Peter Horton und Slava Kantcheff München, Volkstheater Ich kannte den Gitarristen Peter Horton als munteren Guitarissimo"-Duopartner von Siegfried Schwab und die Pianistin Slava Kantcheff als Hortons hochqualifizierte und virtuose Mitspielerin bei dessen Projekt Symphonic Fingers" - zusammen haben sie zum Beispiel die mich immer wieder faszinierende Platte Poème Musical" (Phono) aufgenommen. Ich freute mich also auf einen kurzweiligen Konzertabend von zwei Könnern. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Dabei hätten die beiden gar nicht besser beginnen können: Der klassische Cosmic Guitarman" war schon im Programm von Schwab und Horton ein bewährter Dauerbrenner. Zunächst hatte ich aber Schwierigkeiten, die Komposition überhaupt klar erkennen zu können, denn Hortons klassische Gitarre war mit allen möglichen und unmöglichen Effekten zugekleistert. Unendliches Wabern. Irgendwann kam das Stück dann aber doch zum Vorschein, und Hortons Frau setzte mit dem Klavier ein, flüssig und flink gespielt, aber irgendwie ausdruckslos und kühl. Wie Routine. Schlimmer war es zu sehen, daß Horton sich permanent, ich wiederhole: permanent(!), verspielte. Mindestens jeder dritte Ton ging in die Hose. Es schnarrte, klirrte und ächzte, daß jedem Gitarrenlehrer die Tränen in Strömen gekommen wären. Das mögliche Lampenfieber ist nun mal nicht das alleinige Vorrecht von gymnasialen Schulbands. Auch professionelle Musiker müssen manchmal erst warm werden, bevor sie in die vollen gehen können. Bei Peter Horton ging an diesem Abend aber leider gar nichts. Der in Südmähren geborene Sänger und Gitarrist, der dem breiten Publikum durch seine beim ZDF bzw. ARD gelaufenen Sendungen Café im Takt", Hortons Bistro" und Hortons kleine Nachtmusik" ein fester Begriff geworden ist, spielte, als hätte er sich vor dem Auftritt alle zehn Finger in der Toilettentür gequetscht. Keine Lust? Jedenfalls erging sich der einstige Sängerknabe nur leidenschaftlich in seinen langatmigen Ansagen, die wohl so etwas wie Wiener Charme unter die Leute im Volkstheater, das nur zu einem guten Sechstel gefüllt war, bringen sollte. O-Ton: Ich habe die typische österreichische Karriere fast vollständig durchlaufen. Sängerknabe, Ministerialdirektor, nur die Lipizzaner habe ich ausgelassen." Hahaha! Lange nicht mehr so gelacht. Aalglatt holte Horton die plattesten Schmeichel- und Schleckzoten aus der Tasche; das kann jeder Kaffeefahrten-Conférencier glaubwürdiger. Zu allem Übel las er auch noch etwas Witziges" aus seiner Autobiographie vor. Dann kam der Albatros" - und mit dem Albatros" wieder eine überaus bemerkenswerte Ansage: Er ist ein erlesenes Geschöpf des Windes und der größte Meeresvogel der Erde. Sein Lebensraum ist die stürmische Grenzenlosigkeit über dem südlichen Polarkreis. Mit seiner Flügelspannweite bis zu vier Metern ist er ein Tänzer über den Wassern von erhabener Majestät." Das mag ja alles sein. Aber wenn man einmal von dem esoterisch verunglückten Sprachduktus absieht, klang der Albatros" an diesem Abend eher wie einer, den man am Strand mit armdicken Seilen gefesselt hat und der hilflos um Rettung quiekt. Keine Rettung in Sicht, jedenfalls nicht bei Horton/Kantcheff. Zwar klang die elektroakustische Konzertgitarre von Avalon Paradis, die Horton bei diesem Stück einsetzte, interessant, und das Subbaß-System fuhr einem schön in die Magengrube, aber das machte das erbärmliche Vogelstück nicht viel besser. Es kam noch schlimmer. Horton sang das Lied Auf der anderen Seite des Lebens" - und dabei schmunzelten die Leute über den dünngeistigen Scherztext, wie sie es wohl auch beim Musikantenstadl" getan hätten. Slava Kantcheff las noch stolz ein Märchen vom Peter" vor, der dazu ebenso sinnlos wie hallreich auf der Avalon" klimperte, dann spielte sie wie ein stahlkalter Automat Frédéric Chopins Impromptu in Cis-Moll; beide schmolzen beim grenzenlos kitschigen Loving Hands", das Schuberts Ave Maria" (auch das noch!) verbrät", wie Wachs dahin. Es hätte nur noch gefehlt, daß vom Himmel Tränen der Freude getropft oder aus dem Flügel tausend weiße Tauben geflattert wären. Nachdem Kantcheff ihre Vision kundgetan hatte, jeder im Publikum würde eine CD kaufen, setzte sich Horton zu ihr an den Flügel - für ein Elvis-Presley-Medley, für das beide so schnell als möglich ins nächste Jailhouse" gehören. Nichts wie raus hier! Die Pause nutzte man zur frühzeitigen Flucht. Es war nicht mehr auszuhalten. Draußen blieb nichts anderes als festzustellen, daß ich soeben das schlechteste, peinlichste, niveauloseste und unerträglichste Konzert meines Lebens gesehen hatte. Andreas Fuchs |