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Saubere Arbeit
aus Worpswede: Schlemper "Estudio Cutaway"
Mit einem neuen
schlichten Grundmodell in dem Preissegment der angehenden Meisterklasse
sucht Stephan Schlemper die Brücke zur jungen Generation aufstrebender
Gitarristen zu schlagen.
Im Worpsweder
Gitarrenstudio fertigt der rührige Gitarrenbauer von Hand eine
kleine, aber feine Reihe eigenständiger Instrumente im formal
eng gesetzten Rahmen der Konzertgitarre. Aber auch moderne elektronische
Übertragungsanlagen sind für ihn ein lohnendes Thema,
wie die von ihm entwickelten feinen Verstärker und drahtlosen
Tonabnahme-Systeme speziell für die konzertante Anwendung belegen.
Das Modell "Estudio" steht in Worpswede in kleiner Stückzahl
für den direkten Erwerb bereit. Im Gegensatz zu den sonstigen
Auftragsarbeiten, die in detaillierter Absprache für den Kunden
gefertigt werden, ist die "Estudio" ein vorgefertigtes
Standardmodell mit dem Vorteil, sich unter den vorhandenen Exemplaren
das eigene finden zu können. Drei Modellvarianten stehen zur
Wahl: das Grundmodell "Estudio" mit Fichten- oder Zederndecke,
Korpus jeweils ostindischer Palisander zu 3.600,- DM; die "Estudio
Cutaway" in den gleichen Holzkombinationen zu 3.950,- DM und
die "Estudio Flamenco" in Fichte/Zypresse für 3.500,-
DM. Die Mensur ist frei wählbar zwischen 63 und 65,5 cm; die
Preise beinhalten ein sehr gutes Hartschalenetui.
Konstruktion
Zum Test liegt die Schlemper "Estudio" in einer Cutaway-Version
vor und zeigt bei aller Schlichtheit doch manch bemerkenswert eigenständiges
Detail aus dem handwerklichen Repertoire des Worpsweder Gitarrenbauers.
Die Korpusmaße entsprechen weitgehend den üblichen Dimensionen
im Konzertgitarrenbau mit 100 mm Korpustiefe und mit gegenüber
dem Standard leicht erweiterten 380 mm Korpusweite, damit wird das
Gesamtvolumen etwas ausgeglichen, um den Cutawayausschnitt zu kompensieren.
Das gut gefütterte englische Hiscox-Case füllt die Gitarre
folglich bis auf den letzten Millimeter, was so verkehrt nicht ist.
Durchweg gute Qualität lässt sich dem Korpusholz testieren,
mit schön gleichmäßig und attraktiv gezeichnetem
ostindischen Palisander für Boden und Zargen. Auch ein dreifach
gelegter Zierspan nebst Bindings und Fugenspan im geteilten Boden
aus Palisander kommen in diesem abgespeckten Modell doch noch zum
Zuge. Die Decke steht dem kaum nach, mit sehr parallel und fein
gemaserter "Red Cedar" - beste Holzgüte also auch
hier. Die "Estudio"-Modelle werden bis auf die Deckenlackierung
zunächst fertig gebaut und besaitet. Unter Saitenspannung wird
erst dann die feine Abstimmung der Decke vorgenommen. Ist das Optimum
erreicht, so ändert die finale Mattierung mit Schellack den
Klang nur noch wenig - dieses Bauprinzip leuchtet ein. Das Schallloch
ist von einer charakteristischen, aus Holz gelegten geschmackvollen
Rosette umgeben. Ins Auge fällt der zweiteilige Steg aus Rio
Palisander, den Schlemper auch auf seinem Modell "Ebanista"
anbietet und den er anhand von Studien alter Bauweisen der Saiteninstrumente
früherer Epochen für sich aktualisiert hat. Der Saiten
tragende Steg ist mit einer Längen kompensierend befeilten
Einlage aus Knochen bestückt und steht getrennt von der Saitenhalterung.
So kann der Gitarrenbauer auch hier mit aufgespannten Saiten durch
Änderung des Steggewichtes den Klang noch in Feinheiten beeinflussen.
Cedro ist das traditionell bewährte Material für die Hälse
von Konzertgitarren, hier aber mit einer Einlage aus Carbonfaser
verstärkt und wie üblich mit einer im oberen Teil angesetzten
Kopfplatte und ebensolchem Halsfuß ausgestattet. Für
das ganz leicht gewölbte Griffbrett stand feines engporiges
Ebenholz zur Verfügung, in das 19 nicht zu flache schlanke
Bünde sorgfältig eingearbeitet wurden. Die Kopfplatte
ist mit Palisander furniert, trägt gute Gotoh-Mechaniken mit
Ebenholzwirbeln und ist in der Spitze von einem kreisrunden Loch
durchbrochen. Die Innenwelt der "Estudio" Cutaway zeigt
die erwartet saubere Arbeit eines guten Gitarrenbauers auch bei
seinen "kleinen" Modellen. Das Instrument ist insgesamt
mit DD-Lack perfekt versiegelt - mit Ausnahme der mit Schellack
nur dünn mattierten Decke.
Klang- und Spieleigenschaften
Stephan Schlempers "Estudio" macht auf Anhieb viel Freude.
Auf der Basis einer guten Abstimmung der Saitenlage in Bezug auf
den zwanglosen Zugang zum Griffbrett bei weitgehend freier Schwingungsentfaltung
lassen sich schon bei den ersten Akkorden die guten Grundeigenschaften
der Gitarre entdecken. Die allgemeine Klangstruktur erscheint offen
und klar, gar nicht so nordisch kühl, wie man vielleicht vermuten
könnte und dennoch voller Transparenz und lebendiger Tonentfaltung.
Die Bässe verfügen über ein schön gleichmäßig
verlaufendes Sustain, dem sich nach flinkem Einschwingvorgang filigrane
Obertöne zugesellen, die den einzelnen Ton im Abklang umfloren.
Meist handelt es sich dabei um Quinten und Oktaven. Sehr dynamisch
und differenziert reagiert das Instrument auf variable spieltechnische
Aktionen, zeigt gute Perkussion im Anschlag, was schnelleren Linien
konturierte Gestalt gibt, und zeichnet sich durch frische Farbigkeit
im Registerspiel aus. Ein schön holziges Timbre zieht sich
zudem wie ein roter Faden durch die Akkorde und Arpeggien, leicht
lösen sich die Klänge vom Instrument, folgen schnell und
präzise den spieltechnischen Facetten, münden leichtfüßig
in Musik - so soll es sein. Der klar definierte Diskant verfügt
über eine ansprechende Festigkeit und das Cutaway tut ein Übriges,
um dem hohen Tonraum luftige und doch plastische Klangergebnisse
abzugewinnen. Das Sustain ist naturgemäß in den letzten
Bünden von nicht mehr besonders lang anhaltender Tragkraft,
aber das macht die erfrischend perlende Präsenz in dieser Region
wieder wett.
Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 3/2001
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