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Wohl kaum ein anderer Gitarrentyp wird mehr mit einer bestimmten
Musik und ihrer Ikone, Django Reinhardt, in Verbindung gebracht,
als die Instrumente, die Selmer in enger Zusammenarbeit mit dem
Gitarrenbauer, klassischen Konzertgitarristen und geistigen Vater
dieses Designs Mario Maccaferi baute.
Ein erster Kontakt entstand
zu Beginn des Jahres 1931, als Maccaferri einen Prototypen,
der bereits alle wesentlichen Merkmale aufwies, den Managern der
Londoner Niederlassung von H. Selmer/Paris vorstellte. Diese waren
sehr angetan von diesem Instrument, so dass sie einen direkten Kontakt
zu Henri Selmer herstellten. Da dieser nicht nur von der Gitarre
überzeugt war, sondern auch von wirtschaftlichen Interessen
getragen wurde, gab er schließlich die Zustimmung dazu, in
einem Teil der Fabrik in Paris unter der Verantwortung von Maccaferri
Gitarren dieser neuen Konstruktion bauen zu lassen. In nahezu rekordverdächtiger
Zeit entstand ab April 1931, nach der Rückkehr Maccaferris
nach Paris und der Erteilung des Patents, unter der Anleitung und
Verantwortung von Maccaferri eine komplette Gitarrenmanufaktur innerhalb
der Selmer-Fabrik in Mantes la Ville. Bereits 1932 begann man mit
der Produktion von Gitarren. Angeboten wurden zunächst vorrangig
Klassikmodelle, aber nach kurzer Zeit fand auch das Jazzmodell Eingang
in die Angebotspalette. Schon im ersten Jahr verließen ca.
200 Exemplare die Hallen, zumeist in Richtung England. Doch schon
bald, genauer: im Verlaufe des Jahres 1933, beendete Maccaferri
die Kooperation mit Selmer - hauptsächlich auf Grund eines
Disputs, den er mit Henri Selmer bezüglich seines Vertrages
hatte.
Django Reinhardt machte diese Gitarre schließlich weit über
die Grenzen Frankreichs und Europas hinaus bekannt und berühmt.
Seine letzte "Selmer", die No. 503 von 1940, hat heute
einen Ehrenplatz im Musèe de la Citè de la Musique
in Paris. Heute wird die konstante Nachfrage nach "Django-Gitarren"
von selbstständigen, hoch qualifizierten Gitarrenbauern (z.B.
Dupont, Favino, Dunn, Hahl, siehe auch den Werkstattbericht in dieser
Ausgabe) auf sehr hohem Qualitätsniveau befriedigt. All diese
Gitarren liegen vom Preis her deutlich im Profibereich, und bislang
gab es keinen Händler, der eine Selmer-Gitarre in der unteren
Preisklasse angeboten hätte. Hier nun betritt Hoyer mit dem
"Joscho Stephan Signature"-Modell die Szene.
Konstruktion
Wie beim Original wurde hier der Korpus aus laminiertem Mahagoni
gebaut. Lediglich die Decke besteht aus massiver Fichte, die spiegelbildlich
("bookmatched") aus zwei Teilen zusammengefügt wurde.
Mit senkrecht stehenden Jahresringen und leichten Unregelmäßigkeiten
(gehaselt) der Oberfläche besticht sie mit einer lebhaften
Maserung, die nicht unbeträchtlich zu ihrem äußeren
Charme beiträgt. Hat man sich bei der Auswahl der Hölzer
eng an das Original gehalten, so wurde dies bei den Abmessungen
des Korpus ebenfalls getan. In allen relevanten Punkten entspricht
die "Joscho Stephan" exakt den Maßen des Selmer-Originals
- einschließlich der Halsbreite. Der Mandoline ähnlich
finden sich die Saiten in einem separaten Halter, den Hoyer in seinen
Grundzügen dem Original nachempfunden hat. In einem leichten
Winkel laufen die Saiten über einen lediglich durch Druck auf
der Decke fixierten Steg, der beidseitig durch kleine, aufgeleimte
Holzstücke seitlich befestigt wird - schön und praktisch
bei einem Saitenwechsel für die Einstellung der Oktavreinheit.
Was allerdings die Auswahl des Materials und die Konstruktion des
Halses betrifft, geht Hoyer einen gänzlich anderen Weg. Vermutlich
hat dies in erster Linie Kostengründe, denn zu dem tendenziell
sehr günstigen Preis kann man letztendlich nicht einen Hals
aus Walnussholz erwarten, dem Material, das Selmer in der ersten
Bauperiode ("32-33", D-Loch) ausschließlich für
seine Hälse verwendete. Erst später, in Verbindung mit
einem Korpus aus Ahorn, gab es auch Ahornhälse bzw. im letzten
Jahr der Produktion vereinzelt auch Exemplare mit einem Hals aus
Palisander (selten!). Nahezu einteilig - lediglich der untere Teil
der Kopfplatte ist schräg angesetzt - wurde er in einem leichten
Winkel, der hilft, den Saitendruck zu erhöhen, mit dem Korpus
verleimt. Natürlich muss auch bei einer solchen Konstruktion
die Decke unterstützt werden, die sonst gerade bei dieser langen
Mensur und bei der hohen Saitenspannung nach kurzer Zeit "wegsacken"
würden. Eng an das Selmer-Konzept angelehnt findet sich unter
der Decke der Hoyer ein Beleistungssystem ähnlich einer Leiter,
das in besonderem Maße zum charakteristischen Ton beiträgt.
Flächig mit der Decke verleimt ist das Griffbrett aus Palisander,
in das 21 (plus Nullbund) dünne, hohe Bünde, sauber abgerichtet
und poliert, eingesetzt wurden. Der schlichten Eleganz verpflichtet
finden sich zur Orientierung Punkteinlagen an den bekannten Stellen.
Die Kopfplatte, versehen mit gekapselten Mechaniken von untadeliger
Funktion, ist mit einem Furnier aus Palisanderholz belegt, in das
der Schriftzug von Hoyer und die Signatur von J. Stephan eingelegt
sind. Schöne Arbeit! Abschließend wurde die Gitarre mit
einer sauberen Hochglanzlackierung versehen, die das Instrument
perfekt schützt.
Klang- und Spieleigenschaften
Mit einer problemlos zu beherrschenden, leichten Kopflastigkeit
liegt die Hoyer "Joscho Stephan Signature" entspannt am
Körper und belastet den Musiker weder durch hohes Gewicht noch
durch einen zu großen Korpus. Ganz im Gegenteil: Nach meinem
Dafürhalten gehört dieses Design mit zu den ergonomischsten,
die man im Gitarrenbau findet. Für nahezu jede Größe
passend. Lediglich der Hals ist für einen Moment gewöhnungsbedürftig,
überrascht er doch bei überdurchschnittlicher Breite mit
einem satten D-Profil. Aber nicht unangenehm! Die Saitenlage ist
recht hoch eingestellt, aber über die gesamte Länge des
Halses sehr gleichmäßig verlaufend, so dass sich auch
hier schnell der Gewöhnungseffekt einstellt. Und bedenkt man,
dass auf einer solchen Gitarre viel Rhythmus (zumindest akustisch)
gespielt wird, ist eine höhere Saitenlage für Ton und
Dynamik letztlich nur von Vorteil. Der an Simplizität und Funktionalität
kaum noch zu übertreffende Cutaway (Handausschnitt) lässt
auch ein Erreichen der letzten Bünde mit nur leichtem Fingerstrecken
zu. Durch die werksseitig aufgezogenen 11er-Saiten von LaBella ist
das Griffgefühl trotz einer Mensur von immerhin 67 cm angenehm
weich. Allerdings würde ich einen 12er- oder 13er-Satz je nach
Einsatz bevorzugen. Die akustische Durchsetzungsfähigkeit wird
so gesteigert, und die Stabilität der Konstruktion lässt
dies ohne weiteres zu. Für jazzige Fingerartistik müssen
sich allerdings die Finger etwas mehr strecken; hier merkt man die
deutlich längere Mensur. Bei leichter Ansprache und guter Umsetzung
der Anschlagsdynamik überzeugt die "Joscho Stephan Signature"
mit einem ausgeglichenen Klangbild, das deutlich im mittigen Klangspektrum
anzusiedeln ist. Zwar ist das Lautstärkevolumen nicht übermäßig
groß, dennoch verfügt diese Gitarre mit ihrem charakteristischen
holzigen Ton und der mittigen Präsenz gerade im Zusammenspiel
mit anderen Instrumenten über eine sehr gute Durchsetzungsfähigkeit.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5/2000
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