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Profiglück Goodall Curly Koa Standard Von Gregor Hilden Fotos: Schuhmann Die Redaktion sieht sich schon mit lautstarken Protesten konfrontiert, mit Fluten von Leserbriefen: Wer soll sich denn das leisten können?", Eine Gitarre für über 11.000,- DM - unerschwinglich...". Nun wird ein derart exklusives Instrument wie diese hawaiianische Goodall-Gitarre sicherlich nur einem kleinen, erlauchten Kreis von (Profi-, Sammler-Semiprofi-)Musikern zugänglich werden, aber wenn man bedenkt, was heutzutage bereits ein einfacher Flügel kostet, was man für eine Geige der mittleren Klasse bezahlen muß, relativiert sich die Empörung vielleicht schon ein wenig. Wie dem auch sei: Wir wollten natürlich auch wissen, was die legendenumwobenen Gitarren des James Goodall tatsächlich für einen solchen immensen Anschaffungspreis als Gegenwert zu bieten haben, und ließen uns eine seiner Custom-Anfertigungen für einen Testbericht zukommen. Goodall James Goodall lebt seit einigen Jahren in Kailuia-Kona auf Hawaii. Bereits in den frühen Siebzigern beschäftigte er sich mit dem Bau von akustischen Gitarren, aber auch Barock-Oboen, Dulcimer und English-Hörner enstanden unter seinen Händen. Die Werkstatt war zu der Zeit noch in Kalifornien angesiedelt, und tatkräftig mitgeholfen haben bei der Arbeit so prominente Gitarrenbauer wie unter anderem Bob Taylor (Taylor Guitars), Kim Breedlove (Breedlove-Gitarren) und Greg Deering (Deering-Banjos). Dank eines deutschen Vertriebes sind die Einzelanfertigungen von Goodall in kleinen Stückzahlen nun auch bei uns in Deutschland erhältlich. Angeboten werden drei verschiedene Serien", besser gesagt, drei verschiedene Modelle (Jumbo", Grand Concert" und die vorliegende Standard"), die jeweils mit einer Reihe von Custom-Optionen" (Detailarbeiten und besondere Holzsorten gegen Aufpreis) veredelt werden können (siehe Kasten). Bei unserem Testmodell ist der Grad der Custom-Veredelungen im übrigen schon weit fortgeschritten, was den ebenso exaltierten Verkaufspreis erklärt und überdies auf dem beigelegten verschnörkelten Zertifikat erklärt wird, welches mich vom Erscheinungsbild her spontan an den Meisterbrief meines alten Schuhmachers um die Ecke erinnerte... Goodall à la carte - die Custom-Optionen
Zur Grundausstattung des hier getesteten Modells gehören im übrigen ein Korpus aus Curly (gemasertem/geflammtem) Koa, eine alaskanische Sitka-Fichtendecke und ein Ahorn-Binding am Korpus/Hals. Dies bedeutet, daß die gleiche Gitarre mit einigen optischen Abstrichen bereits für eine Handvoll Dollar weniger zu bekommen ist - sie schlägt in der Grundausführung mit 7.944,- DM zu Buche. Konzept Im Gegensatz zu den anderen beiden Modellreihen der Goodall-Gitarren handelt es sich bei der Standard" um ein eigenes Design/Konzept des Hawaiianers, welches natürlich, wie alle seine Instrumente, in kompletter Handarbeit gefertigt wird. Am ehesten vergleichbar mit einer Dreadnought-Form (Martin) besitzt die Goodall-Standard einen ähnlich großen und tiefen Korpus, der aber an den Schultern und der Hüfte stark abgerundet ist. Auch so etwas hat es bereits in vergleichbarer Weise gegeben und gibt es auch heute noch in verschiedenen Round Shoulder"-Dreadnought-Variationen, etwa von Martin und Gibson, um die beiden bekanntesten zu nennen. Die weichen Rundungen sind, wie auch bei Goodall, keinesfalls aber wegen ausschließlich optischer Gründe geschaffen worden. Unangenehme Resonanzen, wie sie bei Dreadnought-Gitarren im Baß- und Tiefmittenbereich manchmal entstehen, sollen durch dieses Konzept minimiert werden. Zudem ist die Bespielbarkeit, die durch den tiefen Korpus in puncto Tragekomfort bereits zum Äußersten ausgereizt ist, durch das Round-Shoulder-Konzept wieder halbwegs ausgeglichen. Hölzer und Luxus Man kann es nicht anders sagen: Die Auswahl der Hölzer und die Art der Verzierungselemente gleichen einem Gedicht! Angemerkt sei an dieser Stelle, daß James Goodall in der glücklichen Lage ist, die schönsten Koa-Hölzer und die edelsten Perlmuttstücke direkt vor seiner Haustür einkaufen zu können. Unterliegt dieses Holz zudem rigorosen Exportbeschränkungen, so gibt es für die Insulaner möglicherweise günstigere Bedingungen, dort fündig zu werden. Zargen und Boden sind aus wunderschönen Planken bernsteinfarbenen Koas gefertigt (Option AAA-Qualität), welches zudem extrem gleichmäßig gemasert und phantastisch aufregend geflammt ist. Eine leuchtende Perlmuttfuge teilt den Boden in zwei Hälften, und auch am Unterklotz (Zarge am äußeren Ende) befindet sich ein solcher Eye-Catcher". Und man muß wirklich sagen: Für den satten Premium Grade Abalone"-Aufschlag bei diesem Testmodell hat sich der Meister nicht lumpen lassen und allerfeinstes, in allen Regenbogenfarben leuchtendes Perlmutt eingearbeitet. Ebenso propper glänzt es an der Schallochrosette, die mit gleichem edlen Material bedacht wurde. Selbstverständlich lohnt sich der Gedanke, ob derartige Verzierungen notwendig sind. Wer einfach nur in eine gute Gitarre investieren möchte - in diesem Falle sogar in ein Spitzeninstrument - nach Möglichkeit aber ein paar Mark sparen will, sollte sich an das Streichen der Optionsvorschläge halten. Es wurde vom Vertrieb versichert, daß das Grundmodell keinesfalls im Klang Einschränkungen gegenüber den hochdekorierten Varianten beinhaltet. Ebenfalls von höchster Güte (deshalb auch mit Aufschlag versehen) ist die Engelman-Fichtendecke mit einer feinen und dichten Zeichnung und extrem geradem Wuchs. Decken- und Bodenkante sind mit schönem geriegelten Ahornholz eingefaßt - ebenso wie das feine, porenfreie Ebenholzgriffbrett und die mit Ebenholz funierte Kopfplatte. Ein Genuß für den Holzkenner ist das verwendete Mahagoni des Halses. Aus einem Stück wurde dieser geschnitten, samt Kopfplatte und Schwalbenschwanz-Korpusübergang, was eine kostenintensive Bearbeitung des Rohholzes voraussetzt. Jedes, einfach jedes Detail dieser Gitarre ist perfekt durchdacht und ebenso perfekt umgesetzt. Ästhetisch etwa prangt die tiefschwarze Ebenholzbrücke auf der makellosen Decke, zwei Tupfer in Form von Snowflake-Einlagen und die Ebenholz-Bridge-Pins veredeln auch hier das Erscheinungsbild, ebenso wie auf der Kopfplatte das perlmuttene Goodall-Emblem mit seinen zwei Federn und die goldenen Mechaniken mit ihren Perlmuttflügeln, die einen fast aristokratischen Eindruck hinterlassen.
Bespielbarkeit und Klang Keine Frage: Genauso perfekt, wie das Instrument gebaut ist, läßt es sich spielen. Hat man sich einmal an den tiefen Korpus gewöhnt (für Dreadnought-Nutzer ohnehin kein Problem), fühlt man sich beim Spielen dieser Gitarre wie in einen 500er Mercedes versetzt, der selbst bei Tempo 230 sich so steuern läßt, als kutschiere man an einem ruhigen Sonntag mit 80 über die Landstraße. Komfortabel" ist der Ausdruck für dieses Bild. Es ist ein sattes, erhabenes und souveränes Gefühl, diese Gitarre zu spielen, und das liegt zum einen daran, daß der matt lackierte Hals eine angenehme Kräftigkeit, ein optimales, leicht gerundetes Shaping besitzt, und vor allen Dingen daran, daß sich tatsächlich jeder Ton und jeder Akkord so entfalten, wie man es gerade will. Will man es zart und subtil, reagiert das Instrument auf den leichten Anschlag mit ungemein schönen Obertönen und charaktervollen Nuancen, schlägt man Akkorde - am besten mit zusätzlichen Leersaiten - wird dies mit einer Vollmundigkeit quittiert, wie ich es selten zuvor von einer Gitarre gehört habe. Zu guter Letzt darf Gas" gegeben werden. Es sind dermaßen viele Dynamikreserven verborgen, daß ein kräftiger Anschlag tatsächlich auch in einen entsprechend lauten und runden Ton umgesetzt wird. Möchte man beispielsweise beim Abschluß eines Solos in einem kräftigen Lauf gipfeln, ist dies ohne weiteres möglich. Es wird dem Spieler die Sicherheit vermittelt, daß mit dieser Gitarre aus einem unglaublichen Klangpotential geschöpft werden kann, was sich (zumindest in meinem Fall) direkt auch auf das kreative Potential des Musikers auswirken mag. Um den Klang der Goodall noch genauer zu beschreiben, sollte angemerkt sein, daß es sich zwar in der Grundcharakteristik um einen Dreadnought-Sound handelt, dieser aber zusätzlich mit einer unerhörten" Klarheit, Brillanz und Offenheit versehen ist. Kein Baßton wummert", in keiner Lage wird eine Note vernachlässigt (Dead-Spots"), und die angenehme Frische in den Höhen ist letztlich das Klangelement, welches den Gitarristen schier verzaubern will. Stilistisch steht dieser Klang vor keiner Einschränkung - jede Spielart ist dank der enormen Ausgewogenheit des Tonspektrums gleichermaßen gut möglich.
Fazit Hat man diese Gitarre erst einmal in der Hand, kommt man tatsächlich leicht ins begeisterte Schwelgen. Sie ist wirklich ein Traum, und ein solcher wird es wohl für die allermeisten von uns auch bleiben, denn erstens gibt es nur wenige dieser Instrumente, und zweitens wäre da noch die Kleinigkeit mit dem Geld... Es ist immer schwierig, den finanziellen Wert einer Gitarre objektiv einschätzen zu können. Auch ich habe angesichts dessen gemischte Gefühle. Einerseits ist mir wohl noch nie ein so gutes Instrument unter die Finger gekommen, und andererseits bin ich mir trotzdem nicht sicher, ob nicht etwa Herr Goodall in den sicherlich angemessen hohen Grundpreis bereits ein paar seiner kostenintensiven Custom-Optionen gratis einbauen" sollte. Es kann doch eigentlich nicht angehen, daß ein hochglanzlackierter Hals (damit ist die Rückseite gemeint) bei einer 8.000-DM-Gitarre noch einmal mit zusätzlichen 264,- DM zu Buche schlägt, und der Aufpreis für goldene Schaller-Mechaniken anstelle von verchromten macht meiner Meinung nach auch keine 192,- DM aus... Wer sich aber zum Kauf einer solchen High-End-Gitarre entschließen sollte, wird dies vermutlich niemals bereuen - der klangliche Gegenwert, die perfekte Verarbeitung, die universelle Einsetzbarkeit und die Exklusivität dieses Instruments stehen außer Frage - es ist eine Anschaffung auf Lebenszeit.
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