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Da staunten der Postbote
und der AKUSTIK-GITARRE-Tester gemeinsam. Beide sind gewohnt, dass
die regelmäßig eintreffenden Pakete mit Akustikgitarren
eine doch recht imposante Größe aufweisen. Diesmal war
alles anders.
Ein Paket von knapp 100
x 19 x 24 cm steht im Testraum. Heraus kommt eine schmucke und stabile
Kunststofftasche, die die Frameworks-Gitarre enthält. Das Geheimnis
liegt in der Konstruktion. Dieses Instrument ist eine gewaltige
Abstraktion dessen, was wir unter dem Namen "Klassikgitarre"
kennen. Angepeilter Einsatzzweck dieser Gitarre ist vornehmlich
die professionelle Live- und Studioarbeit. In diesem Sinne ist in
dieses Modell auch ein MIDI-Tonabnehmer integriert, der zum Anschluss
an die gängigen Konverter von Roland, Axon oder Yamaha vorgesehen
ist.
Aufbau
Die Frameworks besteht
aus einem durchgehenden Stück Mahagoni in Griffbrettbreite,
an dessen einem Ende die Saiten befestigt werden. Eine Kopfplatte
sucht man vergebens (Headless-Design). Am anderen Ende sitzen hinter
der Bridge die sechs verchromten Stimmmechaniken von Schaller, die
mit schwarzen Flügeln versehen sind. Über stabile Stahlstifte
werden an beiden Seiten dieses reduzierten "Bodys" die
so genannten "Frames" angesetzt. Sie bilden die Konturen
eines normalen Gitarrenkörpers nach, in unserem Falle die einer
Gitarre mit Cutaway. Die Frames selbst haben einen Metallkern, der
mit Schläuchen aus schwarzem Zellkautschuk überzogen ist.
Sie sind extrem stabil und fühlen sich sehr gut und körperfreundlich
an. Der Zusammenbau der Gitarre ist dabei eine Sache von wenigen
Handgriffen - in kürzester Zeit ist das Instrument spielbereit.
Verblüffend ist, wie schnell sich der Gitarrist an dieses Baukonzept
gewöhnt. Einem verwunderten Blick beim Erstkontakt folgt ein
zufriedenes Grinsen mit dem Instrument vorm Bauch. Diese Gitarre,
die zu 90 % aus Luft besteht, lässt sich sowohl im Sitzen als
auch im Stehen (mit Gurt, die nötigen Gurtpins sind bereits
montiert) äußerst bequem spielen. Nach wenigen Minuten
ist selbst der automatische Griff der rechten (!) Hand zu den Stimmmechaniken,
die an ungewohnter Stelle hinter dem Tonabnehmer sitzen, eine Selbstverständlichkeit.
Das Mahagoni von Korpus und Hals ist mit einem Ölfinish endbehandelt,
was ein angenehmes Seidenmatt-Gefühl zur Folge hat. Wenigstens
der Hals vermittelt dem verwunderten Gitarristen einen Rest des
gewohnt "holzigen" Spielgefühls. Um die Natürlichkeit
des Klangs zu gewährleisten, sind in die Konstruktion Resonanzkammern
integriert worden. Diese auf das Wesentliche reduzierte Bauweise
hat einen angenehmen Nebeneffekt: ein extrem geringes Gewicht. Das
Griffbrett, das 19 Bundstäbchen trägt (im Bereich von
e- und h-Saite 22), besteht aus feinem Ebenholz und verfügt
auf der Oberkante über drei kleine Markierungen im V., VII.
und XII. Bund zur Orientierung. Die Griffbrettmaße orientieren
sich an den Bedürfnissen klassischer Gitarristen. Überhaupt
sind alle spieltechnisch relevanten Maße wie Mensur, Halsbreite
und Saitenabstand in den gewohnten Dimensionen belassen. Die Bedienelemente
der Frameworks MIDI Classical finden sich dem Spieler zugewandt
auf der Oberseite von Hals/Korpus. Im Einzelnen sind dies zwei Drehregler
für die Lautstärke der Gitarre und die des angeschlossenen
Synthesizers sowie ein Schalter, dem MIDI-Funktionen zugeordnet
werden können. Der 13-polige Stecker für den Anschluss
des MIDI-Interfaces ist ebenfalls hier angesiedelt. Die Standard-Klinkenbuchse
für das Audio-Kabel sitzt versenkt auf der Rückseite neben
dem einfach zu öffnenden Batteriefach. Die Saitenführung
ist im Vergleich zu einer normalen klassischen Gitarre genau umgekehrt.
Am Ende des Halses (wo sich sonst die Kopfplatte befindet) werden
die Saiten durch ein Stück Ebonol gefädelt und laufen
über einen Nullbund. Am anderen Ende sitzt der integrierte
Tonabnehmer für Audio und MIDI. Sechs individuelle piezoelektrische
RMC-Saitensensoren sind vorhanden. So ist eine optimale Trennung
der Einzelsaiten gewährleistet.
Zwischenbericht: Bei aller Extravaganz der Konstruktion sollte der
aufgeschlossene Gitarrist mit dieser Gitarre gut klarkommen. Auch
eine streng klassische Haltung ist problemlos möglich. Nur
diejenigen, die es bei ihrer Spielweise - sei es Fingerstyle oder
mit dem Plektrum - gewohnt sind, den rechten Ringfinger oder den
kleinen Finger auf der Decke des Instruments abzustützen, sind
in Schwierigkeiten. Es gibt keine Decke! Zur Not ist hier eine Ruheposition
an der Unterseite des Mahagoniblocks vorstellbar.
Klang
Auch bei einem solchen Instrument lohnt ein Check des rein akustischen
Klanges. Hier stellt man bereits fest, dass das Klangbild extrem
ausgewogen und sauber ist. Das Sustain ist lang und von klarer Gestalt,
unangenehme Eigenresonanzen mit Überbetonungen einer bestimmten
Frequenz sind nicht feststellbar. Auch das Schwingungsverhalten
einer akustischen Gitarre ist im weitesten Sinne spürbar. Natürlich
ist die Frameworks nicht zum akustischen Spielbetrieb vorgesehen.
Die Lautstärke ist gerade so, dass sie immerhin eine Kontrolle
des eigenen Spiels gestattet und mitternächtliches Üben
problemlos möglich ist. Ihre wahre Stärke offenbart die
Frameworks im Studio. Der Sound, der aus den Monitoren perlt, ist
bereits bei linearer Equalizer-Einstellung eine wahre Freude. Die
Frequenzverteilung ist absolut ausgewogen, und die akustische Abbildung
einer klassischen Gitarre ist durchaus gelungen. Piezotypische Eigenheiten
wie leichte Überbetonung des Anschlags und komprimierte Klangentfaltung
halten sich in akzeptablen Grenzen. Etwas Hall dazu, und schon vergeht
die Zeit wie im Flug. Auch Spielereien am parametrischen Equalizer
des Mischpults offenbaren Interessantes. Der bereits gute Grundklang
ist hier ganz leicht in verschiedene Richtungen zu beeinflussen.
Etwas mehr Fülle gefällig? Suchen Sie einen edlen "HiFi-Nylonstring-Klang"?
Mögen Sie es etwas wärmer und bedeckter? Alles kein Problem.
Die Frameworks-Gitarre ist ein richtiges Multifunktions-Talent und
reagiert willig und ohne zu zicken auf kleinste Veränderungen
am EQ. Auffallend ist einmal mehr die Ausgewogenheit in Klang und
Dynamik. Die Balance der Saiten untereinander, die Lautstärke
der einzelnen Töne über das gesamte Griffbrett und das
lange Sustain sind bestens ausbalanciert und von analytischer Schärfe.
Die Frameworks MIDI Classical ist unter dem Gesichtspunkt der elektroakustischen
Anwendung ein absolut professionelles Werkzeug. Wer den Mut hat,
sich mit diesem ausgefallenen Instrument zu beschäftigen, könnte
für die beschriebenen Live- und Studio-Anwendungen das lang
ersehnte Trauminstrument finden. Beim Live-Betrieb darf man nicht
aus den Augen verlieren, dass das Ergebnis "on stage"
von der Güte der verwendeten Verstärkungsanlage abhängt.
Stehen hier hochwertige Komponenten für Monitor und PA zur
Verfügung, wird das Ergebnis für Musiker und Publikum
überzeugend ausfallen. Jazz-, Fusion- und Latin-Gitarristen
werden, so sie nicht ein klassisches Klangideal mit entsprechendem
Spielgefühl bevorzugen, mit der Frameworks-Gitarre ihre Freude
haben. Etwas Aufgeschlossenheit gehört allerdings schon dazu,
ein solches Instrument zu spielen.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 5/2000
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