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Gitarre
- Klang einer Epoche?
Von Franz Holtmann
Kaum vorstellbar für
uns eingefleischte Spieler und Liebhaber, aber es soll Menschen
geben, für die ist die Gitarre einfach nur langweilig und altmodisch.
Diese vornehmlich jungen Leute suchen, wie schon so viele Generationen
vor ihnen, zu Recht nach Klängen, mit denen sie sich identifizieren,
aber auch von ihren Eltern differenzieren können.
Warum sollte die Welt
plötzlich so konservativ geworden sein, an einem einzelnen
Klangideal festzuhalten? Das wäre dann das erste Mal - sieht
man einmal von klassischem Kulturgut ab, dessen Bedeutung im historisch-musealen
Wert liegt, der entsprechend öffentlich gefördert wird.
Die Gitarre als lebendiges Instrument genießt hingegen schon
so lange die Gunst von Musikliebhabern, dass ein Wechsel zu einem
anderen Modeklang nicht gänzlich überraschend wäre
- Techno-Kids und Cyber-Punks kommen immerhin schon ganz ohne Naturklänge
aus. Dennoch gibt es auch in diesem technologisch reproduzierenden
Musikbereich viele Beispiele für das immer noch existente Bedürfnis
nach lebendiger Schwingung, ja selbst heimeliges Vinylknistern und
das lästige und von uns oft spieltechnisch aufwendig bekämpfte
Saitenquietschen werden in elektronischer Musik oft als Sample zur
Belebung der allzu sauberen synthetischen Materie zugefügt,
um den "human touch" zu simulieren. Grundlegende Änderungen
in der musikalischen Mode und dem Instrumentarium gingen in der
Vergangenheit oft auf starke gesellschaftliche Einschnitte zurück.
Beispiel USA: Hier verschwand nach dem Ersten Weltkrieg die vordem
so beliebte Mandoline fast völlig von der Bildfläche und
wurde vom Banjo verdrängt. Die Weltwirtschaftskrise und der
große Börsencrash Ende der 20er Jahre beendeten dann
die goldene Zeit des Banjo-Jazz, und das Publikum suchte und fand
u.a. neue Hoffnung und (zeit-)geistige Heimat bei der nun aufkommenden
Gitarre als Spiegel einer sich zum Besseren wandelnden modernen
Gesellschaft.
Jimmie Rodgers, der später zum Vater der Country-Music werden
sollte, debütierte bereits 1927 mit seinem gitarrenorientierten
Album "The Soldier's Sweetheart", gefolgt von der Carter
Family 1928 mit "Bury Me Under the Weeping Willow", wo
Maybelle Carter einen einflussreichen neuen Standard für die
Gitarrenbegleitung setzte. Am Broadway sang Nick Lucas 1929 den
erfolgreichsten Song des Jahres "Tip Toe Through the Tulips"
zur Gitarre. Die aufblühende Swing-Ära der 30er Jahre
brachte wunderbare Archtop-Gitarren hervor, was wegen der steigenden
Lautstärke in einen "battle of widths", also einen
Kampf der Korpusgrößen, ausartete. Aus gleichem Grund
kamen auch die Resonator-Instrumente auf - einfach, damit man in
den Orchestern mithalten konnte. Der Zweite Weltkrieg beendete dieses
Ringen und brachte nach seinem Ende völlig neue musikalische
Moden hervor. Die erfolgreiche Einführung der E-Gitarre und
neue Stilistiken wie BeBop und Rock'n'Roll sorgten für rasante
Entwicklungen, und die Gitarre erlebte ihren Höhepunkt als
Modeinstrument Mitte der 60er Jahre mit der Blüte der Beat-,
aber auch der Folk- und Protestwelle. Ob nun Joan Baez und Bob Dylan
mit ihren Flattops auf Protestmärschen oder Jimi Hendrix mit
seiner elektrischen Version der amerikanischen Nationalhymne in
Woodstock, sie alle wurden durch die gleiche Krise, den Vietnam-Krieg,
geeint. Der Enthusiasmus für die Gitarre war groß; leicht
zu transportieren, war sie schnell und überall zur Hand, oder
sie konnte elektrifiziert endlich auch melodisch gleichberechtigt
etwa neben Blasinstrumenten existieren. So weit der etwas eingeschränkte
Blick auf die Gitarrenentwicklung in den USA, die allerdings auch
immer Folgen für die Alte Welt hatte.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 6/2000
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