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Axel
Schultheiß
"Beyond Acoustic Guitar" (Artist Ahead, 46 Seiten inkl.
CD)
Dass es sich bei dem vorliegenden Band nicht um eine Gitarrenschule
im herkömmlichen Sinne handelt, stellt der Gitarrist und Autor
Axel Schultheiß bereits im Vorwort klar - und wer die Trance-artigen
Klänge de r
Kompositionen des Autors bereits von seinem jüngst erschienenen
Debütalbum "Free Mind" kennt, wird sicherlich auch
nicht auf den Gedanken kommen, dass hier die typischen Grundlagen
des Fingerpicking vermittelt werden sollen. "Beyond Acoustic
Guitar" ist vielmehr eine Inspirationsquelle für bereits
fortgeschrittene Spieler, die sich für moderne Ausdrucksmöglichkeiten
auf der Steelstringitarre interessieren und bietet vor allem eine
Menge Hilfen und Tipps im Zusammenhang mit dem extensiven Einsatz
von Effektgeräten. So widmet sich Schultheiß zwar in
der ersten Hälfte des Buches noch herkömmlichen Spieltechniken,
richtet dabei aber den Blick auf die sonst eher vernachlässigten
Aspekte wie Dynamik, Klangfarben, Umgang mit Fingerpicks, sowie
speziellen Präparationen der Steelstring-Gitarre. Des weiteren
ist eines der wohl wichtigsten Effektgeräte im Schultheiß'schen
"New-Age"-Gitarrenstil das Delay (Echogerät). Sehr
anschaulich erklärt Schultheiß hier Wirkungsweise und
Einsatzmöglichkeiten dieses Effektes. Und mit insgesamt fünf
Eigenkompositionen, die auf der beiliegenden CD zu hören sind,
werden im zweiten Teil die angesprochenen Techniken in die Praxis
- sprich in Musik umgesetzt. Selbstverständlich sind alle Übungen
und Spielstücke sowohl als Noten-, als auch in Tabulaturschrift
abgedruckt, was gerade bei Stücken in Open Tunings unerlässlich
ist. "Beyond Acoustic Guitar" ist ein recht spezielles,
dafür aber um so interessanteres Lehrwerk, das enorme Hilfestellung
bei der Suche nach alternativen Ideen und Spieltechniken bietet.
Empfehlenswert! Gregor Hilden
Stephan Schmidt
"Klassische Gitarrenstücke" (Schott, 116 Seiten inkl.
CD)
"Ohrwürmer" und Traditionals bis hin zu Gitarrenklassikern,
aber auch unbekanntere Kompositionen bietet Stephan Schmidt in seinem
neuen Gitarrenbuch "Klassische Gitarrenstücke". Die
interessant ausgewählten
und abwechslungsreichen Stücke halten mit diesem Werk Klassik-Fans,
aber sicherlich auch Gitarristen aus anderen stilistischen Lagern
bis zu letzten Note bei Laune. Jedes Stück wird mit wenigen
Sätzen eingeführt, wobei zumeist auf Entstehung oder Herkunft
hingewiesen wird. Alle Titel sind löblicherweise sowohl in
Tabulatur und als auch Noten abgedruckt. Und trotz des Umfangs des
Buches ist die Handhabung praktisch, da es als Ringbuch unproblematisch
auf dem Notenständer geblättert werden kann.
Die Unterteilung in die Epochen Renaissance, Barock, Klassik und
Romantik/Folklore schafft einen kleinen Überblick über
die Gitarrenliteratur im Laufe der Jahrhunderte. Der Schwierigkeitsgrad
nimmt, von einem leichten Einstieg zu Beginn, im Verlauf der 50
Stücke stetig zu, so dass erkennbare Erfolge im Grundeabzusehen
sind. Mittelfortgeschrittene Gitarristen und selbst Anfänger
mit geringeren Vorkenntnissen werden mit diesem Buch sicherlich
auch ohne Anleitung hervorragend zurecht kommen. Allerdings fehlen
jegliche Angaben zu Dynamik und Tempi, ebenso Hinweise zur zeitgenössischen
Aufführungspraxis der verschiedenen Epochen. Dies kann verunsichern,
da bestimmte Tipps, wie beispielsweise der Umgang mit einem Triller
in der jeweiligen Epoche, fehlen. In diesem Fall bietet sich die
Erarbeitung des Stoffes mit einem Lehrer an. Alle 50 eingespielten
Stücke auf der beiliegenden CD werden von Thomas Etschmann
und Helmut Müller recht nüchtern dargeboten - lassen auf
diese Art aber Spielraum für eigene Interpretationsansätze.
Auch Fingerpicker mit Interesse an dieser Materie werden mit dieser
Sammlung schnell vorankommen. Eine Anschaffung, die sich für
den Einsteiger in das klassische Gitarrespiel allemal lohnt. Simone
Schlobinski
Charles Shaar
Murray
"John Lee Hooker - der Boogie-Mann"
(Hannibal Verlag, 479 Seiten)
John Lee Hooker war ein Mythos - nicht einfach nur einer der ältesten
noch praktizierenden Bluesmusiker. John Lee Hooker war der Boogie-Mann
und schon zu Lebzeiten eine Legende. Seltsamerweise steht sein legendärer,
überlebensgroßer Ruf in einem fatalen Verhältnis
zur Zahl seiner Biografien. So richtig wagte sich noch niemand an
ihn heran. Der Brite Charles Shaar Murray tat es kann diverse Meriten
vorweisen: Seine ebenfalls im Hannibal-Verlag erschienene Jimi-Hendrix-Biografie
ist, da kulturwissenschaftlich gut untermauert, die wohl beste aller
Biografien über den Gitarrenpyromanen. Und Murrays "Blues-CD-Guide"
ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch zuverlässig. Dass
er an Hooker scheitern würde, war daher kaum anzunehmen. Und
richtig, auf über vierhundert Seiten folgt er nicht nur penibel
und detailgenau der mit Interviews angereicherten Chronologie der
Ereignisse, sondern glänzt zudem mit kundigen Bewertungen,
Analysen und Meinungen. Eine grandiose Leistung und ein Buch, das,
dank der Recherchen des Autors und seiner weitschweifenden Erläuterungen
zum Verständnis des Blues´ - nicht nur für Hooker-Fans
- eine wahre Fundgrube an Erkenntnissen ist. Hier dürfen und
sollten alle mitlesen, die an afro-amerikanischer Musik interessiert
sind. Adrian Wolfen
Ahmed El-Salamouny BONUS TRACK!!!!!!
"Brazilian Guitar"
(Acoustic Music Records, inkl. CD)
Ein Lehrwerk in dieser Richtung hat gefehlt! Hier wird der Versuch
unternommen, Gitarristen aller Art fundiert an die brasilianische
Musik heranzuführen. Dies geschieht gleich zweisprachig (Deutsch
und Englisch). Brasilianische Musik ist stark im Kommen, und es
gibt unendlich viel zu entdecken. Der klassisch ausgebildete Gitarrist
deutsch-ägyptischer Abstammung, Ahmed El-Salamouny, beschäftigt
sich schon seit 18 Jahren mit der Musik Brasiliens. Seine Erfahrungen
aus zahlreichen Workshops, Konzerten und nicht zuletzt der Zusammenarbeit
mit brasilianischen Kollegen bringt er in dieses Buch mit ein. Es
ist in drei große Teile gegliedert, die sich dem Choro, der
Samba und dem Bossa-Nova (sowie den afro-brasilianischen Rhythmen)
widmen. Im Einzelnen werden neun verschiedene Stücke (Solos
und Duos), zudem zahlreiche Pattern und Übungen vorgestellt.
Vieles davon befindet sich in den Hörbeispielen auf der dem
Buch beigelegten CD. Außerdem gibt es Informationen zu verschiedenen
Begriffen der brasilianischen Musik, theoretisches Hintergrundwissen,
einen Abschnitt über Akkordlehre und Anleitungen zu kreativem
Spiel auf der Grundlage typischer Harmonien. Abgerundet wird das
Ganze durch eine Liste mit Hinweisen auf Literatur und Lehrbücher.
Einziger Kritikpunkt: ausführlich werden die sogenannten "Musica
Popular Brasileira" (kurz MPB) und deren wesentliche Vertretern
behandelt. Zwar der äußerst einflussreiche Klangalchemist
Carlinhos Brown, nicht aber Chico Cesar oder Daniela Mercury); nichts
auch zur Axé-Musik (einer neuer Stilrichtung, die Funk, Rock
und afro-brasilianische Elemente miteinander vermischt). Dies liegt
vermutlich an der eher traditionellen Ausrichtung des Buches. Insgesamt
gesehen ist dieses Lehrbuch jedoch sehr empfehlenswert! Eine Beschäftigung
mit moderneren Ansätzen könnte folgen. Rüdiger Scherping
Videos
Tommy Emmanuel
"Guitar Talk" (Video, 77min, inkl. Begleitheft, Mail Order
Music)
Es gibt wohl kaum eine Stilistik, die dieser Gitarrist nicht beherrscht.
Und so langsam haben sich die herausragenden Qualitäten von
Tommy Emmanuel auch außerhalb seines Heimatkontinents Australien
herumgesprochen, wo der smarte Instrumentalist längst einen
Superstar-Status genießt. In seinem Video
"Guitar Talk", das ab sofort von dem Berliner Notenversand
Mailorder Music vertrieben wird, demonstriert Emmanuel einmal mehr
die gesamte Bandbreite seines Könnens. Und auch wenn er auf
dem Cover noch seine geliebte Telecaster in den Händen hält,
ist der überwiegende Teil dieser VHS-Gitarrenschule seiner
eigentlichen Domäne, der Akustischen gewidmet. Picking, Strumming,
Ragtime, Jazz, Improvisation - alles wird hier kurz angerissen,
dies auf verständlicher Basis und beginnend bei einem Anfänger-gerechten
Level - bis es dann im Verlauf von immerhin 77 Minuten spieltechnisch
noch einmal hoch hinaus geht. Eigentlich ist es auch nicht so sehr
der pädagogische Wert, der dieses Video so interessant macht,
wenngleich Emmanuel natürlich eine Menge über seine verschiedensten
Spieltechniken zu berichten weiß. Überfordert ist man
als Anfänger aber spätestens dann, wenn man sich mit den
sparsamen Hieroglyphen des wahrlich katastrophalen Begleitheftes
beschäftigen möchte. Auf den 14 nur postkartengroßen
Notenseiten befinden sich zwar eine Menge handschriftlicher Fliegenkleckse,
die man mit ein wenig Geschick in Notenschrift umdeuten kann, auf
Tabulaturen wurde aber gänzlich verzichtet. Nun, die Entschädigung
für das mangelnde didaktische Konzept gibt es dann aber mit
Tommys Musik und seinem Spiel, inklusive einiger professionell produzierter
Musikvideo-Spots, die man hierzulande bei VIVA oder MTV wohl nicht
mehr zu sehen bekommt. Für Fans und solche die es werden wollen
ein Muss! Gregor Hilden
CDs
Peter Ratzenbeck BONUS-TRACK!!!!!!!!!
"Peter's Fancy" (Stockfisch/In-Akustik)
Was passiert, wenn ein österreichischer Fingerpicking-Maestro
und ein deutscher Plattenproduzent mit ausgeprägt audiophilem
Know-how zusammenkommen? Keine Frage, es entsteht eine CD, und nicht
nur eine von internationaler Klasse, sondern vor allem auch eine
CD, die schon mit den ersten Tönen das nicht allzu oft zu verspürende
"Gänsehaut-Erlebnis" auszulösen vermag.
Dass Peter Ratzenbeck ein ideenreicher, erfahrener und technisch
versierter Gitarrist wie auch Komponist ist, weiß man vielleicht
schon, wenn man die anderen Platten aus seinem mittlerweile sehr
umfangreichen Backkatalog kennt. Dass Ratzenbeck aber auch eine
Stimme besitzt, die sich vorzüglich mit seiner brillanten Steelstring-Gitarre
in Einklang bringt, wird gerade mit "Peter's Fancy" zu
einer Offenbarung. Aber Ratzenbeck ist geschickt genug, seine vokalen
Künste hier nur vereinzelt einzustreuen. Dies in harmonischer
Abwechselung mit seinen wunderschönen Instrumental-Kleinoden
- die mal sensibel hingehaucht, mal mit kraftvollem Anschlag auf
den enorm modulationsfähigen Stahlseiten seiner rund und glockig
klingenden Martin- und Stevens-Steelstrings intoniert werden. In
absoluter Spannung geht es im Zusammenspiel mit dem Gitarristen
Chris Jones weiter, und geradezu konzertant-intim erklingen die
balladesken Solo-Instrumentals mit ihrem luftig-leichten Fingerstyle-Anschlag.
Schwebende Sounds, inklusive farbenprächtiger Slide-Einlagen
finden sich neben deftigen Pickings und feinen Arrangements. Das
alles ist von solcher Ästhetik und Raffinesse, und zudem dank
der Toningenieure Günter Pauler und Hans-Jörg Mauksch
in edelstem Soundgewand konserviert, dass man sich wünscht,
das Ende der CD möge auch nach dem 15. Titel noch lange nicht
erreicht sein.... Mit "Peter's Fancy" kommt Peter Ratzenbecks
reifstes Werk; eine CD, die definitiv jeder Fingerpicking-Fan in
seinem Plattenschrank haben sollte! Gregor Hilden
John Doyle
"Evening Comes Early" (Shanachie/Koch)
Es ist das Interessante an der amerikanischen Variante der traditionellen
irischen Volksmusik, wie hier die Vermischung mit Einflüssen
aus US-Bluegrass oder Country immer wieder zu neuen, spannenden
musikalischen Ergebnissen führt. So auch bei dem Debüt-Album
des Ex-"Solas"-Gitarristen John Doyle. Mitreißende
Fiddle-Tunes bringt der junge Gitarrist auf "Evening Comes
Early" zu Gehör, zauberhafte Balladen und überaus
abwechselungsreiche Traditionals ("North Sea Holes", Willie
Riley", "Pretty Saro"). Und dass Doyle nicht nur
ein fantastischer und kreativer Gitarrist, sondern auch ein vorzüglicher
Sänger ist, bekommt man mit dieser CD erstmalig zu Gehör.
Der perfekte Satzgesang und ein so dezent wie sicher aufspielendes
Begleitensemble veredeln dabei die Ausführungen des Youngster-Bandleaders,
der mit dieser Platte einen mehr als beachtlichen Einstand als Solokünstler
abgibt. Freude beim Hören kommt zudem durch die exzellente
Aufnahmequalität dieses Albums auf. Unbedingt empfehlenswert!
-gh-
Todd Thibaud
"Church Street Live"
(Blue Rose/ In-Akustik)
Fast hätte man gedacht, dieser Typ Songwriter sei ausgestorben:
einer, der alleine mit einer Gitarre in kleinen Clubs sitzt und
sich mit seinem Plektrum irgendwo zwischen Folk und Rock durchschrammelt.
Das Spektrum seiner Songbegleitungen ist etwa so breit wie das eines
engagierten Gitarrenamateurs, und wenn es ihn nach Abwechslung gelüstet,
bedient er sich, ähnlich wie Bob Dylan, gelegentlich der auf
ein Gestell montierten Mundharmonika. Todd Thibaud hat in Burlington,
Vermont ein Heimspiel ("Please Welcome One Of Us"), er
besitzt eine angenehm beiläufige Stimme, ein Händchen
für richtig gute Melodien und Songstrukturen, die unmittelbar
einleuchten. Da er nicht zupft (Ausnahme "2 AM"), gelingen
ihm zwar nicht solch raffinierte Songbegleitungen, die aus Ideen
echte Perlen machen, außerdem bedingt ein zumeist mittleres
Tempo im Gesamtverlauf wenige Kontraste. Aber während man sich
noch fragt, ob diesen Songs nicht vielleicht doch eine kompakte
Folk-Rock-Band gut täte, geht einem allmählich auf, welch
schönen Sog Thibauds Musik, zusammen mit den wohltuend nachdenklichen
Texten, ohne kitischige Romantizismen oder modische Attitüden
ausübt. Und so macht man letztlich auch als Gitarrist eine
ausgesprochen sympathische Entdeckung. Michael Lohr
Various Artists
"The Folk Awards" (Topic/ In-Akustik)
Es mag ja sein, dass vieles im Folk relativ einfach zu spielen ist
und engagierten Amateuren eine erste Bühne bietet. Aber sobald
man solche sympathischen Dinge auf eine CD bringen will, zeigt sich
oft, dass deren Zauber nur auf einem ganz schmalen Grat funktioniert:
nicht professionell genug gemacht, klingt es peinlich; zu glatt
inszeniert, verliert es jedes Leben. Dieser Sampler der heutigen
britischen Folk-Szene stellt alle diejenigen vor, denen es in den
letzten Jahren vorbildlich gelungen ist, den schier unsichtbaren
Pfad auf traumwandlerische Art sicher zu beschreiten. Von Waterson
Carthy bis Bert Jansch und sogar Taj Mahal sind hier viele Schattierungen
dieser Musik vertreten. Allen gemeinsam sind eine hervorragende
Aufnahmequalität (ohne dass sich die gefürchtete Glätte
einstellen würde), außergewöhnliche Technik von
Instrument und Stimme,sowie zumeist radikal individuelle Interpretationen.
Unter vielen Perlen sei vielleicht die ungewöhnlichste hervorgehoben:
Taj Mahal, zusammen mit dem Harfenisten Toumani Diabate aus Mali,
machen das Stück "Ol´ Georgie Buck" zum Weltmusikerlebnis,
das zugleich himmlisch schön und erdig ungehobelt klingt. Eine
klasse Zusammenstellung, vor der man in Ehrfurcht erstarren mag!
-ml-
John Prine
"Souvenirs" (Ulftone/Edel Contraire)
Aus mehr als 30 Jahren des Liederschreibens hat der Meister des
teilnahmsvollen Sarkasmus wahrscheinlich fünfmal so viele Songs
geschrieben, als auf diese dezent instrumentierte, weitestgehend
akustische Neueinspielung gepasst haben. Deshalb ist die Auswahl
notwendigerweise subjektiv und lückenhaft. So fehlt außer
dem köstlichen Humor von "The Bottomless Lake" auch
die umwerfende Aussteiger-Satire "Spanish Pipe Dream"
von Prines erstem Album, mit dem man ihn zum zweiten Bob Dylan machen
wollte. Dass dieser Versuch an der fehlenden Eignung des Ex-Briefträgers
scheiterte, sich den Mythos des geheimnisvollen Poeten und Pop-Superstars
überhängen zu lassen (er wollte doch nur der ehrliche,
humorvolle Chronist der Alltagstragödien des Durchschnittsamerikaner
bleiben), führte langfristig zu einem fast unerreichten Kultstatus
- und der Gründung des eigenen Labels, auf dem der Mann endlich
die wenig aufwendigen, folkigen kleinen Diamanten produzieren konnte,
die seinen unnachahmlich trocken pointierten Worten entsprechen:
"There´s a hole in Daddy´s arm where all the money
goes". Dieser Satz gehört mit Sicherheit zu seinen genialen
Songzeilen. Der dazu gehörige Song über den heroinsüchtigen
Vietnamveteranen "Sam Stone" ist auf der CD natürlich
auch vertreten - wie alle anderen Lieder in einer zeitlos schlichten,
leicht trägen Interpretation, die so authentisch klingt, als
sitze jemand, der auch schon einmal "Christmas In Prison"
verbringen musste, auf seiner Veranda und singe das alles in den
Abend hinein. -ml-
Dr. J.
"Acoustified" (Tomtone)
Es mag schon sein, dass Puristen sich abwenden. Aber es führt
kein Weg daran vorbei, dass es so etwas wie Sequencer und Loops
gibt auf dieser Welt. Und was es gibt, wird auch benutzt, und was
benutzt wird, das wird auch irgendwann jemand auf intelligent kreative
Art und Weise verwenden. Und eben das hat Tom Riepl mit seinem Partner
Dr. J getan - zumindest streckenweise: Ungemein eingängige
Grooves und Harmonien haben die beiden in einem solchen Teufelsgerät
vorprogrammiert, um sich dann dazu mit zwei High-End-Akustikgitarren
in teilweise wunderschönen Melodien und mitreißenden
Improvisationen zu ergehen. Dass diese ungewöhnliche Fusion-Idee,
die irgendwo zwischen Sade, Tony Rice, Earl Klugh und Pat Metheny
liegt, inzwischen über das Internet und karitative Kanäle
(die CD unterstützt Österreichs Dialyse-Kinder) angeblich
an die 10.000mal verkauft wurde, ist zwar von hier aus nicht überprüfbar,
erscheint aber nicht ausgeschlossen. Denn die Kombination künstlicher
Sounds (hervorragend programmiert!!) und packend intonierender Akustikgitarren
bietet nicht nur einen eigenen Hörreiz - sie ist auch noch
unverschämt kommerziell und bietet in etwa das, was sich der
aufgeklärte Durchschnittshörer von heute unter guter Instrumentalmusik
vorstellt, die irgendwie nach Jazz klingt, ohne wehzutun. Dass dabei
kaum ein Klischee ausgelassen wird, fällt nur dann unangenehm
auf, wenn die Einfälle nicht ganz so stark sind - oder die
Klangbalance zwischen Akustikgitarren und Sequencer zufälligerweise
einmal nicht stimmt. -ml-
Iain Matthews
"A Tiniest Wham" (Blue Rose/ In-Akustik)
Gibt es vielleicht doch - viel früher, als manche Beobachter
vermuten mochten - eine Wiederkehr des melodiösen Songs? Während
der Sprechgesang zu boomen scheint und die Hip-Hopper alle möglichen
kommerziellen Preise abräumen, mehren sich unter der Oberfläche
die Anzeichen dafür. Ein geradezu trotzig-triumphales Bekenntnis
zu Liedern, die man von vorne bis hinten mitpfeifen kann, legt der
altgediente Folk-Rocker Iain Matthews mit diesem Album wieder vor
- und startet ausgerechnet mit einem hymnischen (und ohrwurmartigen)
"I´m Alive". In nahtloser, perfekter Zusammenarbeit
mit seiner Band bewegt er sich in einem stilistischen Niemandsland,
das kaum noch jemand beackern möchte, und manchmal fehlt vor
lauter schöner Mühelosigkeit zumindest auf den ersten
Blick die Tiefe. Anderes fesselt sofort: mit treibenden Grooves
("Funk And Fire" enthält zahlreiche Anspielungen
auf die Songtradition, deren Sachwalter Matthews immer noch ist),
oder mit vom ersten Ton an überzeugenden Einfällen wie
"Like Mercury" und "The Great Afterthought".
Die beigelegte Bonus-Live-CD ist rockiger ausgefallen und enthält
als Höhepunkt eine gelungene Version von Van Morrisons "And
It Stoned Me", und dass diese CD neben der Originalaufnahme
des Meisters bestehen kann, sagt schon Einiges. -ml-
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5/2001
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