| Haltung
bewahren
Gitarrenstützen
im Vergleich
Von Jürgen Richter
Die Gitarre, zumal die
klassische, ist ein schönes Instrument, das brauche ich den
Lesern dieser Zeitschrift nicht näher zu erläutern. Nur
fragt man sich manchmal, wie man das verdammte Ding halten
soll, ohne dass einem der Rücken oder Anderes schmerzt. Mögliche
Lösungen gibt es, seit es die Gitarre gibt. Was aber hat die
moderne Industrie zu diesem Thema zu sagen?
Praktisch alle Klassikgitarristen
plagt ein sehr ähnliches Problem: Rückenschmerzen! Das
geht in Extremfällen und bei professionell arbeitenden Musikern
bis nahe an die Berufsunfähigkeit. Der profane Grund liegt
in der als optimal empfundenen Haltung des Instruments: Der linke
Fuß wird auf einem mehr oder weniger hohen Fußschemel
aufgesetzt, die Gitarre wird auf den linken Oberschenkel aufgelegt
und mit dem rechten Arm am Körper fixiert. Dadurch kann sich
die Gitarre praktisch nicht mehr bewegen, der linke sowie der rechte
Arm erhalten maximale Bewegungsfreiheit und auch -sicherheit. Natürlich
ist diese Haltung optimal, aber eben nur aus der Sicht der Spieltechnik.
Vom ergonomischen Standpunkt aus sorgt sie dafür, dass der
ganze Körper in sich verdreht wird, was letztendlich auf die
Wirbelsäule respektive die Bandscheiben geht. Die Folge sind
die beschriebenen Rückenschmerzen. Aber es gibt noch einen
weiteren Nachteil der streng klassischen Haltung. Durch die enge
Fixierung an den Körper wird ein wesentlicher Teil des Bodens
am Schwingen gehindert, was dem Klang abträglich ist. Das kann
man ganz einfach ausprobieren, indem man dieser Haltung einen Akkord
anschlägt und dann die Gitarre leicht vom Körper nimmt.
Der Unterschied dürfte auch Zweifler überzeugen.
Schon die Altvordern
waren sich dieser Problematik bewusst, wie eine Erfindung des Gitarristen
Dionisio Aguado Mitte des 19. Jahrhunderts beweist. Dieser stellte
eine Halterung für die Gitarre vor, die unabhängig vom
Spieler auf dem Boden steht und die es gestattet, bequem zu sitzen
und das Instrument ohne Körperkontakt zu spielen. Kurz darauf
jedoch setzte sich (mit und durch Tarrega) die streng klassische
Haltung mit Hilfe des Fußschemels durch.
In den letzten Jahren haben verschiedene Hersteller dieses Thema
wieder aufgegriffen und sich über eine mögliche Lösung
Gedanken gemacht. Herausgekommen sind dabei verschiedene Konstruktionen,
die durchweg zusätzlich an der Gitarre angebracht werden müssen.
Wir haben bei der Recherche insgesamt vier verschiedene Vorrichtungen
gefunden, die sich speziell dieses Problems annehmen. Dazu kommt
eine Stütze für den rechten Arm sowie eine durchaus stilvolle
Variante zum Thema Fußschemel.
Sehen wir uns die vier in Frage kommenden Gitarrenstützen im
Detail an.
Efel
Die Stütze von Efel zeichnet sich durch eine einfache und preiswerte
Konstruktion aus. Das Material ist Kunststoff, wobei für verschiedene
Baugruppen der Stütze verschiedene Kunststoffe benutzt wurden.
Die Efel-Stütze wird mit einem einzelnen Saugnapf an der Gitarre
befestigt. Hier empfiehlt es sich, bei empfindlichen oder offenporigen
Lackierungen eine Folie aufzubringen, auf die der Saugnapf dann
angesetzt wird. Diese Folie wird als Extra angeboten. Der Saugnapf
ist mit einem zusätzlichen, sehr sinnvollen Detail versehen:
Eine Lasche erlaubt es, eine Seite des Saugnapfes anzuheben, wodurch
die Stütze sehr einfach abgenommen werden kann. Die Efel-Stütze
wird so an der unteren Zarge befestigt, dass sie mehr oder weniger
gerade von der Gitarre absteht. Das sieht etwas gewöhnungsbedürftig
aus, liefert aber eine feste Auflage auf dem linken Oberschenkel.
Gleichzeitig wird die Gitarre in einen angenehm steilen Winkel zum
Körper gebracht, vergleichbar dem bei Verwendung eines hohen
Fußschemels. Allerdings ist dieser Winkel vorgegeben, man
kann ihn höchstens etwas durch die Wahl des exakten Montagepunktes
variieren. Die Auflage selbst besteht aus einem weichen Kunststoff,
der allerdings auf glatter Kleidung zum Rutschen neigt.
.............
Fazit
Welche der angebotenen Stützen soll man nun nehmen? Für
jede der Stützen sprechen verschiedene Argumente. Unter dem
Aspekt der Einfachheit und der unaufwendigen Konstruktion müsste
man der Efel den Vorzug geben. Allerdings sind sowohl die Wolf-Stütze
als auch die ErgoPlay sehr viel flexibler zu handhaben und auf viele
Körperhaltungen einzustellen. Die Frage ist allerdings, ob
man das auch wirklich braucht, zumal beide Konstruktionen nicht
gerade elegant wirken. Gut, das tun die anderen beiden auch nicht
unbedingt, aber wenigstens sind sie klein und unauffällig.
Sehr viel spricht unter diesem Aspekt für die Gitano-Stütze,
welche die Einfachheit der Efel hat, aber dazu ein paar sehr interessante
und vernünftige Features - welche andere Stütze kann man
so ohne weiteres am Instrument belassen? Ein dicker Pluspunkt also
für die Gitano. Interessant ist der Plenosom Guitar Protector.
Dieses Teil sollte man sich als Konzert- oder Folkgitarrist durchaus
einmal näher ansehen!
Efel
Vorteil: einfache Anwendung, günstigste Stütze
Vertrieb: GEWA Mittenwald
Preis: ca. 35,- DM
ErgoPlay
Vorteil: flexibel einstellbar, stabil
Vertrieb: GEWA Mittenwald
Preis: ca. 40,- DM
Gitano
Vorteil: einfache Anwendung, durchdachte Konstruktion
Vertrieb: American Guitar Center Stuttgart, GEWA Mittenwald, Blazer
& Reinhardt
Preis: ca. 40,- DM
Wolf
Vorteil: flexibel einstellbar, Klemmbefestigung
Vertrieb: GEWA Mittenwald
Preis: ca. 47,- DM
Plenosom Guitar Protector
Vertrieb: Frame Works Guitars
Preis: ca. 95,- DM
Carlos Foot Stool
Vertrieb: American Guitar Center Stuttgart
Preis: ca. 200,- DM
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