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„Zielgenau“
Locker gehen sie von der Hand – die ersten Improvisationen
mit Hilfe der A-Moll oder A-Bluestonleiter. „Pentatonik“ ist
das Zauberwort, und das Tolle an dieser Skala, mit der wohl jeder
Bluesgitarrist arbeitet, ist, dass man so ziemlich jeden Ton an
jeder Stelle eines klassischen 12-Takt-Blues spielen kann – und
es passt immer! Irgendwie jedenfalls... denn spätestens dann,
wenn man sich die großen Improvisatoren der Bluesgitarre
anhört, merkt man, dass da noch andere Dinge im Spiel sein
müssen als die Auswahl der Töne nach dem Lotto-Prinzip „6
aus 49“ (bzw. 5 aus 12).
Mit dieser Folge möchte ich einige Möglichkeiten vorstellen, „zielgenau“ zu
improvisieren. Das heißt, ein austauschbares „Genudel“ mit
der Pentatonik zu vermeiden, um auf die einzelnen Akkorde der Bluesform
gezielt hinzuspielen. Grundlage dafür ist freilich erst einmal
die Kenntnis der 12-taktigen Bluesform, hier ein Beispiel für
einen typischen Chorus (Abb. 1):
Bereits die simple Grundform der Moll-Pentatonik in der ersten
Position (Abb. 2) eröffnet einem nun ungeahnte Möglichkeiten,
wenn man sich einmal intensiv mit der ersten Übung auseinandersetzt.
Ziel soll es zunächst sein, mit jedem Akkordwechsel (2.
Takt, 5. Takt, 7. Takt usw.) exakt den Grundton des jeweiligen
Akkordes zu spielen, und dies genau auf der Zählzeit „1“ des
entsprechenden Taktes. Also: Es wird mit Hilfe der A-Moll-Pentatonik
frei drauflos improvisiert – einzige Vorgabe ist etwa im
zweiten Takt auf dem ersten Schlag den Ton „D“ zu
spielen, im dritten Takt ein „A“, im fünften
Takt ein „D“, im siebten Takt ein „A“ im
neunten Takt ein „E“, im zehnten ein „D“,
im elften Takt ein „A“ und im zwölften Takt
wieder ein „E“. Das hört sich erst einmal einfach
an, wird aber sicherlich dem ein oder anderen Gitarristen schon
einiges abverlangen, denn es gibt ja schließlich diverse
Möglichkeiten, den jeweiligen Grundton zu spielen: in verschiedenen
Positionen/Oktavlagen, gezogen, geslidet etc... Wie das nun klingen
kann, ist auf dem ersten Beispiel (ohne Abb.) der Begleit-CD
zu hören.
Der Effekt ist: Man kann schon mit dem unbegleiteten Solo hören,
welche Akkorde sich im „Hintergrund“ abspielen! Dies
erfordert die genaue Kenntnis zunächst einmal der jeweiligen
Grundtöne innerhalb der Am-Pentatonik.
In der zweiten Übung geht es dann darum, sich eine weitere
Position dieser Tonleiter auf dem Griffbrett vorzunehmen, etwa
die zweite Position (Abb. 3), um dort genau das gleiche Spiel zu
treiben. Da wird’s schon schwieriger, weil hier die Kenntnis über
die Töne bei vielen Gitarristen weitaus weniger geläufig
sind als noch in der vertrauteren 1. Position. Eine wichtige und
lohnende Sache ist es, sich dies zu erarbeiten. Wo sind die Grundtöne
für die Subdominante (D-Akkord) in der zweiten Position der
Am-Pentatonik?, wo die Grundtöne der Dominate (E), der Tonika
(A)? Wie kann ich sie spielen, wie verbinde ich sie mit der Improvisation?
Hier einige praktische Beispiele: in Abb.4 wird auf den Grundton „A“ hingespielt,
in Abb. 5 auf das „D“ (Subdominante) und in Abb. 6
auf das „E“ (Dominante):
Hausaufgabe ist es nun, sämtliche verschiedenen Positionen
der Am-Pentatonik zu „ergründen“, d.h. in jeder
Lage, die entsprechenden Grundtöne der drei Akkorde des Blues
ohne viel Überlegung (oder gar „abzählen“)
zielgenau anzusteuern. Auf diese Weise bekommt ihr schon einmal
ein gutes „Grundgerüst“ für ein aufgeräumtes
Spiel, bei dem „mit Punkt und Komma“ improvisiert wird – und
eben nicht nur wahllos irgendwelche Töne gespielt werden.
Freilich gibt es darüber hinaus noch viele weitere Möglichkeiten,
Akkorde mit Sololinien treffend zu skizzieren. Versucht, wenn ihr
mit dem ersten Teil dieses Workshops Sicherheit bekommen habt,
anstelle des Grundtons auf der Zählzeit „1“, die
große Terz des jeweiligen Akkordes zu spielen. Bei einem
Blues in A wäre dann also der Zielton für den ersten
Akkord das Cis, für die Subdominante (Akkord D) das Fis und
für die Dominante (Akkord E) das Gis.
Und auf die gleiche Weise lassen sich nun die großen Terzen
des jeweiligen Akkordes innerhalb der Bluestonleiter in jeder Lage
mehrfach ansteuern, und auch auf die unterschiedlichste Art intonieren
(hin-sliden, ziehen, mittels pull-off), um einen schönen Fluss
in das Geschehen zu bringen. Probiert einfach mal, die Licks von
den Abb. 4-6 nicht auf dem Grundton enden zu lassen, sondern auf
der entsprechenden großen Terz des Akkordes (Abb. 7, Abb.
8, Abb. 9). Wenn man dann in der Lage ist, sämtliche Terzen
für jeden Akkord, in jeder Griffbrettposition spontan und
sicher zu erreichen (die hier aufgezeigten Möglichkeiten waren
ja nur einige wenige Beispiele), dann hat man bereits eine Menge
von dem gelernt, was man immer wieder in den Soli der großen
modernen Bluesmeister hört. Viel Spaß beim Probieren,
und bis zur nächsten Ausgabe!
Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2 / 03
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