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Von kinderleicht..." Peter Bursch Von Gregor Hilden Wer auch immer in den 70er und 80er Jahren mit dem Gitarrenspiel begann, sich für Picking, Folk und Blues interessierte, wird auch irgendwann einmal über Peter Burschs Gitarrenbuch" gebrütet haben. Von kinderleicht bis ganz schön stark" hieß und heißt noch immer das Motto bei diesem Standardwerk. Peter Bursch kann heute auf 17 Lehrbücher zurückblicken, die von ihm konzipiert sind - der Klassiker, das Gitarrenbuch", ist in seiner überarbeiteten Auflage (inzwischen nicht mehr mit der berüchtigten Schallfolie", sondern mit CD-Beigabe) immer noch topaktuell - und kürzlich meldete der Voggenreiter-Verlag die fast schon unglaubliche Rekordauflage von einer Million verkaufter Exemplare dieses Werkes! Mehr als Grund genug, den Lehrmeister der Nation" persönlich aufzusuchen und mit ihm ein Interview zu führen. Peter Bursch lebt in Duisburg, wo er eine private Musikschule aufgebaut hat. Deine Lehrbücher aus dem Voggenreiter Verlag haben sich inzwischen eine Million mal verkauft und du bist als Der Gitarrenlehrer der Nation" bekannt. Wie gefällt dir denn diese Auszeichnung? Peter Bursch: Ja, irgendwann habe ich das halt akzeptiert, nachdem ich mich lange dagegen gewehrt hatte. Es stand irgendwann einmal so in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - und dann hatte ich die Berufsbezeichnung weg. Als Buchautor bist du bei allen Musikern bekannt. Soweit ich weiß, existiert aber außer den Ensembleeinspielungen mit der Band Bröselmaschine" keine CD-Einspielung mit Solo-Gitarrenmusik von dir. Gibt es da Tonträger, oder gibt es den Wunsch von dir, einen solchen irgendwann einmal zu produzieren? Peter Bursch: Doch, die gibt es schon, leider ist dies vor der CD-Zeit" passiert: Meine ersten Akustik-Stücke habe ich damals mit dem Toningenieur Conny Planck aufgenommen, der mich für die Produktion eines Akustikgitarren-Samplers eingeladen hatte - ich glaube, 1974 war das. Aus allen Regionen wurden Gitarristen eingeladen - Klaus Weiland war dabei, Werner Lämmerhirt... ...dann war das das Doppelalbum Acoustic Guitar Szene"... Peter Bursch: Richtig. Da fragte man mich, ob ich ein Stück hätte. Okay, ich hatte zugesagt, bin ins Studio gefahren und habe das Stück aufgenommen. Dann fragte der Produzent: Hast du nicht noch eins?" Am Ende war ich mit vier Stücken auf der Platte vertreten. So ging es dann los. Die Leute fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, neben den Konzerten mit der Band Bröselmaschine" auch Solo-Konzerte zu machen, und so fing dann für mich die Akustik-Phase an, die gegen Ende der siebziger Jahre in einer Solo-Platte für den Pläne-Verlag gipfelte. Gibt es diese Platte auch als CD-Überspielung? Peter Bursch: Nein, Pläne" gibt es nicht mehr, aber ich habe die Rechte an der Platte. Ich könnte sie noch einmal als CD herausbringen, aber bisher habe ich die Zeit dafür noch nicht gefunden. Ich würde gerne auch CDs machen, aber dies ist halt ein Zeitproblem. Ich war auch immer ein Bandmusiker - alleine hat wohl auch Spaß gemacht, aber als ich einmal eine Solo-Tournee über zwei bis drei Monate gemacht hatte, war das eigentlich ganz entsetzlich für mich. Wobei jetzt die Überlegungen schon da sind, wieder mehr Solo-Konzerte zu geben, zumal auch die Nachfragen da sind. Die Gitarrenszene hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Stilistiken wie traditioneller Ragtime und ursprünglicher Folk, wie er noch in den siebziger Jahren gespielt wurde und wie er in deinen Lehrbüchern vermittelt wird, bekamen durch die sogenannte New Acoustic Guitar" eine zusätzliche Dimension. Gibt es Überlegungen von dir, einmal ein Lehrbuch mit diesen neuen Gitarreninhalten und Techniken zu schreiben? Peter Bursch: Ja, zum einen verändere ich ständig meine Bücher. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, ich überarbeite sie alle fünf Jahre, zum Glück macht der Verlag dabei auch mit - was ja schließlich für ihn auch lukrativ ist (lacht). Mache Verlage machen das ja nicht. Die machen ein Buch, das wird dann verkauft, und es soll kein weiteres Geld mehr investiert werden. Ich finde es wichtig, daß man an den Lehr- und Songbüchern immer wieder arbeitet. Der Autor entwickelt sich schließlich selbst weiter, Erfahrung durch den Unterricht kommt hinzu, und dementsprechend gehe ich schon mit der Zeit. Aber konkret ein Buch zu machen über diese ganzen Instrumental-Spieltechniken, ist schon in der Planung und wird auch irgendwann passieren... Der Erfolg dieser Lehrwerke dürfte nicht zuletzt auch auf die leicht verständliche Methodik zurückzuführen sein. Der Schüler wird mit wenig grauer Theorie" belästigt und lernt nicht das Spiel nach der traditionellen Notenschrift, sondern nach Tabulaturen. Besteht dabei nicht auch die Gefahr, daß fundamentale Grundkenntnisse der klassischen Gitarrendidaktik auf der Strecke bleiben? Peter Bursch: Also, die Leute, die meine Gitarrenbücher kaufen, wollen in erster Linie Spaß am Gitarrenspiel haben - Griffe lernen, Lieder begleiten, Anschlagstechniken lernen, mal die Rockmusik, mal die Bluesmusik, Picking oder klassische Stile kennenlernen. Damit sind die meisten eigentlich zufrieden. Diejenigen, die jetzt noch weitermachen wollen, können dies darauf aufbauend sehr viel leichter tun. Wenn ich Schülern, die die Hintergründe kennenlernen wollen, dies dann in Noten zeige, können sie das mit der vorherigen Ausbildung um so besser. Es ist schließlich kein Fehler, wenn man einfach nur Griffe und Tabulaturen lernt - man braucht keine Angst zu haben, dadurch ins Abseits gestellt zu werden und man könne nie mehr die sogenannte seriöse" Musik lernen. Es gab ja auch Leute, die meinten, der Bursch hat was gegen Noten, oder der kann gar keine Noten" etc. Das ist natürlich völliger Quatsch. Enstanden ist das, was ich so mache, aufgrund der Schüler. Wenn du Lust hast, erzähle ich dir, wie das Gitarrenbuch entstanden ist... Gerne. Peter Bursch: Ich hatte bereits in den sechziger Jahren Gitarrenschüler, und ich merkte, daß ich das, was ich gerade selbst gelernt hatte, anderen sehr gut weitervermitteln konnte. Ich kann mich in jemanden hereinversetzen, der etwas überhaupt nicht versteht und dem das Schritt für Schritt klarmachen. Ich hatte also Gitarrenkurse gegeben in Volkshochschulen und Jugendzentren, und die Leute hatten also überhaupt keinen Bock, Noten zu lernen. Die wollten das so lernen, wie ich mir das selbst so herausgehört oder nachgespielt hatte. Na ja, daraus entstand Schritt für Schritt ein didaktisches System, wie ich jemanden von Null aufbauen kann, so daß der irgendwann möglichst so spielen kann wie ich oder noch besser. Dann kam der Wunsch von den Schülern, das, was ich immer an die Tafel geschrieben hatte, in einem Heft zusammenzufassen. Ich sagte zuerst: Ihr seid bescheuert, ich setze mich doch nicht dahin und schreib das alles auf - eine Wahnsinnsarbeit". Die waren aber massiv, und irgendwann ergab sich der Kontakt über einen Freund, der eine Druckerei hatte. Ich habe mich dann an die Schreibmaschine gesetzt, geschrieben und gezeichnet, Fotos zusammengesucht, und am Wochenende haben die Schüler in der Druckerei alle mitgeholfen, die Blätter zusammengetragen, und der letzte hat immer abgeheftet. Das war dann ein Buch mit 80 Seiten, mit allen Spieltechniken, die für mich wichtig waren. Und das Ding ging dann von Hand zu Hand, und immer mehr Leute wollten es haben. Dann fragte ich bei verschiedenen Verlagen nach, zeigte denen mein selbstgemachtes Buch - aber keiner wollte es machen! Es gibt genug Gitarrenbücher", hieß es, auch die Idee ohne Noten" haben die gar nicht kapiert. Es gab dann einen Verlag, der es machen wollte, aber mit Noten. Ich sagte, das sei gar nicht die Idee des Buches. Letztendlich kam ich irgendwie mit Voggenreiter zusammen. Der wollte zuerst auch nicht, aber ich bin hartnäckig geblieben. Na ja, und dann ging es halt los. Wie bist du dann letztlich zum professionellen Gitarrenpädagogen geworden - mit einer klassichen Ausbildung an der Hochschule oder weiter auf autodidaktischem Weg? Peter Bursch: Ich habe in Köln Musikwissenschaft studiert, Schwerpunkt war dort indische Musik. Weil ich seit den sechziger Jahren auch Sitar spiele, hat mich das immer fasziniert. Aber was ich in meinen Büchern vermittle, ist alles autodidaktisch aufbereitet. Gut, ich war auch zwei Jahre Lehrer an einer Gesamtschule, und die Art der Didaktik ist somit durch verschiedene Dinge geprägt, Inhalte entsprechend aufzubereiten. Allerdings: Das, was ich so selbst spiele, hat mir nie jemand beigebracht.- es hat sich entwickelt. Ich hatte halt auch so meine Vorbilder. Und wer war das? Peter Bursch: Zum Beispiel Ry Cooder. Ich hatte einmal die Chance, auf einer Amerika-Tournee mit ihm zusammenzuspielen. Dann gab es einen anderen Gitarristen, der hieß David Bromberg, den ich auch kennengelernt hatte. Von denen habe ich sehr viel gelernt und einiges abgeguckt. Du leitest heute eine Gitarrenschule in Duisburg - orientierst du dich bei den Inhalten der Gitarrenstunden konzeptionell auch an deinen Lehrbüchern, oder wie sieht dein Lehrplan sonst so aus? Peter Bursch: Ja, die Grundlagen sind natürlich durch meine Bücher vorgegeben. Wir bieten aber auch Keyboardkurse, Gesangskurse, E-Baßkurse. Wir haben uns natürlich unsere Dozenten so ausgesucht, daß sie in dieses Konzept passen. Das Wichtigste ist, daß die Stimmung da ist. Wir machen deshalb ausschließlich Gruppenunterricht. Man macht gemeinsame Erfahrungen, lernt voneinander. Das Schönste ist eigentlich, wenn jemand Gitarre lernt und das gar nicht so merkt! Du selbst gibst dort auch Unterricht... Peter Bursch: Ja, ich mache die Gitarrenkurse, weil auch die meisten Leute bei mir Unterricht haben wollen. Mir macht das auch sehr viel Spaß. Insgesamt unterrichte ich zwei Tage in der Woche, und das Unterrichten ist recht vielfältig. Heute noch melden sich die beiden Scorpions"-Gitarristen bei mir, und ab und zu treffen wir uns. Die hatten z.B. eine Tour mit Aerosmith" gemacht und waren von Joe Perrys Slide-Spiel sehr angetan. Ja, und dann haben wir uns zusammen hingesetzt, und ich habe ihnen das Open Tuning erklärt. Dann habe ich ihnen noch ein Video gemacht, mit den Sachen, die ich so spielen kann. Das haben die dann auf ihrer Tournee mitgenommen und haben danach geübt. Das ist übrigens sehr typisch für professionelle Bands, die hören nicht auf zu lernen, und deswegen entwickeln sie sich auch weiter. Welches sind die von dir im Unterricht am meisten festgestellten Fehler, die Gitarristen hinsichtlich der Spieltechnik immer wieder machen? Peter Bursch: Am Anfang gibt es viele Haltungsfehler - besonders, wenn es dann zum ersten Barrégriff geht, das ist so ein Riesenproblem für viele. Da gehe ich sehr vorsichtig mit um und baue das Schritt für Schritt auf. Ich zeige dann, wie man die Greifhand entlasten kann, da gibt es so einige Tricks. Dann gibt es immer wieder rhythmische Probleme: Viele Schüler haben überhaupt kein Problem bei Vierteln oder Achteln - aber wenn man dann Anschläge wegläßt oder Betonungen hineinbringt, dann schwimmen viele. Ich versuche dann klarzumachen, daß der ganze Körper mitspielt. Die Schüler sitzen dann da und swingen mit", klopfen mit dem Fuß. Das körperbewußte Spielen ist eine große Hilfe. So lasse ich in verschiedenen Kursen die Leute auch mal im Stehen spielen und sich dabei bewegen, was sehr wichtig ist. Und siehe da - auf einmal klappt sogar ein Reggae-Rhythmus, oder es kommen bestimmte Betonungen, die vorher nicht gingen. Ich filme die Schüler auch manchmal beim Spiel, was eine sehr wichtige Sache ist. Ein Schüler hat beispielsweise Haltungprobleme und kommt daher mit dem Greifen nicht so recht klar, dann zeige ich ihm auf dem Video, wenn er etwas korrigieren muß. So sieht er sich mit einer anderen Distanz und aus einer anderen Perspektive. Hast du auch den Eindruck, daß sich das spieltechnische Niveau im Fingerpicking in den letzten Jahren beträchtlich gesteigert hat? Peter Bursch: Ja, und vor allem sind die Musiker viel offener geworden. Wenn ich früher einmal das Umstimmen der Gitarre zeigen wollte, interessierte das so richtig eigentlich keinen. Oder als Akustikgitarrist sich mit verschiedenen Rock-Techniken zu befassen, Tapping etc. - das war alles nichts. Heute ist das anders, es gibt weniger Berührungsängste, was ich auch toll finde. Ich habe auch in meinen Büchern immer alle Stilrichtungen zusammengebracht, denn ich finde, daß man auf diese Weise sehr viel lernen kann, um dann vielleicht auch einmal zu einem eigenen Stil zu kommen. Es gibt natürlich auch Musiker, für die es nichts anderes gibt außer beispielsweise das Zupfen, und die auch nichts anderes machen wollen, aber eigentlich ist das doch schade, wenn man nie etwas anderes kennengelernt hat. Die Entwicklung der letzten Jahre kommt mir sehr entgegen, wo sich eben vieles geöffnet hat. Früher war es so, daß ich nicht mit einem Jazzmusiker spielen wollte. Das war für mich Kopfmusik, die mit Gefühl" und Bauch" nichts zu tun hatte. Das war halt verpönt. Anders war es genauso: Die Jazzer wollten nicht mit Rock- oder Bluesmusikern spielen. Das hat sich glücklicherweise geändert. Du hast dich ja ziemlich früh schon sehr breitbandig gezeigt und hast dann selbst vor Stilistiken wie Heavy-Metal nicht haltgemacht. Da gab es doch sicherlich auch Leute, die ein wenig die Nase gerümpft haben...der Bursch macht jetzt auf Heavy Metal"... Peter Bursch: Nein, glücklicherweise nicht. Ich hatte es auch befürchtet. Ich kam Mitte der achtziger Jahre durch verschiedene Projekte in diese Szene herein und ich merkte, da tut sich etwas, das ist überhaupt die einzige Richtung, die sich zu der Zeit weiterentwickelte. Da gab es junge Spieler, die neue Tricks machten, dann kam Steve Vai etc., und das interessierte mich sehr. Was würdest du Gitareneinsteigern für ein Instrument empfehlen? Eine Konzertgitarre oder eine Steelstring? Was eignet sich am besten zum Lernen? Peter Bursch: Ich empfehle immer, mit einer Konzertgitarre anzufangen, weil es für die Finger einfach leichter ist. Meist sind die Anfänger ja jünger, aber auch bei Erwachsenen ist die Konzertgitarre am Anfang vorteilhafter. Nach einer gewissen Zeit entwickelt sich das dann von selbst - entweder sie bleiben dabei, oder sie steigen auf Stahlsaiten um. Es sollte eine stabile Gitarre mit einer massiven Decke sein. Der Hals sollte sich angenehm anfühlen, nicht zu klobig sein und sich gut greifen lassen. Hast du dich schon einmal in einer der neuen amerikanischen Gitarrenschulen, etwa dem G.I.T. oder dem Musicians Institute, umgesehen? Was hältst du von dem regelrechten Boom, der seit etwa zehn Jahren auf diese modernen Schulen losgegangen ist? Peter Bursch: Ich kann das nur unterstützen, nachdem ich mir das selbst angesehen hatte. Ich wurde einmal vom G.I.T in Los Angeles eingeladen, um dort einen Workshop zu machen, und kenne auch einige Gitarrenlehrer dort. Was ich aber kritisierte und was sich mittlerweile auch geändert hat, war eine bestimmte Methode in den achtziger Jahren, die unheimlich auf Technik trimmte. Der Effekt war, daß alle, die von dieser Schule kamen, letztlich gleich klangen. Es wurde halt in der einen Woche Lick 17 geübt und in der nächsten Woche Lick 18. Es ging nicht mehr um die Musik. Ich versuche, den kreativen Prozeß zu fördern. Wenn Schüler z.B. erst vier oder fünf Griffe spielen können, sage ich: Jetzt legt euch doch einmal eine eigene Reihenfolge der Akkorde zurecht". Und anstatt Blowin In The Wind" zu spielen, kommen die dann in die nächste Stunde und spielen mir ihre erste eigene Komposition vor. Das ist so mit das Wichtigste, was man mit Musik erreichen kann. Viele große Gitarristen, wirkliche Unikate und Musikerpersönlichkeiten, haben nie eine Schule besucht... Peter Bursch: Ich denke, das ist heute auch noch so, trotz der vielen Gitarristen. Die meisten Gitarristen, die die Schulen besuchen - und das wurde mir auch von den Lehrern in L.A. bestätigt - spielen für sich, aus Spaß oder spielen semiprofessionell. Sie träumen natürlich von einer Karriere, aber die wenigsten können von der Musik leben. Und das ist auch völlig o.k. Ich finde es vielleicht sogar besser, wenn jemand Musik als Hobby macht, weil mit dem Beruf so viele negative Dinge verbunden sind. |