Sonnig
Tanglewood "Sundance" TW55-TF
Von Gregor Hilden
Der samstagabendliche Tanz-Mucken-Marathon steht wieder einmal an, und auf dem Programm stehen eine Reihe von "Unplugged"-Hits, die der geselligen Runde zu Gehör gebracht werden sollen. Eine vernünftige elektroakustische Gitarre muss also mit - aber bitte doch nicht das 15.000-Mark-Martin-Custom-Shop-Schätzchen in "Mint-Condition"...

Es gibt sicherlich noch 150 weitere gute Gründe, sich für eine Gitarre in der unteren Mittelklasse, ein "Alltags"- und Gebrauchsinstrument zu interessieren. Ein Instrument soll es sein, dass aber auch schon gehobeneren Ansprüchen gerecht werden kann und dabei bei der Anschaffung kein allzu großes Loch in der Haushaltskasse hinterlässt. Hier lohnt sich ein Blick auf die Gitarren der aktuellen fernöstlichen Produktion: Firmen wie Cort, Yamaha, Takamine ("G-Serie"), Epiphone, Career und andere Marken bieten heutzutage mit ihren ausgereiften Serienprodukten eine große Auswahl an erschwinglichen Gitarren, meist sogar mit aufwendiger optischer Ausstattung und durchweg in guter Verarbeitung.
Etwas neuer auf dem Markt sind die Instrumente des koreanischen Herstellers Tanglewood, die ab sofort über den deutschen Vertrieb TK in Ulm vertrieben werden. Ähnlich wie bei den anderen Fernost-Herstellern findet sich auch bei Tanglewood eine große Auswahl verschiedenster Steelstring-Gitarren im Katalog - ein interessantes elektroakustisches Jumbo-Modell aus der "Sundance"-Serie wurde uns für einen Testbericht zur Verfügung gestellt.

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Bespielbarkeit und Sound
Dabei hat es Tanglewood doch gerade hinsichtlich des Spiel-Komforts durchaus gut mit dem Gitarristen gemeint. Die Gitarre ist leicht gebaut, und der Hals, mit einem ansprechenden flachen D-Profil plus einer leichten Verrundung der Daumenauflage, ergonomisch ideal geformt. Hinzu kommt, dass die Saitenlage fast schon extrem flach eingestellt ist - selbst in den hohen Lagen freut man sich über einen äußerst geringen Abstand der Saiten zum Griffbrett. Dieser Luxus wird natürlich in gewissem Maße damit erkauft, dass härteste Plektron-Anschläge schon mal mit einem Scheppern der Saiten quittiert werden. Erstaunlicherweise ist die Toleranzgrenze in diesem Punkt aber doch sehr hoch angesetzt. Man muss also schon ordentlich zulangen, um in den Nicht-Genuss dieser Nebengeräusche zu kommen.

Wer also bislang z.B. in der Tanzband stundenlang ungemütliche Barré-Akkorde auf seiner 70er-Jahre-Klampfe greifen musste, wird sich vorkommen, als steige er von einem Zweitakt-Trabi in einen Mercedes mit Automatik-Getriebe... Etwas längere Arme sollte man allerdings besitzen, um auch die mächtigen Rundungen des Bodys zu überwinden. Ein Problem, das sich aber im Stehen und mit der Verwendung eines Gurtes (!!!) weitaus weniger stellt als im Sitzen.
Das Ansprache der Tanglewood ist ausgesprochen direkt und schnell. Auffallend sind vor allem die glitzernden Obertöne, die diese Gitarre liefert. Das sehr höhenreiche Klangbild wird zudem mit kräftigen Bässen unterlegt, die zwar nicht sehr definiert zu Gehör kommen, dafür aber eine Menge Fundament liefern.

Hier zeigt sich ein echter Vorteil des Baukonzeptes: Die Gitarre lässt sich bereits akustisch vollwertig einsetzen und liefert beispielsweise einen schönen Sound-Untergrund für jemanden, der seinen Gesang begleiten möchte. Die Lautstärke-Reserven, die der Tanglewood dabei entlockt werden können, sind überdurchschnittlich. Aufgrund der weniger vorhandenen Mitten und der manchmal etwas dröhnenden Bässe ist das Fingerpicking-Spiel nicht unbedingt die wirkliche Stärke dieser Gitarre, wenngleich solche Stilistiken sich natürlich durchaus auch umsetzen lassen. Saftige, volle Akkorde mit schimmernden Höhen liefert die TW-55 auf der anderen Seite in bemerkenswerter Weise. Hier sind neben den Singer-Songwritern vor allem die Band-Musiker angesprochen, denn auch die Verstärkung dieser Grundsounds lässt sich mit Hilfe des hauseigenen "Slim Jim"-Preamps problemlos einrichten.

Es ist dann nur noch eine Frage des Geschmacks, ob man beispielsweise den Höhenregler nicht vielleicht doch unterhalb der Mittelrasterung positioniert, denn neben den ohnehin schon kräftigen Höhenanteilen der Gitarre mischen sich nun auch noch die typischen Piezo-Frequenzen ein. Diese lassen sich so - und mit der Absenkung der Mitten - recht gut in den Griff bekommen, so dass (je nach Anlage) ein recht natürlicher Gitarrenklang übertragen wird.

Fazit
Bei einem Anschaffungspreis von über 1000,- DM darf der Käufer zu Recht schon weitergehende Erwartungen an eine elektroakustische Gitarre mitbringen. Die Tanglewood erfüllt diese Vorgabe mühelos, ist man sich über den Einsatzbereich (und natürlich auch die Preisklasse) dieses Instrumentes bewusst. Sänger wie Bandmusiker werden sich sowohl über den voluminösen Klang als auch über die überaus komfortable Bespielbarkeit freuen. Die TW-55 liefert hier akustisch wie elektrisch ansprechende Ergebnisse. Die geschmackvolle optische Aufmachung und die saubere Verarbeitung sind weitere Pluspunkte, die auch den Werterhalt einer solchen Gitarre begünstigen. Tipp: Ausprobieren!

Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4 /01