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Bereits seit 1982 gibt es in Hamburg den Popkurs und damit die wohl
bedeutendste professionelle Nachwuchsförderung dieser breit
gefassten Sparte in unserem Lande. Das Problem der Verhärtung
durch Institutionalisierung wurde in Hamburg geschickt umgangen,
indem der Ausbildungsgang eher die Gestalt eines zweiteiligen „Crash-Kurses“,
als den eines eingeführten und inhaltlich abgehangenen Seminars
erhielt. So kommt durch die aktuelle Interessenlage der sich stetig
erneuernden Studentenschaft immer wieder frischer Wind in die Ausbildung.
Folgerichtig gibt es auch keine Limits oder Einschränkungen
was Ausdrucksformen und Stilistiken angeht. Nur eine Prämisse
zählt: Gut und originell muss der Vortrag sein! Schon in diesem
Ansatz zeigt sich die Schlüssigkeit des Konzepts. Und professionelle
Kompetenz garantiert ein hochkarätiges Dozenten-Team.
Die
Geschichte
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| Medienarbeit von Katja Bottenberg |
Ins Leben gerufen
hat den Popkurs Prof. Dr. Hermann Rauhe, der als junger Mann bei
seiner eigenen Aufnahmeprüfung wegen des Vorspiels leicht Jazz-orientierter
Stücke durchfiel. Als Hermann Rauhe dann später als Musikwissenschaftler
zum Präsidenten der Hochschule für Musik in Hamburg aufstieg,
machte er sich, auch in schmerzlicher Erinnerung dieses Ereignisses,
ans Werk, die konservativen Zustände zu verändern, die
einem großen Teil des talentierten Nachwuchses die Ausbildungschancen
verwehrten. „90 % unseres Musiklebens stammen aus dem Bereich
der Popmusik. Die Popmusik thematisiert die Befindlichkeit, die
soziologischen, ökonomischen und ökologischen Probleme
unserer Zeit. Und das gehört zu den Aufgaben der Kunst.“
Prof. Rauhe muss als Pionier für die Ausbildung in Jazz- und
Popmusik an deutschen Hochschulen gelten, die in Hamburg 1982 mit
einem dreijährigen Modellversuch begann und heute eine etablierte
Größe in der heimischen Musikwelt darstellt. Die Hamburger
Erfahrungen und nicht zuletzt auch der immense Zuspruch junger Musiker
öffneten das Ohr mancher Hochschulleitung für eine zeitgemäßere
musikalische Ausbildung, und erst danach war es möglich Jazz,
heute auch Pop- und Weltmusik, an deutschen Hochschulen zu studieren.
Zunächst waren allerdings viele Hürden zu überwinden,
um die nötigen Finanzmittel zu beschaffen. Da die Stadt HH
sich nicht in der Lage sah diese bereitzustellen, brachten verschiedenste
Institutionen, u.a. mehrere TV-Sender, GEMA und GVL sowie die Deutsche-Phono-Akademie
in einer konzertierten Aktion die nötigen Gelder auf. Die Erfahrungen
aus dem Modellversuch schlugen sich nieder in der heutigen Form
von dreiwöchigen Kompaktkursen, die es auf der einen Seite
ermöglichen, für diese überschaubare Zeit Top-Dozenten
zu gewinnen, auf der anderen Seite eine stetige Auffrischung mit
aktuellen Ideen und Strömungen garantieren.
Das
Konzept
Der Kontaktstudiengang Popularmusik gilt als berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahme,
wendet sich also an Musiker, die schon über praktische Erfahrungen
verfügen. Aufgenommen werden Bewerber mit außergewöhnlicher
musikalischer Begabung, unabhängig von einer definierten Stilistik.
Nachzuweisen sind Kreativität, Persönlichkeit und musikalische
Eigenständigkeit. Wert legt die auswählende Jury auf musikalische
Beweglichkeit, die Fähigkeit melodische und harmonische Strukturen
zu begreifen und wiederzugeben, gutes musikalisches Gedächtnis
und rhythmische Sicherheit. Bewertet wird im übrigen das gesamte
Erscheinungsbild des Probanden. Chancen auf die Teilnahme am zwei
mal dreiwöchigen Kurs haben Musiker, denen es gelingt, sich
mit ihrer musikalischen Idee überzeugend darzustellen. Prinzip
ist die Förderung des Talents in seiner zeitgemäß
auftretenden Gestalt. Ziel ist nicht die Vermittlung von vorgefertigten
Klischees, sondern die Kanalisierung und Optimierung von vorgefundener
Begabung . Gitarrendozent Peter Weihe: „Jeder kann hier machen
was er will, allerdings weisen wir die Teilnehmer, nachdem wir sie
beobachtet haben, darauf hin, was ihnen noch wichtig sein könnte
oder wo wir die größte Lücke sehen. Wir versuchen
sie fit zu machen für das, was im Laufe einer Entwicklung in
einem Musikerleben an Moden und Stilen zu durchlaufen ist, sie für
den Wandel zu rüsten. Wir bieten natürlich auch Training
in Rhythmik, Harmonielehre etc. an, aber Popmusik wird von talentierten
Amateuren gemacht, und deshalb suchen wir nach Originalität
und nach Typen, nach Performern und Schreibern, auch wenn das Handwerkliche
dann wichtig ist, um das auch umsetzen zu können. Wir sind
irgendwann radikal dazu übergegangen, alles das, was man sonst
an Hochschulen macht, nicht zu tun. Es zählt nur die Frage:
Woraus muss man geschnitzt sein, um es in der Popmusik ‚bringen’
zu können? Das sind einfach ganz andere Dinge.“
Aufnahmeverfahren
Bewerber müssen sich einem zweiteiligen Verfahren unterziehen,
das mit der Einsendung eines Demos beginnt. Wer die Vorauswahl übersteht,
wird zu einem zehnminütigen Live-Vorspiel in die Hochschule
in Hamburg eingeladen. Dieses kann solistisch, mit Playback, eigener
Band oder auch mit Klavierbegleitung erfolgen. Eine Jury aus den
Pop-Kurs-Dozenten wählt die Teilnehmer aus. Eine Altersgrenze
gibt es nicht, aber man legt schon Wert auf eine gewisse Homogenität
der Gruppe (etwa 50 zugelassene Teilnehmer), um die Integrationsmöglichkeiten
der Musiker/innen in die sich erfahrungsgemäß ergebenden
vielgestaltigen Konstellationen zu fördern.
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| Das Dozententeam des Popkurses |
Dozenten
Jede Ausbildung bezieht ihre Substanz und Glaubwürdigkeit aus
der Klasse ihrer Vermittler. Der Kontaktstudiengang in Hamburg verfügt
über versierte Dozenten, allesamt erfahrene Musiker aus der
Szene, die nicht nur ihre instrumentalpraktischen, sondern auch
umfassende Erfahrungen mit dem Musikbusiness einbringen, ebenso
aus der Studiopraxis. Gitarren-Dozent Peter Weihe gilt als einer
der profiliertesten deutschen Studio-Gitarristen, und seine Liste
an Arbeiten liest sich wie das „Who is who“ des deutschen,
aber z.T. auch internationalen Musikgeschäfts. Peter zu einem
seiner Schwerpunkte: „Einen nicht unerheblichen Teil meines
Lebensunterhalts hab ich der akustischen Gitarre zu verdanken.“
Neben handwerklichen und die Kreativität fördernden Kursangeboten
von Instrumentalunterricht bis Groove gibt es Dozenten für
die öffentliche Präsentation, Tanz, Text, Bühnenoutfit
etc., aber auch Gastdozenten zu vielen allgemeinen Bereichen des
Musikgeschäfts, von der GEMA bis zur Künstlersozialkasse.
Akustikgitarre
Die akustische Gitarre spielt beim Popkurs zwar keine dominante,
aber dennoch wichtige Rolle. Peter Weihe: „Obwohl man sie
so häufig gar nicht sieht, ist die Akustikgitarre doch ein
ganz wesentliches Instrument. Wann immer ein guter Song im Raum
steht, ist er entweder am Piano oder wesentlich häufiger an
der akustischen Gitarre entstanden. Der talentierte Songwriter will
bei uns seine Möglichkeiten der Darstellung am Instrument verbessern,
neue Akkorde lernen und generell beweglicher werden, um seine Ideen
leichter umsetzen zu können. Ich gebe ihm Hilfen an die Hand,
Akkordtabellen und Übersichtsmaterial für einen leichten
Zugang zur Harmonielehre etc. Aber auch die Anforderungen an den
Handwerker sind größer als mancher glauben mag. Bis alles
ausgeglichen klingt, die Bässe nicht wummern, die Akzente richtig
kommen, die Nebengeräusche nicht zu groß werden etc.,
braucht es viel Zeit und Übung. Die Akustikgitarre ist also
ein Unterrichtsfach für sich, ich geh mit den Leuten auch in
mein Studio, und wir probieren verschiedene Mikrofone bei verschiedenen
Gitarrentypen und Positionen aus. Dann wissen die in etwa wie das
geht und sie hören sehr schnell, an wie vielen kleinen Ecken
es scheitert, aber auch wie man das kompensieren kann.“
...
mehr dazu in Heft 6/03 ab Seite 128!
Kontakt: Bewerbungsunterlagen
gibt’s bei der Hochschule für Musik und Theater, Kontaktstudiengang
Popularmusik, Harvestehuder Weg 12, 20148 Hamburg. Ansprechpartnerin
ist die Organisationsleiterin Katja Bottenberg. Für den Kurs
2004 gilt der Einsendeschluss 31.12.03.
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