Kompakt
AER Akustik-Amp „Alpha“

Von Andreas Schulz

Beachtliche Klangausbeute auf kleinstem Raum: AER „Alpha“

„Size doesn´t matter“ - Grösse spielt keine Rolle. Das sagen sich die Entwickler der Amp-Schmiede AER in Recklinghausen und verweisen stolz auf den „Benjamin“ in ihrem umfangreichen Verstärkerprogramm. Der „Alpha“ ist mit seinen 40 Watt das bis dato kleinste AER-Aggregat.

26 cm hoch, 26 cm breit, 23 cm tief - der Alpha ist ein kompakter Mini-Würfel mit einem Gewicht von nicht einmal sieben Kilo. Das Gehäuse besteht aus 12 mm-Birken-Schichtplatten und ist mit stabilem schwarzen Struktur-Lack beschichtet. Der Lautsprecher, ein Acht-Zoll-Breitband-System, wird durch ein Metallgitter geschützt, vor das die bekannte AER-Schaumstoff-Platte geklebt wurde. Der Frequenzbereich des Speakers wird mit 60 Hz bis 18 kHz angegeben - das sollte ausreichen, um alle Signale adäquat und ohne größere Verfärbungen wiederzugeben. Auf der Oberseite sorgt ein großer Griff für einfache Transportabilität. Das Verstärker-Chassis ist rückseitig eingebaut. Oben liegen die Instrumenten- bzw. Mikrofon-Eingänge mit den entsprechenden Reglern; auf der Rückseite finden sich Netzschalter, Netzanschluss sowie die weitere Anschluss-Peripherie. Der kleine Würfel macht einen „netten“ und kompetenten Eindruck; es ist kein Problem, mit Gitarrenkoffer und Alpha-Amp zu Fuß auch längere Strecken zurück zu legen. Im Lieferumfang ist lobenswerterweise eine passende und gut gepolsterte Tragetasche enthalten.

Details

Man sollte diesen Mini-Würfel ernst nehmen, hat doch der Hersteller bewiesen, dass ein „großer“ Sound nicht immer aus großen Kisten kommen muss. Der Verstärker bietet zwei Eingänge. Input I hat eine XLR-Kombi-Buchse, die sowohl (unsymmetrische) Mono-Klinken- als auch XLR-Stecker aufnehmen kann. Der Line-Mic-Umschalter wählt die passende Vorstufe an. Angeschlossene Kondensator-Mikrofone werden mit einer 24-Volt-Phantomspeisung versorgt.. Input II ist als hochohmige Klinkenbuchse für Pickup-Signale gedacht. Die dazugehörige Vorstufe arbeitet auf Line-Pegel-Niveau; allzu kräftige Signale können mit dem Pad-Schalter um 10 dB abgesenkt werden. Auf den zweiten Eingang ist ein Filter (genannt Colour) aufschaltbar. Die Voreinstellung bewirkt eine Kombination von Mitten-Ausdünnung (Mid-Cut) und Höhen-Anhebung (Treble-Boost). Zwei kleine Lichtlein blinken dem Gitarristen entgegen. Eine grüne LED zeigt den aktiven Betriebszustand an, eine rote Clip-LED warnt vor drohenden Übersteuerungen. Für die Lautstärken beider Kanäle sind unabhängige Gain-Regler zuständig. Die gemeinsame Dreiband-Klangregelung hat die Einsatzpunkte Bass (+/- 8 dB @ 100 Hz), Middle (+/- 3 dB @ 550 Hz) und Treble (+/- 11 dB @ 10 kHz). Auffallend ist die „defensive“ Auslegung des Mittenreglers. Offenbar vertraut AER auf die geschmackvolle Vorabstimmung von Amp und Lautsprecher und auf die im zweiten Kanal präsente Colour-Filterung. Die Frequenzen selbst sind durchaus passend gewählt. 100 Hz und 10 kHz sind „die“ typischen Bass/Treble-Frequenzen, 550 Hz ist eine Region, wo sich üble und „topfig“ klingende Tiefmitten-Resonanzen unangenehm bemerkbar machen.
Die Endstufe des Alpha leistet 40 Watt und arbeitet mit einem analogen Schaltkreis, der folgendes beinhaltet: Limiter (fängt Pegelspitzen ab und vermeidet so Verzerrungen), Subsonic-Filter (unterdrückt ultratiefe Frequenzen zum Schutz der Lautsprecher) und Enhancer (addiert künstlich erzeugte hohe Frequenzanteile). Diese Schaltung arbeitet unbemerkt im Hintergrund und fördert Klangergebnis und Betriebssicherheit. Der Acht-Zoll-Breitband-Lautsprecher sitzt in einer vom Verstärkerteil abgeschotteten separaten Kammer.
Nun fehlt nur noch der Master-Regler für die Gesamtlautstärke und der Effekt-Return. Genau, bei dem „Kleinen“ ist ein Digital-Hall in seiner reduziertesten Form an Bord. Eine Einflussnahme außer der Hall-Intensität (die auf beide Kanäle im gleichen Maße wirkt) ist nicht möglich.
Noch ein Wort zu der von AER verwendeten Klinke-XLR-Kombibuchse: Die Phantomspannung liegt an der XLR-Buchse an, nicht aber an der Klinkenbuchse. Verwendet man ein echtes Kondensatormikrofon, muss man also einen XLR-Stecker benutzen. Ein dynamisches Mikro kann mit XLR oder Klinke angeschlossen werden. Ein Elektret-Kondensator-Mikrofon sollte man vorsichtshalber immer mit Klinke verkabeln, um auszuschließen, dass die am XLR-Anschluss anliegende Phantomspannung Schäden anrichtet. In der Bedienungsanleitung fehlt übrigens ein diesbezüglicher Hinweis.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 03/02