|
In Concert Tuck
& Patti
Ihre bislang fünfte mit dem Titel „Paradise Found" haben sie gerade herausgebracht. Im Rahmen einer ausgedehnten Tournee waren sie auch in unseren Gefilden live zu erleben. Tuck & Patti,
das ist mittlerweile ein Synonym für die Duobesetzung von Gitarre, in
diesem Fall einer Gibson L5 „Archtop" Jazzgitarre, und Gesang. Sicher,
solche Duoformationen hat es vorher schon gegeben, aber keine hat die
kunstvolle Verzahnung von virtuosem Saitengezupfe und souligem Gesang
in solchem Maße kultiviert und vorangetrieben wie die der beiden Amerikaner.
Ella (Fitzgerald) und Joe (Pass) fallen einem da noch ein, ein frühes
Guitar-&-Vocal- Nachdem sie sich auf der Bühne kurz verkabelt haben, geht’s los, mit einem Titel ihrer aktuellen CD. Und da ist er wieder, der Zauber, den die beiden imstande sind zu entfachen. Der beruht zu gleichen Teilen auf ihrer musikalischen Ausdruckskraft, ihrem kompromisslosen und leidenschaftlichen Vortrag und – nun ja, ihrer gemeinsamen Ausstrahlung. Wer die beiden auf der Bühne erlebt, weiß, dass sie nicht nur ein musikalisches Team sind, sondern auch privat ein Paar. Und das tragen sie ohne jede Scheu und Peinlichkeit in die Öffentlichkeit. Ob es nun so ist, dass ihre Musik diese Emotionen transportiert oder ihr Zusammengehörigkeitsgefühl ihre Musik beflügelt – wen kümmert’s? Unterm Strich ist die geglückte Kombination von musikalischer Teamarbeit und gemeinsamem privaten Glück kaum zu schlagen und hat bisher jeden berührt, der ein Konzert der beiden besuchte. „Wir haben für unsere Musik einen unangreifbaren Platz reserviert", erklärt Tuck. „Business existiert für uns gar nicht. Wir überraschen uns immer noch gegenseitig, jeden Tag. Wie bei der Musik – eine Menge Improvisation und Interplay. Es macht Spaß." „... und es wird noch immer besser", fügt Patti hinzu, „... es ist verblüffend. Wir werden noch lange zusammen unterwegs sein." Tuck Andress wurde in Oklahoma geboren, wechselte nach ersten Klavierübungen schnell zur Gitarre und zog in die Gegend um San Francisco, um in Stanford Musik zu studieren. Aus der San Francisco Bay Area stammt Patti Cathcart, die eine Ausbildung als klassische Sängerin hinter sich hat, sich aber viel lieber in Rock- und Jazzclubs herumtrieb. 1978 lernten sich die beiden kennen und sind seit 1981 verheiratet. „Es war Liebe beim ersten Hören", schwärmt Patti. „Es dauerte nur Sekunden, wirklich. Ich war auf einer Audition, die Jungs spielten, und ich achtete nur auf den Gitarristen in der Ecke. Tuck ergänzt: „Ich rief sofort danach meinen besten Freund an und erzählte ihm, dass ich die musikalische Traumpartnerin meines Lebens gefunden habe. Bei den vielen Fahrten zu Proben und Gigs sind wir beste Freunde geworden. Eigentlich hatten wir vor, eine Band zu formieren, aber wir saßen immer auf Pattis Couch und spielten zu zweit. Und nichts fehlte uns." Die folgenden Jahre zogen sie durch Clubs und Musikkneipen im ganzen Land und entwickelten ihre eigenwillige Duostilistik. Mehrere Anfragen von Plattenlabels wurden abgelehnt, bis sie sich wirklich über ihre Vorstellungen, Ziele und Ambitionen im Klaren waren. Den Zuschlag erhielt schließlich 1988 Windham Hill, ein Jahr später stand die erste CD „Tears Of Joy" in den Läden. Bis heute folgten vier weitere Duo-CDs sowie einige Soloalben von Tuck. „Nach so vielen Jahren kennen wir uns gut. Und doch passiert immer etwas Neues. Klar haben wir Sorgen im Alltag. Klar haben wir Konflikte. Klar streiten wir uns, wir sind Experten darin. Aber irgendwann müssen wir lachen. Das war’s dann. Musik und Privatleben sind für uns nicht zu trennen. Musik ist unser Leben. Wir machen das, was wir am liebsten machen, mit der Person, die wir am meisten lieben." Zurück zum laufenden Konzert: Den ersten Teil bilden Stücke der neuen CD im Mix mit alten Klassikern ihres Repertoires. Patti ist eine temperamentvolle Sängerin. Ihre Kondition ist bewundernswert, sie singt fast ununterbrochen, nur kürzere Soli von Tuck geben ihr eine Verschnaufpause. Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4-99
|