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Erdig Cort "Earth 200" Von Gregor Hilden Schon einmal gehört, diesen Namen? Vielleicht - denn Cort ist mit seinen nunmehr 35 Produktionsjahren (begonnen als "Teisco-Guitars") eine der ältesten fernöstlichen Gitarrenmanufakturen. Ihre aktuelle umfangreiche Angebotspalette wurde vor einiger Zeit auf den neuesten Stand gebracht. So werden jetzt hochwertige Qualitätsinstrumente in teil- und sogar vollmassiver Bauweise angeboten, und mit dem süddeutschen Instrumentenvertrieb GEWA hat sich für Deutschland ein aktiver Importeur gefunden. Die Fans des Jazzgitarristen Larry Coryell sind bereits seit längerer Zeit mit diesem Fabrikat vertraut, spielt der inzwischen leicht ergraute Altmeister doch eine Cort-Jazzgitarre und eine elektroakustische Jumbo-Streelstring aus gleichem Hause. Der Akustik-Katalog der Firma wurde jüngst um eine interessante Serie bereichert: die "Solid Top Series", womit - Nomen est Omen - bereits verdeutlicht wird, daß es sich um ein Modell der unteren Preisklasse mit einer massiven Decke handelt. Konzept Wieder einmal ist das Konzept der Dreadnought-Steelstring aufgegriffen und variiert worden. Und wenn es so etwas wie Gema-Tantiemen für ein Gitarrendesign gäbe, dürfte die US-Firma Martin es heute wohl nicht mehr nötig haben, überhaupt noch Gitarren zu bauen. Ihr bahnbrechendes Instrumentenbau-Konzept aus den 30er Jahren ist inzwischen von wohl jedem Akustikgitarrenhersteller irgendwann einmal übernommen worden, und die Dreadnought zählt mit ihren fulminanten akustischen Eigenschaften zur beliebtesten "Westerngitarren"-Form überhaupt. Die Cort "Earth 200" ist hinsichtlich ihrer Bauweise ziemlich exakt an das US-Vorbild angelehnt. Der ausladend große und tiefe Korpus (der Body mißt in seiner Breite an der unteren Seite fast 40 cm, an den Schultern 30 cm, die Zargentiefe beträgt knapp 12 cm, und der gesamte Korpus hat eine Länge von knapp 51 cm) ist im übrigen der Grund für den Namen dieses Modells (Dreadnought steht augenzwinkernd für "Schlachtschiff"). Die zweiteilige Decke besteht wie bei Martin aus geradlinig gewachsener Fichte, und mit der Verwendung von Mahagoni für den Korpus greift Cort auf die Tradition des D-18-Modells zurück. An dieser Stelle wird ansonsten ebenso gerne Palisander verwendet, was im Unterschied zu Mahagoni (warmer, runder Ton) einen brillanteren, akzentuierteren Klang ermöglicht. Beide Materialien haben ihre Berechtigung, entscheidend ist in diesem Fall der persönliche Geschmack des Musikers. Ebenfalls aus Mahagoni ist der Hals geschnitten. Für den Halsfuß wurden zwei Teile und für den Hals selbst, inklusive Kopfplatte, ein Teil Mahagoni verwendet. Stilecht sind auch die Verzierungen ausgefallen: Ein exklusives achtfaches Kunststoffbinding umrahmt auf prachtvolle Weise den Body. Eine Entsprechung findet sich an der Schallochrosette, und weitere Einfassungen gibts am Palisandergriffbrett und am Palisanderfurnier der original-kantig geschnittenen Kopfplatte. Ein auffälliges und aufwendig gearbeitetes Holzmuster trennt überdies die beiden Bodenhälften. Nett anzusehen sind im übrigen die Perlmutteinlagen am 12. Bund und an der Kopfplatte der Cort. Alles in allem ein geschmackvolles, nicht zu überladenes Design. Zwei Punkte sollten an dieser Stelle noch angemerkt sein: Das Beleistungssystem, welches die Decke stützt, ist ein handgeschnitztes "scalloped" X-Bracing (die sich nach außen verjüngenden Leisten laufen über Kreuz, siehe Abb.), und ebenfalls nicht gespart wurde bei den Mechaniken. Diese sind hochwertige verkapselte Tuner der Marke Grover. Bespielbarkeit und Klang Immer mehr Hersteller wenden sich wieder ab von dem noch vor Jahren so angesagten Trend der ultraflachen Hälse. Ebenfalls Cort: Der Hals ist ein ordentlicher "Stamm" mit einem kräftigen, runden D-Profil, der aber trotz seiner Masse keineswegs unkomfortabel zu bespielen ist. Im Gegenteil: Viele Gitarristen orientieren sich inzwischen wieder an derartigen Formen, da ein solcher Hals zumeist entspannter zu greifen ist. Freude bereitet auch die Werkseinstellung der Saitenlage. Diese ist auf "Minimum-Action" eingestellt, was bedeutet, daß nur geringster Kraftaufwand erforderlich ist, um etwa das Erlernen von Barrégriffen zu erleichtern. Die angenehme Werkseinstellung wird dennoch nicht mit einem Scheppern der Saiten erkauft - die Abrichtung der Bundstäbchen und die Verarbeitung von Steg und Sattel sind schlichtweg vorbildlich ausgeführt! In Verbindung mit dem werksseitig aufgezogenen 0.10er Saitensatz ergibt sich ein Spielgefühl, das für einen Steelstring-Anfänger oder Umsteiger der klassischen Gitarre geradezu ideale Grundvoraussetzungen bietet. Klanglich wird man zu guter Letzt auch nicht enttäuscht: Im Gegenteil! Die Cort "Earth 200" bietet für ihren (äußerst günstigen) Verkaufspreis von ca. 650,- DM ein geradezu erstaunliches, volles und sattes Klangbild, welches nicht nur runde Bässe offeriert, sondern auch angenehm strahlende Höhen und prägnante Mitten. Selbstverständlich ist aber - und dies sei zur adäquaten Einordnung des Gesagten angemerkt - dennoch der qualitative Unterschied zu etwa einer vollmassiven Gitarre gleicher Bauart zu hören. Für ein Instrument dieser Klasse sollte aber schließlich auch ein deutlich höherer Preis veranschlagt werden. Fazit Die Cort "Earth 200" ist eine perfekte Einsteigergitarre. Sie bietet ein Klangbild, mit dem sich auch verwöhnte Spieler anfreunden dürften (somit auch als Zweitgitarre oder als Alternative zur Klassikgitarre geeignet), und die Bespielbarkeit des Instruments ist von sagenhafter Einfachheit. Lediglich Musikern mit extrem kleinen Händen würde ich aufgrund des kräftigen Halses zu einer Gitarre mit schlankem Neck raten. Die Cort bietet für relativ wenig Geld eine umfangreiche optische Ausstattung, eine sehr solide Verarbeitung und hochwertige Materialien. Was will man mehr...? Technische Daten |