Konventionell
Carlsbro Acoustic Guitar Combo „Sherwood Signature Electro“
Von Andreas Schulz


Die englische Firma Carlsbro ist in unseren Gefilden nicht sonderlich bekannt. Dabei bauen die Briten bereits seit 1959 PA- und Verstärker-Systeme. Auch für Akustikgitarristen ist etwas im Angebot: zum Test erhielten wir den Sherwood Signature Combo.

Der „Sherwood Signature Electro“ bietet zwei Kanäle, eine Endstufenleistung von 85 Watt (an 4 Ohm) und eine Lautsprecher-Bestückung mit einem Zwölf-Zöller plus Hochton-Horn. Die stabil gebaute Kiste bringt ein ansehnliches aber noch transportables Gewicht auf die Waage. Bezogen ist der Combo mit strapazierfähigem rotbraunem Kunststoff; vor den Lautsprechern sitzt eine schützende Gewebebespannung. Die beiden Kanäle sind unterschiedlich ausgestattet. Channel 1 dient zum Anschluss von Tonabnehmer-bestückten Acoustics, Kanal 2 kann Mikrofon- oder Line-Signale verarbeiten.

Konstruktion und Ausstattung
Der Eingang des Gitarrenkanals ist hochohmig (> 10 Mega-Ohm) und kommt mit Piezos und allen anderen Arten von aktiven oder passiven Tonabnehmer-Signalen zurecht. Der Gain-Regler passt die Eingangsempfindlichkeit an das angeschlossene Instrument an und sorgt für die Balance der beiden Kanäle. Die Drei-Band-Klangregelung besteht aus Bass (+/- 14 dB @ 70 Hz), Treble (+/- 14 dB @ 15 kHz) und einem semi-parametrischen Mittenband (+/- 20 dB @ 80 Hz bis 8 kHz mit Q=1). Damit lässt sich der Klang weitreichend verformen; auffallend sind die weit

Amp
Einfach, aber praxisgerecht: Carlsbro „Sherwood Signature Electro“

außen angesetzten Regelfrequenzen für Bässe und Höhen (üblich sind hier 100 Hz und 10 kHz). Ein Phasenschalter bekämpft auftretende Feedbacks. Um Kanal 1 mit Hall zu versorgen, drückt man den Reverb-Switch. Der Hall (ein Feder-Hall!) ist mit dem Master-Reverb-Regler justierbar, allerdings nicht unabhängig für beide Kanäle. Kanal 2 wird wahlweise über einen symmetrischen XLR-Input (leider ohne Phantomspeisung) oder einen unsymmetrischen Klinkeneingang mit Signalen versorgt. Zu regeln gibt es Gain, Bass und Treble (hier mit +/- 12 dB bei 100 Hz bzw. 10 kHz). Der Master-Bereich bietet Gesamtlautstärke und die Hall-Intensität.
Die Anschlusspalette auf der Rückseite ist überschaubar: neben der Stromversorgung und dem An/Aus-Schalter gibt es einen seriellen Einschleifweg mit Send und Return, einen symmetrischen XLR-Line-Ausgang, einen Fußschalteranschluss (Hall an/aus) und den Wahlschalter für den eingebauten Hochtöner. Das ist eine gute Idee, so kann man diesen Combo auch für E-Gitarre einsetzen (wo höchste Frequenzen unerwünscht sind). Im normalen „akustischen“ Betrieb mit Akustikgitarren, Gesang oder Line-Signalen wird man den Hochtöner immer einschalten.
Die Ausstattung des Carlsbro Sherwood Signature Combos ist einfach, aber praxisgerecht. In Zeiten, in denen moderne Akustik-Combos digitale Effekte, Limiter-Schaltungen und Prozessor-gesteuerte Endstufen besitzen, erscheint dieser Verstärker fast schon mit „Vintage-Flair“. Zur Bekämpfung von Rückkopplungen dient nur der Phasen-Schalter. Der semi-parametrische EQ in Kanal 1 ist zu breitbandig, um als Notch-Filter Frequenzen gezielt und ohne größere Klangverbiegungen absenken zu können.

 

Klang und Fazit
Die Verarbeitung dieses Combo-Amps ist gut, die güldene Optik kann gefallen. Bühnentauglichkeit ist dank robustem Aufbau und erzielbarer Lautstärke gegeben. Man wird diesen Amp selten voll ausfahren können, bevor die ersten Feedbacks auftauchen.
Ich bin dem Sherwood Signature Combo mit einigen Steelstrings, einer Nylonstring und einer Jazzgitarre auf den Leib gerückt. Dieser Amp versucht nicht, analytisch, nüchtern und klar wie ein Studio-Monitor zu klingen. Vielmehr wird der Klang von Mitten und Tiefmitten beherrscht, die auch dann prägend bleiben, wenn man glitzernde Höhen hinzufügt. Dieser erdige Sound ist durchaus charakteristisch und wird denjenigen Akustikern zusagen, die ein warmes Klangbild bevorzugen. Als Alternative hätte ich mir ein schaltbares Frequenzpreset mit geschmackvoller Mittenabsenkung gewünscht, denn die Dominanz der mittleren Frequenzen ist für besonders cleane Nylonstring-Sounds nicht so recht passend. Hier muss man schon den EQ extrem bemühen oder mit einem externen Equalizer zaubern. Eine mit einem Humbucker bestückte Jazzgitarre konnte sehr gut gefallen. Der Klangcharakter dieses Amps ist immer druckvoll und erdig. Ein eigener Sound, der nicht unbedingt mit allen Instrumenten und Stilistiken harmoniert, allein betrachtet aber durchaus reizvoll ist. Weniger gefallen können zwei kleinere Mängel. Beim Ein- und Ausschalten meldet sich der Amp mit einem fulminanten Krachen zu Wort, wenn der Lautstärkeregler aufgedreht ist. Bei höheren Lautstärken und einer gemäßigt bassigen Einstellung trüben mechanische Störgeräusche den Klanggenuss. Der Klang des Spiralenhalls ist genauso, wie man dies von einem solchen Aggregat erwartet: etwas scheppernd, dumpfer und kürzer als moderne digitale Units – aber durchaus mit dem Charme einer vergangenen Epoche. Aufgrund der fehlenden Phantomspeisung kann man keine Kondensatormikrofone anschließen. Der eher mittige Grundsound kommt einer realistischen Abbildung von mikrofonierten Stimmen oder Instrumenten aber ohnehin nicht entgegen. Alles in allem ist dieser Amp eine echte Alternative zu dem heutigen Angebot. Tipp: ausprobieren und vergleichen.

Technische Daten
Hersteller Carlsbro, gefertigt in China
Modell Sherwood Signature
Leistung 85 W/4 Ohm
Lautsprecher 12-Zöller + Hochtöner
Klangregelung Ch 1 Bass, parametr. Mitten, Höhen
Klangregelung Ch 2 Bass, Höhen
Eingänge 1 x Klinke, 1 x Klinke/XLR
Anschlüsse Send, Return, Line-Out, Footswitch, Netzanschluss
Effekt mechanische Hall-Spirale
Sonstiges Hochtöner abschaltbar
Maße 49 x 47,5 x 27,5 cm
Gewicht ca. 16 kg
Preis: 335,- € incl. Schutzhülle