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Fostex VF -08 Digitaler Multitracker
Von Andreas Schulz


Während im Recording-Business alles nach dem Motto "höher, schneller, weiter" strebt und die ersten Harddisk-Recording-Workstations mit 24 Aufnahmespuren auf den Markt kommen, gibt es durchaus noch eine Berechtigung für einfache und kleine Acht-Spur-Maschinen wie das Fostex VF-08.

Gerade Akustik-Gitarristen, die vornehmlich sich selbst aufnehmen möchten oder Kompositionsideen dokumentieren wollen, sind mit einem solchen Gerät bestens bedient. Der Verzicht auf eine Funktionsvielfalt, schont zudem Nerven wie Geldbeutel.

Aufbau

Beim Anblick des VF-08 werde ich nostalgisch. Meine eigene Recording-Karriere begann vor inzwischen fast 20 Jahren mit einem kleinen Fostex X-15, mit dem sich unter einfachsten Bedingungen vier Spuren auf Kassette aufnehmen ließen. Dank Submixer und Track-Bouncing konnten damals sogar die Band-Demos mit diesem Teil produziert werden. Das Kleinste der heute erhältlichen 8-Spur-Digital-Studios hat im Vergleich dazu einen Funktionsumfang, der geradezu einen Quantensprung darstellt. Verschaffen wir uns einen Überblick. Das VF-08 bietet:
· einen 8-Spur-Rekorder mit 24 Unterspuren und nicht-destruktiver Editierung
· einen dazu passenden 8-Kanal-Mixer mit speicherbaren Szenen
· ein Multi-Effekt-Gerät mit 38 Algorithmen
· einen "Mastering"-Effekt

Die Architektur scheint beim ersten Kontakt angenehm überschaubar - es darf auf eine einfache und intuitive Bedienung gehofft werden. Signale finden ihren Weg ins VF-08 über zwei analoge Eingänge. Sie sind vergleichsweise luxuriös ausgestattet: Klinke- plus symmetrischer XLR-Eingang, Trim-Poti und sogar schaltbare Phantomspeisung! Der Benutzung hochwertiger Kondensatormikrofone steht also nichts im Weg. Die Summe des Mixers gelangt am Stereo-Out nach draußen und liegt zum Monitoring parallel am Kopfhörer-Ausgang an. Einen separaten Monitor-Ausgang gibt es nicht. Gitarristen werden sich über den Fußschalter-Anschluss freuen, der es erlaubt, die Aufnahme-Funktion zu bedienen, ohne die Hände vom Instrument nehmen zu müssen. Auf der Rückseite liegen digitale Ein- und Ausgänge im coaxialen SPDIF-Format (Cinch) sowie die beiden MIDI-Buchsen In und Out, die die Zusammenarbeit mit einem Sequenzer oder Rechner sicherstellen. Die Ausstattung der Eingangs-Sektion ist praxisgerecht, es fehlen ein Monitor-Ausgang sowie Inserts, doch das ist angesichts der Zielgruppe zu verschmerzen.
Wir finden den typischen Aufbau einer Recording-Workstation vor. Der Mixer wird mit den Kanal-Fadern (6 x Mono, 1 x Stereo), den zugehörigen Select-Tasten und den Reglern für die Mix-Parameter bedient. Die rechte Hälfte der Bedienoberfläche widmet sich dem Rekorder (mit Laufwerks-, Edit- und Locate-Funktionen) sowie dem recht kleinen hintergrundbeleuchteten Display. Die Bedienung innerhalb der unterschiedlichen Menü-Seiten erfolgt immer mit den vier Cursor-Tasten zur Navigation, dem Endlos-Drehrad (zur Einstellung der Parameter-Werte) und den Tasten Enter/Yes bzw. Exit/No zum Bestätigen oder Verwerfen der Befehle. An der Seite befindet sich ein bei Auslieferung verschlossener Slot. Hier kann die Fostex 8340-SCSI-Karte eingebaut werden. Damit sind für den VF-08 externe Speichermedien wie Fest- oder Wechselplatten zugänglich. Besonders nützlich: Man kann Back-Ups der Song-Daten auf CD-R/RW anlegen. Leider unterstützt das VF-08 nicht das Brennen von Audio-CDs. Die technischen Daten dieses kleinen Multi-Trackers versprechen eine Klangqualität auf CD-Niveau: Sampling-Frequenz von 44,1 kHz im 16-Bit-Format und 20-Bit-A/D bzw. 24-Bit-D/A-Wandler.

Aufnahme

Eine Aufnahme beginnt immer mit dem Anschluss und dem Einpegeln der Signalquellen. Input 1 ist den Kanälen 1, 3, 5 und 7, Input 2 den Kanälen 2, 4, 6 und 8 zugeordnet. Diese Zuordnung entspricht auch den Aufnahmespuren, da diese fest den gleichnamigen Mixer-Kanälen entsprechen. Nach dem Anschluss eines Signals an Input 1 schalten wir Spur 1 (bzw. 3, 5 oder 7) scharf und drücken die Record-Taste. Nun ist der Pegel im Display abzulesen. Man sollte den Trim-Regler so positionieren, dass die Peak-LED bei den lautesten Pegelspitzen gerade nicht leuchtet. Stereo-Aufnahmen können Sie immer auf benachbarten Kanälen ausführen, indem Sie einfach beide Spuren in Aufnahmebereitschaft schalten. Das Aufnahme-Routing ist damit auch schon abgeschlossen. Für diese extrem einfache Architektur gilt: der Trim-Regler bestimmt sowohl die Eingangs-Anpassung als auch den Aufnahmepegel, der Kanal-Fader regelt die Abhör-Lautstärke. Es besteht keine Möglichkeit, einen Equalizer oder ein Effektprogramm ins Spiel zu bringen, das Signal landet genau so auf der Festplatte, wie es in das VF-08 geschickt wird. Wer sich für das VF-08 interessiert, sollte nun zwei Dinge beachten: 1. Maximal zwei Spuren können gleichzeitig aufgenommen werden. 2. Das Signal landet unbearbeitet auf der Festplatte - man sollte also entweder gute Mikrofone oder externes Equipment haben, um dem VF-08 bereits "amtliche" Signalqualität zuzuführen. Aufnahmen können mit Undo wieder ungeschehen gemacht werden; dies bezieht sich immer auf die jeweils letzte Aktion. Insgesamt bietet das VF-08 drei Blöcke mit je acht Spuren. Aus diesen werden mit Hilfe von Track-Exchange immer acht zum gleichzeitigen Abspielen ausgewählt. Man kann also großzügig jeweils mehrere Takes einer Performance aufnehmen und sich die endgültige Entscheidung bis zum Schluss-Mix aufheben. Neues Potenzial erschließt der Bounce-Mode. Mit einem Tastendruck aktiviert man ein Setup, das die Spuren 1 bis 6 auf die Tracks 7/8 routet. Hier legt man einen Zwischenmix ab und hat dann wieder sechs freie Spuren für weitere Aufnahmen. Da das Bouncing auf der digitalen Ebene stattfindet, gibt es keinerlei Qualitätsverlust, sodass man diese Operation beruhigt mehrmals ausführen kann. So lässt sich die Spur-Kapazität des VF-08 deutlich erweitern.

Laufwerk & Editierung

Das Laufwerk des VF-08 bietet einige Annehmlichkeiten, die die Arbeit im Studio erleichtern. So katapultieren uns Stop + Rew zum Song-Anfang (Zero-Return) und Stop + Fwd zum Song-Ende. Saubere Aufnahmen werden durch die Auto-Punch-Funktion begünstigt. Sie definieren den Ein- und Ausstiegs-Punkt (framegenau), und schon ist das VF-08 in der Lage, eine Punch-Aufnahme automatisch durchzuführen. Auch ein Probedurchlauf zum Üben ist möglich, wenn man im Punch-Betrieb nur die Play-Funktion aufruft. Loop sorgt dafür, dass ein vorher definierter Bereich im Schleifenbetrieb wiederholt wird - wunderbar zum Üben schwieriger Stellen. Loop kann mit Punch-In/Out kombiniert werden. Zum schnellen Durchfahren eines Songs oder zum Aufsuchen bestimmter Punkte dient die Shuttle-Funktion. Hier kann man die Daten mit bis zu 64facher Geschwindigkeit vorwärts oder rückwärts durcheilen. Praktisch das Gegenteil, nämlich die Analyse einer Spur bis ins feinste Detail, erlaubt Scrubbing. Dabei erscheint im Display eine Wellenform-Darstellung der Audio-Daten. Vor allem für diffizile Bearbeitungen ist dies wichtig. Dementsprechend kann man direkt aus dem Scrubbing-Menü heraus gefundene Zeitpositionen als Start- und End-Punkte einer Editier-Operation definieren. Gut gelöst! Im Vari-Pitch-Modus lässt sich die Abspielgeschwindigkeit und damit auch die Tonhöhe um +/- 6 % verändern. Eine Fostex-Spezialität ist der Training-Mode, der für die Kanäle 7/8 Gültigkeit hat. Hier lassen sich Abspielgeschwindigkeit und Tonhöhe getrennt voneinander manipulieren, sodass es möglich ist, eine Stelle z.B. mit halber Geschwindigkeit, aber Original-Tonhöhe wiederzugeben. Findige Naturen werden hier auch versuchen, schwere Parts in Zeitlupe aufzunehmen. Wichtige Stellen Ihres Songs können mit Markern versehen werden, sodass lästiges Spulen oder Suchen entfällt. Man kann die ganze Songform mit Intro, Vers, Chorus usw. mit solchen Lokatoren nachzeichnen, was bequemes Navigieren innerhalb einer Aufnahme ermöglicht. Marker können im laufenden Betrieb gesetzt und später wieder aufgesucht werden. Die Marker-Liste (genannt Mark-Map) mit bis zu 99 Einträgen wird ständig aktualisiert und chronologisch geordnet. Der VF-08 beherrscht im Spur-Editier-Betrieb die wichtigsten Befehle, um einschneidende Manipulationen der Audio-Daten zu ermöglichen. Im Angebot sind: Copy + Paste (Kopieren + Einfügen), Move + Paste (Verschieben + Einfügen), Löschen und Exchange (Austauschen). Jede Bearbeitung kann, sollte sie nicht erfolgreich gewesen sein, mit Undo rückgängig gemacht werden.


Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 3/2001