|
Durchgecheckt 1 Wasserfall der Klänge Ovation Collectors 1999 Von Hans Westermeier
Es begann alles im Jahr 1982, als Ovation seine erste "Collectors" auf den Markt brachte. Wie kam es dazu? Es gab zu dieser Zeit in den USA einen sehr populären Country-Musiker bzw. Country-Sänger namens Earl Thomas Conley, der schon seit vielen Jahren Ovation-Gitarren spielte. Etwa 1980 trat E.T. Conley an Ovation heran und fragte an, ob man nicht für ihn eine ganz spezielle Ovation bauen könnte. Sein Wunsch war eine "Custom Legend" in
der Farbe "Blue Sunburst", zusätzlich versehen mit der Stereoelektronik
der damaligen Adamas-Gitarren. Als die Gitarre dann fertig war, entwickelte
sich eine gewisse "Eigendynamik". E.T. Conley erregte überall,
wo er spielte, mit seiner Spezial-Ovation großes Seit dieser Zeit präsentiert Ovation seinen Kunden jedes Jahr eine neue "Collectors". Nicht selten waren mit diesen Gitarren ganz spezielle Ideen verbunden, und viele dieser Ideen gingen später auch bei den normalen Modellen in Serie. So z.B. die "Cutaway"-Ausführung, der "Supershallow Bowl" (extra schmaler Korpus) oder elektronische "Specials". Auch 1999 läßt es sich Ovation nicht nehmen, seine Fans mit einer "Collectors" zu überraschen. Konstruktion Outfit Da ich die Gitarre vorher tatsächlich auf keinem Foto oder sonst irgendwo gesehen habe, bin ich doch sehr gespannt. Ich öffne also den Koffer ... whow! Der erste optische Eindruck haut mich glatt um. Mega-edel! Ich nehme die Gitarre in die Hand, unterziehe sie einem ersten kritischen Blick und merke dabei, wie diese Gitarre mich in ihren Bann zieht! Ich lege sie in den Koffer zurück, um ihn erst ein paar Stunden später nach einer gewissen "inneren Abkühlung" wieder zu öffnen. Also ganz sachlich jetzt mal von vorne ... Die "Ovation Collectors 1999" trägt die Modellbezeichnung OV1999-RWB. Letztere drei Buchstaben stehen dabei für "Red Waterfall Bubinga". Bubinga ist eine Holzart, die in Westafrika in verschiedenen Wuchsarten und dabei vornehmlich in rötlichen Farbtönungen vorkommt. "Waterfall"-Bubinga soll hierbei nicht heißen, daß diese Bäume allesamt unter Wasserfällen wachsen, vielmehr ist dieser Namenszusatz eher bildlicher Natur und soll einfach die optische Beschreibung erleichtern. Dasselbe gilt so z.B. auch für das sehr bekannte "Birds Eye Maple". Die "Collectors 1999" gehört zur "Multiple Soundhole"-Familie. Früher nur bei der "Adamas"-Serie erhältlich, gehört diese Deckenkonstruktion längst auch zum normalen Ovation-Programm. Eine Besonderheit dieser Konstruktion sind nicht nur die vielen kleinen Schallöcher, die flächenmäßig in der Summe übrigens genau der Fläche des normalen runden Schallochs entsprechen, sondern auch die Verstrebung bzw. die Beleistung der Decke. Dieses von Ovation so genannte "Quintad Bracing" besteht aus insgesamt neun speziell gefrästen Leisten, die allesamt entlang der Maserung verlaufen. Auf Querstreben kann verzichtet werden, weil eine Decke mit vielen kleinen Schallöchern am oberen Ende des Bodys weniger mit Spannungen zu kämpfen hat als ihr Pendant mit einem großen runden Schalloch. Dieses "Weniger" an Leisten bringt aber ein "Mehr" beim Schwingungsverhalten. Und das wirkt sich wiederum positiv auf das Soundbild aus! Nun zum "Wahrzeichen" jeder Ovation-Gitarre, dem Korpus aus "Lyracord". Diese spezielle Fiberglas-Kunststoff-Verbindung zu einem "Roundback" gepreßt, machte seinen Erfinder Charles Kaman nicht nur berühmt, sondern auch zum "Revoluzzer" unter den Gitarrenherstellern. Ich glaube, man darf ansonsten auf weitere Erklärungen verzichten, denn auf den "Roundback" ist schon in unzähligen anderen Berichten und Tests eingegangen worden. Bleibt zum Schluß noch das Binding zu erwähnen, das aus weißen und schwarzen Lagen zusammengesetzt ist. Gehen wir gleich weiter zum Hals der Gitarre. Er ist fünfteilig, wobei zwischen den drei Mahagonischichten zwei Ahornschichten eingearbeitet sind. Das Griffbrett ist aus Ebenholz gefertigt und besitzt 22 Bünde. Auf Orientierungspunkte direkt auf dem Griffbrett wurde aus optischen Gründen verzichtet. Völlig orientierungslos wird man jedoch auf der "Collectors 1999" nicht gelassen, dafür sorgen die Orientierungspunkte auf der Halsoberseite. Der Headstock der Gitarre wurde mit einer zusätzlichen Schicht "Red Waterfall Bubinga" versehen. Zusammen mit den Goldmechaniken und dem goldenen Ovation-Logo unterstreicht der Headstock noch mal den edlen Gesamteindruck. Elektronik Herzstück der Elektronik ist der "Optima"-Preamp, den Ovation sonst nur in den "Adamas"-Modellen, der "Custom Legend", der "Custom Elite", der "Long Neck"-Version und im "Mandocello" einbauen läßt. Dieser Preamp besteht aus einem zuschaltbaren 4-Band-Equalizer, einem Notchfilter, mit dem man Feedback-Frequenzen sauber herausfiltern kann, ohne gleich einen größeren Frequenzbereich auszublenden, einem Lautstärkeregler und einem eingebauten Stimmgerät. Eine Batteriestatus-Anzeige warnt rechtzeitig, wenn ein Batteriewechsel bevorsteht. Einen elektronischen Leckerbissen verrät die Rückseite des Bodys. Hier finden wir nämlich neben dem gewohnten ¼"-Klinkenausgang auch einen symmetrischen XLR-Ausgang. Dieser Ausgang ermöglicht nicht nur lange Kabelwege ohne Verluste, sondern er nutzt auch eine evtl. vorhandene 48-V-Phantomspeisung im Mixer oder Amp. "Auf Wiedersehen, Batterie" heißt das zwar nicht, denn das Stimmgerät bleibt von der Batterie abhängig, aber der Verbrauch reduziert sich auf ein Minimum. Spielbarkeit, Klang, Einsatzmöglichkeiten Die Spielbarkeit ist wirklich phantastisch. Die Finger "flutschen" nur so übers Griffbrett. Da ist es noch eher eine Frage der individuellen Einstellung. Der eine mag die Saitenlage E-Gitarren-mäßig niedrig, der andere hat lieber ein bißchen Luft dazwischen. Der eine spielt lieber "Ultrasupersuperlight"-Saiten, der andere hat lieber etwas mehr in der Hand. Für meinen Geschmack sind die Saitenstärken 0.11 und 0.12 genau richtig. Aber wie gesagt, Geschmäcker und Gewohnheiten sind verschieden. Die Gitarre macht hier (fast) alles mit! Noch mehr dem individuellen Geschmack unterworfen ist der Klang einer Gitarre. Nirgendwo anders sind die Meinungen so konträr wie bei einer Ovation-Gitarre. "Plastics" kontra "Woodys", so kommt mir das manchmal vor. Ohne mich in das eine oder andere Lager schieben lassen zu wollen, sage ich frei heraus, daß mir der Klang sehr gut gefällt. Den akustischen Klang meine ich damit selbstverständlich, denn daß diese Ovation im eingestöpselten Zustand richtig gut kommt, glauben die meisten auch so ... Diese Gitarre hat natürlich absolut solistisches Format. Fingerpicking, Flatpicking, Blues, Ragtime, Pop, Rock - die "Collectors 1999" ist ein perfektes Werkzeug! Fazit Eine der besten Gitarren, die ich in den letzten Jahren überhaupt in der Hand hatte. Kompliment, Charles und William Kaman. Die Verarbeitungsqualität ist von allerhöchstem Niveau. Und dieses Finish ... ein echter "Augenschmeichler"! Als reines "Sammlerobjekt" viel zu schade. Auf alle Fälle bin ich da mal gespannt auf die "Collectors 2000", denn mit der "1999" hat Ovation die Meßlatte gnadenlos nach oben gelegt. Technische Daten Herkunftsland...............USA |