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Die Zeiten
sind wohl endgültig vorbei, in denen Jazzgitarren aus deutscher
Produktion eher mitleidig belächelt wurden. Spätestens
seit etwa Mitte der 90er Jahre hat sich bei uns ein kleiner und
feiner Kreis junger heimischer Gitarrenbauer auf einem Gebiet etabliert,
das vormals fast ausschließlich von den großen US-Namen
beherrscht wurde.
Idyllisch gelegen in
Mudershausen bei Limburg im Taunus findet man die Werkstatt von
Stefan Hahl. Und man muss schon etwas genauer hinsehen, um nicht
vorbeizufahren an dieser "Fabrikationsstätte", die
in diesem Falle nicht aus einem riesigen Areal besteht, das in einem
typischen Gewerbegebiet liegt. Die Werkstatt findet sich - fast
versteckt - in einem schmucken Einfamilienhaus in einer fast schon
putzig anmutenden Wohngegend. "Hahl - Meistergitarren"
ist auf einem Schild an der Hauswand in dezenten Lettern zu lesen.
Nur ein kleiner Hinweis darauf, dass sich hier nicht ein ambitionierter
Hobbybastler sein kreatives Reich im Kellergeschoss eingerichtet
hat, sondern ein ausgebildeter Fachmann und Profi, der nicht nur
sein Handwerk von der Pike auf gelernt, sondern sich mittlerweile
auch als Spezialist für besondere Ansprüche europaweit
einen Namen gemacht hat.
Hahls Spezialität sind die Archtop-Jazzgitarren, und da es
ja selbst auf diesem eng definierten Gebiet durchaus eine enorme
"Artenvielfalt" gibt, hat auch Gitarrenbauer Stefan Hahl
sich unter anderem ein Steckenpferd zur Profession erhoben: die
Gitarren in der Art der traditionellen und gesuchten Selmer/Maccaferri-Instrumente
der 30er Jahre. Hahl ist selbst leidenschaftlicher Gitarrist und
Fan dieses Jazzgitarren-Stils, den man als Erstes natürlich
immer noch mit dem Namen des Großmeisters dieses Genres in
Verbindung bringt: Django Reinhardt. Und interessant ist vor allem
auch, dass Hahl diese Vorliebe nicht irgendwann einmal im Laufe
seiner Tätigkeit für sich entdeckt, sondern von Anfang
an - also mit Beginn der ersten Lehrjahre - eben genau auf die Spezialisierung
auf diesem Gebiet und auf die Archtop-Jazzgitarre allgemein hingearbeitet
hat.
Lehrjahre
Eine umfassende Ausbildung in allen Bereichen der akustischen Gitarre
ist auch heute noch die Grundlage für das technische Know-how
des Gitarrenbauers. Nicht anders bei einem Spezialisten wie Hahl.
Seine Ausbildung zum "Zupfinstrumentenmachermeister",
so die etwas sperrige offizielle Berufsbezeichnung, begann gegen
Ende der 80er Jahre in den Werkstätten von Henning Doderer.
Die weiteren Gesellenjahre bei etablierten Firmen wie Höfner,
Hanika und Hopf sorgten für einen soliden, breitbandigen Wissensstand.
So arbeitete Hahl in dieser Zeit nicht nur an Jazzgitarren-Modellen,
sondern in erster Linie an Konzert- und Westerngitarren. Die vielfältigen
Techniken der Gitarrenbauerkunst sowie "effizientes und solides
Arbeiten in den Bereichen Entwicklung, Forschung und Detailarbeit",
so Hahl, lernte der angehende Profi in diesen Jahren bei seinen
jeweils ein- bis dreijährigen Volontariaten kennen. Mit Abschluss
der Meisterprüfung begann schließlich im Jahr 1994 der
Sprung in die Selbstständigkeit - und damit verbunden die Verwirklichung
der eigenen Ideen, die bereits zu Anfang der Ausbildung als Vision
und Ziel gegenwärtig waren: der Bau und die Restauration von
Jazzgitarren der genannten Epoche und Stilistik.
Heute
"Nicht um spektakuläre Revolutionen im Design, sondern
vielmehr um die vielen kleinen Details, die aus einer Gitarre erst
ein Meisterinstrument machen" geht es Hahl heute in seiner
Arbeit, erklärt der Gitarrenbauer. Sein persönliches Interesse
an den alten, hochwertigen Selmer-Sammlerstücken ist wohl der
Grund dafür, dass viele namhafte Gitarristen schließlich
im Fall einer Reparatur oder Restauration den Fachmann Hahl aufsuchten
und ihm die kostbaren Stücke anvertrauten. Das Studium dieses
Instrumententyps konnte Hahl so bis in die letzten Details zu Ende
führen, bis schließlich die ersten eigenen Modelle in
der Muderhausener Werkstatt auf der Grundlage ebendieser legendären
Vorbilder angefertigt wurden (siehe u.a. auch AG 2/97, Testbericht
Hahl "Gitano"/"Gitano-D").
Heute ist die Angebotspalette natürlich nicht nur auf die so
genannten "Django"- und Archtop-Modelle beschränkt,
wenngleich ebendiese Gitarren sicherlich zur besonderen Spezialität
des 35-jährigen Hessen geworden sind.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5/2000
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