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Eine spezielle
und nicht einfach zu meisternde Aufgabe ist die Aufnahme klassischer
Gitarren im Heimstudio. Um unseren Lesern diese anspruchsvolle Aufgabenstellung
nahe zu bringen, haben wir mit zwei erfahrenen Musikern gesprochen,
wertvolle Tipps und Hinweise gesammelt und einige Beispielaufnahmen
gemacht.
Grundlagen
Für die
Aufnahme klassischer Gitarren gelten zunächst einmal alle Regeln
und Tipps, die in den vielen vorangegangenen Folgen unserer Recording-Serie
gemacht wurden. Allerdings weicht das klassische Klangideal doch
deutlich von modernen Steelstring-Aufnahmen ab. So kommt es nicht
in Frage, das Signal eines eventuell vorhandenen Tonabnehmers (wie
Piezo o.ä.) bzw. eines internen Mikrofons (im Korpusinneren)
zu benutzen. Auch ist es bei klassischen Aufnahmen üblich,
einen gewissen Anteil des Raumklanges mit einzufangen, also die
Mikrofone etwas weiter weg von der Gitarre aufzustellen. Das setzt
natürlich einen vertretbar klingenden Aufnahmeraum voraus.
Ist dies nicht gegeben, muss man doch wieder nah mikrofonieren und
den Raumklang später mit einem digitalen Hall-Prozessor hinzufügen.
Normalerweise werden für klassische Gitarrenaufnahmen Großmembran-Kondensator-Mikrofone
benutzt. Das Klangbild darf tendenziell ruhig rund und weich sein;
eine Betonung der Präsenzen und Höhen ist weniger angesagt.
Hat man hell klingende Mikrofone, kann man sogar bei der Nachbearbeitung
mit einem EQ eine leichte Höhenabsenkung einstellen. Ordentlich
klingende Klassikaufnahmen lassen sich durchaus mit Homerecording-Equipment
durchführen, man höre dazu die Beispiele auf der AKUSTIK-GITARRE-CD,
die in einem nicht besonders präparierten Raum mit älterem
Mittelklasse-Equipment aufgenommen wurden und ohne jede Nachbearbeitung
auf der CD zu hören sind. Wer möchte, kann im eigenen
Studio ausprobieren, was mit EQ, Kompressor, Limiter und Hall aus
diesen „nackten“ Spuren ‚rauszuholen‘ ist.
Bernd
Maier
Bernd Maier
ist Mitglied des „Barrios Guitar Quartet“ und hat sich
im Rahmen dieser Gruppe aber auch als Solist intensiv mit dem Thema
„klassische Gitarren-Aufnahmen“ beschäftigt. Wir
sprachen mit ihm über Equipment, Mikrofonierung und Aufnahmetechniken.
„Ich hab die besten Ergebnisse mit Großmembran-Mikrofonen
erreicht. Der Gesamtklang ist etwas weicher als bei Kleinmembran-Mikros,
und die
unerwünschten
Nebengeräusche sind etwas geringer. Man sollte die besten Mikrofone
nehmen, die man sich leisten kann. Ich benutze zwei MC 740 von Beyerdynamic,
die vergleichbar mit dem U87 der Firma Neumann sind. Wenn das Budget
es erlaubt, kann man auch Röhrenmikrofone benutzen. Als Richtcharakteristik
stelle ich meistens Niere ein, außerdem verwende ich oft einen
Bass-Cut. Mein Vorverstärker hat eine Bass-Absenkung ab 50
Hertz. Manche Mikrofone senken bereits ab 80 Hz ab, das würde
aber den Grundtonbereich der Gitarre beschneiden.“
Ein wichtiges Glied der Equipment-Kette ist der Vorverstärker.
„Ich liebe den Röhrenklang und benutze den Gold-Mike
von SPL. Er hat eine gute Klangqualität und ist auch fürs
Heimstudio erschwinglich. Er ist nicht nur ein reiner Vorverstärker,
sondern bietet noch einige Extras wie Low-Cut oder Präsenzanhebung.
Dieser Preamp klingt für mich natürlich und warm.“
Bei digitalen Aufnahmen kommt auch den Analog/Digital-Wandlern eine
wichtige Rolle zu.
„Ich benutze ein MOTU 828 Firewire-Interface und nehme immer
mit 24 Bit und 48 kHz auf. Mit einer Sampling-Rate von 96 oder sogar
192 kHz aufzunehmen, macht für mich qualitativ keinen Sinn.
Der Sprung von 16 Bit auf 24 Bit war allerdings enorm. 24-Bit-Aufnahmen
klingen einfach tiefer und genauer; 16 Bit klingen wie eine schlechte
Abbildung, so als wollte man eine dreidimensionale Sache zweidimensional
darstellen.“
Wie sieht
dein Aufnahmesystem aus?
Bernd Maier: Ich nehme mit einem Power-Mac G4 mit
733 MHz auf, die Recording-Software ist der Digital-Performer der
Firma MOTU. Mit dieser Aufnahmeumgebung mache ich auch Schnittoperationen,
Nachbearbeitung und das komplette Mastering. Im Grunde ist es eine
Komplett-Software, ein Audio/MIDI-Sequenzer. Auch die Effekte sind
sehr gut.
Nimmst du
linear auf oder verwendest du bereits am Anfang der Klangkette irgendwelche
Effekte?
Bernd Maier: Ich benutze wie gesagt das Hochpass-Filter,
aber keinen Equalizer. Ich nehme allerdings einen EQ für die
Nachbearbeitung, hauptsächlich um die hochfrequenten Nebengeräusche
in den Griff zu bekommen. Eine Standard-Einstellung für meinen
Geschmack ist ein Shelving-Filter mit einer Absenkung von ca. 5
dB bei 3,6 kHz für einen grundtönigen Klang oder bei 4,4
Khz für einen obertönigen Klang.
Wie realisierst
du Aufnahmen des Barrios Guitar Quartet?
Bernd Maier: Man kann grundsätzlich die einzelnen
Instrumente mikrofonieren oder mit einer geeigneten Stereo-Mikrofonierung
eine Aufnahme des Ensembles machen. Bei unserer letzten CD haben
wir uns dafür entschieden, die Gruppe stereo als kompakte Einheit
aufzunehmen. Wir wollten nicht jede einzelne Gitarre deutlich hörbar
machen, sondern den Schwerpunkt auf den Gesamtklang legen. Wir haben
also zwei Nieren-Mikrofone in etwas größerem Abstand
aufgestellt.
Wie bekommst
du die Dynamik in den Griff?
Bernd Maier: Ich benutze natürlich einen Kompressor
um das Zuviel an Dynamik auszugleichen. Allerdings reden wir hier
nicht von Kompression im Sinne einer Pop-Produktion. Ich versuche
so zu komprimieren, dass die natürliche Dynamik noch deutlich
zu hören ist.
... mehr
dazu in Heft 6/03 ab Seite 124!
AKUSTIK-GITARRE-CD
Zur
Demonstration verschiedener Aufnahmetechniken haben wir folgende
Szenarien auf die Festplatte gebannt:
1. Aufnahme mit einem Großmembran-Kondensatormikrofon, Abstand
ca. 20 cm, ausgerichtet unterhalb des Schalllochs in Richtung Steg
2. Gleiche Mikrofonposition, Abstand ca. 45 cm 
3. Wieder 'Close Miking‘ (Abstand 20 cm), diesmal eine hintere
Mikrofonposition, ausgerichtet auf die Decke unterhalb des Steges
4. Hintere Position, Abstand ca. 45 cm
5. Stereo-Aufnahme mit zwei Großmembran-Kondensatormikrofonen,
Abstand jeweils ca. 20 cm, Ausrichtung: Mikro 1 hintere Position
unterhalb des Steges, Mikro 2 Decke unterhalb des Halses, Mikros
sind parallel ausgerichtet
6. Gleiche Aufstellung wie unter 5, allerdings sind die Mikrofone
jetzt gerichtet, d.h. sie stehen in der gleichen Achse, aber um
etwa 90 Grad zueinander verdreht
7. Gerichtete Aufstellung wie unter 6, Abstand ca. 45 cm
Beim Abhören
dieser Beispiele empfiehlt sich ein guter Kopfhörer, um die
mitunter subtile Wirkung der verschiedenen Mikrofonsettings auch
wirklich beurteilen zu können. Bitte beachten: die Aufnahmen
fanden unter typischen Homerecording-Bedingungen statt. Der Aufnahmeraum
hatte einen Boden aus Echtholz-Parkett und war nicht weiter gedämpft
oder anderweitig akustisch optimiert. Es herrschten eher harte Oberflächen
vor, Vorhänge oder Polstermöbel, die bspw. in einem Wohnzimmer
für eine gute Schalldämpfung sorgen, waren nicht vorhanden.
Auch das verwendete Aufnahme-Equipment besaß Homerecording-Standard
und ist erschwinglich: zwei AKG C-3000 Mikrofone und eine ältere
Roland VS-1680 EX Hard-Disk-Recording-Workstation. Weiteres Outboard-Equipment
war nicht am Start; auf eine Nachbearbeitung mit EQ und künstlichem
Nachhall haben wir bewusst verzichtet. Die Beispiele hat Bernd Maier
vom Barrios Guitar Quartet eingespielt. |