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Die
Twelvestring gilt vielen als der „liebste Feind“ des
Gitarristen. Tatsächlich hat fast jeder Akustiker schon mal
ein solches Monstrum in der Hand gehabt. Doch viele Spieler - selbst
die von ihrem typischen Klang Begeisterten – schrecken angesichts
der herausfordernden Handhabung vor einem solchen Instrument zurück.
Begutachten wir in diesem Sinn die Guild JF-30-12.
Zum Test bekamen wir diese wirklich großformatige Jumbo-Twelve-String
in Natur-Hochglanzfinish. Auch ich konnte mich beim Öffnen
des Koffers einer gewissen Ehrfurcht nicht entziehen. Was für
ein Riesenteil! Zum Volumen des Korpus kommt noch die ausladende
Kopfplatte mit den zwölf Tunern und sorgt dafür, dass
diese Gitarre eine Ausstrahlung von echter Größe und
Autorität besitzt. Die JF-30-12 ist seit Mitte der 80er Jahre
im Guild-Programm und zählt zu den beliebten und erfolgreichen
Modellen. Den Guild-Twelvestrings haftet der Ruf an, Gitarristen
und Zuhörer mit besonders lautem und klarem Ton zu beglücken.
Konstruktion
Die JF-30-12 ist eine ausgewachsene Jumbo. Die
amerikanischen Maße lesen sich so: 17 Zoll Breite, 21 Zoll Länge, 5
Zoll Tiefe. Die Decke besteht aus massiver AA-Fichte und weist
eine sehr schöne, gleichmäßige und enge Maserung
auf. Interessanterweise ist die Decke trotz des hohen Saitenzuges
nicht signifikant dicker als die von normalen Six-Strings. Hier
wird offensichtlich die nötige Stabilität durch ein kräftiges
und für Zwölfsaitige optimiertes Bracing gewonnen. Guild
nennt seine Entwicklung „Jumbo Bracing Pattern“, ein
Blick ins Innere offenbart ein handgeschnitztes Scalloped-Bracing.
Die Korpusseiten bestehen aus Curly Maple, also aus massivem Ahorn
mit einer aufregenden „streifigen“ Struktur und Maserung.
Durch die perfekte Hochglanzlackierung wird hier eine ansprechende
Tiefenwirkung erreicht. Auch der Boden besteht aus Ahorn, doch
wurde hier ein mehrschichtiges Laminat verbaut. Dies ist Guild-typisch
und hängt mit der starken Wölbung des Bodens zusammen.
Alle Hölzer dieser Gitarre sind von hervorragender Qualität
und attraktiver Optik. Um die Korpuskanten verläuft ein mehrstreifiges
schwarz-weißes Kunststoff-Binding. Hier gibt es einen Kritikpunkt
anzumelden: das Binding ist nicht verrundet, sondern besitzt eine
recht scharfe Kante, die je nach Haltung und Spielweise unschön
in den rechten Arm drückt. Rund um das Schallloch zieht sich
ein aufgeklebter Streifen, der im unteren Bereich vom Tortoise
Shell Pickguard verdeckt wird. Die Bridge ist sanft geschwungen
und besteht aus Ebenholz; die Saiten werden mit Plastik-Pins festgesteckt.
Der Hals der JF-30-12 besteht aus Mahagoni, genauer gesagt aus
zwei Mahagoni-Stücken mit einem schmalen Mittelstreifen aus
Ahorn. Er wird aufgrund des hohen Saitenzuges von einem doppelten
Stahlstab stabilisiert. Typisch ist die große Kopfplatte
mit den zwölf kleinen vergoldeten Grover-Tunern, die gewohnt
gut ihren Dienst verrichten. Speziell bei Twelvestrings, die naturgemäß schwer
zu stimmen sind, sind qualitativ hochwertige Mechaniken unverzichtbar.
Die Grovers auf unserer Testgitarre benahmen sich tadellos, sorgten
für gute Stimmung und hielten diese auch über längere
Zeiträume. Das Griffbrett der JF-30-12 besteht aus Ebenholz;
einzige Verzierung sind Mother-Of-Pearl-Dots an den bekannten Positionen.
Die Halsmaße betragen 4,2 cm Breite am Sattel und 5,9 cm
am XII. Bund. Die Halsrückseite entspricht einem leicht abgeflachten
D und trägt dazu bei, dass diese Twelvestring trotz imposanter
Maße vergleichsweise bequem zu spielen ist. Die Verrundung
der Griffbrettkanten sowie der Bundstäbchen und überhaupt
der gesamte „Fret-Job“ sind tadellos. Auf der Kopfplatte
prangt neben dem bekannten Guild-Schriftzug ein längliches
kronenförmiges Inlay (im Firmenjargon „Chesterfield
Logo“ genannt).
Die Konstruktion dieser Guild-Acoustic bestätigt einmal mehr
den Ruf der Company (inzwischen unter dem Fender-Dach heimisch), äußerst
robuste und langlebige Gitarren zu bauen. Dabei geht es nicht etwa
um hemdsärmeliges Handwerkertum und eine eher derbe Gitarrenbau-Attitüde,
im Gegenteil. Die JF-30-12 (und eigentlich alle Guilds, die ich
bisher unter den Fingern hatte) ist hervorragend verarbeitet und
bei aller Solidität durchaus filigran gebaut. In Sachen Verarbeitung
habe ich nichts auszusetzen und vergebe gern die Bestnote.
Klang und Handhabung
Aufgrund der großen Kopfplatte und des Gewichtes der zwölf
Mini-Tuner neigt die JF-30-12 zu einer leichten Kopflastigkeit.
Dies ist jedoch auch ohne Gurt mit der linken Hand in den Griff
zu bekommen, ohne dass dadurch die Bespielbarkeit leidet. Tatsächlich
ist diese voluminöse Twelvestring angesichts ihrer Ausmaße
verblüffend leicht zu spielen. Man muss natürlich um
den Korpus herumfassen und sich mit der großen Kiste vorm
Bauch erst mal arrangieren, doch das betrifft jede Jumbo, ob mit
sechs oder zwölf Saiten. Die Arbeit der linken Hand an Hals
und Griffbrett ist dann schließlich gar nicht so anstrengend
und kräftezehrend wie zunächst befürchtet. Tatsächlich
braucht man, als Gitarren-Normalo mit Vorliebe für sechs Saiten,
keineswegs Angst vor dieser schweren Lady zu haben. Nach einer
ersten Phase des vorsichtigen Kennenlernens zeigt sich, dass man
durchaus leichtfüßig auf dem etwas verbreiterten Griffbrett
tänzeln kann und die gewohnten Melodien und Akkorde mit etwas
mehr Zupacken hinbekommt. Auch das etwas breitere Aufsetzen der
Fingerspitzen (schließlich muss man zwei Saiten herunter
drücken) gelingt nach kurzer Zeit. Also: Kein Grund zur Panik.
Ist die erste Ehrfurcht und die traditionelle Berührungsangst
einmal überwunden, offenbart sich diese Twelvestring als durchaus
zugänglicher Charakter. Und damit wären wir beim Sound
der JF-30-12. Dieser ist absolut mächtig und laut, dabei jedoch
von einer verblüffenden Klarheit und Subtilität. Mit
einem festen Plektrum erklingt die Guild unglaublich voluminös
und raumfüllend. Ein Singer/Songwriter, der sich mit dieser
Gitarre begleitet, braucht sich um die Tragfähigkeit der Song-Begleitung
wirklich keine Sorgen mehr zu machen. Wechselt man zu einem etwas
dünneren flexiblen Pick, erreichen flirrende Klangwolken das
Ohr, die mit dynamischem Anschlag eine ganze Combo ersetzen können.
Doch auch filigrane Dinge lassen sich realisieren, schließlich
ist man nicht gezwungen, die ganze Zeit kräftig reinzulangen.
Auch einen etwas zärtlicheren Anschlag quittiert die Guild
mit fülligem Sound, es wird dann etwas HiFi-mäßiger,
die Mitten treten zurück, Bässe und Höhen dominieren
das Klangbild. Auch dem Single-Note-Solisten hat die JF-30-12 einiges
zu bieten. Insbesondere im mittleren Register auf D- und g-Saite
kommen reizvolle Linien zu Gehör, die durch die Oktavierung
gewinnen. Bleibt man zu lange ausschließlich auf h- und e-Saite,
wird das Bild durch den Gleichklang etwas monoton. Besonders interessant
sind angulare Linien, die gern auch wild und abstrakt zwischen
den Saiten hin und her springen dürfen. Die stete Abwechslung
zwischen Oktavierung und Gleichklang sorgt dabei für willkommene
Unvorhersagbarkeit.
Twelvestrings und Fingerpicking – ein besonderes Thema. Auf
der einen Seite gehören die Zwölfsaitigen schon traditionell
zum gängigen Instrumentarium von Fingerstyle-Spezialisten;
einige legendäre Einspielungen sind so entstanden. Auf der
andere Seite kapitulieren viele Fingerpicker vor den Ansprüchen
der doppelchörigen Saiten. Man muss die Spieltechnik umstellen,
den Anschlag modifizieren und mit dem Winkel zur Saite experimentieren – und
doch kann es passieren, dass nach vielen Versuchen und langem Üben
nicht das angestrebte Klangbild oder die gewohnte Lässigkeit
und Selbstverständlichkeit erreicht wird. Für mein Empfinden
ist die JF-30-12 auch für die Anschlaghand zu meistern. Wer
eine flexible und anpassungsfähige Rechte hat und dazu feste
und ausreichend lange Fingernägel, kann hier einen orchestralen
Klangteppich oberster Güte ausbreiten. Dazwischen gestreute
Obertöne lassen die Sonne aufgehen, deftige und leicht abgedämpfte
Bass-Riffs sorgen für erdige Schwere. Man höre sich Aufnahmen
von Leo Kottke oder Ralph Towner an und entscheide dann, ob man
nicht Lust hat dieses Klangbild einmal selbst zu erzeugen. Die
Guild JF-30-12 bietet die Grundlage, den berühmten Twelvestring-Sound
in professioneller Qualität zum Besten zu geben.
Fazit
Die Guild JF-30-12 bestätigt einmal mehr den Ruf dieser Firma,
hervorragende Zwölfsaitige zu bauen. Die JF-30-12 ist in Sachen
Materialauswahl und Verarbeitung kompromisslos und auf hohem Niveau.
Trotz der ausladenden Maße ist sie keinesfalls ein „Angstgegner“.
Auch klanglich kann nur Bestes berichtet werden. Entgegen der Tendenz
vieler Twelvestrings zu undifferenzierter und leicht matschiger
Wiedergabe kommen hier alle Töne klar und wohldefiniert zu
Gehör. Neben mächtig schiebenden und urgewaltigen Lautstärken
ermöglicht die JF-30-12 auch flirrende Klangwolken und subtile
Stimmführungen. In der Hand des kundigen Gitarristen ist die
Guild Twelvestring bei gehobener Qualität ein inspirierendes
Instrument, für Fans!
AKUSTIK GITARRE CD
Auf der CD zum aktuellen Heft ist ein Audio-Beitrag
zu hören,
eingespielt mit der Guild JF-30-12. Demonstriert werden typische
Spielweisen mit Plektrum und Fingerstyle. Die Gitarre wurde mit
zwei Großmembran-Kondensator-Mikrofonen aufgenommen.
Technische Daten
Modell Guild JF-30-12
Herkunft USA
Bauweise Jumbo Twelve-String
Body Ahorn, massiv (Seiten); Ahorn, laminiert (Boden)
Decke Fichte, massiv
Bindings Kunststoff
Hals Mahagoni/Ahorn, dreistreifig
Griffbrett Ebenholz
Bünde 20 medium
Hals-Korpus-Übergang 14. Bund
Saitenabstand Sattel/Steg 39 mm/56mm
Mechaniken Grover, vergoldet
Steg Ebenholz
Finish Hochglanz, natur
Optionen Pickup/Preamp; Finish Black oder Antique Burst
Preis ca.2319 € incl. Luxus-Hardcase
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