|
Durchgecheckt 2 Wertarbeit Röder "Jazzy-Rosegarden" Archtop-Gitarre Von Wolfgang Niemann Vielen Lesern wird der Name Klaus Röder vielleicht schon bekannt sein, denn immerhin gehört er sozusagen zum "Urgestein" der deutschen Gitarrenbauer. Seine Werkstatt und Heimat fand Klaus Röder, 1937 geboren in Königsberg, bereits 1967 im Taunus. So vielschichtig wie seine Modellpalette ist auch sein beruflicher Werdegang. Zu einem Musikstudium von Geige und Gitarre gesellt sich eine abgeschlossene Ausbildung als Schlosser, Grabsteinmetz und Zupfinstrumentenbauer. Nach weiteren Tätigkeiten in den Meisterwerkstätten von D. Hense, R. Seiffert, D. Hopf und E. Körögenie fand seine berufliche Ausbildung im Jahre 1975 mit Ablegen der Prüfung zum Gitarrenbaumeister ihren Abschluß. Neben den sicherlich bekannten Django-Modellen fertigt Klaus Röder aber auch klassische Konzertgitarren, Gamben und natürlich auch Archtop-Gitarren. Ein Modell dieser Bauweise soll im folgenden näher betrachtet werden. Benannt wurde dieses Modell, welches auch mit tiefem Korpus erhältlich ist, nach der kanadischen Gitarristin Jessy (Jazzy) Rosegarden - einer Musikerin der Pat-Metheney-Schule, die ein Instrument in dieser Spezifikation spielt. Konstruktion Trotz einer traditionellen Fertigungsweise und der
Verwendung der für diesen Gitarrentyp klassischen Tonhölzer Fichte und
Ahorn trägt diese Jazzgitarre deutlich die Handschrift von Klaus Röder
- und zeigt somit einmal mehr, daß das vermeintlich so gefestigte Konzept
der Archtop-Gitarre immer neu interpretiert werden kann und tonlich noch
lange nicht ausgereizt ist. In dieser Preisklasse erwartet man natürlich
die Der ebenfalls sehr stark gewölbte Boden und die Zargen sind aus intensiv geflammtem Ahorn gefertigt. Bei den Zargen allerdings täuscht der Eindruck nicht. Diese sind in der Tat mit einer Höhe von ca. 7 Zentimetern (ES-175: 9 Zentimeter) schmaler als bei anderen Archtops und unterstützen wirkungsvoll die Handlichkeit. Ober- und Unterseite des Korpus wurden mit Echtholzbindings eingefaßt und mit Einlagen im sogenannten "Herringbone"-Muster versehen. Abschließend wurden die schön zusammengefügten Hölzer mit einer perfekt ausgeführten, dünnen Lackierung versiegelt. Der Hals Im Prinzip wurde der Hals aus zwei Teilen Riegelahorn gefertigt. Um allerdings der Gefahr des Verdrehens zu begegnen, wurde ein Mittelteil aus miteinander verleimten Mahagoni-/Ahornleisten eingefügt. Das Griffbrett besteht aus ausgesprochen feinporigem Ebenholz, in das 22 Jumbobünde (plus Nullbund direkt hinter dem Sattel) sauber eingelassen sind. Zur Orientierung finden sich sauber eingelassene Blockeinlagen aus Perlmutt im Griffbrett wie auch seitliche Punkte in der Griffbretteinfassung (Echtholzbinding). Diese umschließen nicht die Enden der Bundstäbchen. Eine Fertigungsweise, die von vielen renommierten Archtop-Gitarrenbauern, z.B. R. Benedetto, bevorzugt wird. Tonlich ist es nicht relevant, da mag jeder nach seinem Geschmack entscheiden. Um die Saiten in Stimmung zu bringen, wurden auf der eigenständig geformten Kopfplatte gekapselte Mechaniken von Schaller montiert, deren Flügel aus Ebenholz sind und so das Eigengewicht reduzieren und einer eventuellen Kopflastigkeit vorbeugen. Darüber hinaus fügen sie sich sehr gut in das optische Thema Ebenholz ein, aus dem auch der Saitenhalter gefertigt wurde. Elektrik Die elektronische Ausstattung der Röder beschränkt sich auf das Wesentliche. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So findet sich zur elektrischen Tonabnahme am Halsende montiert ein Tonabnehmer der Marke Bel Armond. Kein Druckfehler, vielmehr ist der Produktname eine Anspielung auf den klassischen und legendären Einspuler von De Armond, der auf vielen Archtops der 40er und 50er Jahre zu finden ist und in Sammlerkreisen zu hohen Preisen gehandelt wird. Ansonsten findet sich noch ein Lautstärkeregler, der innerhalb des unteren F-Loches montiert ist. So ist er weder der rechten Hand (bei Montage auf dem Schlagbrett) im Wege, noch ist die akustische Qualität der Decke gemindert. Gute Lösung! Dennoch gibt es eine Klangregelung - nur auf andere Weise: Röder montierte den Tonabnehmer auf einer Schiene, so daß dieser über einen weiten Bereich verschiebbar ist und es dadurch möglich wird, persönliche Klangvorstellungen zu realisieren. Einfach und effektiv. Klang- und Spieleigenschaften Der filigrane Korpus unterstützt sowohl im Sitzen als auch im Stehen das Wohlbefinden und dürfte gerade kleineren Musikern sehr entgegenkommen. Allerdings verlangt der Hals mit seinem ausgeprägten Rundprofil nach einer kräftigen Hand. Doch der Vorteil des Gitarrenbauers "um die Ecke" liegt ja auch gerade darin, daß persönliche Wünsche - wie ein flacherer Hals - direkt umgesetzt werden können. Der Klang dieser Gitarre ist nicht so leicht zu beschreiben. Sie klingt stark holzig, trocken und sehr direkt. Ihre wahren Qualitäten zeigt sie bei einem starken Anschlag, den sie nicht nur verträgt, sondern nach dem sie geradezu verlangt. Bei einer starken Anschlagsdynamik überrascht die Röder F-Loch mit einer großen Lautstärke (gerade auch in Relation zur Korpusgröße) und überzeugt durch eine tolle Perkussivität. Die starke Wölbung der Decke und die so vergrößerte Deckenoberfläche unterstützen dies. Schnell gespielte Läufe kommen mit einer ausgesprochenen Genauigkeit. Alle Töne kommen klar und präzise. Die Diskantsaiten treten stark in den Vordergrund - ein Klangideal, das der einer Zigeuner-Jazzgitarre entspricht. Gerade auf diesem Gebiet gilt Röder zu Recht als Spezialist. So simpel die elektronische Bestückung auch ist - es braucht schon einige Zeit, sich mit ihr vertraut zu machen und "seinen" Klang zu finden, denn durch den verschiebbaren Tonabnehmer ist der Klang ausgesprochen variabel zu beeinflussen. Beim Spiel über einen Verstärker ist die wahre Qualität dieser Gitarre zu spüren. Man kann bei schnellem Akkordspiel "so richtig hinlangen", ohne daß ein Dröhnen oder Unsauberkeiten durch Überlagerungen im Ton spürbar sind. Durch den Cutaway (Handausschnitt) sind auch die oberen Bünde sehr gut zu erreichen, lediglich ab dem 20. Bund müssen die Finger sich ein wenig mühen. Fazit Mit der Röder F-Loch-Jazzgitarre wird das Angebot an professionellen Archtop-Gitarren um eine zusätzliche "Stimme" bereichert. Interessant an der Konzeption der Röder ist die Möglichkeit, das Instrument auf die jeweiligen Klangvorstellungen des Gitarristen einzustellen. Sind etwas mehr Baßanteile, Mitten oder Höhen (für Durchsetzungskraft bei Solopassagen) gewünscht? Kein Problem, die Möglichkeit, den Stimmstock zu versetzen, macht es möglich. Und bei der Herstellung seiner "Traumgitarre" ist somit eine konkrete Einflußnahme möglich. Natürlich ist die "Jazzy-Rosegarden" speziell; aber vielleicht sucht man ja speziell das?
Hersteller....................................Röder,
Deutschland |