| Seit
20 Jahren touren diese beiden Musiker durch deutsche Clubs, spielen
auf Festivals und produzieren Duo-CDs, und spielen den Blues auf
ihre ganz eigene, mitreißende Art. Gitarrist Chris Jones konnte
sich in den vergangenen Jahren zudem mehr und mehr als exzellenter
Begleitmusiker für die CD-Produktionen unterschiedlichster
Künstler einen Namen machen. Die neue CD der amerikanischen
Songwriterin Sarah K. ist dabei das bislang aktuellste Werk, auf
dem die exquisiten Pickings von Jones zu hören sind.

Steve Baker gilt als einer der versiertesten Mundharmonikaspieler
in Deutschland. Auch er besitzt ebenso wie Jones die Gabe, sich
schnell und sicher in die unterschiedlichsten Genres einzufinden.
Auf über einhundert Platten ist er mit seiner Harp bereits
zu hören.
Wir trafen die beiden unkomplizierten und sympathischen Musiker
im Rahmen des Schorndorfer Gitarrenfestivals, wo sie einen Workshop
für Gitarre und Harp gaben.
Wie kommen denn ein Amerikaner und eine Brite in Deutschland zusammen,
um ein Blues-Duo zu gründen?
Chris Jones: Oh, dass hat tatsächlich 20 Jahre gedauert:
ein Musiker – Dale King – mit dem ich damals spielte
– sagte mir: „Du musst Steve Baker kennen lernen“,
dies mit dem Wissen, dass er dann wohl seinen Job los sein würde...
das war wirklich sehr selbstlos. Aber er wusste dies und hat uns
ganz bewusst zusammengebracht! 1994 habe ich auf der Messe gespielt
– damals auf einer Wahnsinns-Hohner-Gitarre (grinst)...
Steve Baker: OK, die Geschichte ist ein bisschen komplizierter:
Ich habe damals für Hohner auf der Messe gespielt und habe
die Leute in letzter Minute dazu überredet, überhaupt
einmal Live-Musik auf dem Stand anzubieten. Das Musikmachen auf
dem Stand wurde eigentlich von den Oberen als „geschäftsschädigend“
angesehen, als störend halt, wenn die Verkäufer ihre Aufträge
schreiben wollen. Und nach einem langen Hin-und-Her habe ich schließlich
Chris zwei Wochen vor der Messe angerufen, um ihm zu sagen, dass
das Engagement klar gehe.
Chris Jones: Eine wirklich wichtige Sache für mich
damals. Mir ging es nicht gut, ich war gerade in meinem zweiten
Scheidungsverfahren, sein Anruf hat mir wahrscheinlich das Leben
gerettet!
Steve Baker: Ja, und als wir dann loslegten, waren die
technischen Umstände erst einmal miserabel. Wir hatten keine
Bühne, keine P.A. – nur zwei... (verächtlich ausgesprochen:):
„Rockwood“... Combo-Verstärker, eine Hohner-Gitarre.
OK – wir haben dann über dieses Zeug gespielt und –
es hat vom ersten Moment an „geklickt“! Das haben nicht
nur wir gemerkt, sondern auch die Leute, die vorbeikamen und zuhörten.
Chris Jones: Ohne dass wir uns abgesprochen hatten, spielten
wir unisono Melodie-Fill-ins zusammen. Auf eine irgendwie magische
Art passte dies alles zusammen, und wir entdeckten die gleichen
Linien bei dem anderen wieder. Das ging die ganze Woche so. Und
am Ende der Zeit war es eigentlich klar, dass wir eine CD zusammen
machen wollten.
Ich
sprecht beide wirklich sehr gut deutsch, und seid wohl auch schon,
bevor ihr euch kanntet, hier als Musiker tätig gewesen?
Chris Jones: Ja, 20 Jahre! Ich bin seit 1976 in Deutschland.
Ich stamme eigentlich aus Nevada und mit 17 bin ich zur Army gegangen
– und kam schließlich nach Deutschland. Knapp drei Jahre
war ich in Wiesbaden stationiert, wo ich dann auch eine Band gründete
und schließlich dort hängen blieb.
Aber
du warst noch nicht als Profi-Musiker aktiv?
Chris Jones: Nein, es dauerte natürlich eine Zeit,
bis ich mich in Deutschland akklimatisierte. Zunächst arbeitete
ich eben auch noch bei der Army, bekam dort meine regelmäßigen
Bezüge, und musste eben nicht als Musiker ins kalte Wasser
springen. Irgendwann kamen halt immer mehr Kontakte und Gigs zustande.
Trotzdem war es natürlich hart: Ich habe in Wiesbaden Straßenmusik
gemacht – im Januar.. uahh...
Du spielst
auch heute noch bei der Sunnyland Band E-Gitarre – aber dein
Hauptinstrument ist doch die akustische Gitarre, oder?
Chris Jones: Ja, definitiv! Ich spiele für mein Leben
gerne E-Gitarre, aber meine Wurzeln liegen klar im Folk. Ich habe
mit Musik von Peter, Paul & Mary angefangen, mit Bob Dylan,
und habe natürlich gesungen. Später kamen dann etwa James
Taylor dazu, den ich für mich entdeckte, aber auch Bands wie
„Little Feat“! Und natürlich Robert Johnson, Leadbelly.
Mit 11/12 Jahren hatte ich auch eine Weile klassischen Gitarrenunterricht.
Der war dann aber gestorben, als ich diese Musik kennen lernte.
Wobei ich sagen muss, dass ich auch daraus viel mitgenommen habe!
Nun gut, irgendwann habe ich in Wiesbaden dann meinen Job bei der
Army gekündigt, nachdem die Gigs immer mehr wurden und ich
auch davon leben konnte, was gerade zu Anfang natürlich nicht
ganz einfach war. Es hat sich aber immer wieder eingependelt.
Inzwischen
mit großem Erfolg. Du wirst heute für sehr viele CD-Produktionen
als Gastgitarrist eingeladen. Dabei zeichnest du dich immer wieder
als geschmackvoller Begleiter und Spezialist für „feinen
Töne“ aus. Du hast dir damit einen sehr guten Ruf erspielt.
Chris Jones: Ein guten Namen ja – aber den kann man
leider nicht aufs Konto überweisen (lacht...). Nun ist vor
allem Günter Pauler von Stockfisch Records dafür verantwortlich,
dass ich eben auf vielen seiner Produktionen spielen konnte. Er
hat gemerkt, dass ich mich in unterschiedliche Genres gut hineindenken
kann – vor allem auch sehr schnell, was billiger ist... (lacht).
Für mich ist es natürlich auch eine wunderbare Erfahrung,
mit so vielen verschiedenen Arten von Musik konfrontiert zu werden.
Ich soll die Musik besser klingen lassen – und macht natürlich
viel Spaß!
Wie
kann man so etwas denn lernen, sich in die unterschiedlichen Künstler
schnell und geschmackssicher hineinzudenken?
Chris Jones: Dafür sind sicherlich mehrere Dinge bei
mir grundlegend gewesen. Wir haben zu Hause viel gesungen, auch
viel mehrstimmig. Ich musste also das Zuhören lernen, die richtige
Intonation erlernen. Im klassischen Unterricht hatte ich ebenfalls
viel Gehörtraining. Irgendwann war ich übrigens mit einem
Singer/Songwriter namens John Strong für eine längere
Tournee gebucht. Der Mann war eine wirkliche „Diva“.
Der ließ mich immer spüren: das ist MEIN Song –
mach mir den bloß nicht kaputt. Ich musste also äußerst
vorsichtig herangehen. Dabei habe ich eine Menge gelernt. Etwa das,
was man auf keinen Fall als erstes machen sollte... Über die
Jahre hat sich dann aus der Arbeit mit Leuten wie Kieran Halpin
oder Geraldine McGowan eine Technik entwickelt, wie man „zuhört“!
Man hört, was die Leute machen, und wie man dazu agiert. Viele
meiner „Feinheiten“ kommen aber gerade auch aus der
irischen und keltischen Musik, mit der ich mich viel beschäftigt
habe.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4/02
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