Zu Besuch bei: Mediterranean Music School
Sommerkurs in Südfrankreich mit Claus Boesser-Ferrari
Von Franz Holtmann

Ach, was kann das Leben doch schön sein! Wer die Gitarre für sich entdeckt hat, der fühlt sich gelegentlich allein deshalb schon privilegiert und reich belohnt - die Reise in den Mittelmeerraum, ins arkadisch-ländliche Leben ist immer noch Traum und Ziel für viele von uns alltagsgehetzten und nicht gerade sonnenverwöhnten Nordländern. Die Kombination dieser beiden freudvollen Elemente allerdings ist absolut schlagend.

Seit drei Jahren gibt es die Mediterranean Music School, ins Leben gerufen von Sebastian Banger, selbst leidenschaftlicher Gitarrist - und ehemaliger Straßenmusikant, der sich mit der Gitarre am Mittelmeer durch manchen Sommer gebracht hat. "Wie bekomme ich nur meine beiden großen Leidenschaften Gitarre und Süden unter einen Hut?" war irgendwann die folgenreiche Frage. Banger brauchte einige Jahre, bis die Idee einer Gitarrenschule im Süden konkrete Gestalt annahm. Als Musikalienhändler hatte er zwar sein Auskommen und auch schon Konzerte mit bekannten Gitarristen veranstaltet, aber es zog ihn immer wieder zurück in den warmen lebensfrohen Mittelmeerraum. Seine Gedanken kreisten um die Einrichtung von Sommerkursen zu optimalen urlaubsähnlichen Bedingungen, die es für die Stilrichtung Steelstring-Guitar

bislang nicht

gab. Kursangebote für Konzert- und Jazzgitarristen sind schon lange etablierte Praxis, wenngleich oft unter leistungsbetonten Aspekten veranstaltet, wie etwa Meisterkurse. Bekannte Musiker der Picking- oder auch Flatpicking-Szene, die Banger teilweise schon aus den zuvor veranstalteten Workshopkonzerten kannte, in ein Hotel oder Gasthaus in ländlich-pastoraler Gegend einzuladen, Musiker, die auf Tuchfühlung eine überschaubare Gruppe von lern-, aber auch durchaus genusswilligen Gitarristen ohne Stress zu unterweisen, das hingegen war neu. Man stelle sich vor: optimale Bedingungen, gutes Hotel mit voller Versorgung, schönes Ambiente, Lernen und Urlaub in einer freudvollen Verbindung, Essen im Freien, Rotwein, langsames Gleiten in eine sternenklare mediterrane Sommernacht ... - da kann man schon Lust bekommen. Nebenbei lernt man noch Gleichgesinnte und einen bekannten Gitarristen persönlich kennen, nimmt starke Eindrücke und reichlich Anregungen mit nach Hause, kurz: eine geniale Idee.


Im Sommer '99 war dann nach langer Suche das erste geeignete Haus auf Mallorca gefunden, und mit vier Kursen für Fingerpicking-Gitarre ging es los. Inzwischen ist das Kursangebot auf jährlich 14 Veranstaltungen in der Toskana, in Südfrankreich und auf Mallorca angewachsen, und die Inhalte konnten stark erweitert werden. Von Fingerstyle bis Bossa Nova, vom Blues bis zur Liedbegleitung, von Jazz bis Flamenco, ja bis hin zum Flamencotanz reicht heute die breite Palette an vermittelten Stilen. Wichtig ist dem Veranstalter aber nach wie vor der freie Zugang ohne Auflagen oder Beschränkungen, und eine betonte Familienfreundlichkeit. So kann nicht nur jeder, der die Grundakkorde auf der Gitarre beherrscht, teilnehmen, auch der Partner oder die ganze Familie darf mitgebracht werden; in der Toskana gibt es darüber hinaus die kostengünstige Möglichkeit der Selbstversorgung in getrennten Appartements. Es soll vor allen Dingen ein Erlebnis sein, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen - Gitarre für Genießer sozusagen. Dazu wird ein Komplettservice angeboten, der auch die An- und Abreise, sowie Mitfahrgelegenheiten organisiert. Das alles ist zwar nicht ganz billig, aber immer noch in einem guten Preis/Leistungsverhältnis. Der angesprochene Kreis reicht vom Autodidakten bis zum Gitarrenlehrer, man kann sich fit machen mit frischen Ideen und Konzepten von seinem Lieblingsgitarristen oder einfach die fast schon verblasste Erinnerung an die Zeit der Lagerfeuerromantik und des zwanglosen Gitarrenspiels wieder auffrischen.

Sebastian Banger träumt inzwischen schon von einem festen Haus im Süden, wo auch längerfristige Kurse stattfinden könnten, eine Art Akademie für Akustikgitarre der offenen Stilistiken, zusätzlich zu den Sommerveranstaltungen. Aber auch Auffrischungskurse im Winter in Deutschland sind bei Bedarf möglich und zunächst auch leichter zu organisieren. Da sind jedenfalls für dieses erfreuliche Konzept noch einige Optionen denkbar, und der Erfolg gibt dem Veranstalter schon heute Recht. Inzwischen wird die Mediterranean Music School auch international beworben und die Anfragen selbst aus Übersee steigen stetig. Da die Akustikgitarre nicht stilistisch festgelegt ist, haben die Teilnehmer der Kurse direkten Einfluss auf die Inhalte und die weitere Entwicklung der Schule. Es wird interessant sein zu verfolgen, was in den nächsten Jahren passiert, was sich aus dem offenen Konzept noch alles ergibt.

... Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6 / 2001

Infos: www.Med-Music-School.com