Vorgestellt: Steve Hackett

Progressiv

Steve Hackett

Von Andreas Schulz

Zehn Jahre dauerte es, bis Steve Hackett herausfand, woher die kleine Melodie stammte, die ihn nicht mehr losließ. Er fragte jeden, der auch nur entfernt mit Musik zu tun hatte, bis er es schließlich wusste: Jene Tonfolge wurde von Eric Satie komponiert. Das Interesse an der Arbeit des Franzosen ließ Hackett nicht mehr los und führte zu der gerade erschienenen CD "Sketches Of Satie".

Wenn man in Hacketts Büro in Twickenham, einem Vorort von London, steht, fallen einem zuerst die an der Wand hängenden goldenen Schallplatten auf. Danach bemerkt man die Mischung aus Kultiviertheit und Geschäftssinn, die hier herrscht. Nebenan wird gerade ein neues Gebäude zum Aufnahmestudio ausgebaut. Wir haben einen Nachmittag Zeit, dem Herrn neugierige Fragen zur aktuellen Veröffentlichung und zu seiner neuen Persönlichkeit als Nylonstring-Gitarrist zu stellen.

Steve Hackett? Genau, das ist der Gitarrist, den Peter Gabriel 1970 zu "Genesis" ins Boot holte, mit denen er in den folgenden Jahren acht Alben aufnahm. 1975 erschien sein erstes Soloalbum, 1986 formierte er mit Kollege Steve Howe (YES) die Band GTR und hatte auf Anhieb eine Top-Ten-Single und Platin-Status in den USA. "Progressive Rock" im Stadionformat ist die eine Seite. Hackett ist aber auch ein Akustiker, und "Sketches Of Satie" ist nicht etwa aus dem Nichts entstanden, sondern geht auf eine Reihe von Aufnahmen zurück, die ihren Ursprung vor 17 Jahren haben. Damals erschien Hacketts erstes rein akustisches Album "Bay Of Kings". Die Satie-CD ist die mittlerweile fünfte Veröffentlichung, die der delikaten akustischen Seele Steve Hacketts huldigt.

Hackett und die Akustikgitarre

Du hast einmal gesagt, du seiest zur Hälfte ein elektrischer und zur Hälfte ein akustischer Gitarrist. Schlagen wirklich zwei Herzen in deiner Brust, oder ist die Akustikgitarre deine heimliche Liebe?
Steve Hackett: Diese Frage ist sehr interessant. Früher war mein Verhältnis zum akustischen Spiel eine geheime Liebe, und ich musste dieses Geheimnis hüten. Die E-Gitarre hatte damals Vorrang. Mit ihr verbinde ich eher eine aggressive Orientierung. Heute schätze ich Rock'n'Roll immer noch, aber er scheint eine etwas rückständige Form zu sein. Heute ist mein Schwerpunkt tatsächlich die akustische Gitarre. Besonders interessiert bin ich an der Kombination von Klassikgitarre und Orchester. Damit verbringe ich einen Großteil meiner Zeit. Immer wenn ich daran längere Zeit gearbeitet habe, bekomme ich das Gefühl, es könnte kaum etwas Schöneres als akustische Musik geben. Elektronische Musik ist zu einem großen "Apparat" geworden. Es gibt immer noch Rockmusik, die mich begeistert. Ich möchte nur nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, elektrische Alben zu produzieren und auf die Verkaufszahlen zu schielen. Wenn ich eine akustische Platte aufnehme, spielen die Verkaufszahlen kaum eine Rolle, es geht um die Liebe zur Musik.

Du nennst die akustische Gitarre ein "kleines Orchester". Was genau meinst du damit?
Steve Hackett: Die Akustikgitarre ist kein "großes" Instrument im Sinne von schierer Lautstärke. Wenn ich sie aber sehr dynamisch spiele und das Spektrum zwischen "fast unhörbar" und "fortissimo" ausnutze, kann sie jedes Instrument ersetzen und emulieren. Dazu musst du die richtige Einstellung und ein großes Vorstellungsvermögen haben. Man kann absichtlich die Möglichkeiten einschränken und zum Beispiel nur Flageoletts benutzen oder künstliche Obertöne und dadurch ein sehr delikates Spiel erhalten. Wenn du ein Orchester imitieren willst, merkst du als erstes, dass die Akustikgitarre einfach nicht die Klangfülle und Macht hat. Was der Gitarre an Volumen fehlt, macht sie durch Lieblichkeit und Anmut wett. Sie ist ein sehr romantisches Instrument. Sie ist feminin. Ein schönes Vibrato auf der Klassikgitarre klingt wie eine enge Umarmung. Als Gitarrist musst du selbstsicher sein, um mit solchen Klängen zu arbeiten.

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6/2000