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Martin Jr.
Sigma DM-18

Von Gregor Hilden

Eine Original Martin-Gitarre zu besitzen, das ist immer noch der Traum vieler Gitarristen.martin.jpg (4742 Byte) Bei dem Traum muß es in vielen Fällen allerdings auch bleiben - die finanzielle Lage gestattet möglicherweise eine solche Investition nicht, oder aber man möchte als Anfänger zunächst einmal etwas vorsichtig an das neue Hobby herangehen. Sigma-Gitarren werden in Taiwan unter der Lizenz und der Aufsicht von Martin-Mitarbeitern hergestellt, was den Besitzer einer solchen Gitarre für „kleines Geld" zumindest schon einmal in die Nähe des Originals bringt.

Als Hersteller und Lizenznehmer von Martin ist Sigma berechtigt, Teile des offiziellen Martin-Programms nachzubilden sowie mit dem Namen zu werben. Es finden sich im Sigma-Katalog viele wichtige „klassische" und erfolgreiche Martin-Modelle wieder. Die günstigste Steelstring der „Marquis-Studio-Series" mit einer massiven Decke ist die DM-18, die wir an dieser Stelle einmal einem Test unterziehen möchten.

Konstruktion

Angelehnt ist diese Gitarre an die D-18, das legendäre Dreadnought-Modell aus dem US-Haus. Es handelt sich also um ein reinrassiges Steelstring-Prinzip, wenngleich natürlich - wie bei dem Preis von nur ca. 860,- DM anzunehmen ist - bei der Herstellung gravierende Sparmaßnahmen notwendig waren. Der Korpus der DM-18 ist, wie in dieser Preisklasse üblich, nicht vollmassiv. Boden und Zargen sind aus mehrschichtigem Mahagoni gebaut - bei der US-D-18 findet sich an dieser Stelle ebenfalls Mahagoni wieder, dort allerdings in massiver Form. Das am meisten klangformende Element einer jeden Gitarre ist die Decke. Und die ist im Falle der Sigma DM-18 aus massiver Fichte gefertigt und mit einem „X-Bracing" beleistet - ebenso wie alle anderen Gitarren aus der „Marquis-Studio-Serie", aus der auch dieses Instrument stammt. Ebenfalls aus Mahagoni ist der Hals gebaut. Er ist einteilig konstruiert, matt lackiert, Kopfplatte und Halsfuß sind angesetzt (also mit dem eigentlichen Hals verleimt), und das am Rand in schwarzem Kunststoff eingefaßte Griffbrett ist aus schönem, gleichmäßig gemasertem Palisander geschnitten. Zur Orientierung finden sich relativ große Pearl-Dots im Griffbrett, ebenso wie kleine Markierungen auf der Griffbrettkante. Weitere Details sind die geschlossenen und verchromten Mechaniken in guter Qualität und eine Reihe dezenter Verzierungselemente, wie etwa das fünffache Korpusbinding aus schwarzem und weißem Kunststoff, die mehrlagige Schallochumrahmung und das geschmackvolle Sigma-Emblem auf der Kopfplatte. Wie alle klassischen Martin-Steelstrings, so ist auch diese Gitarre hochglänzend lackiert. Die Arbeit ist professionell ausgeführt, wobei man allerdings, wie bei anderen Fernost-Gitarren, auch bei diesem Modell nicht mit dem Lack gespart hat. Trend ist in Amerika, wieder dünne Lackschichten zu verwenden, um eine bessere Schwingungsfreiheit der Decke zu ermöglichen. Der Aufwand, einen soliden und gleichzeitig dünnen Lackschutz aufzutragen, ist aber ungleich höher. Egal, den Martin-Fan wird's freuen, daß die Sigma überhaupt auf Hochglanz lackiert und nicht mit einem kostengünstigeren Mattlack versehen ist. Insgesamt gibt es an der Verarbeitung und Ausführung überhaupt keine Kritikpunkte. Der Fertigungsstandard ist bei Sigma wie auch bei anderen fernöstlichen Herstellern heutzutage geradezu vorbildlich.

Klang- und Spieleigenschaften

Wer einmal eine Martin-Gitarre in der Hand hatte, weiß um die gute Bespielbarkeit dieser Instrumente. Daß die Sigma ihrem Vorbild in dieser Disziplin kaum nachsteht, liegt sicherlich daran, daß der Hals der DM dem US-Modell exakt nachempfunden ist. Mit seiner mittleren Stärke und Breite liegt er „passend" in der Hand, und auch die mittelhohen Jumbo-Bundstäbchen erleichtern das Spiel (dünnerer Bunddraht erhöht den Reibungseffekt mit dem Griffbrett - ermöglicht dafür aber auch einen „holzigeren" Ton). Die Gitarre bietet optimale Spielbedingungen - auch für Anfänger.

Klanglich überzeugt die Sigma ebenfalls. Bei einem Listenpreis von etwa 860,- DM (der Verkaufspreis liegt im Laden zumeist deutlich unter dem empfohlenen VK) sollte man durchaus ein entsprechendes Niveau im Klangverhalten erwarten können - die DM-18 erfüllt diese Erwartung nicht nur, sondern legt besonders in Hinsicht auf das Soundvolumen eine gute Extraportion drauf. Die Bässe klingen rund und voluminös, bringen somit ein solides Fundament bei der Gesangsbegleitung, und auch die Gesamtlautstärke dieser Gitarre ist für ein Instrument dieser Preisklasse überdurchschnittlich hoch. Die Höhen klingen gleichmäßig und ausgewogen und machen die Gitarre universal einsetzbar. Prinzipiell lassen sich alle Stilistiken hervorragend einsetzen. Die Sigma erinnert an den typischen Martin-Klang, wenngleich natürlich nicht die Klasse eines vielfach teureren vollmassiven Instrumentes erreicht werden kann. Nun kauft sich ein Anfänger am Klavier ebenfalls nicht sofort einen Steinway-Flügel, ist er doch mit einem soliden Piano sehr gut beraten. Ebenso empfiehlt sich die Sigma als ein Klasse-Instrument, das ohne weiteres auch für erste Gigs eingesetzt werden kann, wenn diese dann irgendwann anstehen...

Fazit

Die Sigma ebnet den schwierigen Weg des Erlernens auf denkbar günstige Weise. Die Gitarre läßt die Möglichkeit für spätere stilistische Kurskorrekturen offen und bietet dank ihrer guten Bespielbarkeit einen unproblematischen Einstieg in die Welt der Steelstrings. Wer sich später dann einmal spezialisieren möchte (etwa mit einer OM oder Grand Concert zum Fingerpicking tendiert), wird auch weiterhin mit der Sigma als Zweitinstrument seine Freude haben, denn die Klangqualität genügt auch semiprofessionellen Ansprüchen.

Technische Daten
Herkunft: Taiwan
Form: Dreadnought
Body: Mahagoni
Decke: Fichte, massiv
Randeinlagen (Binding): fünffache Kunststoffeinfassung am Body, einfaches
Binding an Hals und Kopfplatte
Schallochrosette: Kunststoff
Hals: Mahagoni, einteilig, Halsfuß u. Kopfplatte angesetzt
Griffbrett: Palisander
Halsbreite Sattel: 43 mm
Halsbreite 12. Bund: 54 mm
Bundstäbchen: Jumbo-Medium
Hals-Korpus-Übergang: 14. Bund
Mensur: 65 mm
Steg: Ebenholz
Sattel/Stegeinlage: Kunststoff
Stegpins: Kunststoff
Gurtknöpfe: 1
Pickguard: Schildpatt
Mechaniken: ohne Bezeichnung, geschlossen, verchromt
Optionen: keine
Werkssaiten: 0.10 (extra light)
Preis: ca. 860,- DM, ohne Koffer