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Ovation „Balladeer Special" und „Elite Special"

Von Andreas Schulz

 

Kaum eine Akustikgitarren-Marke ruft so unterschiedliche Reaktionen bei den Spielern hervor wie Ovation. „Plastikgitarre", so der verächtliche Kommentar derer, die sich mit dem Roundback-Konzept überhaupt nicht anfreunden können. Auf der anderen Seite gibt es eine große Fangemeinde, die die modernen Hi-Tech-Baukonzepte der Amerikaner interessiert beobachtet und sich an dem eigenständigen und einfach zu kontrollierenden Sound dieser Instrumente erfreut.

Vor allem in Live-Situationen hat die unkomplizierte Handhabung der Ovations schon manchen Tontechniker und Musiker vor Schwierigkeiten bewahrt. Und auch die rein akustischen Qualitäten sind nicht abzustreiten: nicht umsonst findet man diese Gitarren weltweit in Studios und auf Bühnen. Die halb parabolische Form des Lyrachord-Korpus - ein fiberglasähnlicher Verbundstoff - zeugt im Übrigen von einer gewissen Traditionsverbundenheit, ist diese Bauweise doch in historischen Zeugnissen morgen- und abendländischer Gitarrenbaukunst zu finden. Zwei neue Modelle schickt Ovation ins Rennen um die Gunst der Gitarristenschaft: die „Balladeer Special", die Anfang 1999 vorgestellt wurde, und die „Elite Special", die brandneu seit September ‘99 lieferbar ist. Beide Instrumente zeugen vom Bemühen, die rein akustische Klangqualität zu verbessern, um doch noch einige Zweifler ins Lager der Ovation-Fans und -User zu verpflanzen.

Konstruktion

Die beiden in ihrer Grundphilosophie identischen Gitarren verbindet auch eine große äußere Ähnlichkeit, die von den sehr hellen massiven Sitkafichten-Decken bestimmt wird. Die „Balladeer" gehört zur „Round Soundhole"-Serie, während die „Elite" im „Multiple Soundhole"-Design kommt. Dies hat auch Unterschiede bei der Beleistung zur Folge. Die „Balladeer" besitzt ein modifiziertes fächerartiges A-Bracing, von dem sich der Hersteller eine besonders gute Schwingungsentfaltung und ein obertonreiches Klangspektrum verspricht. Dagegen hat die „Elite" die von den Adamas-Gitarren bekannten vielen kleinen Schalllöcher im oberen und unteren Zargenbereich. Dementsprechend kommt hier das ebenfalls fächerartige „Quintad-Bracing" zum Einsatz, das der geschlossenen Decke auch ohne die sonst üblichen Querverstrebungen genügend Stabilität verleiht. Zu erwartendes Ergebnis: ein ausgewogener, lauter und besonders durchsetzungsfähiger Klang. Das einsame Schallloch der Balladeer ist mit einer Rosette aus Nussbaum-Holz umgeben - eine geschmackvolle und ordentlich gemachte Arbeit. Die insgesamt 15 Schallöffnungen der „Elite" sind mit den bekannten blattartigen Epauletten aus Nussbaum, Ahorn, Padouk und Taek eingefasst. Ebenfalls aus Nussbaum ist der Steg, in den die Saiten von hinten eingefädelt werden. Die Deckeneinfassung besteht aus weißem Plastik mit einem dünnen schwarzen Trennstreifen. Leider ist die Kante dieser Einfassung nicht abgerundet, sondern stellt eine recht scharfe Ecke dar, die sich nach einiger Spielzeit recht deutlich spürbar - und sichtbar - in den Auflagepunkt des rechten Arms eindrückt. Um die versprochene Verbesserung der akustischen Klangqualität zu erreichen, wurden die Decken der beiden Instrumente nicht hochglanzlackiert, sondern mit einem Urethan-Wachs imprägniert. Entsprechend natürlich und holzig fühlt sich das Ganze an. Der Lyrachord-Korpus der „Balladeer" ist in der Variante „Deep Bowl" ausgeführt (ohne Cutaway), während die „Elite Special" einen „Mid Depth Bowl" inklusive Cutaway besitzt. Die schon erwähnte Polarisation der Gitarristenfamilie in Freunde und Gegner der Ovations findet sich auch in der Beurteilung der Korpusrückseite wieder. Mancher kann sich mit der Rundung nun gar nicht anfreunden und kämpft permanent gegen das Wegrutschen des Instruments. Andere finden die Formgebung höchst gelungen und begrüßen das im Sitzen und im Stehen einheitliche Spielgefühl. Apropos Wegrutschen: Auch die Kaman-Company hat dieses Problem erkannt und den Korpus an der entscheidenden Stelle etwas angeraut, um einen besseren Halt auf dem Oberschenkel zu gewährleisten.

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Fazit

Beide Gitarren sind hochwertige Instrumente und professionelle Arbeitswerkzeuge mit verschiedenen Einsatzschwerpunkten. Von der Ästhetik her betont natürlich gehalten, überzeugen sie mit einem erwachsenen akustischen Klangbild und Ovation-typischer Souveränität im verstärkten Betrieb. An der Verarbeitung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, und so sollten einige Ovation-Kritiker diese Gitarren antesten, um zu überprüfen, ob sie die Bemühungen des Herstellers um eine verbesserte akustische Klangqualität zu würdigen wissen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6/99