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Die Effektgeräte hat er in die Ecke gestellt. Er will nichts
an Klang vorgeben, was nicht allein mit seinen Fingern zu erzeugen
wäre. Effekte lässt er lieber andere machen. Seinen DJ
zum Beispiel.
Und dieser treibt Jordan bei dessen Konzerten derzeit zu improvisatorischen
Höchstleistungen an, die ihm sichtlich Spaß machen.
Und obwohl Ronny
Jordan als bekannter Vertreter der "Acid-Jazz"-Gitarristen
gilt, will er auch diesen Begriff lieber in die Ecke stellen und
dort am liebsten seine akustische Gitarre herausholen. Ist der für
den Grammy nominierte Jordan etwa etabliert geworden? Im Gegenteil,
Jordan fühlt sich jetzt erst recht "fresh and new".
Mit seinem aktuellen Album "A Brighter Day" war der von
Jazzpuristen meist kritisch beäugte Jordan der erste Musiker,
der beim renommierten Jazz-Label Blue Note im neuen Jahrtausend
unter Vertrag genommen wurde. Ein verheißungsvolles Zeichen
für den Jazz? Zumindest für Jordan selbst. Seine Aufbruchstimmung
machte sich in einem erweiterten Konzept bemerkbar. Bossa-Nova-Rhythmen
und indische Klänge treiben die Stimmung in für ihn ungewohnte
Richtungen, ohne dass er vergisst, die Charakteristika des Acid
Jazz als seine Wurzeln zu zitieren. Doch seine Wurzeln liegen eigentlich
in der Musik von Jazzgitarristen der 60er Jahre wie Grant Green,
von dem er hier auch eine Nummer spielt, oder Wes Montgomery.
1962 als Sohn
jamaikanischer Eltern in London geboren, trat er unter dem Einfluss
seines Vaters, der Pfarrer war, schon früh als Gitarrist in
Gospelgruppen auf. Später beeinflusste ihn dann der Rap und
brachte ihn dazu, Miles Davis' "So What" mit Hip-Hop-Grooves
zu mixen, womit er nicht nur einen absoluten Klassiker des Acid
Jazz kreierte, der manch jüngeren Hörer heute glauben
lässt, die Nummer sei von Jordan geschrieben, sondern auch
einen Plattenvertrag erstand. Sein 1992 entstandenes Album "The
Antidote" beeinflusste die Acid Jazz-Bewegung maßgebend,
was auch für seine Zusammenarbeit mit Gurus Projekt "Jazzmatazz"
1993 galt. Es folgten die Alben "Quiet Revolution"und
"Bad Brothers" mit Remixen, dann eine erneute Zusammenarbeit
mit Guru und "Light to Dark". 1998 wechselte er von Island
Records zum Blue-Note-Label und zog nach New York, um mit illustren
Gästen wie dem Vibraphonisten Roy Ayers das Album "A Brighter
Day" mit wesentlich erweiterten Impulsen einzuspielen, was
zur Folge hatte, dass er die von ihm zunehmend weniger geschätzte
Rolle des Acid-Jazz-Pioniers erheblich abbauen konnte.
Was bedeutet
der Begriff Acid Jazz für dich eigentlich noch?
Ronny Jordan: Oh, Acid Jazz hat sich in verschiedene Richtungen
entwickelt, da gibt es Retro-, Rare-Groove- und Hip-Hop-Acid-Jazz.
Der Begriff hing mir jahrelang nach, nun gut, es schmeichelt mir,
wenn man mich als Pionier sieht, aber jetzt nach zehn Jahren würde
ich mich als "zeitgemäßen Jazzgitarristen"
bezeichnen, damit will ich betonen, dass ich jetzt eben Neues und
Frisches spiele. Es gibt so viele Jazzgitarristen, die virtuos sind,
aber eine Musik spielen, die 30, 40 Jahre alt ist. Das ist nicht
mein Ding. Man kann z. B. in die Musik von sagen wir Django Reinhardt
als Gitarrist verliebt sein, aber warum versetzt man sie nicht in
die heutige Zeit? Das wäre doch eine tolle Herausforderung.
Auch wenn man mich dafür kritisieren mag, man kann das jederzeit
versuchen. Auch Acid Jazz war am Anfang eigentlich Musik, die nur
DJs machten. Ich war einer der ersten Musiker, die diese Musik zu
ihrer Sache machten. Das war meine Herausforderung. Es gibt da noch
den Smooth Jazz wie z. B. Peter White. Ich fühle mich irgendwo
in der Mitte zwischen beiden Polen. Würde ich mich jetzt noch
Acid-Jazz-Musiker nennen, würde ich mich begrenzt fühlen.
Momentan entwickle ich mich am ehesten in die Hip-Hop-Ecke, ich
improvisiere jetzt bei meinen Auftritten mit den Rhythmen, Loops
und Scratches meines DJs Master Phil im Duett, was so, glaube ich,
bisher kaum gemacht wurde und ich wünsche mir, dass mir solche
Ideen immer wieder kommen.
Man hört
bei dir immer Wes Montgomery heraus. Wie kamst du zu ihm?
Ronny Jordan: In den 80ern hörte ich einmal bei einem Freund
den "Westcoast Blues" von Wes Montgomery und es durchfuhr
mich wie der Blitz. Ich hatte vorher alles Mögliche gespielt,
auch Rock oder Sachen wie Parliament. Doch mit Wes war es, als hörte
ich meine Zukunft. Ich habe einen von ihm inspirierten Sound, spiele
aber eine tanzbarere Musik. Ich könnte aber nie Musik "im
Stil Montgomerys" spielen. Diese Zeit ist vorbei, auch wenn
ich ihn sehr schätze.
Welche Gitarre
benutzt du?
Ronny Jordan: Ich spiele die sehr komfortable Ibanez "George
Benson 10" Gitarre. Benson selbst empfahl sie mir und es stimmte
genau, was er über sie sagte. Ich habe vor kurzem den Gibson
Award gewonnen und danach kam die Firma auf mich zu und wollte ein
nach mir benanntes Modell entwerfen lassen. Aber ich will mir damit
Zeit lassen. Ich denke da sogar an eine akustische Gitarre. Bei
den Saiten habe ich keine spezielle Wahl bis jetzt getroffen. Am
längsten benutzte ich die semi-akustischen Tomastik-Saiten,
die von Benson selbst benutzt werden. Ich habe mit Stärke neun
angefangen, jetzt bin ich bei zwölf. Man kann sie ein wenig
biegen, aber immer noch den vollen Ton heraus holen.
Wie siehst
du selbst das Persönliche deines Stils?
Ronny Jordan: Ich habe mich erst in letzter Zeit richtig entwickelt.
Ich spiele inzwischen mehr Akkorde und mein Rhythmusspiel wurde
besser. So habe ich eine Woche im Haus von George Benson verbracht,
er gab mir jede Menge Tipps. Durch diesen Aufenthalt bekam ich viele
Inspirationen, es hat mich ungeheuer voran gebracht. Am Anfang meiner
Karriere spielte ich nicht mein volles Potenzial aus, der Erfolg
kam zu schnell. Aber gerade bei meiner jetzigen Tour in Deutschland
bestätigen mir Leute meine Weiterentwicklung, denn man hatte
mich hier sieben Jahre lang nicht live gesehen. Mein Ziel ist es,
einen Sound zu kreieren, der nichts vormacht. Akustischer Klang
ist immer noch der schönste für mich. Ich habe Effektgeräte
und Verstärkermodelle ausprobiert, aber heute verzichte ich
auf das alles. Ich stecke mein Kabel in einen einfachen Verstärker
(Fender De Ville) und das ist es schon. Für mich gilt: Der
Sound kommt aus den Fingern, nicht aus den Geräten. Ich kann
genauso gut weiterspielen und überzeugen, wenn der Strom ausfällt,
und das überzeugt die Leute. Als ich früher Effekte bei
Soli einsetzte, klatschten die Leute nie Beifall, sie fanden es
höchstens o.k. Und ich brauche auch kein Meer von Noten, die
ich runternudeln muss. Deswegen war ich wohl auch nie ein Fan von
John McLaughlin. Ich halte mich da eher an Leute wie B.B. King,
die mit drei Noten mehr ausdrücken können als andere mit
300. Man muss das Publikum erobern! Man muss dem Hörer eine
Nacht geben, die er nicht mehr vergisst. Aber das gelingt nicht,
wenn einer daher kommt wie John, nach dem Motto: Keiner kann mich
kopieren, denn keiner kann's so gut wie ich. Natürlich ist
Technik wichtig, aber man muss genauso sein Spiel von Herzen kommen
lassen. Man muss eine Show liefern und sein Bestes geben. Immer!
Ich habe in Minneapolis mal in einem Club gespielt, da waren mehr
Kellner da als Besucher. Ich habe mir die Finger trotzdem wund gespielt.
Beim nächsten Mal dort ging die Besucherschlange um die Ecke
und Prince kam vorbei. Was war? Die Besucher waren nämlich
alle von der Presse und mein Auftritt hatte sich herumgesprochen.
Man weiß eben nie.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 4 /01
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