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Die englische
Firma Carlsbro ist in unseren Gefilden nicht sonderlich bekannt.
Dabei bauen die Briten bereits seit 1959 PA- und Verstärker-Systeme.
Auch für Akustikgitarristen ist etwas im Angebot: zum Test
erhielten wir den Sherwood Signature Combo.
Der „Sherwood
Signature Electro“ bietet zwei Kanäle, eine Endstufenleistung
von 85 Watt (an 4 Ohm) und eine Lautsprecher-Bestückung mit
einem Zwölf-Zöller plus Hochton-Horn. Die stabil gebaute
Kiste bringt ein ansehnliches aber noch transportables Gewicht auf
die Waage. Bezogen ist der Combo mit strapazierfähigem rotbraunem
Kunststoff; vor den Lautsprechern sitzt eine schützende Gewebebespannung.
Die beiden Kanäle sind unterschiedlich ausgestattet. Channel
1 dient zum Anschluss von Tonabnehmer-bestückten Acoustics,
Kanal 2 kann Mikrofon- oder Line-Signale verarbeiten.
Konstruktion
und Ausstattung
Der
Eingang des Gitarrenkanals ist hochohmig (> 10 Mega-Ohm) und
kommt mit Piezos und allen anderen Arten von aktiven oder passiven
Tonabnehmer-Signalen zurecht. Der Gain-Regler passt die Eingangsempfindlichkeit
an das angeschlossene Instrument an und sorgt für die Balance
der beiden Kanäle. Die Drei-Band-Klangregelung besteht aus
Bass (+/- 14 dB @ 70 Hz), Treble (+/- 14 dB @ 15 kHz) und einem
semi-parametrischen Mittenband (+/- 20 dB @ 80 Hz bis 8 kHz mit
Q=1). Damit lässt sich der Klang weitreichend verformen; auffallend
sind die weit
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| Einfach, aber praxisgerecht: Carlsbro
„Sherwood Signature Electro“ |
außen
angesetzten Regelfrequenzen für Bässe und Höhen (üblich
sind hier 100 Hz und 10 kHz). Ein Phasenschalter bekämpft auftretende
Feedbacks. Um Kanal 1 mit Hall zu versorgen, drückt man den
Reverb-Switch. Der Hall (ein Feder-Hall!) ist mit dem Master-Reverb-Regler
justierbar, allerdings nicht unabhängig für beide Kanäle.
Kanal 2 wird wahlweise über einen symmetrischen XLR-Input (leider
ohne Phantomspeisung) oder einen unsymmetrischen Klinkeneingang
mit Signalen versorgt. Zu regeln gibt es Gain, Bass und Treble (hier
mit +/- 12 dB bei 100 Hz bzw. 10 kHz). Der Master-Bereich bietet
Gesamtlautstärke und die Hall-Intensität.
Die Anschlusspalette auf der Rückseite ist überschaubar:
neben der Stromversorgung und dem An/Aus-Schalter gibt es einen
seriellen Einschleifweg mit Send und Return, einen symmetrischen
XLR-Line-Ausgang, einen Fußschalteranschluss (Hall an/aus)
und den Wahlschalter für den eingebauten Hochtöner. Das
ist eine gute Idee, so kann man diesen Combo auch für E-Gitarre
einsetzen (wo höchste Frequenzen unerwünscht sind). Im
normalen „akustischen“ Betrieb mit Akustikgitarren,
Gesang oder Line-Signalen wird man den Hochtöner immer einschalten.
Die Ausstattung des Carlsbro Sherwood Signature Combos ist einfach,
aber praxisgerecht. In Zeiten, in denen moderne Akustik-Combos digitale
Effekte, Limiter-Schaltungen und Prozessor-gesteuerte Endstufen
besitzen, erscheint dieser Verstärker fast schon mit „Vintage-Flair“.
Zur Bekämpfung von Rückkopplungen dient nur der Phasen-Schalter.
Der semi-parametrische EQ in Kanal 1 ist zu breitbandig, um als
Notch-Filter Frequenzen gezielt und ohne größere Klangverbiegungen
absenken zu können.
Klang
und Fazit
Die
Verarbeitung dieses Combo-Amps ist gut, die güldene Optik kann
gefallen. Bühnentauglichkeit ist dank robustem Aufbau und erzielbarer
Lautstärke gegeben. Man wird diesen Amp selten voll ausfahren
können, bevor die ersten Feedbacks auftauchen.
Ich bin dem Sherwood Signature Combo mit einigen Steelstrings, einer
Nylonstring und einer Jazzgitarre auf den Leib gerückt. Dieser
Amp versucht nicht, analytisch, nüchtern und klar wie ein Studio-Monitor
zu klingen. Vielmehr wird der Klang von Mitten und Tiefmitten beherrscht,
die auch dann prägend bleiben, wenn man glitzernde Höhen
hinzufügt. Dieser erdige Sound ist durchaus charakteristisch
und wird denjenigen Akustikern zusagen, die ein warmes Klangbild
bevorzugen. Als Alternative hätte ich mir ein schaltbares Frequenzpreset
mit geschmackvoller Mittenabsenkung gewünscht, denn die Dominanz
der mittleren Frequenzen ist für besonders cleane Nylonstring-Sounds
nicht so recht passend. Hier muss man schon den EQ extrem bemühen
oder mit einem externen Equalizer zaubern. Eine mit einem Humbucker
bestückte Jazzgitarre konnte sehr gut gefallen. Der Klangcharakter
dieses Amps ist immer druckvoll und erdig. Ein eigener Sound, der
nicht unbedingt mit allen Instrumenten und Stilistiken harmoniert,
allein betrachtet aber durchaus reizvoll ist. Weniger gefallen können
zwei kleinere Mängel. Beim Ein- und Ausschalten meldet sich
der Amp mit einem fulminanten Krachen zu Wort, wenn der Lautstärkeregler
aufgedreht ist. Bei höheren Lautstärken und einer gemäßigt
bassigen Einstellung trüben mechanische Störgeräusche
den Klanggenuss. Der Klang des Spiralenhalls ist genauso, wie man
dies von einem solchen Aggregat erwartet: etwas scheppernd, dumpfer
und kürzer als moderne digitale Units – aber durchaus
mit dem Charme einer vergangenen Epoche. Aufgrund der fehlenden
Phantomspeisung kann man keine Kondensatormikrofone anschließen.
Der eher mittige Grundsound kommt einer realistischen Abbildung
von mikrofonierten Stimmen oder Instrumenten aber ohnehin nicht
entgegen. Alles in allem ist dieser Amp eine echte Alternative zu
dem heutigen Angebot. Tipp: ausprobieren und vergleichen.
Technische
Daten
Hersteller
Carlsbro, gefertigt in China
Modell Sherwood Signature
Leistung 85 W/4 Ohm
Lautsprecher 12-Zöller + Hochtöner
Klangregelung Ch 1 Bass, parametr. Mitten, Höhen
Klangregelung Ch 2 Bass, Höhen
Eingänge 1 x Klinke, 1 x Klinke/XLR
Anschlüsse Send, Return, Line-Out, Footswitch, Netzanschluss
Effekt mechanische Hall-Spirale
Sonstiges Hochtöner abschaltbar
Maße 49 x 47,5 x 27,5 cm
Gewicht ca. 16 kg
Preis: 335,- € incl. Schutzhülle
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