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Während
im Recording-Business alles nach dem Motto "höher, schneller,
weiter" strebt und die ersten Harddisk-Recording-Workstations
mit 24 Aufnahmespuren auf den Markt kommen, gibt es durchaus noch
eine Berechtigung für einfache und kleine Acht-Spur-Maschinen
wie das Fostex VF-08.

Gerade Akustik-Gitarristen,
die vornehmlich sich selbst aufnehmen möchten oder Kompositionsideen
dokumentieren wollen, sind mit einem solchen Gerät bestens
bedient. Der Verzicht auf eine Funktionsvielfalt, schont zudem Nerven
wie Geldbeutel.
Aufbau
Beim Anblick
des VF-08 werde ich nostalgisch. Meine eigene Recording-Karriere
begann vor inzwischen fast 20 Jahren mit einem kleinen Fostex X-15,
mit dem sich unter einfachsten Bedingungen vier Spuren auf Kassette
aufnehmen ließen. Dank Submixer und Track-Bouncing konnten
damals sogar die Band-Demos mit diesem Teil produziert werden. Das
Kleinste der heute erhältlichen 8-Spur-Digital-Studios hat
im Vergleich dazu einen Funktionsumfang, der geradezu einen Quantensprung
darstellt. Verschaffen wir uns einen Überblick. Das VF-08 bietet:
· einen 8-Spur-Rekorder mit 24 Unterspuren und nicht-destruktiver
Editierung
· einen dazu passenden 8-Kanal-Mixer mit speicherbaren Szenen
· ein Multi-Effekt-Gerät mit 38 Algorithmen
· einen "Mastering"-Effekt
Die Architektur
scheint beim ersten Kontakt angenehm überschaubar - es darf
auf eine einfache und intuitive Bedienung gehofft werden. Signale
finden ihren Weg ins VF-08 über zwei analoge Eingänge.
Sie sind vergleichsweise luxuriös ausgestattet: Klinke- plus
symmetrischer XLR-Eingang, Trim-Poti und sogar schaltbare Phantomspeisung!
Der Benutzung hochwertiger Kondensatormikrofone steht also nichts
im Weg. Die Summe des Mixers gelangt am Stereo-Out nach draußen
und liegt zum Monitoring parallel am Kopfhörer-Ausgang an.
Einen separaten Monitor-Ausgang gibt es nicht. Gitarristen werden
sich über den Fußschalter-Anschluss freuen, der es erlaubt,
die Aufnahme-Funktion zu bedienen, ohne die Hände vom Instrument
nehmen zu müssen. Auf der Rückseite liegen digitale Ein-
und Ausgänge im coaxialen SPDIF-Format (Cinch) sowie die beiden
MIDI-Buchsen In und Out, die die Zusammenarbeit mit einem Sequenzer
oder Rechner sicherstellen. Die Ausstattung der Eingangs-Sektion
ist praxisgerecht, es fehlen ein Monitor-Ausgang sowie Inserts,
doch das ist angesichts der Zielgruppe zu verschmerzen.
Wir finden den typischen Aufbau einer Recording-Workstation vor.
Der Mixer wird mit den Kanal-Fadern (6 x Mono, 1 x Stereo), den
zugehörigen Select-Tasten und den Reglern für die Mix-Parameter
bedient. Die rechte Hälfte der Bedienoberfläche widmet
sich dem Rekorder (mit Laufwerks-, Edit- und Locate-Funktionen)
sowie dem recht kleinen hintergrundbeleuchteten Display. Die Bedienung
innerhalb der unterschiedlichen Menü-Seiten erfolgt immer mit
den vier Cursor-Tasten zur Navigation, dem Endlos-Drehrad (zur Einstellung
der Parameter-Werte) und den Tasten Enter/Yes bzw. Exit/No zum Bestätigen
oder Verwerfen der Befehle. An der Seite befindet sich ein bei Auslieferung
verschlossener Slot. Hier kann die Fostex 8340-SCSI-Karte eingebaut
werden. Damit sind für den VF-08 externe Speichermedien wie
Fest- oder Wechselplatten zugänglich. Besonders nützlich:
Man kann Back-Ups der Song-Daten auf CD-R/RW anlegen. Leider unterstützt
das VF-08 nicht das Brennen von Audio-CDs. Die technischen Daten
dieses kleinen Multi-Trackers versprechen eine Klangqualität
auf CD-Niveau: Sampling-Frequenz von 44,1 kHz im 16-Bit-Format und
20-Bit-A/D bzw. 24-Bit-D/A-Wandler.
Aufnahme
Eine Aufnahme
beginnt immer mit dem Anschluss und dem Einpegeln der Signalquellen.
Input 1 ist den Kanälen 1, 3, 5 und 7, Input 2 den Kanälen
2, 4, 6 und 8 zugeordnet. Diese Zuordnung entspricht auch den Aufnahmespuren,
da diese fest den gleichnamigen Mixer-Kanälen entsprechen.
Nach dem Anschluss eines Signals an Input 1 schalten wir Spur 1
(bzw. 3, 5 oder 7) scharf und drücken die Record-Taste. Nun
ist der Pegel im Display abzulesen. Man sollte den Trim-Regler so
positionieren, dass die Peak-LED bei den lautesten Pegelspitzen
gerade nicht leuchtet. Stereo-Aufnahmen können Sie immer auf
benachbarten Kanälen ausführen, indem Sie einfach beide
Spuren in Aufnahmebereitschaft schalten. Das Aufnahme-Routing ist
damit auch schon abgeschlossen. Für diese extrem einfache Architektur
gilt: der Trim-Regler bestimmt sowohl die Eingangs-Anpassung als
auch den Aufnahmepegel, der Kanal-Fader regelt die Abhör-Lautstärke.
Es besteht keine Möglichkeit, einen Equalizer oder ein Effektprogramm
ins Spiel zu bringen, das Signal landet genau so auf der Festplatte,
wie es in das VF-08 geschickt wird. Wer sich für das VF-08
interessiert, sollte nun zwei Dinge beachten: 1. Maximal zwei Spuren
können gleichzeitig aufgenommen werden. 2. Das Signal landet
unbearbeitet auf der Festplatte - man sollte also entweder gute
Mikrofone oder externes Equipment haben, um dem VF-08 bereits "amtliche"
Signalqualität zuzuführen. Aufnahmen können mit Undo
wieder ungeschehen gemacht werden; dies bezieht sich immer auf die
jeweils letzte Aktion. Insgesamt bietet das VF-08 drei Blöcke
mit je acht Spuren. Aus diesen werden mit Hilfe von Track-Exchange
immer acht zum gleichzeitigen Abspielen ausgewählt. Man kann
also großzügig jeweils mehrere Takes einer Performance
aufnehmen und sich die endgültige Entscheidung bis zum Schluss-Mix
aufheben. Neues Potenzial erschließt der Bounce-Mode. Mit
einem Tastendruck aktiviert man ein Setup, das die Spuren 1 bis
6 auf die Tracks 7/8 routet. Hier legt man einen Zwischenmix ab
und hat dann wieder sechs freie Spuren für weitere Aufnahmen.
Da das Bouncing auf der digitalen Ebene stattfindet, gibt es keinerlei
Qualitätsverlust, sodass man diese Operation beruhigt mehrmals
ausführen kann. So lässt sich die Spur-Kapazität
des VF-08 deutlich erweitern.
Laufwerk &
Editierung
Das Laufwerk
des VF-08 bietet einige Annehmlichkeiten, die die Arbeit im Studio
erleichtern. So katapultieren uns Stop + Rew zum Song-Anfang (Zero-Return)
und Stop + Fwd zum Song-Ende. Saubere Aufnahmen werden durch die
Auto-Punch-Funktion begünstigt. Sie definieren den Ein- und
Ausstiegs-Punkt (framegenau), und schon ist das VF-08 in der Lage,
eine Punch-Aufnahme automatisch durchzuführen. Auch ein Probedurchlauf
zum Üben ist möglich, wenn man im Punch-Betrieb nur die
Play-Funktion aufruft. Loop sorgt dafür, dass ein vorher definierter
Bereich im Schleifenbetrieb wiederholt wird - wunderbar zum Üben
schwieriger Stellen. Loop kann mit Punch-In/Out kombiniert werden.
Zum schnellen Durchfahren eines Songs oder zum Aufsuchen bestimmter
Punkte dient die Shuttle-Funktion. Hier kann man die Daten mit bis
zu 64facher Geschwindigkeit vorwärts oder rückwärts
durcheilen. Praktisch das Gegenteil, nämlich die Analyse einer
Spur bis ins feinste Detail, erlaubt Scrubbing. Dabei erscheint
im Display eine Wellenform-Darstellung der Audio-Daten. Vor allem
für diffizile Bearbeitungen ist dies wichtig. Dementsprechend
kann man direkt aus dem Scrubbing-Menü heraus gefundene Zeitpositionen
als Start- und End-Punkte einer Editier-Operation definieren. Gut
gelöst! Im Vari-Pitch-Modus lässt sich die Abspielgeschwindigkeit
und damit auch die Tonhöhe um +/- 6 % verändern. Eine
Fostex-Spezialität ist der Training-Mode, der für die
Kanäle 7/8 Gültigkeit hat. Hier lassen sich Abspielgeschwindigkeit
und Tonhöhe getrennt voneinander manipulieren, sodass es möglich
ist, eine Stelle z.B. mit halber Geschwindigkeit, aber Original-Tonhöhe
wiederzugeben. Findige Naturen werden hier auch versuchen, schwere
Parts in Zeitlupe aufzunehmen. Wichtige Stellen Ihres Songs können
mit Markern versehen werden, sodass lästiges Spulen oder Suchen
entfällt. Man kann die ganze Songform mit Intro, Vers, Chorus
usw. mit solchen Lokatoren nachzeichnen, was bequemes Navigieren
innerhalb einer Aufnahme ermöglicht. Marker können im
laufenden Betrieb gesetzt und später wieder aufgesucht werden.
Die Marker-Liste (genannt Mark-Map) mit bis zu 99 Einträgen
wird ständig aktualisiert und chronologisch geordnet. Der VF-08
beherrscht im Spur-Editier-Betrieb die wichtigsten Befehle, um einschneidende
Manipulationen der Audio-Daten zu ermöglichen. Im Angebot sind:
Copy + Paste (Kopieren + Einfügen), Move + Paste (Verschieben
+ Einfügen), Löschen und Exchange (Austauschen). Jede
Bearbeitung kann, sollte sie nicht erfolgreich gewesen sein, mit
Undo rückgängig gemacht werden.
Den vollständigen Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 3/2001
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