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Mikro-Kosmos Von Matthias Schwarz Ein großer Vorteil der akustischen Gitarre ist ja, daß man sich um Verstärkung eigentlich keine Gedanken machen muß. Ein Griff zum Instrument, und es kann losgehen. Wer aber auf die Bühne will, ist auf die Hörbarmachung seiner Gitarre angewiesen. Akustikgitarren sind nicht leicht zu verstärken. Das liegt am typischen Klang von Gitarren, genauer gesagt an den Obertönen. Obertöne gehen bei der Verstärkung schnell verloren, und das Ergebnis klingt künstlich. Ein weiteres Problem ist, daß Gitarren, verglichen mit anderen Instrumenten wie Schlagzeug, Blasinstrumenten oder Geigen, ziemlich leise sind. Schließlich machen uns auch noch Rückkopplungen zu schaffen. Um ein möglichst gutes Ergebnis zu bekommen, müssen wir daher einigen Aufwand betreiben. Das Mikro Machen wir es uns doch ganz einfach. Wenn man das Signal möglichst genau aufnimmt und so wenig daran manipuliert wie möglich, müßte doch ein optimales Ergebnis erzielbar sein. Nehmen wir also ein möglichst neutrales Mikrofon zum Aufnehmen und geben das Ergebnis linear über die PA raus. Schon gehen die Probleme los. Wohin mit dem Mikro? Je näher ein Mikro an der Gitarre dran ist, desto lauter ist das Signal, das es aufnehmen kann. Wer jetzt raumgreifende Bewegungen mit der rechten Hand oder der Gitarre macht, muß natürlich wissen, wo das Mikro steht, denn gegen ein Mikro zu stoßen, macht verstärkt richtig Lärm. Ein Zusammenstoß zwischen Gitarrendecke und Mikrofon führt neben dem Knall über die Verstärkeranlage meistens noch zu häßlichen Kratzern oder Dellen bei der Gitarre. Einfach erscheint es, das Mikro entfernter aufzustellen. Dann muß man aber die Anlage stärker aufdrehen und lernt das Phänomen des Übersprechens" kennen. Mit ziemlicher Sicherheit hört man dann nämlich das Instrument des Kollegen im Kanal und mit etwas Pech auch noch dumme Kommentare aus der ersten Reihe der Zuhörer. Außerdem fängt man sich allzu schnell eine saftige Rückkopplung ein. Also lieber doch wieder ranrücken. Desweiteren kommt es auch darauf an, wohin das Mikro gerichtet ist. Die erste Idee ist zumeist, das Mikro direkt auf das Schalloch zeigen zu lassen. Allerdings ist der Sound da meistens zu baßlastig. Sinnvoller ist es, das Mikro auf das untere Ende des Griffbretts zu richten. Das klingt oft deutlich besser, hat aber den Nachteil, daß man sich Greifgeräusche einhandelt. Die besten Erfahrungen habe ich damit gemacht, auf eine Stelle etwa zehn Zentimeter unter dem Steg auf das untere Korpusende zu zielen. Aber hier hilft nur Ausprobieren, wie die eigene Gitarre am besten klingt. Es lohnt sich, sich dafür etwas Zeit zu nehmen. Durch einen kleinen Schwenk des Stativs lassen sich Soundunterschiede erreichen, wobei die Ergebnisse weitaus natürlicher klingen als bei dem Versuch, durch Rumschrauben" am Equalizer etwas zu verändern. Welches Mikro Die Wahl des Mikrofons erscheint einfach, schließlich ist auf der Verpackung der Frequenzgang angegeben. Je neutraler, desto besser, könnte man denken. Natürlich ist es auch in diesem Fall nicht ganz so einfach. Der Versuch einer linearen Verstärkung hat nämlich einen gewaltigen Haken. Legt nur einmal eine gut aufgenommene CD eines Akustikgitarristen in die Stereoanlage und dreht den Lautstärkeregler richtig auf, daß die Zahnbürste im Badezimmer mitvibriert und ihr das Klingeln und Klopfen der Nachbarn nicht mehr hören könnt. Ab einem gewissen Punkt wird sich der Klang deutlich verändern (besonders dann, wenn die Polizeisirenen mit im Klangbild zu vernehmen sind...; d. Red.). Das liegt daran, daß das menschliche Gehör nicht linear arbeitet. Einige Frequenzen werden deutlicher wahrgenommen, besonders diejenigen, die früher einmal mit Gefahren verbunden waren. Eine lineare 1:1-Verstärkung ist also schon wegen unseres Gehörs nicht möglich. Nebenbei können wir sicher sein, daß die meisten PAs ohnehin nicht linear übertragen. Damit wäre die Strategie, möglichst genau den Klang der eigenen Gitarre eben lautzumachen" gescheitert. Gehen wir doch pragmatisch vor. Die Frage ist also nicht, wie ich die akustische Gitarre laut bekomme, sondern wie ich einen guten verstärkten Akustikgitarren-Sound zaubere. Dabei sollten uns dann auch fast alle Mittel und Wege recht sein. So ist es unter Umständen sinnvoller, ein Mikro zu wählen, das bestimmte Frequenzen besser überträgt und damit eventuell Schwächen der verwendeten Gitarre überdeckt. Um das richtige Mikro zu finden, hilft nur Ausprobieren. Kondensatormikrofone sind meistens besser für die Abnahme akustischer Gitarren geeignet als dynamische, leider meistens auch teurer. Röhrenmikrofone sind hochqualitativ und sehr geeignet, aber eigentlich für den Bühneneinsatz zu wertvoll. Alternativen Trotz aller Kritik an der Abnahme mit einem externen Mikrofon gibt es keine bessere Möglichkeit, einen besonders natürlichen Akustikgitarrensound zu erzielen. Dazu kommt auch der angenehme Nebeneffekt, daß an der Gitarre nicht rumgebastelt werden muß. Wer mehrere Gitarren oder andere Instrumente spielt, braucht auch nur ein Mikrofon. Alles Gesichtspunkte, die für diese Form der Abnahme sprechen. Allerdings darf es beim Einsatz von Mikrofonen nicht allzu laut auf der Bühne werden, und es sollte Zeit für einen ausgiebigen Soundcheck sein. Es muß auch zur Show passen, wenn der Gitarrist still am Mikrostativ sitzt oder steht. Wer Folkpunk spielt und gleichzeitig Pogo tanzen will, dürfte sich daher für diese Verstärkungsvariante nicht so interessieren. Dann und in vielen weiteren Fällen sind Tonabnehmer schon interessanter. Dazu dann mehr beim nächsten Mal. Wer sich zu dieser Kolumne äußern möchte oder Fragen hat, kann mich per E-Mail unter Matth.Schwarz@t-online.de erreichen. Ahoi! ( Diskussionen sind auch an unserer "Pinnwand" möglich ) |