. Der Combo besitzt zwei Eingangskanäle, die unabhängig voneinander und auch simultan nutzbar sind. Der erste mit der Bezeichnung "Microphone Channel" dient dem Anschluß eines Mikrofons oder eines Line-Signals (Drumcomputer, Tape-Deck o.ä.). Der zweite, "Acoustic Channel" getauft, soll vorwiegend der Verstärkung akustischer Gitarren anheimgestellt werden - obwohl auch der Microphone Channel für diesen Zweck genutzt werden kann. Die Einsatzmöglichkeiten des T-100AR sind entsprechend vielfältig: So ist es möglich, Gesang mit Gitarrenbegleitung zu verstärken, zum Playback zu spielen oder ein Gitarrenduo vernehmbarer werden zu lassen. Der "Microphone Channel" besitzt eine einfache Zweiband-Klangregelung ("Bass", "Treble"), einen Gain-Regler zur Justierung der Eingangslautstärke sowie einen Reverb-Regler zur Einstellung des integrierten Accutronics-Federhalls. Neben einem hochohmigen Klinkeneingang befindet sich ein niederohmiger XLR-Eingang, so daß man in Verbindung mit dem weitreichend ausgelegten Gain-Regler keinerlei Probleme haben dürfte, Anschluß zu finden. Der "Acoustic Channel" besitzt nur einen Klinkeneingang, der aber mittels eines Schalters in seiner Eingangsempfindlichkeit an passive oder aktive Instrumente angepaßt werden kann. Zusätzlich zu den im "Microphone Channel" vorhandenen Bedienelementen besitzt der zweite Kanal eine parametrische Mittenregelung. Das heißt, man kann eine Mittenfrequenz zwischen 85 Hz und 1,35 KHz stufenlos anwählen, die dann mittels des "Paramid Gain"-Reglers um bis zu 19 dB abgesenkt oder bis zu 24,5 dB verstärkt werden kann, womit sich weitreichende Möglichkeiten der Klangbeeinflussung ergeben. In der Master-Sektion befinden sich ein Regler zur Einstellung der Gesamtlautstärke und einer zur Einstellung der gesamten Hallstärke - so ist es möglich, beiden Kanälen unterschiedliche Hallintensitäten zuzuordnen und diese dann in ihrer Gesamtheit zu verändern, ohne daß das Verhältnis zueinander verändert wird. Ein Phasenumkehrschalter hilft bei der Feedback-Bekämpfung. Ganz rechts auf der Frontplatte befinden sich vier Buchsen. Zwei gehören zu einem seriellen Effektweg, eine ermöglicht den Anschluß eines Fußschalters zur (De-)Aktivierung des Halls, an der vierten liegt das Line-Signal zur Weiterführung an eine PA-Anlage oder ähnliches an. Das einzige Bedienelement auf der komplett geschlossenen Verstärkerrückseite ist der Netzschalter. Die Beschriftung der Frontplatte ist, wenn der Verstärker am Fußboden steht, schlecht zu lesen, außer man geht in die Knie. Na ja, Sport soll ja gesund sein. Aufbau und Verarbeitung des laut Torque von Hand gefertigten Combos machen einen grundsoliden Eindruck und geben keinerlei Grund zur Klage. Die abnehmbare, per Klettverschluß angebrachte Frontbespannung ermöglicht im Servicefall schnellen und einfachen Zugriff zu dem 12"-Celestion-Lautsprecher und dem Motorola-Hochtöner. Im Team Beide Testgeräte mußten sich zunächst einmal den Vergleich mit verschiedenen Referenzinstrumenten gefallen lassen, um dann zu zeigen, was sie gemeinsam können. Bei der Norman-Gitarre bestätigt sich, daß der gute Ruf der Marke Fishman nicht unbegründet ist. Das System schafft es, die hervorstechende Fülle und Wärme des akustischen Sounds an den Verstärker weiterzuleiten, wobei es nun möglich ist, die Höhen ein wenig mehr in den Vordergrund zu regeln. Der Klang hat nichts mit dem Piezo-Zirpen gemein, das elektroakustischen Klängen noch vor wenigen Jahren nicht nur Freunde einbrachte. Die durch den großen Korpus und die schön schwingende Decke bedingte Klangfülle wird mit verstärkter Feedback-Empfindlichkeit erkauft, so daß diese Gitarre sich wohl weniger für laute Rockkonzerte als für wirkliche, nicht infernalisch verstärkte akustische Musik eignet. In diesem Umfeld allerdings entwickelt die Norman ST-40 Klangqualitäten, die in ihrer Preisklasse lange zu suchen sind. Ähnliches ist über den Torque T-100AR zu sagen. Seine Features lassen nichts vermissen, was einen professionellen Einsatz ermöglicht. Klanglich kann der Torque mit wesentlich teureren Produkten mithalten, die Ausgangsleistung reicht für seinen Zweck aus. Deutlich höhere Bühnen- oder Probelautstärken sind aufgrund der Feedback-Gefahr mit akustischen Instrumenten ohnehin kaum zu verwirklichen. Lediglich der Federhall kann nicht begeistern. Die ST-40 verstärkt über den T-100AR ergab professionelle Soundmöglichkeiten für den Bühneneinsatz. Insbesondere Singer/Songwriter dürften aufgrund der für Gesangsbegleitungen erforderlichen Klangfülle sowie der Möglichkeit, auch ein Mikrofon anzuschließen, von dieser erschwinglichen Kombination begeistert sein. Fazit Sowohl Norman als auch Torque setzen mit den hier getesteten Geräten in ihrer Preisklasse Maßstäbe. Die ST-40 Dreadnought überzeugt durch ihre enorme Klangfülle, die insbesondere beim Plektrumspiel gefällt. Der T-100AR Akustikverstärker glänzt mit Features und Soundqualitäten, für die man bislang auch einige hundert Mark mehr bezahlt hätte, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Beide zusammen sind eine harmonisch agierende Kombination.
Technische Daten: Norman ST-40 Herkunftsland: Kanada Bauweise: Dreadnought Decke: Zeder, massiv Hals: Mahagoni mit Palisandergriffbrett Boden, Zargen: Mahagoni, gesperrt Bünde: 21 Pickup/Preamp: Fishman Prefix Halsbreite am Sattel: 43 mm Halsbreite am 12. Bund: 54 mm Mensur: 63 cm Mechaniken: geschlossen, no name Preis: ca. 1.200,- DM, inkl. Koffer Torque T-100AR |