Vorgestellt: Helmut Jasbar

Sonderfall
Helmut Jasbar

Der österreichische Gitarrist Helmut Jasbar ist ein echter Geheimtipp - nicht nur für Fans der klassischen Gitarre. Und: Vor diesem Menschen scheint grundsätzlich keine Musik sicher zu sein ...

Mal bearbeitet Helmut Jasbar Cembalowerke Johann Sebastian Bachs für die Gitarre. Dann bringt er die Romantiker Franz Schubert und Caspar Joseph Mertz unter einen Hut mit eigenen avantgardistischen, kaleidoskopartigen, splitterhaften Kompositionen, hat "wahnsinnige Sehnsucht" nach der Romantik. Schreibt Stücke über New York oder Werke für "7 Musiker und Telefon". Bearbeitet einen Hit von Sting für klassische Gitarre, konzertiert in Südafrika mit dem Bassisten Gito Baloi, arrangiert Jazzstandards, lehrt an einer Hochschule klassische Gitarre, spielt in ein und demselben Konzert klassische Gitarre und Stratocaster. Zwischendurch tourt er mit einer Countryrock-Gruppe durch North-Carolina.

"Bitte lassen Sie sich nicht schrecken! Ich hab schon recht viel gemacht und verliere selber manchmal die Übersicht." Schreibt Helmut Jasbar in einem ersten brieflichen Kontakt. Schrecken? Einen ziemlich Schrecken mag der Herr Jasbar aus Wien jenen Bewohnern akademischer Elfenbeintürme einjagen, die einen Musiker unbedingt in fein bemessenen Schublädchen untergebracht wissen wollen. Denen ein so bunter Vogel allzu leicht entwischt. Dabei ist der Gitarrist und Komponist selbst - neben anderen - auch mit reinst akademischen Wassern gewaschen. Er studierte zuerst am Wiener Konservatorium bei Robert Wolff, anschließend an der Musikhochschule Köln bei Hubert Käppel. Seit seinem New-York-Debüt im Lincoln Center, Avery Fisher Hall 1990 gilt er international als erstklassiger Konzertgitarrist. Seither tourt er ausgiebig um den ganzen Globus. Wie gesagt: mit höchst unterschiedlichen Programmen. Wer hier mit dem Vorurteil der Beliebigkeit kommt, liegt dennoch erfreulicherweise falsch: So erstaunlich wie Jasbars Vielseitigkeit ist die Tiefe und Intensität, mit der er sich einer musikalischen Sache annimmt. Vier Jahre lang beschäftigte er sich mit den frühen Cembalo-Toccaten J.S. Bachs (BW Verzeichnis Nr. 912, 914, 916), bevor er sie 1993 auf CD aufnahm. "Dass die Gitarre selbst vielstimmig singen kann, hat er mit seinen Barock-Bearbeitungen bewiesen", meinte der österreichische Rundfunkmann Albert Hosp zu dem Ergebnis. Zu dem stark an Franz Schubert orientierten, 1997 aufgenommenen Konzeptalbum "Wahnsinnige Sehnsucht" merkte Hosp an: "Seine (Jasbars; Anm. d. Verf.) Romantik ist ein Gefühlsraum, eine Gefühlsfarbe, vielleicht ist es aber auch einer von mehreren Räumen, die er erforscht oder zeitweise bewohnt, wie die sehr verschiedenen Projekte der letzten Jahre nahe legen."

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6/2000