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Königlich? Epiphone EJ-200-CE/VS Von Günther Sohn The King of the Flattops", so vollmundig betitelte Gibson (wohl zum Ärger aller Martin-Fans...) ihr 1937 erstmals erschienenes Jumbo"-Modell. Unbestreitbar königlich war (und ist) das Preisniveau für Gibsons Jumbo-Gitarren - vielleicht einer der Gründe, warum die legendären, oftmals wenig betuchten Bluesmusiker andere Modelle vorzogen. Um auch Gitarristen mit schmalem Geldbeutel den Jumbo-Sound zu ermöglichen, bietet die Gibson-Tochter Epiphone preiswerte, in Korea erzeugte Abkömmlinge des vollschlanken Monarchen an.
Aufbau Das vorliegende Instrument orientiert sich an Gibsons SJ (Super Jumbo") 200, wie sie mit leichten Modifikationen seit 1947 hergestellt wurde. Es wurde aber mit integrierter Pickup-/Preamp-Kombination und Cutaway um zwei moderne Features ergänzt. Traditionell sind dagegen die verwendeten Materialien: Fichtendecke, Ahornzargen und -boden, Ahornhals mit Palisandergriffbrett - ganz wie das Vorbild. Na ja, fast, denn die Decke ist gesperrt, was angesichts des Preises allerdings nicht überraschen sollte. Originalgetreu bis auf das Cutaway sind auch Korpusmaße und Form, was einiges an Klangfülle erhoffen läßt. An Verzierungen wurde nicht gespart. Mit Crown"-Griffbretteinlagen, fünflagigem Binding, leicht abgewandelter Moustache"-Bridge und dem klassischen Blumenmuster auf dem Schlagbrett kommt der asiatische Thronfolger nicht minder mondän daher, als es seinem Stammbaum angemessen wäre. Die Verarbeitung ist der Preisklasse angemessen. Über kleine Lackunreinheiten an der Schalloch-Innenkante oder die etwas grobe Ausführung der Griffbretteinlagen werden einige Käufer wohl hinwegsehen, zumal größere optische oder gar funktionale Mängel nicht festzustellen sind. Sehr gelungen ist der Vintage Sunburst"-Farbton, der dem Instrument einen edlen Anstrich" verleiht.
Elektronik Die EJ-200-CE/VS ist mit einem in den Steg integrierten Piezo-Tonabnehmer und dem Epiphone V"-Preamp ausgestattet. Die Steuereinheit des Preamps wurde in den oberen Zargen eingelassen und beinhaltet neben dem (nur ein bißchen fummeligen) Batteriefach fünf Schieberegler zur Einstellung von Lautstärke, Höhen, Bässen, und parametrischen Mitten. Ein Druckschalter ermöglicht mittels einer LED, den Ladezustand der Batterie zu überprüfen. Im unteren Zargenbereich, kurz unterhalb des Gurthalteknopfes, befindet sich ein Anschlußfeld mit Klinkenausgangs- und XLR-Buchse (sehr schön!). Letztere ist in dieser Preisklasse leider keine Selbstverständlichkeit. Über die Sinnigkeit der Position des Anschlußfeldes allerdings läßt sich streiten, denn bei eingestecktem Kabel ist es kaum möglich, die Gitarre in einem gängigen Gitarrenständer abzustellen.
Bespielbarkeit So ein richtiger König ist natürlich gut genährt, und so macht sich seine Durchlaucht" mit adliger Leibesfülle und vergleichsweise nicht unbedingt leichtgewichtig auf dem Schoß breit. Ganz entgegen der Tradition jedoch, daß entsprechende Monarchen ihren Untertanen meist zur Last fallen, läßt sich die EJ-200 recht bequem bedienen. Großen Anteil daran hat der V-förmige Hals, der bei aller klangfördernden Masse auch kleineren Händen keine Hindernisse in den Weg stellt; ebenfalls der Cutaway, durch den das Spiel auch in höheren Lagen nicht zur Qual wird. Allenfalls die Frage He, Kleiner, wo will denn die große Gitarre mit dir hin?" wird manchen potentiellen Käufer dazu bringen, seine Kaufentscheidung noch einmal abzuwägen...
Klang Akustisch gespielt bereitet die EJ-200 viel Freude. Der Grundton ist warm und rund mit satten Baßanteilen, aber nicht dumpf. Die Höhen sind brillant und in der Detailauflösung nicht ganz so samtig, wie man es von weitaus teureren Instrumenten erwarten würde. Sie verleihen der Gitarre aber ein gutes Durchsetzungsvermögen und fallen auch nicht durch übermäßige, unangenehme Schärfe im Ton auf. Das Sustain ist über alle Lagen gleichmäßig. Aufgrund der Klangcharakteristik empfiehlt sich dieses Modell vermutlich eher für Strummer" als für Picker", da letztere häufig ein ausgeprägteres Mittenspektrum und straffere, drahtigere Bässe vorziehen, und auch die relativ moderate Halsbreite (44 mm am Sattel, 55 mm am zwölften Bund) ist nicht unbedingt auf Fingerstyle-Gitarristen ausgerichtet. Gleichzeitig empfiehlt sich der unaufdringliche, warme Sound für sämtliche Plektrum-Spieltechniken - obwohl natürlich auch Picking-Techniken zu brauchbaren Ergebnissen führen.Verstärkt zeigt sich, daß das Epiphone V"-System durchaus in der Lage ist, den akustischen Klangcharakter der EJ-200 akkurat umzusetzen. Der Sound neigt auch bei höhenlastigen Einstellungen nie zum berüchtigten Piezo-Brizzeln", sondern bleibt stets ausgewogen und warm. Überraschend ist die Tatsache, daß die Testgitarre trotz ihrer beachtlichen Leibesfülle kaum zu Rückkopplungen neigt, und dies selbst bei starken Anhebungen der Baßfrequenzen - da habe ich schon weitaus kleinere Instrumente deutlich hupfreudiger" erlebt. Vielleicht verpflichtet Adel ja doch...? Im Vergleich mit anderen Preamp-Systemen fällt der Lautstärke-Output moderat aus, was jedoch kein Manko sein muß. Der verstärkte Klang jedenfalls ist über jeden Zweifel erhaben und schlägt in dieser Preisklasse manche Mitbewerber aus dem Feld!
Fazit Der asiatische Adlige macht seinen Ahnen keine Schande. Die Verarbeitung ist standesgemäß, die Bespielbarkeit angenehm. Während schon der akustische Sound sehr ansprechend ist, legt die EJ-200-CE/VS von Epiphone verstärkt noch weitere überraschende Qualitäten an den Tag. Wer in die Jumbo-Klasse einsteigen möchte, ob als Haupt- oder Zweitinstrument, dem sei ein Antesten wärmstens empfohlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet.
Technische Daten Epiphone EJ-200-CE/VS Herkunftsland: Korea Decke: Fichte, gesperrt Boden, Zargen, Hals: Ahorn Griffbrett, Brücke: Palisander Steg, Sattel: Kunststoff Korpustiefe: 117 mm Mensur: 650 mm Bünde: 20 Mechaniken: Epiphone/Gotoh Farbe: Vintage Sunburst Empfohlener Verkaufspreis: 1.190,- DM |