In Concert

Peter Green, Oberhausen, Star Club

Er ist wieder da! Der britische Bluesgitarrist, von dem der Großmeister B.B. King einst schwärmte: „Peter Green ist der einzige, bei dem ich feuchte Hände bekomme. Er hat den süßesten Ton drauf, den ich je hörte". Nun ja, feuchte Hände bekommt man heute beim Besuch eines Peter-Green-Konzertes allenfalls noch wegen der fortgeschrittenen Lufttemperatur aufgrund von Überfüllung eines gerade einmal 350 Plätze fassenden Clubs. Dennoch: Wenn auch Peter Green nicht mehr in der Lage ist, so souverän aufzuspielen, wie er es anno 1969 mit seiner Gruppe „Fleetwood Mac" vermochte, wenn er auch nicht mehr dieses schwindelerregende Vibrato produzieren kann, wenn er nicht mehr sein unnachahmliches - und für einen weißen Gitarristen einzigartiges - Feeling für den Blues adäquat auf die Gitarre umsetzen kann, und auch wenn er nicht mehr so beseelt singt wie vor 30 Jahren, auch dann ist es toll, daß man diesen Mann überhaupt noch einmal zu Gesichte bekommt. Drogen, Psychosen und Depressionen setzten dem sensiblen Briten jüdischer Abstammung gegen Anfang der siebziger Jahre dermaßen zu, daß jahrzehntelange musikalische Funkstille das traurige Ergebnis war. Green, der sicherlich außergewöhnlichste und kreativste Bluesmusiker der „John-Mayall-Schule" ist heutzutage nur noch ein Andenken seiner selbst. Redlich bemüht er sich mitsamt seiner fünfköpfigen Band im Starclub, die alten Hits zu reaktivieren: „The Green Manalishi", „Black Magic Woman" (das fatalerweise immer noch von vielen für eine Komposition von „Santana" gehalten wird) und andere Glanzlichter aus vergangenen „Fleetwood Mac"-Tagen, inklusive eines Robert-Johnson-Unplugged-Sets und des vielleicht schönsten Pop-Gitarreninstrumentals aller Zeiten „Albatros". Doch hin und wieder gibt es einen dieser magischen Momente, dann nämlich, wenn der Gitarrist seine halbakustische Gibson mit ihrem cleanen Sound in diese besondere Schwingung bringt, für die er früher gerühmt wurde. Fast schon rührend ist seine augenscheinliche Unbeholfenheit, die sich auch in einem leisen, brüchigen Gesangsvortrag äußert. Und doch vermag Peter Green heute noch mit vielleicht 5 Prozent der Energie, die er einmal hatte, zu überzeugen, sorgt zumindest für einen rundum angenehmen Konzertabend mit Klasse-Evergreens - im wahrsten Sinne des Wortes! Gut, daß er wieder da ist. Gregor Hilden