Kompakte Kraft
Roland AC-60 „Acoustic Chorus Amp“
Von Andreas Schulz

Gute Sounds und umfangreiche Möglichkeiten: Roland AC-60


Roland bietet mit dem „AC-60“ einen neuen Combo an, der für viele Akustikgitarristen die Lösung der Verstärkungsprobleme darstellen könnte. Auffallend sind viele Details, die belegen, dass hier jemand mitgedacht hat und die Live-Bedürfnisse von Akustikgitarristen kennt.

Vertrauenerweckend ist die Verpackung, in der der AC-60 zum Test erscheint. Ein Road-taugliches Softcase hüllt den Amp ein, zwei aufgesetzte Taschen bieten Platz für Kabel und weitere Accessoires. Das Paket kann man sich mit dem beiliegenden Tragegurt über die Schulter hängen und bequem zum Auftritt oder zur Probe transportieren. Mit einem Gewicht von knapp 10 kg und einer Größe von ca. 38 x 27 x 27 cm ist der AC-60 äußerst kompakt. Einige nützliche Details für den Praxiseinsatz: Wer den AC-60 als Monitor benutzt, kann ihn mit einem aufklappbaren Metallbügel schräg stellen. Auf der Unterseite ist ein Flansch für ein Boxen-Stativ vorhanden; so ist eine Nutzung zweier Amps als Mini-PA denkbar. Das Netzkabel ist fest mit dem Gehäuse verbunden und wird auf zwei rückwärtige Bügel aufgewickelt.

Aufbau

Der AC-60 hat zwei unterschiedliche Kanäle: einer für die Gitarre (mit Wahlmöglichkeit zwischen Magnet- oder Piezo-Pickup), der andere für Line- oder Mikrofon-Signale. Effektive Würze fügen Chorus und Reverb/Delay hinzu, bevor es in die 2 x 30 Watt Stereo-Endstufe und weiter zu den beiden 6,5-Zoll-Breitband-Lautsprechern geht. Problematischen Feedbacks begegnet man mit der Anti-Feedback-Schaltung, die manuell oder vollautomatisch schlimme Frequenzen unterdrücken kann.
Beginnen wir mit dem Gitarren-Kanal. Eine unsymmetrische Klinkenbuchse nimmt das Signal auf, bevor ein Wahlschalter entscheidet, ob es sich um einen Magnet- oder Piezo-Tonabnehmer handelt (hier geht es um die richtige Anpassung für aktive oder passive Gitarren). Der Shape-Schalter hebt Bässe und Höhen dezent an; das entstehende „Loudness-Klangbild“ begünstigt kräftige Strumming-Attacken. Der Kanal-Lautstärke-Regler liegt vor dem 3-Band-EQ (Bass/Middle/Treble). Über die Gesamtlautstärke entscheidet schließlich der Master-Volume. Den eingebauten Chorus aktiviert man mit Tastern; der aktive Betrieb wird von einer roten LED signalisiert.
Der Mikrofon-Kanal ist bis auf die Eingangsanpassung identisch aufgebaut. Hier kommt eine symmetrische Klinke/XLR-Kombi-Buchse zum Einsatz, an die man ein Mikrofon, ein Instrument mit Line-Pegel oder eine zweite Akustikgitarre anschließen kann. Wer ein Kondensator-Mikrofon benutzt, wird sich über die zuschaltbare 48-Volt-Phantomspeisung freuen. Der Wahlschalter MIC/LINE ist für die Pegelanpassung zuständig.
Nach dem vorsichtigen Entfernen der Frontplatte samt schwarzem Bespannstoff kann man die Membranen der beiden 6,5-Zoll-Speaker in Augenschein nehmen. Es handelt sich um Breitband-Systeme mit einer Hochton-Kalotte in der Mitte; das Gehäuse wurde mit einer Bassreflex-Öffnung abgestimmt.

Effekte, Anti-Feedback und Master

An Bord ist ein Chorus-Effekt und ein Reverb/Delay-Effekt. Der Chorus bietet die Typen Space, Rich und Wide. Er wird mit praktischer Ein-Knopf-Bedienung justiert und lässt sich für jeden Kanal separat aktivieren (!). Ein weiterer Drehregler ist für die räumlichen Belange zuständig und wählt den Reverb- oder Delay-Effekt aus. Natürlich werden alle Effekte digital erzeugt, Hall und Delay sind dabei nur alternativ nutzbar. Hinter der Anti-Feedback-Schaltung verbirgt sich ein steilflankiges Notch-Filter, das gezielt einzelne Frequenzbereiche unterdrückt. Die Anti-Feedback-Funktion des AC-60 ist auf akustische Gitarren optimiert, sie dient weniger dazu, die extrem hochfrequenten Rückkopplungen im Zusammenhang mit Mikrofonen einzudämmen. Man kann das Frequenzband manuell abfahren, bis die „böse“ Frequenz gefunden und gezähmt ist. Interessant ist die Anti-Feedback-Automatik. Diese wird in der Position „Auto“ durch den Starttaster aktiviert – ein Druck und die Suche beginnt. Besonders pfiffig und praxisorientiert: man kann diesen Nothelfer während des Spielens mit einem Fußtaster bedienen. So ist man auf böse Feedback-Überraschungen während eines Konzerts oder einer Probe bestens vorbereitet.
Neben dem Master-Volume und dem Kopfhörer-Anschluss (die Lautsprecher werden stummgeschaltet) sitzt unauffällig der Mute-Taster samt LED zum Stummschalten des Amps. Was man damit machen kann? Die nächstliegende Anwendung ist das Vermeiden von lautstarken Störgeräuschen beim Ver- oder Entkabeln der Gitarre. Da die Tuner-Out-Buchse NICHT stummgeschaltet wird, ist lautloses Stimmen möglich. Auch die Mute-Funktion kann man mit einem Fußschalter fernsteuern.

Anschlüsse

Die Anschluss-Palette liegt auf der Rückseite und beginnt mit dem symmetrischen Stereo-Line-Out (2 x XLR); daneben gibt es einen aufsummierten Mono-Ausgang (Klinke). Die Lautstärke des hier anliegenden Signals wird NICHT vom Master beeinflusst. Die Line-Outs sind also prädestiniert für den Anschluss an eine PA oder ein Aufnahmegerät. Der Subwoofer-Out steuert einen externen Subwoofer an, den manch einer anschließen wird, um die Bass-Wiedergabe zu verstärken. Die Frequenzweiche ist im AC-60 integriert. Als Audioeingänge für weitere Klangquellen (Drum-Computer, CD-Player, Keyboards, Mixer) gibt es Aux-Inputs gleich zweifach in Cinch- und Klinke-Ausführung. Hier kann man bis zu zwei Stereosignale einspeisen, die mit dem Master geregelt und über Lautsprecher, Kopfhörer und Subwoofer-Out ausgegeben werden (einschließlich Mute, nicht jedoch über den Line-Out). Der DI-Out/Tuner-Out ist trickreich verschaltet. An der symmetrischen Klinkenbuchse liegt zunächst das Originalsignal der an den Guitar- und Mic-Line-Inputs verkabelten Instrumente an. Dieses kann man unabhängig von den Verstärker- und Effekt-Einstellungen originalgetreu abgreifen, etwa für Aufnahmen oder zum Ansteuern eines Stimmgerätes. Mit einem Insert-Kabel (Y-Kabel: Stereo-Klinke auf zwei Mono-Klinken) ist die gleichzeitige Nutzung als DI-Out und Tuner-Out möglich. Vier Funktionen lassen sich mittels Fußschalter bedienen: Mute, Anti-Feedback, Chorus und Reverb/Delay.
Kompliment, die Anschlüsse des AC-60 sind umfassend, die Steuerungsmöglichkeiten für Fußschalter flexibel gelöst. Allerdings vermisse ich einen Einschleifweg mit Send und Stereo-Return. Viele Akustikgitarristen haben ein bevorzugtes Effektgerät, das sich nicht seriell zwischen Gitarre und Verstärker schalten lässt. Wer bspw. dem Roland-Hall nicht wohlgesonnen ist und sein liebgewonnenes Lexicon-Aggregat weiter nutzen will, hat ein Anschlussproblem. Eine Notlösung mit DI-Out als Send und Aux-In als Stereo-Return ist nicht gerade optimal.

Szenarien

Welche Anschluss- und Verstärkungs-Szenarien sind mit dem AC-60 denkbar? Hier einige Anregungen ...
· Eine Gitarre mit einem Piezo- und einem Magnet-Pickup: Piezo Kanal 1 (in Piezo-Stellung), Magnet-PU Kanal 2 (in Line-Stellung). Die Pickups sind mit unterschiedlichen EQs und Lautstärken flexibel auszubalancieren.
· Gitarre mit Piezo/Magnet-Pickup plus ein externes Mikrofon (Kondensator oder dynamisch): Gitarren-Pickup Kanal 1, Mikrofon Kanal 2 in jeweils richtiger Anpassung. Dies gilt unabhängig davon, ob das Mikro als weitere Abnahmemöglichkeit für die Gitarre oder für den Gesang gedacht ist. Der AC-60 ist auf die Klangquellen Pickup + Mikrofon bestens vorbereitet.
· Zwei Gitarren mit Pickups: Gitarre 1 à Kanal 1, Gitarre 2 à Kanal 2. Da heute fast alle Tonabnehmer-bestückten Akustikgitarren aktiv sind, gilt die Anschlussvariante Kanal 1 Magnetic-Stellung, Kanal 2 Line-Stellung. Ist eine passive Gitarre am Start, ist automatisch Kanal 1 in Piezo-Stellung zuständig.

Klang und Handhabung

Bezüglich der Handhabung ist nur Positives zu berichten. Besonders erfreulich: der AC-60 ist praktisch allen Signalen gewachsen. Basswiedergabe und Lautstärke setzen natürlich Grenzen, kleinere Clubs oder Kneipen kann man mit dem Combo ausreichend beschallen, außerdem macht er eine gute Figur als Bühnenmonitor. Hier einige Ergebnisse: 1. Eine Steelstring mit kombiniertem Stereo-Pickup (Piezo + Kondensator-Mikrofon) war in hervorragender Qualität zu verstärken, beide Kanäle konnten ihre Stärken ausspielen. 2. Eine Archtop-Jazzgitarre (Humbucker): klang am besten im Mikrofon-Kanal. Der Gitarrenkanal war entweder etwas topfig oder mit dem Shape-Preset zu sehr ausgedünnt. 3. Eine Nylonstring: kommt im Gitarrenkanal mit aktiviertem Shape richtig edel. 4. Verschiedene Mikrofone: werden angemessen übertragen, auch die Anpassung für verschiedene Empfindlichkeiten funktioniert. Stellenweise taucht der Wunsch nach einem Shape-Taster auch im Mikrofonkanal auf.
Der generelle Klang ist durchsetzungsfähig, klar und gut zu orten. Aufgrund der kleinen Gehäusemaße darf man keine Tiefbässe erwarten, vielmehr spielt sich Einiges in den unteren Mitten ab und muss mit dem Shape-Preset oder dem Mittenregler entschärft werden.
Die Anti-Feedback-Schaltung funktioniert manuell und automatisch bestens. Absichtlich provozierte Rückkopplungen wurden zuverlässig gefunden und unterdrückt. Das System kann immer nur eine Frequenz bearbeiten, man muss also weiterhin vorsichtig mit Lautstärke und Stellung zum Amp umgehen. Der eingebaute Chorus kann vor allem bei Steelstrings überzeugen. Der Modus Space hat’s mir besonders angetan: Hier wird das Original auf dem linken Speaker, das reine Effektsignal rechts wiedergegeben – der Choruseffekt entsteht durch Signalüberlagerung erst im Raum. Es klingt fett, mächtig und warm, ohne zu „eiern“. „Rich“ klingt traditionell, „Wide“ bläst den Amp richtig auf, der Klang scheint über die Maße des Verstärkers hinauszuwachsen. Abstriche sind bei Hall und Delay zu machen. Der Reverb wird mit zunehmender Effekt-Intensität länger und lauter, schnell ist zuviel des Guten getan. Will man reduzieren, ändert sich nicht nur die Hall-Lautstärke, sondern der Raumeindruck. Der Hall sehr brillant, man nimmt ihn immer als Effekt wahr. Das Delay wird man nur selten nutzen können, da für einen sinnvollen Einsatz Zugriff auf einzelne Parameter erforderlich sind.

Fazit

Der Roland AC-60 kann überzeugen und begeistert mit guter Wiedergabequalität und kräftigem Sound. Wenn es auf echte Lautstärke und Basswiedergabe ankommt, muss er naturgemäß passen (hier kann man den aktiven Subwoofer KCW-1 zu Hilfe rufen). Was gefällt: Klang, Anschlussmöglichkeiten, Fußschalter-Steuerung, Chorus. Was weniger gefällt: kein echter Einschleifweg, kein Shape-Preset im Mikrofonkanal. Der AC-60 ist ein guter Akustik-Amp mit flexiblen Einsatzmöglichkeiten, der Preis von 565,- € ist sicherlich günstig.

AKUSTIK GITARRE CD

Der gute Eindruck dieses Amps wurde auch bei einer kleinen Recording-Session bestätigt, die Sie auf unserer CD hören können. Dies sind die Tracks:
1. vier kurze Audio-Clips ohne Effekte, nämlich ein Steg-Pickup über Kanal 1, dann mit Shape-Schaltung, dann ein internes Mikrofon über Kanal 2, schließlich ein Mix aus beiden Kanälen.
2. Sie hören die Raumeffekte in vier Clips, zunächst den Reverb in drei Einstellungen (wenig, mittel, viel), schließlich das Delay.
3. Der Roland-Chorus, verewigt in drei Clips mit den Einstellungen Space, Rich und Wide.

Technische Daten

Hersteller Roland
Modell AC-60
Leistung 2 x 30 Watt
Lautsprecher 2 x 6,5-Zoll-Breitband
Kanäle 2 (Guitar, Mic)
Klangregelung pro Kanal Bass, Mitten, Höhen
Instrumenteneingänge 2 (1 x Klinke, 1 x Klinke-XLR-Kombi)
Anschlüsse Line-Out-L/R (XLR), Line-Out-Mono (Klinke), Subwoofer-Out, Aux-In-L/R (Cinch + Klinke), DI-Out/Tuner-Out, 2 x Stereo-Footswitch (Mute, Anti-Feedback, Chorus-On/Off, Reverb/Delay-On/Off)
Effekt digitaler Prozessor mit Chorus und Reverb/Delay
Sonstiges Anti-Feedback-Schaltung mit Automatikfunktion
Maße 38 x 27 x 27 cm (B x T x H)
Gewicht ca. 10 kg
Preis: 565,- € incl. gepolstertem Gigbag