Orchestral
Taylor "Leo Kottke Signature Model"-Twelve-String LKSM 12
Von Andreas Schulz
"Bob Taylor ist der Erste überhaupt, den ich getroffen habe, der genau so lange über Gitarren reden kann wie ich." Das sagt der legendäre Gitarrist Leo Kottke über den inzwischen ebenso legendären Gitarrenbauer Bob Taylor. Beide zusammen haben unser heutiges Testmodell geschaffen: die Taylor "Leo Kottke Signature Model"- Twelve-String.

Die LKSM 12 ist schon länger im Taylor-Katalog zu finden. Höchste Zeit also, diesem exklusiven 12-saitigen Modell auf den Zahn zu fühlen. In einem Gitarrenladen in Florida stolperte Kottke einst über eine alte Taylor-12-String, die ihm gefiel. Auf eigene Faust begann er, am Bracing herumzuschnitzen, weil er von der Idee begeistert war, durch eine leichtere Konstruktion mehr Ton aus dem Instrument herauszubekommen. Kottke spielte damals auf seinen Zwölfsaitigen normalerweise heruntergestimmte Tunings, um einen absolut tiefen und mächtigen Klang zu erzeugen. Nach einem ersten Zusammentreffen von Kottke und Taylor begann die Phase der verschiedenen Prototypen, Hölzer wurden getestet und verworfen, bis sich schließlich das LKSM-Modell herauskristallisierte. Grundlage war eine obskure alte Gibson, die der Gitarrist lange favorisierte, bevor sie ihm gestohlen wurde. Zusammen mit Bob Taylor entwickelte Kottke eine Gitarre, die die klanglichen Eigenschaften jener Gibson optimierte: vor allem die Abstrahlung der hohen Frequenzen und das Sustain wurden verbessert.

Konstruktion

Die Korpusform der LKSM 12 ist eine ausladende Jumbo-Form mit Cutaway. Dieser ist als "gerader" Cutaway ausgeführt und ermöglicht bequemes Spiel bis in die höchsten Lagen. Das Kottke-Modell ist vor allem eines: mächtig. Eine solche Gitarre möchte erst einmal beherrscht werden. Dabei ist sie aufgrund des schnörkellosen Designs, das in Richtung "Understatement" tendiert, keineswegs klobig oder unangenehm wuchtig, sondern einfach nur großvolumig. Wie wir noch sehen (bzw. hören) werden, kann selbiges auch für den Sound konstatiert werden. Die LKSM ist natürlich aus vollmassiven Hölzern gebaut: Sitka-Fichte für die Decke, und Mahagoni für Boden und Zargen. Die Bebalkung entspricht einem modifizierten Scalloped-X-Bracing. Die Materialqualität der Hölzer ist über jede Kritik erhaben. Sowohl die Fichtendecke als auch der Mahagoni-Korpus sind von höchster Güte und glänzen auch optisch mit ausgewogener Farbgebung und gleichmäßiger Maserung. Auch der Hals ist aus Mahagoni, wobei an der Kopfplatte zwei zusätzliche Stücke angeleimt wurden. Unterstützend für die Stabilität des Halses wirkt sich der justierbare "Truss Rod" aus, der im Hals eingelegte Metallstab. Zugang erhält der Gitarrist nach dem Abnehmen einer kleinen Palisander-Abdeckung auf der Kopfplatte. Das tiefschwarze Griffbrett ohne jegliche Verzierung oder Bund-Markierung (außer auf der dem Gitarristen zugewandten Halsoberseite) besteht aus feinstem Ebenholz und trägt 20 relativ schmale mittelhohe Bundstäbchen. Die Vorderseite der Kopfplatte wurde übrigens mit Palisander furniert. Ebenfalls aus Ebenholz geschnitzt ist die Brücke mit der Aufhängung der zwölf Saiten, die das typische, elegant geschwungene Taylor-Design aufweist.

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Klang und Praxis

Ein wichtiger Aspekt für bequemes und müheloses Spiel sind die Halsabmessungen. Taylor hat hier einen hervorragenden Ruf. Die Gitarrenbauer aus El Cajon in Kalifornien verstehen es, die Hälse ihrer Instrumente so abzustimmen, dass eingefleischte Akustiker (die eigentlich massivere Abmessungen gewohnt sind) genauso gut klarkommen wie E-Gitarristen, die nur hin und wieder ein unverstärktes Ständchen zum Besten geben. Kurz gesagt: der Hals der LKSM ist von eleganter Schlankheit und fördert alle gängigen Spieltechniken. Dabei ist er keineswegs dünn geraten, was bei einer 12-String angesichts der erhöhten Saitenspannung fast schon eine Gefahr darstellen würde. Die Einstellung der Saitenlage - bei einer Twelve-String für ein halbwegs bequemes Spielgefühl mit entscheidend - ist bei der Taylor LKSM sehr gut. Der gefundene Kompromiss zwischen minimiertem Kraftaufwand und ungehinderter Schwingungsentfaltung ist absolut gelungen. Kurz und gut: Das Spielen auf diesem Instrument macht Spaß, und von technischer Seite sind keinerlei Einschränkungen beim Handling gegeben. Natürlich stellt auch dieses 12-saitige Modell ganz andere Anforderungen an den Gitarristen als eine Standard-Six-String. Unerfahrene Saitenzupfer werden ob des erhöhten Kraftaufwands eine Gewöhnungsphase hinnehmen müssen. Wer aber den großformatigen Klang eines 12-saitigen-Modells schätzt, wird dies gern in Kauf nehmen. Für einen ersten Höreindruck rücken wir dem Kottke-Modell mit einigen offenen Pickings zu Leibe. Das satte Volumen des Korpus befördert einen ebensolchen Klang in die Welt. Diese Gitarre füllt den Raum, in dem sie gespielt wird, mit ihrem Sound. Sofort bemerkt man auch einen leicht defensiven Touch des Frequenzbildes.

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Fazit

Das Taylor "Leo Kottke Signature"-Modell vereint ein gelungenes Äußeres (mit Hang zum Understatement) mit hochwertiger Materialauswahl und perfekter Verarbeitung. Das Klangverhalten ist sonor und mächtig, der Ton extrem ausgeglichen und warm. Diese Gitarre wird nie vorwitzig oder undifferenziert-plakativ zu Werke gehen und ist doch in der Lage, die musikalischen Fähigkeiten des Spielers angemessen umzusetzen. Ihre Stärke dürfte im orchestralen und begleitenden Spiel liegen, wo sie die Tragfähigkeit des Tons und das kaum zu bändigende Sustain voll ausspielen kann.

Technische Daten

Herkunft: USA
Bauweise: 12-String-Jumbo mit Cutaway
Body: Mahagoni, massiv
Decke: Sitka-Fichte, massiv
Bindings: Palisander
Hals: Mahagoni
Griffbrett: Ebenholz
Kopfplatte: Palisander-Furnier
Bünde: 20 medium
Hals-Korpus-Übergang: 14. Bund
Saitenabstand Sattel/Steg: 42 mm/60mm
Korpustiefe: 9,3 bis 11,2 cm
Mechaniken: Grover, vergoldet
Sattel/Stegeinlage: Tusq (Synthetik)
Steg: Ebenholz
Finish: Korpus hochglanz, Hals seidenmatt
Preis: ca. 7265,- DM, incl. Luxus-Koffer