"Bob
Taylor ist der Erste überhaupt, den ich getroffen habe, der genau
so lange über Gitarren reden kann wie ich." Das sagt der
legendäre Gitarrist Leo Kottke über den inzwischen ebenso
legendären Gitarrenbauer Bob Taylor. Beide zusammen haben unser
heutiges Testmodell geschaffen: die Taylor "Leo Kottke Signature
Model"- Twelve-String.
Die LKSM 12
ist schon länger im Taylor-Katalog zu finden. Höchste
Zeit also, diesem exklusiven 12-saitigen Modell auf den Zahn zu
fühlen. In einem Gitarrenladen in Florida stolperte Kottke
einst über eine alte Taylor-12-String, die ihm gefiel. Auf
eigene Faust begann er, am Bracing herumzuschnitzen, weil er von
der Idee begeistert war, durch eine leichtere Konstruktion mehr
Ton aus dem Instrument herauszubekommen. Kottke spielte damals auf
seinen Zwölfsaitigen normalerweise heruntergestimmte Tunings,
um einen absolut tiefen und mächtigen Klang zu erzeugen. Nach
einem ersten Zusammentreffen von Kottke und Taylor begann die Phase
der verschiedenen Prototypen, Hölzer wurden getestet und verworfen,
bis sich schließlich das LKSM-Modell herauskristallisierte.
Grundlage war eine obskure alte Gibson, die der Gitarrist lange
favorisierte, bevor sie ihm gestohlen wurde. Zusammen mit Bob Taylor
entwickelte Kottke eine Gitarre, die die klanglichen Eigenschaften
jener Gibson optimierte: vor allem die Abstrahlung der hohen Frequenzen
und das Sustain wurden verbessert.
Konstruktion
Die Korpusform
der LKSM 12 ist eine ausladende Jumbo-Form mit Cutaway. Dieser ist
als "gerader" Cutaway ausgeführt und ermöglicht
bequemes Spiel bis in die höchsten Lagen. Das Kottke-Modell
ist vor allem eines: mächtig. Eine solche Gitarre möchte
erst einmal beherrscht werden. Dabei ist sie aufgrund des schnörkellosen
Designs, das in Richtung "Understatement" tendiert, keineswegs
klobig oder unangenehm wuchtig, sondern einfach nur großvolumig.
Wie wir noch sehen (bzw. hören) werden, kann selbiges auch
für den Sound konstatiert werden. Die LKSM ist natürlich
aus vollmassiven Hölzern gebaut: Sitka-Fichte für die
Decke, und Mahagoni für Boden und Zargen. Die Bebalkung entspricht
einem modifizierten Scalloped-X-Bracing. Die Materialqualität
der Hölzer ist über jede Kritik erhaben. Sowohl die Fichtendecke
als auch der Mahagoni-Korpus sind von höchster Güte und
glänzen auch optisch mit ausgewogener Farbgebung und gleichmäßiger
Maserung. Auch der Hals ist aus Mahagoni, wobei an der Kopfplatte
zwei zusätzliche Stücke angeleimt wurden. Unterstützend
für die Stabilität des Halses wirkt sich der justierbare
"Truss Rod" aus, der im Hals eingelegte Metallstab. Zugang
erhält der Gitarrist nach dem Abnehmen einer kleinen Palisander-Abdeckung
auf der Kopfplatte. Das tiefschwarze Griffbrett ohne jegliche Verzierung
oder Bund-Markierung (außer auf der dem Gitarristen zugewandten
Halsoberseite) besteht aus feinstem Ebenholz und trägt 20 relativ
schmale mittelhohe Bundstäbchen. Die Vorderseite der Kopfplatte
wurde übrigens mit Palisander furniert. Ebenfalls aus Ebenholz
geschnitzt ist die Brücke mit der Aufhängung der zwölf
Saiten, die das typische, elegant geschwungene Taylor-Design aufweist.
....
Klang und
Praxis
Ein wichtiger
Aspekt für bequemes und müheloses Spiel sind die Halsabmessungen.
Taylor hat hier einen hervorragenden Ruf. Die Gitarrenbauer aus
El Cajon in Kalifornien verstehen es, die Hälse ihrer Instrumente
so abzustimmen, dass eingefleischte Akustiker (die eigentlich massivere
Abmessungen gewohnt sind) genauso gut klarkommen wie E-Gitarristen,
die nur hin und wieder ein unverstärktes Ständchen zum
Besten geben. Kurz gesagt: der Hals der LKSM ist von eleganter Schlankheit
und fördert alle gängigen Spieltechniken. Dabei ist er
keineswegs dünn geraten, was bei einer 12-String angesichts
der erhöhten Saitenspannung fast schon eine Gefahr darstellen
würde. Die Einstellung der Saitenlage - bei einer Twelve-String
für ein halbwegs bequemes Spielgefühl mit entscheidend
- ist bei der Taylor LKSM sehr gut. Der gefundene Kompromiss zwischen
minimiertem Kraftaufwand und ungehinderter Schwingungsentfaltung
ist absolut gelungen. Kurz und gut: Das Spielen auf diesem Instrument
macht Spaß, und von technischer Seite sind keinerlei Einschränkungen
beim Handling gegeben. Natürlich stellt auch dieses 12-saitige
Modell ganz andere Anforderungen an den Gitarristen als eine Standard-Six-String.
Unerfahrene Saitenzupfer werden ob des erhöhten Kraftaufwands
eine Gewöhnungsphase hinnehmen müssen. Wer aber den großformatigen
Klang eines 12-saitigen-Modells schätzt, wird dies gern in
Kauf nehmen. Für einen ersten Höreindruck rücken
wir dem Kottke-Modell mit einigen offenen Pickings zu Leibe. Das
satte Volumen des Korpus befördert einen ebensolchen Klang
in die Welt. Diese Gitarre füllt den Raum, in dem sie gespielt
wird, mit ihrem Sound. Sofort bemerkt man auch einen leicht defensiven
Touch des Frequenzbildes.
.....
Fazit
Das Taylor "Leo
Kottke Signature"-Modell vereint ein gelungenes Äußeres
(mit Hang zum Understatement) mit hochwertiger Materialauswahl und
perfekter Verarbeitung. Das Klangverhalten ist sonor und mächtig,
der Ton extrem ausgeglichen und warm. Diese Gitarre wird nie vorwitzig
oder undifferenziert-plakativ zu Werke gehen und ist doch in der
Lage, die musikalischen Fähigkeiten des Spielers angemessen
umzusetzen. Ihre Stärke dürfte im orchestralen und begleitenden
Spiel liegen, wo sie die Tragfähigkeit des Tons und das kaum
zu bändigende Sustain voll ausspielen kann.
Technische
Daten
Herkunft: USA
Bauweise: 12-String-Jumbo mit Cutaway
Body: Mahagoni, massiv
Decke: Sitka-Fichte, massiv
Bindings: Palisander
Hals: Mahagoni
Griffbrett: Ebenholz
Kopfplatte: Palisander-Furnier
Bünde: 20 medium
Hals-Korpus-Übergang: 14. Bund
Saitenabstand Sattel/Steg: 42 mm/60mm
Korpustiefe: 9,3 bis 11,2 cm
Mechaniken: Grover, vergoldet
Sattel/Stegeinlage: Tusq (Synthetik)
Steg: Ebenholz
Finish: Korpus hochglanz, Hals seidenmatt
Preis: ca. 7265,- DM, incl. Luxus-Koffer
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