Zukunftsmusik Takamine CD 132 SC Von Gregor Hilden Wenn das der selige Segovia noch erlebt hätte: eine Konzertgitarre mit Cutaway und voll programmierbarem digitalen Preamp inklusive Halleffekten, Equalizer, Feedback-Absorber ...! Die neueste Schöpfung aus dem Hause Takamine verspricht eine kleine Revolution in Sachen Gitarrenabnahme und Signalverarbeitung. Konzept Seit vielen Jahren baut der japanische Hersteller
Takamine bereits elektroakustische Konzertgitarren. Mit DSP Preamp AD-1 Ganz neu und wirklich vielversprechend ist die in der oberen Zarge integrierte Elektroniksektion DSP (Digital Signal Processing") AD-1. Kannte man von Takamine bislang deren hochwertige Preamp-Einheiten, die über die Jahre immer wieder neue Maßstäbe gesetzt hatten, legen die Entwickler mit diesem neuen System tatsächlich ein Vielfaches dazu. Bereits optisch ist der Unterschied zu den früheren Steuereinheiten deutlich zu erkennen: Mechanische Drehregler und Rasterknöpfe gibt es überhaupt nicht mehr - die Bedienung geschieht über 13 kleine Taster, mit der die verschiedenen Computerprogramme ein- und ausgeschaltet sowie verändert werden können. Computerprogramme? Richtig, das AD-1 DSP-System beinhaltet einen kleinen digitalen Rechner, mit dessen Hilfe einzelne Sound-, Lautstärke- und EQ-Einstellungen editiert (programmiert) und abgespeichert werden können. Zehn eigene Programme können erstellt werden, zehn weitere Werksprogramme erweitern die Palette der auf Knopfdruck abrufbaren Settings. Bereits diese Möglichkeit eröffnet die Vision eines bislang nicht für möglich gehaltenen Komforts: Für unterschiedliche Stücke lassen sich im Live-Betrieb - also im Konzert oder im Studio - zuvor ausgeklügelte Sounds in Sekundenschnelle abrufen. Für einen Titel etwa, bei dem die Baßsaiten deutlich zur Geltung kommen sollen, wird ein entsprechendes Programm erstellt - bei einer weichen Bossa-Begleitung vielleicht eine gedämpfte Einstellung mit weniger Mitten, für die Soloparts gibt es durchsetzungsfähige und lautere Programmierungen und, und ,und ... Aber damit nicht genug: Neben der Einstellung und Vorprogrammierbarkeit von Lautstärke, Klang (Baß, Höhen mit Bestimmbarkeit der zu verändernden Frequenz) und einem integrierten Stimmgerät verfügt das DSP-System zusätzlich über verschiedene programmierbare digitale Halleffekte, die sich zu den einzelnen Settings gesellen und sich in Sound und Intensität ebenfalls abspeichern lassen. Ein kleines, sehr verständlich konzipiertes Begleitheftchen informiert über die Handhabung und Bedienung des AD-1 (für den man im übrigen nicht erst einen Computerkurs belegen muß). Gespeist wird das System von zwei Batterien im Mignon-Format, die nach dem Öffnen des Batteriefachs entnommen werden können. Die Betriebsdauer ist mit ca. 8 Stunden angegeben. Praxis Beschäftigen wir uns doch zunächst einmal mit der Gitarre. Die ist aus Holz (!), und das ist auch gut so. Jeder, der bereits einmal eine elektroakustische Konzertgitarre von Takamine spielen konnte, wird mir vielleicht recht geben, wenn ich behaupte, daß diese Instrumente zu den am leichtesten zu spielenden Klassikgitarren überhaupt gehören. Die Saitenlage ist komfortabel flach eingestellt, ohne daß aber irgendein Ton bei hartem Anschlag zu scheppern beginnt; der Hals besitzt ein schön abgerundetes D-Profil, und das Cutaway sorgt bei diesem Modell zudem für ein müheloses Spiel in den höchsten Lagen. Die werkssaitig verwendeten sehr dünnen Saiten verstärken zudem den beschriebenen Effekt der leichten Bespielbarkeit. Einen wichtigen Kritikpunkt gibt es aber dennoch: Es finden sich keinerlei Orientierungshilfen an der Halskante. Gerade im Hinblick auf den möglichen Kundenkreis dieser Gitarre, der sicherlich auch über das Klassik-Klientel hinausgeht, ist es absolut unverständlich, daß auf die üblichen Dots verzichtet wurde. Meine persönliche Meinung ist: Es handelt sich in einem solchen Fall, der auch bei anderen Herstellern immer noch vorkommt (glücklicherweise aber immer seltener) um pure Arroganz und unnötige Wichtigtuerei. Ein richtiger Musiker braucht keine Orientierungspunkte" wird der Hintergrund dieser unsinnigen Theorie sein, denn die Einlage von Plastik-Dots ist nun wirklich eine Pfennig-Angelegenheit. So muß nun improvisiert werden - selbst bei renommierten Klassikvirtuosen sind in Ermangelung entsprechender Einlagen immer wieder aufgeklebte Markierungen zu sehen ... Nun gut, der Ärger verflog dann schließlich beim Spiel dieser Gitarre - es ist nicht nur ein leichtes, auf ihr zu spielen, auch der akustische Klang ist von einer wunderbar angenehmen Linearität und einer kraftvollen Substanz gekennzeichnet. Selbstverständlich wird mit diesem Instrument nicht die Tiefe und Klangstärke einer 10.000-DM-Meistergitarre erreicht, aber das Spektrum ist absolut klar definiert; Bässe, Mitten und Höhen stehen in einem optimalen Verhältnis zueinander, und auch beim Spiel der Diskantsaiten in den höheren Lagen macht es bei einem kräftigen Anschlag nicht einfach nur knack", sondern der Ton entwickelt sich vollmundig und erklingt mit einem überdurchschnittlichen Sustain. Verstärkt Jetzt wird es spannend: Wie läßt sich das AD-1-System handhaben, und wie klingt das Ganze? Zunächst probierten wir, die Elektronikeinheit intuitiv zu bedienen - also ohne in die Anleitung zu schauen. Kein Problem, mit den beiden Tastern Up" und Down" schaltet man zwischen den Werksprogrammen hin und her, die entsprechende Programmnummer wird im Display sichtbar. Zwei weitere Taster sind für laut" und leise" vorgesehen, und in gleicher Weise lassen sich Baß- und Höhenanteile absenken bzw. erhöhen. Der Schalterdruck auf Tune" aktiviert das Stimmgerät - eine Leuchtdiodenkette signalisiert dabei in der Mittelstellung das korrekte Tuning, während die Tonbezeichnung im Display angegeben ist. Fortgeschrittene Funktionen" nennt die Anleitung dann diejenigen Programmier-Einstellarbeiten, die nötig sind, um individuelle Programme zu kreieren, also Hallräume zu bestimmen, den Feedback-Controller abzugleichen und die Frequenzen des Equalizers zu bestimmen. Sämtliche Schritte an dieser Stelle zu beschreiben, würde etwas zu weit führen, eines ist jedoch auch dazu zu sagen: Mit Hilfe des Begleitheftchens ist es sicher nicht schwieriger, mit dem System umzugehen, als einen einfachen Videorekorder zu programmieren. Diejenigen Gitarristen, die bereits Erfahrungen im Umgang etwa mit Multieffektgeräten besitzen, werden ohnehin kein Problem mit der Bedienung haben. Klanglich eröffnet das AD-1 völlig neue Möglichkeiten. Alles, was bisher nur mit einer aufwendigen Anlage, inklusive MIDI-Fußleiste etc., möglich war, läßt sich mit diesem Instrument nun an der Gitarre selbst binnen von Sekunden einstellen. Die Möglichkeiten der Klangbeeinflussung sind enorm: Von der weitestgehend natürlichen Übertragung des Grundsounds der Gitarre bis hin zu spektakulären Sounds mit Kirchenhall-Effekten und extremen Klangeinstellungen sind den Ideen des Musikers kaum Grenzen gesetzt. Vorsichtig umgehen sollte man allerdings mit der Zugabe von Höhenanteilen, da diese den Klang mitunter stark verhärten können. Gute Ergebnisse brachten somit auch Einstellungen des Höhenreglers unterhalb der Mittellinie, wodurch ein weicher, warmer Sound erzielt wird. Der eingebaute Hall ist von guter Qualität - der Standard, der mittlerweile auch bei kleinen digitalen Hallgeräten erreicht wird, ist enorm und überzeugt auch in diesem Fall, selbst bei intensivem Einsatz. Fazit Das AD-1 Preamp-System ist sicherlich eine bahnbrechende Entwicklung. Kaum gab es einen vergleichbaren Komfort für die Bühne. Die Möglichkeit, in Ruhe zehn verschiedene Sound-Presets mit Klang-, Lautstärke- und Effektvoreinstellungen für unterschiedliche Songs zu entwickeln und auf weitere zehn Werksprogramme zurückgreifen zu können, hat es in dieser Kompaktheit und Einfachheit noch nicht gegeben. Der Nobelpreis für Gitarren - falls es einen solchen gäbe - würde in diesem Jahr wohl an Takamine gehen! Technische Daten Herkunft.....................................Japan |