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David
Poe
Bissiger Poet
„Ich bin gerne in Europa“, sagt David Poe, „denn
hier findet noch künstlerische Auseinandersetzung statt; im
Gegensatz zu den USA, wo viele Acts gekauft, gepushed und vermarktet
werden, um möglichst viel Geld zu machen, egal mit was für
Mist.“ Und damit wird auch das Dilemma klar, mit dem der
Singer-Songwriter aus Dayton, Ohio, leben muss. Einerseits liegt
ein beachtlicher Teil seiner Folk-Wurzeln in Amerika, einem Land,
in dem dieses Genre nur noch Untergrundstatus besitzt. Da musiziert
es sich schon besser in Europa, wo das viel zitierte „New
Acoustic Movement“ mit Acts wie Turin Brakes, Kings Of Convenience
und Sigur Ros gerade total angesagt ist. Da kann selbst Oasis-Entdecker
Alan McGee über „Bettnässer-Musik“ wettern
wie er will, es lässt Poe kalt. Außerdem: Der sympathische
Mittdreißiger nennt sowieso eher The Clash und Paul McCartney
als Einflüsse statt Nick Drake und Simon & Garfunkel.
Auch wenn der amerikanische Rolling Stone meint, Poe schließe
die Lücke zwischen Elvis Costello und Jeff Buckley.
1991 tingelte Poe mit einem Freund als akustisches Gitarrenduo
durch die New Yorker Clubs, bis er im legendären CBGB's hängen
blieb, wo er indes als Tontechniker jobbte. Drei Jahre später
gründet er mit Sim Cain, (Schlagzeuger der Rollins-Band) und
John Abbey (Bassist von John Cale) „The Christ Brothers“ und
spielte 1997 mit Unterstützung von Gitarrist Marc Ribot (Elvis
Costello, Tom Waits) sein Debüt ein.
Seitdem tourte er als Support für Tori Amos, Lloyd Cole, Bob
Dylan, They Might Be Giants und Holly Cole, und er absolvierte
exakt 695 Konzerte, bevor er sich an sein zweites Werk „The
Late Album“ machte. Auf dem Cover ist er mit einer „Gibson
J-200“ zu sehen, die ihn Live und im Studio begleitet. „Sie
ist mein Lieblingsinstrument“, gesteht er, „weil sie
einen wundervollen, warmen, tiefen Ton hat. Viele akustische Gitarren
klingen nach meinem Geschmack zu dünn und schrill. Selbst
bei der J-200 nehme ich am EQ die hohen Frequenzen fast vollständig
raus.“
Auf der Bühne spielt der Mann schon gern mal Solo, und er
beherrscht diese Disziplin mit Kompetenz und Charme. Als Songwriter,
der diese Bezeichnung nur äußerst ungern hört („das
klingt so nach Träumer mit Strickpullover“), demonstriert
er allerdings genau hier seine Stärke. Da stehen Songs wie „The
Drifter“ in der Tradition von Crosby, Stills, Nash & Young
neben gut gelaunten Uptempo-Rockern wie „Echo Box“,
die an Matchbox Twenty erinnern. Nicht umsonst wurde bereits Poes
Debüt mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik
in der Rubrik „Bestes Pop-Album“ dekoriert, weil er
ein sicheres Gespür für schöne Melodien besitzt,
die allerdings erst im Kontrast zu seinen bissigen Texten so richtig
wirken. Vor allem aber überzeugt die Produktion des Albums,
was bei Poes vorherigem Job kaum verwundert. „Wer mich kennt,
weiß, dass ich beim Sound keinen Kompromiss eingehe“,
beteuert er. „Beim ersten Album haben wir versucht, eine
Live-Performance im Studio abzubilden. Aber diesmal wollte ich
ausloten, was bei einer Produktion alles möglich ist“.
Glänzend in Szene gesetzt von Produzent Brad Jones (u.a. Jess
Klein, Randy Travis, Steve Forbert) steht am Ende ein Album, das
für Poe „nach einer Samstagnacht“ klingt. Was
sollte daran schon verkehrt sein?
Howie Day
Klangkünstler
Viele Künstler erklären sich über ihre Platten.
Manche muss man aber erst Live gesehen zu haben, um zu begreifen
was genau sie da machen. Howie Day ist so ein Fall. Auf den ersten
Blick ist der 22-Jährige zunächst mal ein Singer-Songwriter
aus dem amerikanischen Provinznest Bangor, irgendwo zwischen Boston
und Portland. Doch die Performance des jungen Mannes hat es in
sich. Mit ein paar kreativ eingesetzten Effekten und einem Loop-Sampler
wird aus dem Sänger und Gitarristen auf der Bühne ein
Ein-Mann-Orchester. „Meine Philosophie ist, dass man mit
einer akustischen Gitarre eine Menge machen kann. Ich mache Beats,
indem ich auf den Korpus der Gitarre klopfe oder indem ich über
die Saiten wische. Ich spiele dazu Bass-Linien, indem ich ein Oktave-Pedal
benutze, und so entsteht ein Bett aus Beats, Bass und Sounds. Darüber
spiele ich dann Akkorde und singe dazu. Publikum staunt da jedes
Mal“, freut sich Day. Selbst Musiker, die wissen was man
mit der Kombination von einem Line 6-Loop-Sampler, einem Oktaver
und etwas Delay anstellen kann, staunen, welche Klangkathedralen
der Newcomer aufbaut, in denen er sich zudem mit erstaunlicher
Leichtigkeit bewegt. Days Perfomance basiert auf einem verblüffend
raffinierten System aus Organisation, Koordination und Perfektion.
Seit er 15 ist, tingelt der ambitionierte Gitarrist durch die Coffee-Shops
und Colleges der amerikanischen Ostküste. „Mit 18 begannen
mich Akkordspiel und Gesang zu langweilen. Ich empfand diese Gitarrenmusik
als dröge, eindimensional und reizlos.“ Und das, obwohl
Day bereits als Support für Acts wie die Wallflowers, David
Gray und Edwin McCaine gebucht wurde. Die Initialzündung kam,
als Day eine Performance des New Yorker Songwriters Joseph Arthur
sah. Der Mann machte bei seinen Bühnenshows genau das, wovon
Day träumte: Selbst generierte Klangskulpturen - die One-Man-Band
als Konzept. „Das hat mich total umgehauen“, erinnert
sich Day. „Am nächsten Tag habe ich mir einen Loop-Sampler
gekauft.“
Damals spielte Day Hunderte von Konzerten im Jahr und reiste mit
seinem klapprigen Minibus allein durch die USA. „Ich war
ganz gut beschäftigt, und daraus entstand das Gefühl,
dass ich meinem Publikum ein paar Songs auf CD geben müsse,
auch als Werbung für meine Auftritte.“ Einziger Nachteil:
Day hatte keine finanziellen Reserven. So buchte er immer dann,
wenn ein paar Dollar hängen geblieben waren, ein Studio und
nahm zwei, drei Songs auf, bis irgendwann genügend zusammen
waren, um unter der Überschrift „Australia“ veröffentlicht
zu werden. Was nach zwei Jahren in den unterschiedlichsten Studios
(und auf den unterschiedlichsten Gitarren) erklärt, warum
die Stücke auf dem Album so unterschiedlich klingen. „Ich
erkenne das am deutlichsten bei meiner Stimme und an den Studioatmosphären.
Deshalb haben wir die Songs auch nicht chronologisch aufs Album
gepackt, sondern gemixt, damit es eher nach einer Vielzahl an Sounds
klingt statt nach einer künstlerischen Entwicklung.“
Inzwischen mit einem Major-Plattenvertrag ausgestattet und dem
Titel „Bestes Debüt“ bei den Boston Music Awards
ausgezeichnet, wird „der Typ, der mit etwas Glück mit
seiner Gitarre einmal um die Welt gekommen ist“, als einer
der interessantesten Newcomer im Genre akustischer Rockmusik gehandelt,
von dem auch in Zukunft noch Einiges zu erwarten sein wird.
Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2 / 03
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