|
Ein
Duke ist bekanntlich ein Herzog und kommt in der Adelshierarchie
gleich unter dem König. Könige gibt es nur im Pop, Herzöge
dafür in den einzelnen Stilarten der U-Musik wie z. B. dem
Blues. Duke Robillard hat seinen Titel wahrlich verdient,
denn kaum ein anderer Blueser beherrscht ein derart breites Spektrum
des Blues wie er. Aber vielleicht hat sein blue(s) blood auch Verbindungen
zu Duke Ellington, denn Robillard hat sich zusätzlich einen
Namen als Swing-Gitarrist im Rahmen von Blues-Combos gemacht. Mit
seinem Gitarrensound bringt er auch die Zeit zurück, als die
akustische Jazzgitarre zum Soloinstrument wurde. Ist Robillard nun
ein bluesiger Jazzer oder ein jazziger Blueser?
Der Blues ist
nicht nur einer der wichtigsten Ausgangspunkte für die meisten
Stile der heutigen Popmusik, auch dass Blues- und Jazzmusiker zusammen
in einer Band spielen oder vielmehr beides in ihrer Musikerrolle
vereinen, war in den 30er bis 50er Jahren eine völlig natürliche
Angelegenheit. Genau gegen eine Wahrnehmung des Blues als orthodoxe
Angelegenheit nur für die eigenen Fans richtet sich Duke Robillard.
Immer wieder spielte der bekannte Blues-Gitarrist Swing-Alben ein,
etwa mit Jazzmusikern wie dem betagten Herb Ellis und in der Spielart
von Musikern wie Louis Jordan, ein ehemaliger Swing-Musiker, und
er integriert häufig Bläser in seiner Band. Dadurch erinnert
sein Blues auch oft an den in den 40ern entwickelten bluesverwurzelten
Jump-Stil, der sehr viel vom späteren Rock n Roll
vorwegnahm. Andere Stücke orientieren sich wiederum an Blues-Arrangements
aus der Rockszene der Spät-60er (wie etwa Paul Butterfields
Electric Flag). Und im Konzert erlebt man Robillard als Improvisator
von jazziger Epik, der gleitend in eine Rockabilly-Atmosphäre
hinein wandert. Genau an diesem Punkt merkt man, dass Sound und
Spielweise der semi-akustischen Swing-Gitarre in der Frühzeit
des Rock n Roll durchaus adaptiert wurden.
Ab dem 1994er Album Dukes Blues präsentierte
er seine stilistische Vielfalt innerhalb der Alben selbst, gleichzeitig
gelang ihm ein deutlich identifizierbarerer Sound, im Gesangsstil
wie in der Ausschmückung traditioneller Riffs. Seit seinen
Veröffentlichungen mit dem Jazz-Gitarristen Herb Ellis von
1999 mit etlichen Nummern z. B. von Benny Goodman lässt Robillard
seiner Liebe zur Swing-Zeit insofern mehr Raum, als viele seiner
Improvisationen größere Raffinesse aufweisen und weniger
auf die aggressiven Gesten des rockigen Blues setzen. Doch bereits
Ende der 80er nahm Robillard Swing-Alben auf, die zudem auch Eigenkompositionen
beinhalteten. Dass Robillard semiakustische Gitarren aus der Frühzeit
der elektrifizierten Jazzgitarre bevorzugt und gerne auch akustische
Stücke aufnimmt, wundert daher nicht.
Seine stilistische Vielfalt ist auch seiner Umtriebigkeit zu verdanken.
Er ist ein gefragter Gastmusiker und wurde u.a. von Bob Dylan engagiert.
Doch ist sein Name auch mit etlichen renommierten Bluesbands verbunden.
So gründete er 1967 die Blues-Bigband Roomful of Blues, ersetzte
1990 Jimmie Vaughan bei den Fabulous Thunderbirds und spielte auch
bei der Legendary Blues Band, bis er ab 1981 unter seinem eigenen
Namen aufzutreten begann. Den begehrten W.C. Handy Award für
den besten Blues-Gitarristen erhielt er die letzten beiden Jahre
in Folge. Auch als Produzent hat er sich inzwischen einen Namen
gemacht.
Du hast ein Album namens New Blues For Modern Man gemacht.
Damit assoziiert man eine sehr zeitgemäße Spielweise
des Blues. Was genau verstehst du darunter?
Duke Robillard: Blues ist in seiner Art zunächst mal
eine traditionelle Musik. Ich selbst denke da auch nicht nur innerhalb
des Maßstabs des ständig Neuen. Man lernt zumeist von
Kollegen oder klaut gar voneinander. Mir geht es nicht um das Revolutionieren
dieses Stils. Es besteht dann die Gefahr, dass man dabei den Blues
verlässt. Es werden heute sehr viele Musikstile auf eine Art
modernisiert, die sie eher Teil eines anderen Stiles werden lassen,
als dass sie sich aus sich selbst heraus entwickelt hätten.
Entwicklung muss aus der Tradition kommen. Darum geht es letztlich.
Das heißt z. B., alte Songs in einer Spielweise präsentieren,
die sich erst später entwickelt hat. Oder ein bestimmtes Element
des Blues mit einem speziellen Instrumental-Sound zu kombinieren.
Oder den Blues überall dort aufspüren, wo er eine Rolle
gespielt hat. Den Blues mit Fremdeinflüssen kombinieren, ohne
nur modische Sounds hinzu zu geben. Viel mit Kollegen spielen, um
sich gegenseitig zu inspirieren. Aber es ist schon so viel im Blues
probiert worden, dass es schwierig ist, etwas wirklich Neues zu
finden. Der Blues ist nicht mehr derart populär wie in der
Vergangenheit. Die Weltmusik hat da viel vom Bluespublikum abgezogen.
Trotzdem gibt es immer ein weltweites Publikum. Derzeit kann ich
auch keine eindeutig neue Entwicklung im Blues erkennen, die zu
einem neuen Jahrtausend passen würde.
Du hast neben
deiner Blues-Karriere etliche Swing-Alben, z. B. mit Herb Ellis
eingespielt. Wie kam es zu dieser Orientierung zum Jazz?
Duke Robillard: Auf den Swing kam ich eben durch das Blues-Spiel.
Viele Leute kennen heute nicht mehr die enge Verbindung zwischen
Blues und Jazz, die in den Anfängen bestanden hat. Bluesnummern
haben immer zum Repertoire eines guten Jazzers gezählt. In
den 40er und 50er Jahren gab es viele Jazzbands mit einem Bluessänger
als Frontman, daraus hatte sich der Rhythm & Blues entwickelt.
Diese Zeit interessiert mich. Vergessen wir auch mal nicht, beide
Stilarten waren Tanzmusik. Gerade der Übergang zum RocknRoll
zeigt für mich eine sehr unterhaltsame Seite des Blues. Ich
möchte einen Blues mit Stimmung zum Tanzen vermitteln, nicht
nur was für Spezialisten. Und diese Entertainment-Einstellung
hatten die Swingmusiker ja genauso.
Benutzt du
verschiedene Gitarren bei Blues- und Swing-Stücken?
Duke Robillard: Durchaus. Ich spiele Jazz meistens auf einer
Hohlkörper-Gitarre, wie es die ersten Jazzgitarristen getan
haben. Ich finde den Sound der Zeit Charlie Christians angemessen
dafür. Natürlich kann auch der umgekehrte Fall sehr reizvoll
sein. Auf dem Album Explorer benutze ich aber wiederum
eine Gibson aus den 50er Jahren. Sie ist aus sehr sanftem Korina-Holz
und so kann man mit ihrem warmen Sound Jazz-Tunes spielen, aber
sie taugt auch für Rock-Stücke und da trauen viele ihren
Ohren nicht. Das Gitarrenholz kann also eine große Rolle spielen.
Es gibt auf
fast allen Alben auch Stücke mit der akustischen Gitarre. Welche
Rolle spielt sie für dich?
Duke Robillard: Die akustische Gitarre ist mir zunächst
erst mal am Nächsten, auch wenn mir das viele Leute nicht abnehmen.
Auf ihr probiere ich Ideen aus oder komponiere damit. Auf der akustischen
Gitarre bevorzuge ich Country-Blues-Sachen, bei Jazz-Aufnahmen im
Studio setze ich die akustische bei Stücken im 4/4-Takt als
Klangfüllung oder Rhythmusgitarre im Hintergrund ein, wie es
z. B. Freddie Green in der Count Basie-Bigband getan hat. Ich bin
mit der akustischen Gitarre über die Musik von Hank Williams
aufgewachsen. Später ging ich oft auf das Newport Folk Festival.
Das spielte später eine Rolle für mein Empfinden, dass
all die amerikanischen Roots-Stile Teile des Blues sind oder ihn
umgekehrt aufnahmen.
Den vollständigen
Artikel lesen Sie in AKUSTIK GITARRE 03/02
|