Bücher und CD´s

Videos

Tuck Andress

„Fingerstyle Mastery" (Hot Licks VGT 153)

Nur wenige Gitarren-Lehrvideos dürfte es geben, auf denen zumindest anfangs so viel gesprochen und so (relativ) wenig gespielt wird. Doch wer dieses Lehrwerk des Walking-Bass-Kings damit schon als unvorbereitetes und unsystematisches „Blabla" abtun möchte, liegt völlig daneben: Der Kalifornier mit den unglaublich flexiblen Händen hat eine Menge zu sagen. Er ist ein glühender Verfechter absoluter Freiheit, Beweglichkeit und Polyphonie auf dem Griffbrett - und die spielt sich, wie er eindringlich erläutert, zuallererst im Kopf ab. Nicht an die Gitarre zu denken, sondern an die Band, deren Groove man mit der Gitarre imitieren möchte, empfiehlt er, und seine Lehrstunden betrachtet er als Gelegenheit, seinen Schülern (auch denen vor dem Bildschirm) seine eigenen langen Lehrjahre in „200 bis 300 Bands" drastisch zu verkürzen. In bewundernswerter Konzentration und Systematik führt er (erklärtermaßen nicht in erster Linie Jazzer, aber überzeugt von der Nützlichkeit mancher Jazztechniken) von den Grundlagen des Walking Bass und seiner Umsetzbarkeit auf der Gitarre (anhand einer einfachen Akkordfolge) zu einem Blues und dann langsam zu mehrstimmigen Grooves, bei denen er schließlich genau das weitergibt, was er sich zu Bandzeiten in Ermangelung von genügend Mitspielern mühsam selbst beibringen mußte: Er spielt in einem Funk-Riff Baß, Klavier, zwei Gitarren und den Backbeat vom Schlagzeug gleichzeitig (und erklärt die Techniken der rechten Hand, mit denen man sich solches erleichtern kann). Daß das Niveau hoch ist, versteht sich; dafür klingt aber auch nicht ein einziger Ton in 90 Minuten nach bloßer Technik-Etüde, und der Mann mit der blonden Gibson Archtop vermittelt ganz nebenbei unglaubliche Griffmöglichkeiten mit dem Daumen, unglaublich schöne Akkorde (oft in lupenreinen Nahaufnahmen), tolle heiße Licks und - sehr viel Freude. Michael Lohr

Lehrbücher

Norbert Roschauer

„Bluesguitar 2" (KDM Verlag, 122 S., inkl. CD)

AKUSTIK GITARRE Bluesworkshop-Autor Norbert Roschauer hat wieder zugeschlagen: Nach „Einstieg Bluesgitarre", „Bluesguitar" und „Slideguitar" (alle KDM Verlag) kommt nun mit „Bluesguitar 2" ein weiterer Band, gefüllt mit den Roschauer-typischen, traditionellen Bluesmaterialien. Es lassen sich die Grundlagen für eine authentische Bluesbegleitung und solistische Konzepte erarbeiten, wobei die wichtigsten Grundakkorde, Kenntnisse über Bluesschemen etc. bei dem Anwender dieses Buches vorausgesetzt werden. Spektakuläre Gitarrentricks, Highspeed-Picking und ähnliches mehr läßt sich auch mit dieser Schule nicht erlernen - dafür essentielle Basistechniken, die eine solide Grundlage für einen späteren persönlichen Stil darstellen. Die sauber und langsam eingespielte CD ist dabei eine ideale akustische Ergänzung zu den verschiedenen Kapiteln (Rhythmus, Solo, Open Tuning, diverse Tonarten). Gregor Hilden

Felix Schell

„Open Tuning Chordbook" (Schell Music, 48 S.)

Akkordtabellen und -Sammlungen gibt es nun wahrlich zu genüge. Wer jedoch in Open Tunings (offenen Stimmungen) spielt, hatte bislang kaum Möglichkeiten, auf Werke in deutscher Sprache zurückzugreifen. Der vorliegende Band bringt die 400 wichtigsten Akkordgriffe und Tonleitern aus fünf Open Tunings (D, E, G, A, Dm), sauber und übersichtlich mit Hilfe von Griffbrettdiagrammen plus einer Reihe von Erklärungen zu den einzelnen Stimmungen. Das Probieren dieser Griffe ist bereits in höchstem Maße inspirierend - wo man bislang eher zufällig auf die Griffe in den verschiedenen Stimmungen gestoßen war, bekommt man in diesem Heft nun eine Fülle von neuen Greifideen inklusive der Bezeichnung des jeweiligen Akkordes vorgelegt. So ist der Band als Nachschlagewerk und Arbeitsbuch gleichermaßen geeignet und - das ist gerade bei diesem Thema von Wichtigkeit - gänzlich ohne Noten! -gh-

Joachim Vogel

„Jazz Guitar Secrets/Jazz-Improvisation für Spezialisten"

(100 S. inkl. CD, AMA Verlag)

Dieses Buch wendet sich an alle, die mehr über die Improvisation im Jazz erfahren möchten. Als Grundlage setzt der Autor allerdings die Beherrschung der Basisakkorde der II-V-I-Kadenz voraus wie auch die Fähigkeit der Improvisation darüber. Wem dieses nötige Rüstzeug noch fehlt, dem sei eine Beschäftigung mit „Jazz Guitar Basics" des gleichen Autors empfohlen. Unterteilt ist das Buch in sogenannte „Tools" (Werkzeuge), was die Absicht des Autors unterstreicht, ein praktisches Lernbuch anzubieten. Somit nimmt den meisten Platz des umfangreichen Stoffangebotes auch der Bereich Notation/Tabulaturen ein.

Die Inhalte, die vermittelt werden, umfassen z.B. Akkordsubstitute in Dur/Moll, Akkorderweiterungen, Pentatonik und Turnarounds. Allerdings beschränkt sich J. Vogel nicht nur auf eine Vermittlung von theoretischen Dingen, sondern koppelt die Theorie eng an die Praxis. So findet sich zum Abschluß nahezu jeden „Tools" eine kleine Komposition des Autors, die den jeweils behandelten Stoff enthält und dessen Erlernen die kleinen Erfolgserlebnisse bereithält. Bereits im zweiten „Tool" wird eine dieser Kompositionen angeboten, die eine praxisorientierte Anwendung des Gelernten ermöglicht. Positiv ist anzumerken, daß die jeweiligen Tools nicht unbedingt aufeinander aufbauen, so daß ein Querlesen bzw. Querspielen ohne Probleme möglich ist. Im letzten Kapitel werden Improvisationskonzepte dargestellt, wie z.B. Motion & Tension oderTargeting (Anvisieren), die es ermöglichen, die gelernten Bausteine in eine eigene musikalische Sprache umzusetzen. Ergänzt wird das Buch durch eine hervorragend produzierte CD (ca. 42 Min. Spieldauer), die neben den Beispielen auch Playbacks zur eigenen Improvisation bietet. Es macht wirklich Spaß, sich mit diesem Unterrichtswerk zu beschäftigen, das voll mit Dingen ist, die es sich lohnt anzuschauen und zu lernen. In der Summe kann dieses Buch jedem empfohlen werden, der mehr über die Improvisation (nicht nur im Jazz) lernen möchte. -wn-

Darly Runswick

„Arrangieren Rock, Pop, Jazz"

(268 S., Schott)

Da hat man sich ein paar Jahre mit seinem Instrument auseinandergesetzt, kann die wichtigsten Spieltechniken, Noten und Songs, und in der Zwischenzeit haben sich eine Reihe eigener Ideen, Riffs und Melodiefetzen angesammelt, die nun endlich verwertet werden sollen - Arrangements müssen her. Aber woher weiß ich als Gitarrist, wie bspw. mein Schlagzeuger oder Keyboarder spielt und welche Sprache ich sprechen muß, damit er meine Ideen auf seinem Instrument umsetzen kann? Genau an dieser Stelle setzt Darly Runswick an. Sein nach Instrumentengruppen (Vocals inkl. A-cappella, Rhythmusgruppe, Drums, Perkussion, Baß, Tasteninstrumente, Gitarre, Perkussion, Blech- und Holzbläser, Streicher, Jazz-Arrangement, Lead-Sheet, Partitur) geordnetes Nachschlagewerk (inkl. umfangreichem Index) gibt in knapper Konzentratform Auskunft über Tonumfang, Notation, typische Spielweisen und Grenzbereiche, Instrumentenbeschreibung, stiltypische Phrasen und Riffs etc. Das 10seitige Gitarrenkapitel rät bewußt vom Anwenden der Tabulaturschreibweise ab (?!), umfaßt darüber hinaus aber knappe Erläuterungen zu Griffbild-Darstellungen, Gitarreneffektgeräten, Lead- und Rhythmusgitarren, E- und A-Gitarren und verwandten Saiteninstrumenten, wobei klassische Gitarristen nicht besonders gut wegkommen: „Klassische GitarristInnen sind jedoch meist hoffnungslose Fälle, wenn sie Popmusik spielen sollen (...). Sie können keine Akkordsymbole lesen und nicht improvisieren - sie können sich sehr un-funky anhören." Abgesehen von solchen (unsinnigen) Verallgemeinerungen hält das Buch aber eine ganze Reihe brauchbarer und interessanter Tips, Fakten und Ratschläge bereit. Thomas Schulte-Ebbert

Manfred Hilberger

Das Rock- & Pop-Business

(172 S., Voggenreiter, inkl. CD-Rom)

Marlis Jahnke - Der Weg zum Popstar (173 S., Schott)

Zwei verschiedene Titel, die viele Gemeinsamkeiten beinhalten. Neben der rein musikalischen Seite werden Musiker ab einem bestimmten Zeitpunkt nämlich auch mit außermusikalischen Randgebieten konfrontiert. Dazu muß man noch nicht einmal vor seinem ersten Plattenvertrag stehen, es genügt bereits das Bevorstehen des allerersten Gigs oder die Produktion eines Demo-Tapes! Hier werden schon die ersten konzeptionellen Unterschiede beider Bücher offenkundig: Während bei Jahnke die zuletzt genannten Bereiche zugunsten eines anderen Schwerpunktes stark vernachlässigt werden, widmet Hilberger über ein Drittel seines Buches den Aktivitäten vor dem ersten Plattenvertrag. Es geht um Basisfakten und -ratschläge von der Schallisolation des eigenen Proberaums über technische und finanzielle Eckdaten der Demoproduktion, Homerecording (inkl. Equipment sowie Aufnahmetechnik bei Schlagzeug, Keyboard und Gitarre), CD-Produktion, Infoblatt-Erstellung, Konzertplanung (inkl. Gastspielvertrag), Konzertwerbung, Live-Equipment, Konzertaufbau, -soundcheck und -ablauf bis hin zum Gehörschutz für Musiker. Im zweiten Drittel widmet sich Hilberger dem Musikverlag, dem Verlagsvertrag, Plattenverkäufen, Produzenten, Managern ,GEMA, GVL, Radio, Rechtsgeschäften, Versicherungen und der Künstlersozialkasse. Das letzte Drittel bildet der Anhang, mit umfangreichen Branchenadressen, Literaturhinweisen und einer umfangreichen Kopiervorlagensammlung vom CD-Booklet über den Spurenplan im Tonstudio bis hin zu diversen Musterverträgen (z.B. Plattenvertrag, Gastspielvertrag, Lizenzvertrag etc.). Als Sahnehäubchen liegt Hilbergers Buch eine CD-Rom bei, auf der nicht nur der komplette Buchtext enthalten ist, sondern die ebenfalls sämtliche Kopiervorlagen beinhaltet, die zum Drucker oder als Dateiimport zwecks Modifizierung in die hauseigene Textverarbeitung geladen werden können.

Marlis Jahnkes „Weg zum Popstar" hält sich nicht mit den Basisfakten und -ratschlägen zur Organisation des Proberaums auf. Hier geht es von Anfang an um die Strukturen und Hierarchien in der gesamten Tonträgerindustrie, kurzum: um die Frage, wer von wem abhängig ist und wer für was zuständig ist sowie um die manchmal alles entscheidenden Verhaltensmaßregeln bei Person X oder Y, musikbusinessbezogene Regeln der guten Kinderstube sozusagen. Als langjährige Artist & Repertoire- und Produktmanagerin beschreibt sie dabei im lockeren Plauderstil anhand einer ganzen Reihe von „Prominenzfällen" die komplexen betriebswirtschaftlichen Bindeglieder, mit denen man auf dem Weg zum „Popstar" konfrontiert werden kann. Nach einer Marktanalyse zur Popmusik (z.B. „Heavy Metal meets Volksmusik") begegnet man im ersten Teil des Buches dem Talentsucher bzw. -entdecker, dem sogenannten A & R, der einen im glücklichsten Fall zum Produktmanager (PM) weiterreicht, damit man dann nach erfolgreichem Durchlaufen der Promotion- und Werbeabteilung das neu gestylte (Musik-)Produkt mittels Vertrieb dem Publikum kommerziell zugänglich machen kann. Danach geht es thematisch ähnlich wie bei Hilberger um die Demoproduktion, diverse Vertragsgestaltungen (z.B. Bandübernahmevertrag, Künstlervertrag, Label-Deals, Vertriebsdeals etc.), den Musikverlag, GEMA und GVL. Im zweiten Teil des Buches widmet sich Jahnke den wenigen, denen tatsächlich ein Hit gelingen sollte. Ohne ein Rezept mit Erfolgsgarantie zu geben, werden Eckdaten und Voraussetzungen genannt (bspw. Zielgruppenorientierung, Produktverpackung, Kostenkalkulation beim CD-Umsatz, Funk und Fernsehen, Fachpresse etc.). Ein Glossar und eine Literaturliste vervollständigen dieses Werk.

Resümierend ergänzen sich beide Werke in gewisser Weise, da Hilberger einen idealen Einstieg in die Rock & Pop Businessmaterie bietet, die im Detail anhand der Analyse betriebswirtschaftlicher Tonträger-Industriestrukturen von Jahnkes „Weg zum Popstar" fortgeführt werden. Thomas Schulte-Ebbert

Andy Manson

Talking Wood - A Guitar Maker´s Diary

(137 S., inkl. CD, R&D Associates)

Wer ist Andy Manson? Hierzulande nur den Insidern bekannt, ist er einer der profiliertesten Akustikgitarrenbauer Englands. Zu seinen Kunden gehört die gesamte englische Pop- und Rockszene, so hat er Instrumente gebaut für Jimmy Page, John Paul Jones (beide ex-„Led Zep"), Ian Anderson, Martin Barre (Jethro Tull), Andy Summers (ex-„Police"), Acoustic Alchemy, Mike Oldfield und viele andere. Sein jüngstes Baby ist das vorliegende Buch „Talking Wood", im Hardcover-Format (21 x 29 cm) mit 680 Farbfotos und einem Vorwort von John Paul Jones. In Tagebuchform wird über zehn Monate sein Arbeitsalltag verfolgt, von Mai ‘96 bis März ’97; die Entwicklung der in diesem Zeitraum gebauten Instrumente wird von den ersten groben Holzteilen bis zum fertigen Schmuckstück in Text und Bildern dokumentiert. Überhaupt, die Bilder. Mehr noch als der Text vermitteln die hervorragenden Fotografien einen äußerst sinnlichen und greifbaren Eindruck von der Arbeit und der Philosophie Mansons. Gitarren oder Teile davon in allen Fertigungsstadien, bautechnische Einzelheiten, Details von Holzbearbeitung und optisch reizvollen Verzierungen, man meint fast, dabeizusein und die Teile in die Hand nehmen zu können. Der Text des Buches ist komplett in Englisch, allerdings auf einem leicht verständlichen Sprachniveau, keinesfalls literarisch, eher der Alltagssprache entnommen. Leser mit durchschnittlichem Wortschatz können es durchaus flüssig lesen, ohne ständig im Wörterbuch nachschlagen zu müssen. Der Tonfall ist sehr persönlich, mit einem hintergründigen Humor und einer gewissen Selbstdistanz, eben „very british". Beschreibungen von im Bau befindlichen Instrumenten und Arbeitsabläufen wechseln sich ab mit familiären Anekdoten, Geschichten mit und von seinen Kunden und Betrachtungen zum englischen Klima. Dazwischengestreut sind immer wieder interessante und individuelle Gedanken zu besonderen Aspekten des Gitarrenbaus, zu Hölzern, Konstruktionsdetails oder der Instrumententradition. Für Gitarristen, die sich für die handwerkliche Seite der Gitarrenbaukunst interessieren, kann dieses Buch sehr aufschlußreich sein. Es ist kein Lehrbuch und keine technische Anleitung, sondern höchst subjektiv und gerade deswegen ansprechend. Nach der Lektüre und dem wiederholten Studieren der Abbildungen dürften sich auch einige Fragen zur Preisgestaltung von komplett handgefertigten Instrumenten relativiert haben. Das Buch ist erhältlich über: Andy Manson, PO Box 31, Crediton, Devon, EX17 4YS, England, UK. Andreas Schulz

 

CDs

Acoustic Unit

„Acoustic Unit" (inak/in-akustik)

Viele Gitarrenfans werden auf diese Platte gewartet haben: Nach langer Schaffenspause meldet sich Dagobert Böhm mitsamt seiner „Acoustic Unit" und einer neuen CD zurück. Böhm ist seinem Stil treu geblieben; folkloristische Elemente mischt er mit jazzigen Tupfern zu einer entspannt gespielten und entspannenden Instrumentalmusik, die ebenso leicht zu konsumieren wie anspruchsvoll ist. Zehn Eigenkompositionen und eine Adaption/Interpretation des Horace-Silver-Titels „Peace"auf der Solo-Jazzgitarre finden sich auf „Acoustic Unit" und - anders als bei vielen Gitarrenplatten - räumte der Bandleader und Komponist seinen Mitmusikern viel Platz ein; die Gitarre ist dabei geschmackvoll dezent eingebettet, und vor allem Saxophonist und Flötist Tony Lakatos darf nach Herzenslust in der ihm eigenen lyrischen Art über die schmeichelnden Themen improvisieren. Baß und Perkussion fügen das akustische Bild schön zu einem Ganzen. Für einen hartgesottenen Jazzer mag das vielleicht schon eine Spur „zu schön" sein, dennoch ist diese Musik nicht ohne Tiefgang. Dagobert Böhm spielt außergewöhnlich souverän und abgeklärt auf seinem Instrument. Von Hektik oder Virtuositäts-Beweislust ist hier gänzlich nichts zu spüren. Die lange Arbeit hat sich gelohnt. Gregor Hilden

Jim Hall

„By Arrangement" (Telarc Jazz/in-akustik)

Große Gitarristen wie Pat Metheny u.a. schwärmen von seinem Spiel, nennen ihn im Zusammenhang mit ihrem stärksten musikalischen Einfluß: Jim Hall ist bereits jetzt so etwas wie eine lebende Legende der Jazzgitarre. Aber anders als bei manch anderen Legenden ist dieser Musiker auch im fortgeschrittenen Alter so kreativ wie zu seinen besten Zeiten. Mit dem neuen Album „By Arrangement - New Arrangements & Compositions" läßt der 1930 geborene Gitarrist aus Buffalo, NY seinem jugendlichen Geist freien Lauf und interpretiert Standardtitel wie John Lewis’ „Django", Bill Evans’ „Waltz For Debby", Thelonius Monks „Ruby My Dear" und andere Klassiker auf bis dato noch nie gehörte Weise. Ein Streicherensemble steuert etwa bei „Django" ausgefeilte Pizzicato-Klänge bei, während Hall zum ersten („aber sicher nicht zum letzten") Mal mit seinem Schüler Metheny einen spannenden Gitarrendialog führt. Moderne und kunstvoll arrangierte Chorstimmen kommen im weiteren Verlauf der Platte hinzu, ebenso wie eine interessant integrierte Bläsergruppe. Halls Gitarrenklänge sind insbesondere bei den freien „ad lib"-Passagen ein Hochgenuß: sowohl klanglich als auch in Art der Phrasierung, der Kontrapunktierung seiner höchst modernen Akkordvoicings mit Free-Jazz-Anleihen sowie der ihm eigenen einzigartigen swingenden Rhythmik. Eigene Kompositionen fügen sich später zu einem unverbrauchten Gesamtbild, zu einem Kunstwerk mit feinsten Schattierungen und Farbzusammenstellungen. Kammermusikalischer Jazz von höchstem - aber auch anspruchsvollstem - Niveau ist hier zu hören. Zum Nebenbeigenuß - dies muß ausdrücklich gesagt sein - ist diese CD nicht geeignet!

 

-gh-

Doug MacLeod

„Unmarked Road" (Audioquest/in-akustik)

Unter Plattensammlern genießt das kleine kalifornische Label Audioquest einen uneingeschränkt hohen Ruf. Die Veröffentlichungen sind klangliche Kleinode, es wird Wert auf einen natürlichen Sound gelegt - und die musikalischen Qualitäten stehen bei den Künstlern, die bei dieser Firma veröffentlichen, zumeist in nichts nach. So wird diese These auch durch die CD des Bluesgitarristen und Sängers Doug MacLeod bestätigt. Mal solo, mal von einem sparsamen Bandarrangement umgeben, bearbeitet MacLeod seine Resonatorgitarre in authentisch-charmanter, nicht übervirtuoser Weise. Seine musikalischen Vorbilder sind Big Bill Broonzy, Blind Willie McTell, Brownie McGhee, J.B. Lenoir und Lightning Hopkins - und die sind auch alle in der Musik von „Unmarked Road" geistig gegenwärtig. Ungewöhnlich und als durchaus positiv zu sehen ist dabei die Tatsache, das alle zwölf Titel dieses Albums aus eigener Feder stammen - und in dieser „gassenhauerfreien Zone" läßt es sich auf angenehme Art und Weise „bluesen". Auch McLeods Gesangsstil hat durchaus ein eigenes Format, und in der Summe kann man von einem empfehlenswerten, unspektakulären Akustik-Blues-Album sprechen, das sicherlich auch hierzulande seine Fans finden wird. -gh-

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