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Keine
Frage: Musikhochschulen sind in gewisser Weise verpflichtet die
Traditionen zu pflegen, bewährte Methoden und Techniken weiterzugeben
und das große Erbe zu wahren. Andererseits laufen Institutionen
immer Gefahr, der Last der Konventionen in Theorie und Praxis zu
erliegen und darüber das Lebendige, das Heutige zu vernachlässigen.
„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe
des Feuers.“ Diese Mahnung Gustav Mahlers sollte nicht nur
jedem Studenten aufs Studienbuch gedruckt werden, vielmehr gilt
es, dieses Feuer auch in manchem von Routine abgekühlten Kopf
auf Seiten der Lehrenden wieder neu anzufachen.
Längst allerdings hat sich einiges getan an deutschen Hochschulen,
das geeignet scheint, alte Zöpfe wenn schon nicht abzuschneiden,
so doch immerhin neu zu flechten. Jazzabteilungen haben sich etabliert,
Improvisation ist Thema geworden in unseren akademischen Bildungstempeln,
auch wenn bei näherem Blick manch modern firmierendes Label
sich als ein eher traditionell ausgerichtetes Unterfangen entpuppt.
Wir wollen künftig an dieser Stelle regelmäßig deutsche
Ausbildungsstätten vorstellen, um den interessierten Leser
verschiedene Möglichkeiten eines Gitarrenstudiums zu veranschaulichen

Dass es moderne Tendenzen lebendiger Hochschulpraxis gibt, zeigt
z.B. die Musikhochschule Dresden eindrucksvoll mit dem Studienfach
„Gitarre Weltmusik“. Mitte der 90er Jahre wollte man
die Tradition an der Dresdner Hochschule, Jazz-, Rock-, Popgitarristen
obligatorisch im Spiel auf der Konzertgitarre zu unterweisen, um
die Möglichkeiten grundsätzlicher stilistischer Offenheit
erweitern und fand in Thomas Fellow einen Grenzgänger, der
sich als ausgebildeter Konzertgitarrist in der eigenen Aufführungspraxis
bereits den rhythmischen und improvisatorischen Zugang zur Musik
der Welt erschlossen hatte. Schon nach kurzer Zeit wurde auf Wunsch
der Studenten hin der Studiengang Weltmusik als 2. Hauptfach eingerichtet.
Der Ansatz in diesem Fach ist geradezu aufregend konträr zur
traditionellen Ausbildung: der Student wird nicht einfach vorgegebenen
Klischees und Ausbildungsrastern unterworfen, sondern flexibel in
seinen persönlichen Tendenzen, seiner von Vorlieben geprägten
Stilistik gefördert. Das Ziel ist die Entfaltung von Talent
im Rahmen individueller Stärken und Möglichkeiten. Dabei
sind die Grenzen grundsätzlich sehr weit gesteckt; möglichst
wenig soll ausgeschlossen bleiben, und entsprechend bunt ist die
stilistische Vielfalt der zur Zeit unterwiesenen Studenten.

Ausbildungsinhalte/-Philosophie
Die Gitarre/Worldmusic-Ausbildung umfasst ein breites Repertoire
an Inhalten und Zielen, wie der Katalog aufzeigt: Europäische
Konzertmusik für Gitarre/Laute/Vihuela und gängige Übertragung
aller Epochen; traditionelle Volksmusik und durch diese beeinflusste
Musik aus allen Kulturen der Welt, vornehmlich Nord- und Südamerika,
Europa, arabischer und indischer Raum; Schulung der Fähigkeiten
im Arrangieren, Improvisieren, Komponieren, Transkribieren; Gitarre
als Begleitinstrument als wesentlicher Focus; Schule des Übens
und Lernens; traditionelle sowie unkonventionelle Spieltechniken
und Tongebung; Vermittlung der Lösungswege statt der Lösungen;
sehr praxisorientierte Ausbildung mit Promotion/Management-Infos;
allgemeine Mentorenschaft und Konzertvermittlung; Unterstützung
kreativer eigener Projekte und Entwicklung einer eigenen Sprache
auf der Grundlage eines breiten fundamentalen Wissens und Könnens.
Das alles steht unter der Maxime: „Förderung der individuellen
Stärken und Interessen, sowie gezielte Arbeit an den Schwächen.
Motivation zur Kreativität.“ Thomas Fellow nennt die
musikalische Neugier, die individuelle Suche nach Persönlichkeit
und Ausdruck, die kreative und zugleich selbstkritische Grundhaltung,
als auch die Fähigkeit und Neigung, sich mit verschiedenen
Stilen auseinander zu setzen als wesentliche Voraussetzungen für
ein Studium in der Sparte Weltmusik. Das unerhörte Talent (in
der Doppelsinnigkeit des Wortes) soll gefördert werden. Die
Inhalte sind grundsätzlich fließend, richten sich an
der Studentenschaft aus und sind Ergebnis ständigen Austausches
zwischen allen Beteiligten.
Das
Team
Der komplexe und interaktive Ausbildungsanspruch des Studiengangs
Gitarre Weltmusic der Dresdener Hochschule geht zurück auf
den Veteranen der DDR-Unterhaltung und später zum Hochschullehrer
berufenen Gerhard Hiensch. Der weitsichtige Musiker erkannte früh
die Bedeutung der fachübergreifenden Orientierung einer zeitgerechten
instrumentalen Ausbildung und der daraus folgenden Öffnung
für populäre Spielweisen. Heute schaut er, in dessen Obhut
auch inzwischen erfolgreiche Musiker wie das Duo Naßler/Schneider
schon ihre Ausbildung absolviert haben, mit Freude und Befriedigung
auf die von ihm angestoßene „Strategie der Vielfalt“
zurück. Aufrecht erhalten und erweitert werden diese grundlegenden
Ansprüche auf selbständige, kreative und individuell geprägte
Spieler durch das ihm nachgefolgte Team, vertreten durch Thomas
Fellow, Ralf Beutler und Stephan Bormann. Die Dozenten unterrichten
ihre Hauptfachstudenten im wöchentlichen Wechsel. E-Gitarristen
erhalten Unterricht auf der akustischen Gitarre bei Thomas Fellow
oder Sina Neumaerker (künstlerische Mitarbeiterin, Gitarre
Nebenfach) bzw. David Sick (dto./m). Weltmusikstudenten erhalten
Unterricht bei Stefan Bormann oder Ralf Beutler, die ihre persönlichen
Akzente mit Fusion-Jazz und Weltmusik, bzw. Mainstream-Jazz einbringen.
Die sich daraus ergebenden Erfolge einzelner Studenten sind somit
nicht mehr unmittelbar der pädagogischen Arbeit nur eines Dozenten
zuzuordnen, sondern Ergebnis der teamgeprägten Ausbildungsstrategie.
Inhaltlich steht die Ausbildung auf der Basis einer breitgefächerten
praktischen Erfahrung aller Ausbilder als Musiker und langjähriger
Unterrichtstätigkeit.
Den vollständigen
Artikel finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2003
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