Hahl Steelstring - "New Orleans De Luxe"

Luxuriös

Von Andreas Schulz
Instrument der Superlative: Hahl "New Orleans De Luxe"

Jeder ambitionierte Gitarrenbauer wird irgendwann den Wunsch verspüren, ein absolutes Spitzenmodell ohne jeden Kompromiss in Sachen Materialauswahl und Verarbeitung zu gestalten. Dass in einem solchen Stück dann die gesammelte Erfahrung langer Jahre und auch ein Stückchen der "Seele" des Erbauers stecken, dürfte klar sein.

So ein Schmuckstück hat natürlich seinen Preis, der sich allerdings dann etwas relativiert, wenn man weiß, wie viel Arbeit - Handarbeit im wahrsten Sinne des Wortes - dafür notwendig ist. So mag sich manch einer fragen, was denn der Sinn eines Testberichts ist, dessen Objekt für 14.000,- DM käuflich zu erwerben ist. Dass nicht unbedingt die Mehrzahl unserer Leser die "New Orleans De Luxe" in ihr Budget einplanen wird, ist einleuchtend. Auf der anderen Seite bietet ein solcher Test einen willkommenen Anlass, einige wichtige Aspekte zu hinterfragen. Beispielsweise: Bietet ein solches Instrument noch einen reellen Gegenwert fürs Geld? Lohnt sich eine Mehrinvestition von etwa 8.000,- bis 10.000,- DM im Vergleich zu einer guten Seriengitarre?

Konstruktion

Die "New Orleans De Luxe" hat einen Korpus von gemäßigter Jumbogröße. Die für den Klang besonders wichtige Decke entstand aus einem 40 Jahre abgelagerten Stück Alpenfichte in ausgesuchter Spitzenqualität ("Master-Grade"). Tatsächlich sind Struktur und Maserung dieser Decke von außergewöhnlicher Gleichmäßigkeit und Tiefe. Boden und Zargen bestehen aus ebenfalls 40 Jahre gelagertem Riopalisander der gleichen Güte. Dass die Hölzer vollmassiv sind, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. Der Boden der Gitarre weist dabei eine reizvolle Unregelmäßigkeit auf, die für eine etwas verwegene Optik sorgt. Decke und Rückseite sind mit einer deutlich sichtbaren Wölbung ausgearbeitet, was laut Stefan Hahl die Statik des Instruments verbessert. An der ganzen Gitarre ist kein Stück Plastik zu finden.

So ist das Korpusbinding ebenfalls aus Riopalisander, mit schwarzweißen Holzspänen abgesetzt. Der Hals besteht aus geflammtem Mahagoni. Dieses Holz ist eine Rarität. Der gesamte Hals besteht aus drei Streifen, wobei die Mittellage in 30-jährigem französischem Nussbaum ausgeführt ist. Die Tiefenwirkung des geflammten Mahagonis auf der Halsrückseite ist wirklich beeindruckend. Das Shaping - ein stark abgeflachtes "D" - dürfte allen modernen und traditionellen Spieltechniken entgegenkommen. Der Hals liegt satt in der Hand, ohne im Geringsten klobig zu wirken. Hier wird man sich sofort zu Hause fühlen und seinen Gitarristenfingern freien Lauf lassen. Das Griffbrett besteht aus ausgesuchtem Ebenholz, die Bundierung ist absolut perfekt ausgeführt. Sowohl die Abrichtung der Bünde als auch die Verrundung an der Griffbrettkante lassen keine Wünsche offen. Die Bundstäbchen selbst sind mittelhohe "Medium Jumbos". Sie tragen ebenfalls zum komfortablen Spielgefühl bei. Durch ihre gemäßigte Höhe sorgen sie dafür, dass auch der kräftig zupackende Gitarrist nicht ständig mit Intonationsproblemen zu kämpfen hat.

Stefan Hahl hat bei der "New Orleans De Luxe" eine Bundierung mit einem Nullbund gewählt - eine Konstruktion, bei der der Klang der leeren Saite dem von gegriffenen Tönen nahe kommt und so das Gesamtklangbild homogener wirkt. Der gesamte Hals ist mit einem mehrstreifigen Echtholz-Binding umrahmt. Auffallend sind die wunderschönen Griffbretteinlagen, die als intensiv gemaserte Rauten aus Abalone ausgeführt sind. Laut Hahl handelt es sich hierbei um Abalone-Mutterkern, das innere hochdekorative Kernstück einer etwa handtellergroßen Abalone-Muschel. Eine weitere dieser Rauten befindet sich auf der Kopfplatte. Wo wir schon einmal bei den Verzierungen sind: Die Schalllochrosette ist ein absolutes Schmuckstück.

Sie besteht aus einem inneren Ring aus Perlmutt und Abalone, der von einem mehrlagigen Holzmosaik eingefasst ist. Die Kopfplatte weist den Hahl-typischen Schnörkel auf. Bei den Mechaniken handelt es sich um Schaller "Gold Mini" mit Ebenholzgriffen. Auch hier sind wieder arbeitsaufwendige Details zu vermelden. Die Kopfplatte ist an den Seiten und auf Vorder- und Rückseite mit einem zweilagigen Furnier aus Ahorn und Riopalisander versehen, das für reizvolle Kontraste sorgt. Die Einstellung des Halsstabes wird - sofern nötig - von der Kopfplattenseite aus vorgenommen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6/2000