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Wechter "Pathmaker Elite"

Von Andreas Schulz

 

Abe Wechter, ursprünglich im Dienste von Gibson stehend, baut seit einem guten Vierteljahrhundert Custom-Instrumente für die Größen der modernen Gitarristik. So sind Wechter-Gitarren im Fuhrpark von Spielern wie John McLaughlin, Steve Howe, Al DiMeola, B.B. King oder Earl Klugh zu finden.

Eines seiner bemerkenswertesten Meisterwerke ist sicherlich die für McLaughlin gebaute "Shakti"-Gitarre (zu sehen auf dem Cover von "Shakti With John McLaughlin" aus dem Jahr 1975, siehe auch Interview in diesem Heft). Seitdem braucht sich der gute Abraham über mangelnde Arbeit nicht mehr zu beklagen. Seine gut klingenden und spektakulär designten Instrumente haben ihm weltweit einen hervorragenden Ruf eingebracht. Einen Nachteil haben diese Sonderanfertigungen: Sie waren bislang nur mit einem leisen Schluchzer in Verbindung mit einem tiefen Griff ins Portemonnaie zu erwerben, also bisher eher ein Fall für vermögende Sammler oder gut gestellte Profis. Mit der "Pathmaker"-Serie will Wechter nun die Musiker auf der breiten Front ansprechen: Gitarristen, die für einen vernünftigen Preis ein gut klingendes Arbeitsgerät suchen und Sinn für sein ausgefallenes Design haben.

Äußere Werte

Oh, eine dunkelbraune Schönheit lacht mich an. "Tobacco Sunburst" nennt Wechter das dunkle, rötlich-braune Hochglanz-Finish, in dem Korpus und Halsrückseite ausgeführt sind. Auf den ersten Blick fallen die beiden symmetrischen Cutaways ins Auge und die nach oben geschwungene Kopfplatte mit den versetzt angeordneten Mechaniken. Die Decke der "Pathmaker", für den Klang maßgeblich verantwortlich, ist aus massiver Sitkafichte, nicht allzu stark, aber sehr gleichmäßig gemasert und aus zwei Teilen spiegelbildlich zusammengesetzt. Boden und Zargen sind aus Ahorn, ebenfalls massiv und in der "Curly Maple"-Version verbaut, die eine sehr schöne, fast dreidimensional wirkende Maserung aufweist. Der leicht gewölbte Boden ist ein richtiges optisches Schmuckstück. Auch der Hals ist in dieser Ausführung aus Ahorn, mit einem aufgeleimten Griffbrett aus indischem Palisander. Mit der gleichen Holzsorte ist auch die Vorderseite der Kopfplatte furniert. Diese trägt die Mechaniken in einer asymmetrischen "3 + 3"-Konstellation, was einen geraden Saitenverlauf über den Sattel sicherstellt. Einen elegant geschwungenen Abschluss des Halses hat Wechter da designt. Er trägt, von der Funktionalität ganz abgesehen, zum hohen Wiedererkennungswert seiner Instrumente bei. Die professionellen Mechaniken sind geschlossene, dauergeschmierte Typen ohne Firmenaufdruck, ich tippe mal auf Gotoh. Das Griffbrett ist mit kleinen Perlmutt-Dots verziert, die an den gemeinhin üblichen Stellen sitzen, allerdings nicht mittig, sondern im Zwischenraum zwischen E- und A-Saite und versetzt zum nächsten Bundstäbchen. Ein besonderes Lob gibt es für die Bundierung dieser Gitarre! Die 22 Medium-Jumbo-Bünde sind sauber eingesetzt und poliert, vor allem aber extrem gut abgerichtet. Die Bund-Enden sind penibel abgerundet, nichts stört beim Greifen an den Kanten des Halses. Die Abgleichung der Bundoberflächen, die im Idealfall eine gekrümmte Ebene bilden sollen, ist perfekt gelungen. Die ab Werk eingestellte Saitenlage ist sehr niedrig, ohne dass die Saiten auch bei kräftigem Anschlag schnarren und in ihrer Schwingung behindert werden. Anders ausgedrückt: Das Teil ist bequem und butterweich zu bespielen, ohne dass der Dynamik einer etwas heftigeren Artikulation allzu frühe Grenzen gesetzt wären. Ansonsten ist der Hals von seinen Abmessungen her ein unproblematischer Geselle, weder allzu klobig noch überschlank liegt er satt in der Hand und erlaubt alle Spieltechniken, die ihm der Gitarrist zumutet. Besonders angenehm ist, dass das Griffbrett und das String-Spacing etwas breiter ausgeführt sind als üblich. Das ist geschickt gewählt: Der Plektrum schwingende Single-Note-Liner kommt noch gut klar, bei komplex zu greifenden Akkorden haben die Finger das entscheidende Quäntchen mehr an Platz, und der Fingerpicker freut sich eh, weil seine Zupftechniken und Zerlegungen bei diesem Saitenabstand bequem zu meistern sind.

Der einzige wirkliche Zierrart dieser ansonsten funktional ausgeführten Gitarre ist ein schmaler Abalone-Ring rund ums Schallloch. Der Steg ist aus einem Stück unlackierten Palisanders mit schönen Rundungen herausgearbeitet und trägt die Stegeinlage sowie die sechs Plastikpins, mit denen die Saiten festgeklemmt werden. Der Übergang von Hals und Korpus – besagter großflächig ausgeführter Doppel-Cutaway – befindet sich am 19. Bund. Damit sind für Solisten, die gerne das höchste Register ausnutzen, allerbeste Voraussetzungen geschaffen. Die Verarbeitung im Korpusinnern ist ebenfalls tadellos. Das X-Bracing ist "scalloped" (die Leisten sind optimiert) ausgeführt, Leimreste oder Unsauberkeiten sind nirgendwo zu sehen. Bei der "Pathmaker Elite" wird das Einpassen des Bracings (Beleistung) sowie die Feinabstimmung der Decke in Handarbeit vorgenommen. Anmerken sollte man noch den mit Carbon-Faser verstärkten Hals-Einstellstab und den mittels eines massiven, gekrümmten und in den Cutaway hinein verlaufenden Ahornblockes ausgeführten Ansatz des Halsstockes.

Elektrik

Die "Pathmaker Elite" ist als elektroakustische Gitarre ausgelegt. Abe Wechter hat sich für eine Fishman "Prefix Plus"-Elektronik entschieden. Diese besteht aus einem Acoustic-Matrix-Tonabnehmer unter der Stegeinlage, dessen Signal dem im oberen Zargen montierten Vorverstärker zugeführt wird. Die Regelmöglichkeiten sind recht umfassend; Lautstärke versteht sich von selbst. Die Klangregelung verfügt über Bass- und Treble-Regler, parametrische Mitten mit Contour (+/-12 dB) und Frequenz (250 Hz bis 10 kHz) sowie Brillanz (+/-9 dB). Eines der größten Probleme bei der Verstärkung sensibler und schwingungsfreudiger akustischer Gitarren ist das Feedback. Zum einen kann es eine direkte akustische Rückkopplung geben, wenn die Schallwellen des Lautsprechers wieder auf den Pickup treffen (dies äußert sich in Pfeifen und Heulen), zum anderen kann das verstärkte Signal Saiten und Decke des Instruments zum Mitschwingen anregen (dies ergibt eine Feedback-Anfälligkeit einzelner Töne, vornehmlich im Bass- und Mittenbereich). Die "Pathmaker Elite" hat zwei Abwehrsysteme in Sachen Feedback mit auf den Weg bekommen. Der Notchfilter eliminiert schmalbandig die störende Frequenz aus dem Klangbild. Ohne allzu große Sound-Einbußen kann man das Instrument mit deutlich höherer Lautstärke fahren. Eine zweite Geheimwaffe ist der Phasenschalter. Damit wird das Signal des Preamps um 180 Grad in der Phase gedreht. Störende Resonanzen, die durch eine stehende Luftsäule im Innern des Korpus entstehen, lassen sich so bekämpfen. Eine Besonderheit dieser Elektronik ist das fehlende Batteriefach. Statt dessen wird der gesamte Block drehend nach außen geklappt und die Batterie auf der Unterseite fixiert. Die 9-V-Batterie soll nach Herstellerangaben ca. 160 Stunden halten, eine rote LED warnt vor dem Abfall der Versorgungsspannung.

Klang

Nun zum Klang, dem wohl entscheidenden Kriterium. Erinnern wir uns: Die "Pathmaker" ist gedacht als qualitativ hochwertige und bühnen- wie studiotaugliche Gitarre, die für den arbeitenden Musiker bezahlbar ist. Erster Eindruck: klar und ausgewogen, mit verblüffender Neutralität. Keine Frequenz ist überbetont oder allzu flach, die klangliche Balance ist unüberhörbar. Eine markante eigene Stimme hat diese Gitarre von sich aus nicht unbedingt. Aber Moment – das muss nicht negativ sein. Beim intensiven Spiel zeigt sich nämlich, dass die "Pathmaker" einfach alles mitmacht. Jede Spieltechnik wird adäquat umgesetzt, Registerwechsel beim Anschlag haben einen deutlichen Soundunterschied zur Folge. Je länger der Kontakt mit diesem Instrument dauert, um so mehr schätzt man diese Fähigkeiten. Ob deftige Akkorde beim Blues, filigrane Jazzharmonien, Picking-Patterns oder Melodielinien in hohen Lagen – die "Pathmaker" geht mit. Und der musikalische Effekt ist der, dass man sich beim Spielen nicht auf den reinen Wohlklang der Gitarre verlässt, sondern an seinem eigenen Ausdruck feilt. In den Händen des versierten Gitarristen mit feinfühligem Anschlag ist diese Wechter-Gitarre ein wirklich musikalisches Instrument, das den individuellen Ausdruck fördert, ohne ihm eine spezielle Richtung vorzugeben. Die Kombination der Tonhölzer (Fichte/Ahorn) sorgt für einen brillanten Klang und eine sehr direkte Entfaltung des Tons. Solide, fleischige Mitten, die für die nötige Tiefe sorgen, sind reichlich vorhanden, die Bässe sind schlank, aber nicht dünn. Der Ton hat eine gewisse "glockige" Qualität und ist klar strukturiert. Das Sustain ist überdurchschnittlich lang und – viel wichtiger – sehr gleichmäßig, sowohl im Abfall der Lautstärke als auch im Frequenzspektrum. Was auffällt, ist ein gewisser Kompressionseffekt. Nach dem Anschlag schwillt der Ton noch für einen winzigen Moment an, bevor die Sustainphase beginnt. Das alles trägt zur Gleichmäßigkeit von Tonbildung und Entfaltung bei. Die "Pathmaker" wird im Studio eine gute Figur machen, ist doch sonst eine solche Ausgewogenheit in Klang und Dynamik nur mit Hilfe von Equalizern und Kompressoren hinzukriegen.

Oh, der verstärkte Klang ... Nun, die Fishman-Systeme haben sich längst etabliert und sind nicht umsonst auf einer Vielzahl moderner Akustikgitarren schon ab Werk zu finden. Zentrale Features sind gute Klangqualität, geringes Rauschen, unkomplizierte Handhabung plus die Möglichkeit, dem drohenden Feedback entgegenzuwirken. Über die Verstärkung dieses Instruments wird man sich nie den Kopf zerbrechen müssen. Gegen einen Aufpreis von 149,- DM ist auch der Fishman "Onboard Blender" lieferbar, der das System um ein zumischbares Kondensatormikrofon ergänzt.

( Den vollständigen Text finden Sie in AKUSTIK GITARRE 3-99)