Der
samstagabendliche Tanz-Mucken-Marathon steht wieder einmal an, und
auf dem Programm stehen eine Reihe von "Unplugged"-Hits,
die der geselligen Runde zu Gehör gebracht werden sollen. Eine
vernünftige elektroakustische Gitarre muss also mit - aber bitte
doch nicht das 15.000-Mark-Martin-Custom-Shop-Schätzchen in "Mint-Condition"...
Es gibt sicherlich
noch 150 weitere gute Gründe, sich für eine Gitarre in
der unteren Mittelklasse, ein "Alltags"- und Gebrauchsinstrument
zu interessieren. Ein Instrument soll es sein, dass aber auch schon
gehobeneren Ansprüchen gerecht werden kann und dabei bei der
Anschaffung kein allzu großes Loch in der Haushaltskasse hinterlässt.
Hier lohnt sich ein Blick auf die Gitarren der aktuellen fernöstlichen
Produktion: Firmen wie Cort, Yamaha, Takamine ("G-Serie"),
Epiphone, Career und andere Marken bieten heutzutage mit ihren ausgereiften
Serienprodukten eine große Auswahl an erschwinglichen Gitarren,
meist sogar mit aufwendiger optischer Ausstattung und durchweg in
guter Verarbeitung.
Etwas neuer auf dem Markt sind die Instrumente des koreanischen
Herstellers Tanglewood, die ab sofort über den deutschen Vertrieb
TK in Ulm vertrieben werden. Ähnlich wie bei den anderen Fernost-Herstellern
findet sich auch bei Tanglewood eine große Auswahl verschiedenster
Steelstring-Gitarren im Katalog - ein interessantes elektroakustisches
Jumbo-Modell aus der "Sundance"-Serie wurde uns für
einen Testbericht zur Verfügung gestellt.
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Bespielbarkeit
und Sound
Dabei hat es Tanglewood doch gerade hinsichtlich des Spiel-Komforts
durchaus gut mit dem Gitarristen gemeint. Die Gitarre ist leicht
gebaut, und der Hals, mit einem ansprechenden flachen D-Profil plus
einer leichten Verrundung der Daumenauflage, ergonomisch ideal geformt.
Hinzu kommt, dass die Saitenlage fast schon extrem flach eingestellt
ist - selbst in den hohen Lagen freut man sich über einen äußerst
geringen Abstand der Saiten zum Griffbrett. Dieser Luxus wird natürlich
in gewissem Maße damit erkauft, dass härteste Plektron-Anschläge
schon mal mit einem Scheppern der Saiten quittiert werden. Erstaunlicherweise
ist die Toleranzgrenze in diesem Punkt aber doch sehr hoch angesetzt.
Man muss also schon ordentlich zulangen, um in den Nicht-Genuss
dieser Nebengeräusche zu kommen.
Wer also bislang
z.B. in der Tanzband stundenlang ungemütliche Barré-Akkorde
auf seiner 70er-Jahre-Klampfe greifen musste, wird sich vorkommen,
als steige er von einem Zweitakt-Trabi in einen Mercedes mit Automatik-Getriebe...
Etwas längere Arme sollte man allerdings besitzen, um auch
die mächtigen Rundungen des Bodys zu überwinden. Ein Problem,
das sich aber im Stehen und mit der Verwendung eines Gurtes (!!!)
weitaus weniger stellt als im Sitzen.
Das Ansprache der Tanglewood ist ausgesprochen direkt und schnell.
Auffallend sind vor allem die glitzernden Obertöne, die diese
Gitarre liefert. Das sehr höhenreiche Klangbild wird zudem
mit kräftigen Bässen unterlegt, die zwar nicht sehr definiert
zu Gehör kommen, dafür aber eine Menge Fundament liefern.
Hier zeigt sich
ein echter Vorteil des Baukonzeptes: Die Gitarre lässt sich
bereits akustisch vollwertig einsetzen und liefert beispielsweise
einen schönen Sound-Untergrund für jemanden, der seinen
Gesang begleiten möchte. Die Lautstärke-Reserven, die
der Tanglewood dabei entlockt werden können, sind überdurchschnittlich.
Aufgrund der weniger vorhandenen Mitten und der manchmal etwas dröhnenden
Bässe ist das Fingerpicking-Spiel nicht unbedingt die wirkliche
Stärke dieser Gitarre, wenngleich solche Stilistiken sich natürlich
durchaus auch umsetzen lassen. Saftige, volle Akkorde mit schimmernden
Höhen liefert die TW-55 auf der anderen Seite in bemerkenswerter
Weise. Hier sind neben den Singer-Songwritern vor allem die Band-Musiker
angesprochen, denn auch die Verstärkung dieser Grundsounds
lässt sich mit Hilfe des hauseigenen "Slim Jim"-Preamps
problemlos einrichten.
Es ist dann
nur noch eine Frage des Geschmacks, ob man beispielsweise den Höhenregler
nicht vielleicht doch unterhalb der Mittelrasterung positioniert,
denn neben den ohnehin schon kräftigen Höhenanteilen der
Gitarre mischen sich nun auch noch die typischen Piezo-Frequenzen
ein. Diese lassen sich so - und mit der Absenkung der Mitten - recht
gut in den Griff bekommen, so dass (je nach Anlage) ein recht natürlicher
Gitarrenklang übertragen wird.
Fazit
Bei einem Anschaffungspreis von über 1000,- DM darf der Käufer
zu Recht schon weitergehende Erwartungen an eine elektroakustische
Gitarre mitbringen. Die Tanglewood erfüllt diese Vorgabe mühelos,
ist man sich über den Einsatzbereich (und natürlich auch
die Preisklasse) dieses Instrumentes bewusst. Sänger wie Bandmusiker
werden sich sowohl über den voluminösen Klang als auch
über die überaus komfortable Bespielbarkeit freuen. Die
TW-55 liefert hier akustisch wie elektrisch ansprechende Ergebnisse.
Die geschmackvolle optische Aufmachung und die saubere Verarbeitung
sind weitere Pluspunkte, die auch den Werterhalt einer solchen Gitarre
begünstigen. Tipp: Ausprobieren!
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4 /01
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