Musikmesse Frankfurt 2001


Wundgelaufene Füße, strapazierte Ohren, viele "wichtige" Menschen, Verrücktes, Neues, Interessantes, Informatives - die Eindrücke und Begleiterscheinungen der weltweit größten Musikmesse sind doch jedes Jahr die gleichen. Trotzdem - oder gerade deswegen - macht es aber immer wieder Spaß, sich eine knappe Woche lang in dieses quirlige musikalische Tummelbecken zu begeben.


Interessant auch die Zahlen: 1446 Aussteller aus 44 Ländern gaben sich in Frankfurt bei dieser 22. Auflage der Messe die Ehre. 77081 Gäste konnten begrüßt werden, darunter 67 Prozent Fachpublikum, also Fachhändler, Profi-Musiker und Pressevertreter.

Mit einer gewissen Skepsis wurde im Vorfeld der diesjährigen Musikmesse in der Szene das neue Konzept der Organisatoren diskutiert: Die "Akustiker" sollten erstmalig in einer eigens für sie geschaffenen Halle versammelt werden. Das Ergebnis sollte schließlich aber auf der ganzen Linie überzeugen. Vergleichsweise edel präsentierte sich die optische Aufmachung des "Acoustic Village" in Halle 9.3, eine integrierte Live-Bühne und eine aufgelockerte Anordnung der Firmenstände und ein (im Vergleich zu den anderen Hallen) doch deutlich verringerter Geräuschpegel sorgten für angenehme Atmosphäre im "Dorf". Durchaus also die Grundlage für einen entspannten Messe-Rundgang. Wer sich allerdings über wirklich alle Neuheiten informieren wollte, dem blieb letztlich doch nichts anderes übrig, als sich auch noch in die anderen Messe-Hallen zu begeben - im "Acoustic Village" war schließlich doch nur ein kleiner (aber durchaus erwählter) Teil des inzwischen wirklich unüberschaubaren Angebots an Instrumenten und Equipments zu sehen. Nun gut, Kollege Schulz und meine Wenigkeit machten sich, mit Notizblock und Kamera bewaffnet, auf den Weg und sammelten, was es zu sammeln gab.
Ein Hinweis noch am Rande: bei den im Bericht angegebenen Preisen handelt es sich um so genannte Listenpreise, bzw. unverbindliche Preisempfehlungen, die in der Regel von den tatsächlichen Ladenpreisen differieren (zu Gunsten des Käufers ...).
Sofern bei den Angaben zu den verwendeten Hölzern (in Bezug auf die Korpuskonstruktion) keine weiteren Spezifikationen angegeben sind, handelt es sich um nicht massive Ausführungen (Laminat, Schichtholz, Funierholz). Bei der Verwendung von massivem Material ist dies angegeben. Hier also die Messe-Nachlese - viel Spaß.


Gitarren

Albert & Müller (M-9 Albert & Müller Doubleneck)
Doppelhalsgitarren sind scheinbar wieder "hip". Die Gitarrenbauer Albert und Müller aus Taunusstein konzipierten ein wirklich ungewöhnliches Modell mit zwei 12-String-Hälsen als Spezialanfertigung. Der obere Hals ist normal gestimmt und hat normale Saitenlage und Griffbrettwölbung. Der zweite
ist in Open-G gestimmt, hat keine Griffbrettwölbung, die Saitenlage ist etwas höher, und wird für das Slidespiel mit Bottleneck genutzt. Picking und Slidespiel können somit mühelos im gleichen Musikstück eingesetzt werden. Nachdem die Steelstringmodelle S1 - S3 im vorletzten Jahr ein neues Gesicht bekamen, waren in 2000 die Konzertgitarren an der Reihe. Äußerliche Verbesserungen sind unter anderem die neue Stegkonstruktion mit Doppelbohrung. Der Vorteil hierbei ist, dass der Saitenwinkel im Steg immer gleich ist und nicht durch den Knoten verändert wird - so sollen Klangunterschiede zwischen den einzelnen Saiten vermieden werden. Die Stahlsaitenmodelle S5 und S6 sind jetzt sowohl in der herkömmlichen Variante mit Pinsteg als auch, dank Zusammenarbeit mit Woody Mann, mit Knüpfsteg und einer an die Konzertgitarre angelehnten Deckenkonstruktion erhältlich.

Aria (M-17 D'Aquisto Akustik-Archtop)
Die "Eyecatcher" am Aria-Stand waren in diesem Jahr sicherlich die neuaufgelegten D'Aquisto-Jazzgitarren: eine wunderschöne vollakustische Archtop mit 17-Zoll-Body aus laminiertem Riegelahorn und einer massiven Fichtendecke, Ebenholz-Saitenhalter und Sunburst-Lackierung nennt sich DQ-CR (empf. Verkaufspreis: DM 6.600,-), sowie ein Modell mit Floating-Mini-Humbucker und F-Löchern (DQ-NYE (empf. Verkaufspreis: DM 7.000,-). Mit der elektroakustischen "Sinsonido" (empf. Verkaufspreis: DM 840,-) gibt es nun auch eine preiswerte Fernost-Variante der elektroakustischen Nylonstring in der Art von Soloette und Frameworks. Die Body-/Halskonstruktion besteht aus Ahorn, der steckbare Rahmen aus Aluminium. Mit einem Stereo-Tonabnehmer in der Bridge wird der Klang übertragen und kann auch direkt in einen Kopfhörer gespeist werden. Der Nachwuchs soll mit einem günstigen Konzertgitarrenmodell mit aktivem Pickup und Cutaway angesprochen werden. Die Gitarre nennt sich AK-30C-E und steht für nur DM 390,- im Katalog.

Baton Rouge (M-23 auf CD Baton Rouge Dreadnought SX-30)
Verschiedene Dreadnought-Westerngitarren sowie Steelstring in OM-Bauweise werden unter der Federführung des deutschen Vertriebes Blazer & Reinhard (Seagull, Aragon) in Deutschland angeboten. Die in Fernost hergestellten Instrumente bieten ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis und können wahlweise mit oder ohne Pickup und Preampsystem (3-fach-Klangregelung, Volume- und Contour-Regler, ausklappbares Batteriefach) wie auch Cutaway geliefert werden.

Cort (M-1, Cort 12-String-Jumbo )
Die erfolgreiche "Earth-Serie" des koreanischen Herstellers wurde um ein preislich attraktives Modell ergänzt: Die "Earth 150" (empf. Verkaufspreise, je nach Lackierung: DM 535,- bis DM 570,-) kommt mit einem Body aus Mahagoni und einer massiven Fichtendecke und ist neben dem traditionellen Hochglanz-"Natur-Finish" auch in einem transparenten blau, in transparent rot und in sunburst lieferbar.
Eine Lefthand-Variante in natur wird zudem angeboten. Alle koreanischen Cort-Akustikgitarren werden ab sofort mit einer aufwendigen "Schwalbenschwanz"-Halsbefestigung gebaut. Das Nachfolge-Modell der "Earth-500" nennt sich nun "Earth-600" (empf. Verkaufspreis: DM 940,-) und besitzt eine Engelmann-Fichtendecke der Güteklasse A. Neu ist auch ein elektroakustisches Jumbo-Modell aus geflammten Riegelahorn und massiver Fichtendecke. Die hochglanz-lackierte naturfarbene Version nennt sich SJ 3 F (empf. Verkaufspreis: DM 1.070,-) und ist mit einem Fishman "Sonicore" Piezo-Pickup in Verbindung mit einem Fishman "Classic 4-Band EQ" ausgestattet. Das ansonsten baugleiche Modell in 3-tone-Sunburst kostet DM 1.110,- und eine 12-String-Version (siehe Foto) ist für DM 1.180,- zu haben.

Crafter (M-6 Crafter Elektroakustikgitarre)
Eine umfangreiche Palette an günstigen Steelstring- und Elektroakustikgitarren bietet die koreanische Firma Crafter (siehe auch Testbericht in dieser Ausgabe). Mehr als 40 Modelle stehen zur Auswahl, die nun auch über den deutschen Vertrieb Pro Arte hier zu Lande erhältlich sind.