Referenz
Neue CDs, Videos und Bücher
Ausgabe 5 / 2001

Axel Schultheiß
"Beyond Acoustic Guitar" (Artist Ahead, 46 Seiten inkl. CD)

Dass es sich bei dem vorliegenden Band nicht um eine Gitarrenschule im herkömmlichen Sinne handelt, stellt der Gitarrist und Autor Axel Schultheiß bereits im Vorwort klar - und wer die Trance-artigen Klänge der Kompositionen des Autors bereits von seinem jüngst erschienenen Debütalbum "Free Mind" kennt, wird sicherlich auch nicht auf den Gedanken kommen, dass hier die typischen Grundlagen des Fingerpicking vermittelt werden sollen. "Beyond Acoustic Guitar" ist vielmehr eine Inspirationsquelle für bereits fortgeschrittene Spieler, die sich für moderne Ausdrucksmöglichkeiten auf der Steelstringitarre interessieren und bietet vor allem eine Menge Hilfen und Tipps im Zusammenhang mit dem extensiven Einsatz von Effektgeräten. So widmet sich Schultheiß zwar in der ersten Hälfte des Buches noch herkömmlichen Spieltechniken, richtet dabei aber den Blick auf die sonst eher vernachlässigten Aspekte wie Dynamik, Klangfarben, Umgang mit Fingerpicks, sowie speziellen Präparationen der Steelstring-Gitarre. Des weiteren ist eines der wohl wichtigsten Effektgeräte im Schultheiß'schen "New-Age"-Gitarrenstil das Delay (Echogerät). Sehr anschaulich erklärt Schultheiß hier Wirkungsweise und Einsatzmöglichkeiten dieses Effektes. Und mit insgesamt fünf Eigenkompositionen, die auf der beiliegenden CD zu hören sind, werden im zweiten Teil die angesprochenen Techniken in die Praxis - sprich in Musik umgesetzt. Selbstverständlich sind alle Übungen und Spielstücke sowohl als Noten-, als auch in Tabulaturschrift abgedruckt, was gerade bei Stücken in Open Tunings unerlässlich ist. "Beyond Acoustic Guitar" ist ein recht spezielles, dafür aber um so interessanteres Lehrwerk, das enorme Hilfestellung bei der Suche nach alternativen Ideen und Spieltechniken bietet. Empfehlenswert! Gregor Hilden


Stephan Schmidt
"Klassische Gitarrenstücke" (Schott, 116 Seiten inkl. CD)

"Ohrwürmer" und Traditionals bis hin zu Gitarrenklassikern, aber auch unbekanntere Kompositionen bietet Stephan Schmidt in seinem neuen Gitarrenbuch "Klassische Gitarrenstücke". Die interessant ausgewählten und abwechslungsreichen Stücke halten mit diesem Werk Klassik-Fans, aber sicherlich auch Gitarristen aus anderen stilistischen Lagern bis zu letzten Note bei Laune. Jedes Stück wird mit wenigen Sätzen eingeführt, wobei zumeist auf Entstehung oder Herkunft hingewiesen wird. Alle Titel sind löblicherweise sowohl in Tabulatur und als auch Noten abgedruckt. Und trotz des Umfangs des Buches ist die Handhabung praktisch, da es als Ringbuch unproblematisch auf dem Notenständer geblättert werden kann.
Die Unterteilung in die Epochen Renaissance, Barock, Klassik und Romantik/Folklore schafft einen kleinen Überblick über die Gitarrenliteratur im Laufe der Jahrhunderte. Der Schwierigkeitsgrad nimmt, von einem leichten Einstieg zu Beginn, im Verlauf der 50 Stücke stetig zu, so dass erkennbare Erfolge im Grundeabzusehen sind. Mittelfortgeschrittene Gitarristen und selbst Anfänger mit geringeren Vorkenntnissen werden mit diesem Buch sicherlich auch ohne Anleitung hervorragend zurecht kommen. Allerdings fehlen jegliche Angaben zu Dynamik und Tempi, ebenso Hinweise zur zeitgenössischen Aufführungspraxis der verschiedenen Epochen. Dies kann verunsichern, da bestimmte Tipps, wie beispielsweise der Umgang mit einem Triller in der jeweiligen Epoche, fehlen. In diesem Fall bietet sich die Erarbeitung des Stoffes mit einem Lehrer an. Alle 50 eingespielten Stücke auf der beiliegenden CD werden von Thomas Etschmann und Helmut Müller recht nüchtern dargeboten - lassen auf diese Art aber Spielraum für eigene Interpretationsansätze.
Auch Fingerpicker mit Interesse an dieser Materie werden mit dieser Sammlung schnell vorankommen. Eine Anschaffung, die sich für den Einsteiger in das klassische Gitarrespiel allemal lohnt. Simone Schlobinski

Charles Shaar Murray
"John Lee Hooker - der Boogie-Mann"
(Hannibal Verlag, 479 Seiten)

John Lee Hooker war ein Mythos - nicht einfach nur einer der ältesten noch praktizierenden Bluesmusiker. John Lee Hooker war der Boogie-Mann und schon zu Lebzeiten eine Legende. Seltsamerweise steht sein legendärer, überlebensgroßer Ruf in einem fatalen Verhältnis zur Zahl seiner Biografien. So richtig wagte sich noch niemand an ihn heran. Der Brite Charles Shaar Murray tat es kann diverse Meriten vorweisen: Seine ebenfalls im Hannibal-Verlag erschienene Jimi-Hendrix-Biografie ist, da kulturwissenschaftlich gut untermauert, die wohl beste aller Biografien über den Gitarrenpyromanen. Und Murrays "Blues-CD-Guide" ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch zuverlässig. Dass er an Hooker scheitern würde, war daher kaum anzunehmen. Und richtig, auf über vierhundert Seiten folgt er nicht nur penibel und detailgenau der mit Interviews angereicherten Chronologie der Ereignisse, sondern glänzt zudem mit kundigen Bewertungen, Analysen und Meinungen. Eine grandiose Leistung und ein Buch, das, dank der Recherchen des Autors und seiner weitschweifenden Erläuterungen zum Verständnis des Blues´ - nicht nur für Hooker-Fans - eine wahre Fundgrube an Erkenntnissen ist. Hier dürfen und sollten alle mitlesen, die an afro-amerikanischer Musik interessiert sind. Adrian Wolfen


Ahmed El-Salamouny BONUS TRACK!!!!!!
"Brazilian Guitar"
(Acoustic Music Records, inkl. CD)

Ein Lehrwerk in dieser Richtung hat gefehlt! Hier wird der Versuch unternommen, Gitarristen aller Art fundiert an die brasilianische Musik heranzuführen. Dies geschieht gleich zweisprachig (Deutsch und Englisch). Brasilianische Musik ist stark im Kommen, und es gibt unendlich viel zu entdecken. Der klassisch ausgebildete Gitarrist deutsch-ägyptischer Abstammung, Ahmed El-Salamouny, beschäftigt sich schon seit 18 Jahren mit der Musik Brasiliens. Seine Erfahrungen aus zahlreichen Workshops, Konzerten und nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit brasilianischen Kollegen bringt er in dieses Buch mit ein. Es ist in drei große Teile gegliedert, die sich dem Choro, der Samba und dem Bossa-Nova (sowie den afro-brasilianischen Rhythmen) widmen. Im Einzelnen werden neun verschiedene Stücke (Solos und Duos), zudem zahlreiche Pattern und Übungen vorgestellt. Vieles davon befindet sich in den Hörbeispielen auf der dem Buch beigelegten CD. Außerdem gibt es Informationen zu verschiedenen Begriffen der brasilianischen Musik, theoretisches Hintergrundwissen, einen Abschnitt über Akkordlehre und Anleitungen zu kreativem Spiel auf der Grundlage typischer Harmonien. Abgerundet wird das Ganze durch eine Liste mit Hinweisen auf Literatur und Lehrbücher. Einziger Kritikpunkt: ausführlich werden die sogenannten "Musica Popular Brasileira" (kurz MPB) und deren wesentliche Vertretern behandelt. Zwar der äußerst einflussreiche Klangalchemist Carlinhos Brown, nicht aber Chico Cesar oder Daniela Mercury); nichts auch zur Axé-Musik (einer neuer Stilrichtung, die Funk, Rock und afro-brasilianische Elemente miteinander vermischt). Dies liegt vermutlich an der eher traditionellen Ausrichtung des Buches. Insgesamt gesehen ist dieses Lehrbuch jedoch sehr empfehlenswert! Eine Beschäftigung mit moderneren Ansätzen könnte folgen. Rüdiger Scherping

Videos
Tommy Emmanuel
"Guitar Talk" (Video, 77min, inkl. Begleitheft, Mail Order Music)

Es gibt wohl kaum eine Stilistik, die dieser Gitarrist nicht beherrscht. Und so langsam haben sich die herausragenden Qualitäten von Tommy Emmanuel auch außerhalb seines Heimatkontinents Australien herumgesprochen, wo der smarte Instrumentalist längst einen Superstar-Status genießt. In seinem Video "Guitar Talk", das ab sofort von dem Berliner Notenversand Mailorder Music vertrieben wird, demonstriert Emmanuel einmal mehr die gesamte Bandbreite seines Könnens. Und auch wenn er auf dem Cover noch seine geliebte Telecaster in den Händen hält, ist der überwiegende Teil dieser VHS-Gitarrenschule seiner eigentlichen Domäne, der Akustischen gewidmet. Picking, Strumming, Ragtime, Jazz, Improvisation - alles wird hier kurz angerissen, dies auf verständlicher Basis und beginnend bei einem Anfänger-gerechten Level - bis es dann im Verlauf von immerhin 77 Minuten spieltechnisch noch einmal hoch hinaus geht. Eigentlich ist es auch nicht so sehr der pädagogische Wert, der dieses Video so interessant macht, wenngleich Emmanuel natürlich eine Menge über seine verschiedensten Spieltechniken zu berichten weiß. Überfordert ist man als Anfänger aber spätestens dann, wenn man sich mit den sparsamen Hieroglyphen des wahrlich katastrophalen Begleitheftes beschäftigen möchte. Auf den 14 nur postkartengroßen Notenseiten befinden sich zwar eine Menge handschriftlicher Fliegenkleckse, die man mit ein wenig Geschick in Notenschrift umdeuten kann, auf Tabulaturen wurde aber gänzlich verzichtet. Nun, die Entschädigung für das mangelnde didaktische Konzept gibt es dann aber mit Tommys Musik und seinem Spiel, inklusive einiger professionell produzierter Musikvideo-Spots, die man hierzulande bei VIVA oder MTV wohl nicht mehr zu sehen bekommt. Für Fans und solche die es werden wollen ein Muss! Gregor Hilden

CDs
Peter Ratzenbeck BONUS-TRACK!!!!!!!!!
"Peter's Fancy" (Stockfisch/In-Akustik)

Was passiert, wenn ein österreichischer Fingerpicking-Maestro und ein deutscher Plattenproduzent mit ausgeprägt audiophilem Know-how zusammenkommen? Keine Frage, es entsteht eine CD, und nicht nur eine von internationaler Klasse, sondern vor allem auch eine CD, die schon mit den ersten Tönen das nicht allzu oft zu verspürende "Gänsehaut-Erlebnis" auszulösen vermag.
Dass Peter Ratzenbeck ein ideenreicher, erfahrener und technisch versierter Gitarrist wie auch Komponist ist, weiß man vielleicht schon, wenn man die anderen Platten aus seinem mittlerweile sehr umfangreichen Backkatalog kennt. Dass Ratzenbeck aber auch eine Stimme besitzt, die sich vorzüglich mit seiner brillanten Steelstring-Gitarre in Einklang bringt, wird gerade mit "Peter's Fancy" zu einer Offenbarung. Aber Ratzenbeck ist geschickt genug, seine vokalen Künste hier nur vereinzelt einzustreuen. Dies in harmonischer Abwechselung mit seinen wunderschönen Instrumental-Kleinoden - die mal sensibel hingehaucht, mal mit kraftvollem Anschlag auf den enorm modulationsfähigen Stahlseiten seiner rund und glockig klingenden Martin- und Stevens-Steelstrings intoniert werden. In absoluter Spannung geht es im Zusammenspiel mit dem Gitarristen Chris Jones weiter, und geradezu konzertant-intim erklingen die balladesken Solo-Instrumentals mit ihrem luftig-leichten Fingerstyle-Anschlag. Schwebende Sounds, inklusive farbenprächtiger Slide-Einlagen finden sich neben deftigen Pickings und feinen Arrangements. Das alles ist von solcher Ästhetik und Raffinesse, und zudem dank der Toningenieure Günter Pauler und Hans-Jörg Mauksch in edelstem Soundgewand konserviert, dass man sich wünscht, das Ende der CD möge auch nach dem 15. Titel noch lange nicht erreicht sein.... Mit "Peter's Fancy" kommt Peter Ratzenbecks reifstes Werk; eine CD, die definitiv jeder Fingerpicking-Fan in seinem Plattenschrank haben sollte! Gregor Hilden

John Doyle
"Evening Comes Early" (Shanachie/Koch)

Es ist das Interessante an der amerikanischen Variante der traditionellen irischen Volksmusik, wie hier die Vermischung mit Einflüssen aus US-Bluegrass oder Country immer wieder zu neuen, spannenden musikalischen Ergebnissen führt. So auch bei dem Debüt-Album des Ex-"Solas"-Gitarristen John Doyle. Mitreißende Fiddle-Tunes bringt der junge Gitarrist auf "Evening Comes Early" zu Gehör, zauberhafte Balladen und überaus abwechselungsreiche Traditionals ("North Sea Holes", Willie Riley", "Pretty Saro"). Und dass Doyle nicht nur ein fantastischer und kreativer Gitarrist, sondern auch ein vorzüglicher Sänger ist, bekommt man mit dieser CD erstmalig zu Gehör. Der perfekte Satzgesang und ein so dezent wie sicher aufspielendes Begleitensemble veredeln dabei die Ausführungen des Youngster-Bandleaders, der mit dieser Platte einen mehr als beachtlichen Einstand als Solokünstler abgibt. Freude beim Hören kommt zudem durch die exzellente Aufnahmequalität dieses Albums auf. Unbedingt empfehlenswert! -gh-

Todd Thibaud
"Church Street Live"
(Blue Rose/ In-Akustik)

Fast hätte man gedacht, dieser Typ Songwriter sei ausgestorben: einer, der alleine mit einer Gitarre in kleinen Clubs sitzt und sich mit seinem Plektrum irgendwo zwischen Folk und Rock durchschrammelt. Das Spektrum seiner Songbegleitungen ist etwa so breit wie das eines engagierten Gitarrenamateurs, und wenn es ihn nach Abwechslung gelüstet, bedient er sich, ähnlich wie Bob Dylan, gelegentlich der auf ein Gestell montierten Mundharmonika. Todd Thibaud hat in Burlington, Vermont ein Heimspiel ("Please Welcome One Of Us"), er besitzt eine angenehm beiläufige Stimme, ein Händchen für richtig gute Melodien und Songstrukturen, die unmittelbar einleuchten. Da er nicht zupft (Ausnahme "2 AM"), gelingen ihm zwar nicht solch raffinierte Songbegleitungen, die aus Ideen echte Perlen machen, außerdem bedingt ein zumeist mittleres Tempo im Gesamtverlauf wenige Kontraste. Aber während man sich noch fragt, ob diesen Songs nicht vielleicht doch eine kompakte Folk-Rock-Band gut täte, geht einem allmählich auf, welch schönen Sog Thibauds Musik, zusammen mit den wohltuend nachdenklichen Texten, ohne kitischige Romantizismen oder modische Attitüden ausübt. Und so macht man letztlich auch als Gitarrist eine ausgesprochen sympathische Entdeckung. Michael Lohr


Various Artists
"The Folk Awards" (Topic/ In-Akustik)

Es mag ja sein, dass vieles im Folk relativ einfach zu spielen ist und engagierten Amateuren eine erste Bühne bietet. Aber sobald man solche sympathischen Dinge auf eine CD bringen will, zeigt sich oft, dass deren Zauber nur auf einem ganz schmalen Grat funktioniert: nicht professionell genug gemacht, klingt es peinlich; zu glatt inszeniert, verliert es jedes Leben. Dieser Sampler der heutigen britischen Folk-Szene stellt alle diejenigen vor, denen es in den letzten Jahren vorbildlich gelungen ist, den schier unsichtbaren Pfad auf traumwandlerische Art sicher zu beschreiten. Von Waterson Carthy bis Bert Jansch und sogar Taj Mahal sind hier viele Schattierungen dieser Musik vertreten. Allen gemeinsam sind eine hervorragende Aufnahmequalität (ohne dass sich die gefürchtete Glätte einstellen würde), außergewöhnliche Technik von Instrument und Stimme,sowie zumeist radikal individuelle Interpretationen. Unter vielen Perlen sei vielleicht die ungewöhnlichste hervorgehoben: Taj Mahal, zusammen mit dem Harfenisten Toumani Diabate aus Mali, machen das Stück "Ol´ Georgie Buck" zum Weltmusikerlebnis, das zugleich himmlisch schön und erdig ungehobelt klingt. Eine klasse Zusammenstellung, vor der man in Ehrfurcht erstarren mag! -ml-

John Prine
"Souvenirs" (Ulftone/Edel Contraire)

Aus mehr als 30 Jahren des Liederschreibens hat der Meister des teilnahmsvollen Sarkasmus wahrscheinlich fünfmal so viele Songs geschrieben, als auf diese dezent instrumentierte, weitestgehend akustische Neueinspielung gepasst haben. Deshalb ist die Auswahl notwendigerweise subjektiv und lückenhaft. So fehlt außer dem köstlichen Humor von "The Bottomless Lake" auch die umwerfende Aussteiger-Satire "Spanish Pipe Dream" von Prines erstem Album, mit dem man ihn zum zweiten Bob Dylan machen wollte. Dass dieser Versuch an der fehlenden Eignung des Ex-Briefträgers scheiterte, sich den Mythos des geheimnisvollen Poeten und Pop-Superstars überhängen zu lassen (er wollte doch nur der ehrliche, humorvolle Chronist der Alltagstragödien des Durchschnittsamerikaner bleiben), führte langfristig zu einem fast unerreichten Kultstatus - und der Gründung des eigenen Labels, auf dem der Mann endlich die wenig aufwendigen, folkigen kleinen Diamanten produzieren konnte, die seinen unnachahmlich trocken pointierten Worten entsprechen: "There´s a hole in Daddy´s arm where all the money goes". Dieser Satz gehört mit Sicherheit zu seinen genialen Songzeilen. Der dazu gehörige Song über den heroinsüchtigen Vietnamveteranen "Sam Stone" ist auf der CD natürlich auch vertreten - wie alle anderen Lieder in einer zeitlos schlichten, leicht trägen Interpretation, die so authentisch klingt, als sitze jemand, der auch schon einmal "Christmas In Prison" verbringen musste, auf seiner Veranda und singe das alles in den Abend hinein. -ml-

Dr. J.
"Acoustified" (Tomtone)

Es mag schon sein, dass Puristen sich abwenden. Aber es führt kein Weg daran vorbei, dass es so etwas wie Sequencer und Loops gibt auf dieser Welt. Und was es gibt, wird auch benutzt, und was benutzt wird, das wird auch irgendwann jemand auf intelligent kreative Art und Weise verwenden. Und eben das hat Tom Riepl mit seinem Partner Dr. J getan - zumindest streckenweise: Ungemein eingängige Grooves und Harmonien haben die beiden in einem solchen Teufelsgerät vorprogrammiert, um sich dann dazu mit zwei High-End-Akustikgitarren in teilweise wunderschönen Melodien und mitreißenden Improvisationen zu ergehen. Dass diese ungewöhnliche Fusion-Idee, die irgendwo zwischen Sade, Tony Rice, Earl Klugh und Pat Metheny liegt, inzwischen über das Internet und karitative Kanäle (die CD unterstützt Österreichs Dialyse-Kinder) angeblich an die 10.000mal verkauft wurde, ist zwar von hier aus nicht überprüfbar, erscheint aber nicht ausgeschlossen. Denn die Kombination künstlicher Sounds (hervorragend programmiert!!) und packend intonierender Akustikgitarren bietet nicht nur einen eigenen Hörreiz - sie ist auch noch unverschämt kommerziell und bietet in etwa das, was sich der aufgeklärte Durchschnittshörer von heute unter guter Instrumentalmusik vorstellt, die irgendwie nach Jazz klingt, ohne wehzutun. Dass dabei kaum ein Klischee ausgelassen wird, fällt nur dann unangenehm auf, wenn die Einfälle nicht ganz so stark sind - oder die Klangbalance zwischen Akustikgitarren und Sequencer zufälligerweise einmal nicht stimmt. -ml-

Iain Matthews
"A Tiniest Wham" (Blue Rose/ In-Akustik)

Gibt es vielleicht doch - viel früher, als manche Beobachter vermuten mochten - eine Wiederkehr des melodiösen Songs? Während der Sprechgesang zu boomen scheint und die Hip-Hopper alle möglichen kommerziellen Preise abräumen, mehren sich unter der Oberfläche die Anzeichen dafür. Ein geradezu trotzig-triumphales Bekenntnis zu Liedern, die man von vorne bis hinten mitpfeifen kann, legt der altgediente Folk-Rocker Iain Matthews mit diesem Album wieder vor - und startet ausgerechnet mit einem hymnischen (und ohrwurmartigen) "I´m Alive". In nahtloser, perfekter Zusammenarbeit mit seiner Band bewegt er sich in einem stilistischen Niemandsland, das kaum noch jemand beackern möchte, und manchmal fehlt vor lauter schöner Mühelosigkeit zumindest auf den ersten Blick die Tiefe. Anderes fesselt sofort: mit treibenden Grooves ("Funk And Fire" enthält zahlreiche Anspielungen auf die Songtradition, deren Sachwalter Matthews immer noch ist), oder mit vom ersten Ton an überzeugenden Einfällen wie "Like Mercury" und "The Great Afterthought". Die beigelegte Bonus-Live-CD ist rockiger ausgefallen und enthält als Höhepunkt eine gelungene Version von Van Morrisons "And It Stoned Me", und dass diese CD neben der Originalaufnahme des Meisters bestehen kann, sagt schon Einiges. -ml-

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5/2001