All
Solid
Takamine
F 370 SS
Von Gregor Hilden
Seit Jahrzehnten ist die
japanische Gitarrenmanufaktur Takamine nun im Geschäft und entwickelte
sich im Laufe der Zeit zu einem der führenden Hersteller von elektroakustischen
Steelstrings/Westerngitarren. Das Konzept beinhaltete bis dato ausschließlich
teilmassive Instrumente – dem Wunsch der Gitarristen nach einer vollmassiven
Dreadnought ist man jetzt nachgekommen.
Mit Spannung wurden die vollmassiven
Takamines bereits seit längerer Zeit erwartet, immer wieder
vereitelten
aber Lieferschwierigkeiten eine Begutachtung dieser neuen Instrumente.
Jetzt ist es so weit: Die neue Serie ist in den Läden antestbereit.
Da bekannterweise bereits die gängigen elektroakustischen Modelle mit
einer massiven Decke überzeugende klangliche Resultate offerieren, ist
es natürlich um so interessanter, den Sprung von Takamine in die Vollmassiv-Liga
zu beobachten und die möglichen klanglichen Auswirkungen festzustellen.
Konstruktion
Zwei Modelle wurden uns vom deutschen Vertrieb zur Verfügung gestellt:
die schlichtere Version F 370 SS mit einem geriegelten Koakorpus, einer
Fichtendecke – wie gesagt beides in massiver Form – Mahagonihals und
Palisander-Griffbrett, und die aufwendig konzipierte und natürlich auch
teurere F 375 SS mit einem Korpus aus edlem Jacaranda-Palisander, ausgestattet
mit reichhaltigen Verzierungen und einem prunkvollen Perlmutt-Binding
am Korpus. Wir wollen uns an dieser Stelle in erster Linie mit der günstigen
Variante beschäftigen, da diese eher dem Bedarf (und dem Geldbeutel)
des Gros der Musiker entspricht. Auf den ersten Blick erscheint die
F 370 SS wie eine "ganz normale" Takamine-Gitarre in traditioneller
Dreadnought-Form. Da sind die typischen Einlagen der Rosette aus verschiedenen
Holzsorten, gespickt mit Perlmutt-Tüpfelchen am Schallloch, das fünffache
Binding am Korpus, hergestellt aus Holz und Kunststoff, der professionelle
Hochglanzlack über dem Body und die charakteristische Kopfplatte, hier
furniert mit geflammtem Koa, Perlmutt-Firmenlogo und bernsteinfarbenen
Stimmwirbeln. Der angenehm geformte, nicht allzu breite Hals ist aus
Mahagoni gefertigt und mit einem seidenmatten Finish behandelt. Orientierungspunkte
gibt es auf dem Palisander-Griffbrett in Form von kleinen Kunststoff-Dots
auf der Oberkante des Fingerboards. Auf dem Spielregister selbst findet
sich lediglich im zwölften Bund eine Einlage, eine sehr kunstvoll eingelegte
Holz-Perlmutt-Arbeit. Vergeblich suchen wird der Takamine-Kenner hingegen
das Preamp-System. Die SS-Modelle sind rein akustisch konzipiert – also
gibt es auch keinen Pickup, was meiner Meinung nach eigentlich schade
ist, denn das sonst verwendete Accouracustic-System oder auch der neue
digitale DSP-Preamp von Takamine sind zum einen sehr hochwertige Systeme
und zum anderen einzeln (noch) nicht lieferbar. O.k., dafür kann der
Verkaufspreis dieser Gitarre verbrauchergünstiger kalkuliert werden,
und die Anwender dieses Instruments haben vielleicht auch andere Präferenzen,
was die Tonabnahme betrifft.
Handling & Klang
Immer schon wurde die vorzügliche Bespielbarkeit von Takamine-Gitarren
als hervorragendes Merkmal herausgestellt, und an diesem Punkt stellen
auch unsere Testkandidaten keine Ausnahme dar. Die angenehme Form des
Halses macht es vor allem Gitarristen leicht, die auch mit dem Daumen
das Griffbrett umfassen – die Maße sind relativ gering. Trotzdem vermittelt
der Hals mit seiner stark gerundeten D-Form eine angenehme Kräftigkeit.
Auch scheint der Trend zu ultradicken und breiten Jumbo-Frets ausgestanden
zu sein. Die Bundstäbchen sind hier von eher flacherer Natur, was etwa
beim Ziehen der Saiten zwar ein wenig mehr an Spieltechnik erfordert,
den Ton aber deutlich weniger "metallisch" formt. Damit sind wir auch
bereits beim Klang dieses Instruments, dem zweifellos wichtigsten Aspekt
für mögliche Interessenten. So wie sich das "Spielfeeling" im Vergleich
zu anderen Takamine-Instrumenten kaum geändert hat, so ist auch der
Sound in gleicher Weise als charakteristisch für diesen Hersteller zu
bezeichnen. Hinzu kommt bei unseren vollmassiven Testmodellen ein nicht
übermäßiges, aber dennoch vernehmbares Plus an Klangtiefe und Fülle.
Dies bedeutet zum einen, dass auch die bekannten Takamine-Gitarren mit
"nur" massiver Decke bereits über einen ausgesprochen kräftigen Klang
verfügen, was für die gelungene Konstruktion der Gitarre spricht; zum
anderen bedeuten die Abrundung und die klangliche Erweiterung mit dem
massiven Boden und Zargen genau das Quäntchen an Tonsubstanz mehr, das
ein Gitarrist von einer guten, rein akustischen Gitarre erwartet. Der
Klangcharakter der F 370 SS geht zunächst in Richtung einer typischen
Dreadnought. Während allerdings die meisten amerikanischen Gitarren
dieser Form deutlich mehr Bässe an den Tag legen, erscheint das Spektrum
der Takamine insgesamt linearer. So sind es die kräftigen Mitten und
fein zeichnenden Höhen im Verbund mit den passend abgestimmten Tieftönen,
die diese Gitarre auch für alle Fingerstyle-Techniken empfehlen. Die
dynamischen Möglichkeiten – also das Spiel mit unterschiedlich kräftigen
Anschlägen – lassen sich adäquat umsetzen, lediglich die Töne auf der
hohen E-Saite oberhalb des 14. Bundes erklingen bei sehr starkem Anschlag
mit einem leichten Zusatz von metallischer Schärfe, was sich aber nach
der Einspielphase noch geben kann.
Fazit
Klanglich bietet die Takamine F 370 SS alles, was man von einer
vollmassiven Gitarre in diesem Preisbereich erwartet: einen ausdrucksstarken
Klang und gute dynamische Möglichkeiten. Hinzu kommt eine vorbildliche,
leichte Bespielbarkeit dank des ausgereiften Takamine-Baukonzepts. Auch
in Anbetracht der exquisiten Hölzer und der umfangreichen Verzierungen
ist der Gitarre ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zuzusprechen.
Ein Instrument, das sicherlich auf breites Interesse stossen wird. Modell
F 370 SS Herkunft Japan Decke Fichte, massiv Korpus Koa, massiv Hals
Mahagoni, einteilig, angesetzter Halsfuß Griffbrett Palisander Mensur
650 mm Anzahl der Bünde 21 Halsbreite Sattel 43 mm Halsbreite 12. Bund
52 mm Hals-Korpus-Übergang 14. Bund Steg Palisander, zweiteilig Mechaniken
Takamine H.A.P. Verkaufspreis ca. 2.800,- DM inkl. Luxuskoffer (F 375
SS: ca. 3430,- DM inkl. Luxuskoffer)