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Bronze und Stahlsaiten
Zur Entstehung der Stahlsaitengitarre – und der Bezeichnung „Westerngitarre“ -
erzählt man sich die folgende Geschichte: Die freigelassenen
und entflohenen Sklaven afrikanischer Abstammung, die in Amerikas „wilden“ Westen
gingen, um dort als Kuhhirten, also Cowboys, zu arbeiten, brachten
natürlich auch ihre Musikinstrumente mit. Eines davon war
das Banjo. Die Banjos waren wesentlich lauter als die mit Darmsaiten
bespannten Gitarren der weißen Cowboys. Um gemeinsam musizieren
zu können, musste man sich also etwas einfallen lassen. Der
Legende nach fingen die Gitarristen im Westen darum an, verschieden
dicke Drähte auf ihre Gitarren zu spannen. Dies erhöhte
die Lautstärke der Gitarren erheblich, (senkte wahrscheinlich
aber auch ihre Lebensdauer). Wenn nun in den Städten im Osten
eine mit solchen Drähten bespannte Gitarre auftauchte, bezeichnete
man diese als „western guitar“. Diese Bezeichnung hat
sich bis in unsere Zeit gehalten.
Heute spannt man keine einfachen Drähte mehr auf die Western-
oder neudeutsch Steelstring-Gitarre, sondern mit Bronze umwickelte
Stahlsaiten, wobei je nach Saitenstärke die ersten 2 oder
3 Saiten blank, das heißt nicht umwickelt sind. Bronzesaite
ist natürlich nicht gleich Bronzesaite. Man unterscheidet
hier zwischen verschiedenen Legierungen, die die Gitarre auch unterschiedlich
klingen lassen.
Am populärsten ist die Legierung Bronze 80/20. 80/20 bedeutet:
80% Kupfer und 20% Zinn.
Das klingt herrlich brillant und hält die Stimmung gut. Die
Kehrseite der Medaille ist, dass die Brillanz nicht sehr lange
anhält und das Material relativ schnell oxidiert. Das ist
aber von mehreren Faktoren, wie zum Beispiel der Luftfeuchtigkeit
und der Menge und Zusammensetzung des Handschweißes des Gitarristen
abhängig, so dass man nicht generell sagen kann, 80/20 sei
eine Liebe für einen Tag.
Fast ebenso häufig wird Phosphor-Bronze verwendet. Der Kupferanteil
ist in dieser Legierung höher, bis zu 92%, und außer
Zinn ist noch ein Phosphoranteil von ca. 0,3 % enthalten. Phosphor-Bronze
klingt „heller“ als Bronze und bleibt länger „frisch“,
erreicht aber, auch wenn die Saiten ganz neu sind, nie diesen crispen,
brillanten Ton wie Bronze 80/20. Eine weitere Eigenschaft der Phosphor-Bronze-Saiten
ist, dass der Saitenzug bei gleicher Stimmung höher ist. Sie
fühlen sich also beim Spielen straffer gespannt an und ziehen
stärker an der Gitarrendecke. Bei sensiblen Instrumenten mit „scallopped
bracing“ (Deckenbeleistung, mehr dazu in einer der nächsten
Ausgaben) sollte man also Vorsicht walten lassen und im Zweifelsfall
den Hersteller fragen, wieviel Saitenzug die Gitarre aushält.
Durch den hohen Zug eignen sich Phosphor-Bronze-Saiten übrigens
ausgezeichnet für open tunings, oder generell zum Tieferstimmen.
Beim Saitenzug ähnlich verhalten sich Saiten aus Red Bronze
(85/15). Diese Legierung enthält 85% Kupfer und 15% Zinn.
Der Ton geht mehr in Richtung herkömmlicher Bronzesaiten,
da sie nicht phosphorisiert sind; das Spielgefühl erinnert
aber stark an Phosphorbronze.
Den meisten Bronzesaiten gemeinsam ist, dass der Stahlkern, auf
den der Bronzedraht gewickelt wird, im Querschnitt sechseckig ist.
So hält die Wicklung bombenfest auf dem Kern und die Saite
kann sauber schwingen.
Silk-and-Steel-Saiten haben einen deutlich geringeren Saitenzug
als Bronzesaiten. Der Kern dieser Saiten besteht aus mit Stahl
verstärktem Nylon, die Umwicklung wie bei der klassischen
Gitarre aus sehr feinem, versilbertem Kupferdraht. Der Ton liegt
irgendwo zwischen der Klassischen und der Westerngitarre. Man verwendet
diese Saiten auf allen Gitarren, die nicht so viel Saitenzug vertragen,
oder weil man einfach den anderen Klang haben möchte. In diesem
Fall kann es nötig werden, den Hals neu zu justieren.
In den letzten Jahren gab es Bemühungen, die Lebensdauer
der Saiten deutlich zu verlängern. Als erste überzog
die Firma Gore, sonst eher bekannt für wind- und wetterfeste
Sportbekleidung, Mitte der 90er Jahre ihre Saiten mit einer Feuchtigkeit
und Schmutz abweisenden Membran. Inzwischen haben einige Saitenhersteller
diese Methode übernommen oder variiert, so dass man heute
schon aus einem relativ großen Angebot verschiedener „longlife“ Saiten
wählen kann. Wer nicht gerne Saiten wechselt, sollte es einmal
damit probieren.
Das Aufziehen der Saiten auf eine Steelstring-Gitarre
sieht auf den ersten Blick sehr einfach aus, und das ist es auch.
Wenn man
einige Feinheiten beachtet, wird es sogar noch einfacher, und die
Gitarre wird sich dafür mit weniger Verstimmungen bedanken.
Sie haben bestimmt schon erlebt, dass Sie neue Saiten aufgezogen
haben und während Sie noch am Stimmen waren, rutschten die
Stegstecker ein Stück nach oben und die betreffende Saite
war auf einen Schlag 3 Halbtöne zu tief. Sie haben den Stecker
wieder hineingedrückt und nachgestimmt, plötzlich fliegt
der Stecker wie ein Geschoß durch den Raum. Dies passiert
immer dann, wenn sich das Ball-End, also die kleine Messingrolle
am Ende der Saite, an der Spitze des Steckers verhakt und deshalb
nicht in seine richtige Position, den Winkel zwischen Decke und
Stecker rutschen kann. Dem können Sie mit einem ganz einfachen
Mittel abhelfen: Schrägen Sie den Stecker an der Spitze einfach
mit einer Feile oder etwas Schleifpapier leicht an (Bild 1). Das
Ball-End kann sich dann nicht mehr an der Kante festhängen
und rutscht sofort in die richtige Position. (Manche Hersteller
präparieren ihre Stegstecker schon ab Werk auf diese Weise).
Danach fädeln Sie die Saite in die Bohrung der Mechanikenwelle,
und zwar so weit, dass Sie noch ungefähr 3 Finger breit (5,5
cm) auf die Welle aufwickeln können. Bei der tiefen E-Saite
wickeln Sie – wegen der Dicke der Saite - nur ca. 4 cm (
2 Finger breit) auf die Mechanikenwelle. Achten Sie hierbei darauf,
dass die Wicklungen ordentlich untereinander liegen (Bild 2). Dadurch
wird ein gleichmäßiger Saitenandruck im Sattel gewährleistet,
und außerdem verstimmt sich die Gitarre weniger, wenn die
Saiten nicht kreuz und quer übereinander liegen. Die überstehenden
Saitenenden kneift man besser ab, um einer Verletzungsgefahr vorzubeugen.
Wenn Sie es besonders gut meinen, biegen Sie die Saitenenden mit
einer kleinen Rundzange um (Bild 3). Wem sich schon einmal so ein
frech hervorstehendes Saitenende schmerzhaft in die Fingerkuppe
gebohrt hat, der weiß wovon ich rede.
Welche Bronzesaiten Sie letztendlich benutzen,
ist natürlich
immer eine Frage des individuellen Hörempfindens. Scheuen
Sie also nicht davor zurück, verschiedene Sorten auszuprobieren,
wenn Sie mit dem Klang Ihrer Gitarre nicht hundertprozentig zufrieden
sind.
Eines ist jedoch allen Bronze- bzw. Stahlsaiten gemeinsam: Ziehen
Sie sie niemals nach Art der oben erwähnten Kuhhirten auf
Ihre klassische Gitarre. Der Saitenzug eines durchschnittlichen
Satzes Bronzesaiten ist um ungefähr 60% höher als der
eines Satzes Nylonsaiten. Konstruktionsbedingt kann eine klassische
Gitarre diesem Zug nicht lange standhalten!
Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2 / 03
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