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was lacht mich denn da so herausfordernd keck aus dem Gitarrenkoffer
heraus an? Zierlich, doch irgendwie drall und schmuck dazu wie Dolly
Parton, traut man auch dieser Kleinen auf Anhieb eine kräftige
Stimme zu.
Mit den Neuzugängen
in der L-Linie - eigentlich sollte man eher von Erweiterungen dieser
alt-ehrwürdigen Serie sprechen - hat Gibson optisch wie klanglich
ein paar sehr interessante neue Trümpfe
aus dem Ärmel gezogen. Das L steht bei den amerikanischen
Traditionsbauern bekanntlich schon seit eh und je für eine
Reihe von Gitarren mit kleinem Korpus, wie etwa die L-1, die L-00
oder das Nick Lucas Modell. Die aktuelle Small Body Line,
die bereits seit 1999 lieferbar ist, umfasst drei Modelle: die L-130,
die vorliegende L-140 und das Topmodell L-150. Das Bauprinzip ist
jeweils identisch, die hübschen Schwestern sind unterschieden
nur durch Holzauswahl und Zierarbeiten.
Konstruktion
Neu an der Reihe ist im Verhältnis zur alten L-Serie vor allem
ein leicht vergrößerter Korpus (advanced 00-Body). Das
Instrument nimmt damit in dieser Hinsicht eine interessante Zwischenposition
ein: unterhalb der beliebten und vom Format her imposanten Singer-Songwriter
Gitarren J-200, Dove etc., aber oberhalb der genannten kleinen Blues-
und Fingerpicking-Gitarren; es füllt quasi eine Lücke.
Da sie sich somit aus beiden Welten etwas zu eigen macht, könnte
sie im Kompromiss auch durchaus Freunde in beiden Lagern gewinnen.
Aber der Reihe nach: So handlich unsere Hübsche auf den ersten
Blick auch ausschaut, immerhin liegt ihre Zargentiefe je nach Messpunkt
zwischen 10 und guten 12 cm, da ist also wider Erwarten ganz schön
was dran, denn solche Maße stehen auch einer ordentlichen
Dreadnought gut an. Der gewölbte Boden und die Zargen sind
aus sehr gleichmäßig gewachsenem und attraktiv gezeichnetem
ostindischen Palisander gefertigt. Ein dezent geschmackvoll gestalteter
Zierspan (Holzmosaik) trennt die spiegelbildlich gelegten Bodenplatten,
und mehrfach unterlegte Bindings aus Kunststoff schützen rundum
die Stoßkanten. Massive Fichte von feinstem, parallelem Wuchs
und schöner seidiger Querstruktur ist, mit dem Auge kaum erkennbar,
über die Mitte aufgeschlagen und zu einer fabelhaften Decke
gefügt. Eine bunt schillernde Rosette aus Abalone, eingerahmt
von weiteren Zierringen, betont die Wertigkeit des Instruments.
Aus einem gediegenen Stück Mahagoni ist der geschmeidig profilierte
einteilige Hals geformt. Selbst der Halsstock ist hier nicht wie
sonst üblich angesetzt, sondern tatsächlich zusammen mit
dem Hals aus einem einzelnen Block gefräst. Für das nicht
eingebundene Griffbrett wurde bestes Ebenholz verarbeitet und mit
ungewöhnlichen Flügelmotiven (Wings) aus hellem Abalone
zur Bundmarkierung ausgestattet. 20 schlanke Bünde zeigen perfekte
Verarbeitung und hochglänzende Politur. Die abgewinkelte Kopfplatte
ist mit Palisander verblendet, in das eine Krone (Crown-Inlay) und
das Firmenlogo aus feinem Abalone intarsiert sind. Würdige
Gold Kidney Mechaniken aus dem Hause Grover runden den
Kopf ab - aber ja, die Kontermutter für den eingelegten Stahlstab
ist natürlich wie bei Gibson üblich auch hier hinter der
kleinen Glocke aus Kunststoff erreichbar. Der dicke Schnurrbart-Steg
besteht wie das Griffbrett aus pechschwarzem Ebenholz und trägt
eine gut befeilte Stegeinlage aus einem Knochenmaterial, dem auch
der Sattel entstammt. Ein aufgeklebtes Schlagbrettchen aus Perloid
schützt die Decke unterhalb des Schalllochs gegen üppige
Schlagmanöver. Der forschende Blick in das Schallloch zeigt
durchaus kräftige, zu den Rändern hin ausgearbeitete saubere
Beleistung (X-Bracing) und den kräftigen Halsblock. Lieferbar
ist das Modell mit oder ohne Elektronik - an dem besagten Halsblock
ist dann in der elektroakustischen Variante eine Batterie vor einem
Active Transducer montiert. Die L-140 kommt in einem
Antique Natural Finish, was nichts anderes meint als
eine leichte antike Eintönung der seidig schimmernden
Decke. Alle technischen Arbeiten zeigen das erwartet hohe und detailgenaue
Fertigungsniveau.
Klang- und Spieleigenschaften
Die kleine und doch so anschmiegsam gerundete Gitarre liegt überraschend
komfortabel am Körper. Die breite Zarge bietet dem rechten
Arm gute Auflage und bringt die Finger in beste Spielposition. Mit
elegantem Shaping, also irgendwie ganz und gar Gibson, lädt
der Hals überdies ein zu zwanglosem Spiel. Die ersten Akkorde
vermitteln zunächst einmal genau das, was man von einer Gibson
Acoustic auch erwartet: einen großen, leicht topfig/bluesigen
Sound, der so typisch amerikanisch ist. Aber so einfach wollen wir
es uns nun auch wieder nicht machen, denn da schlummert tatsächlich
deutlich mehr. Überraschend ist der imposante Schalldruck zwar
allemal, der dieses kleine Wesen verlässt (also doch Dolly
Parton), doch hinter dem dicken Strahl gibt es noch so etwas wie
eine feine Auflösung, ein seidiges Höhenspektrum, das
den vordergründig kräftigen Sound durchflort. Die Bässe
zeigen die gewohnt trockene Artikulation, und dieses leichte humpen
und rumpeln, das man mag oder eben nicht. Nach dem Anschlag
scheint sich die Saite jedoch aufzuschwingen, der Ton atmet förmlich
tief durch und farbige Obertöne gesellen sich in den glatten,
langen Abklang. Mit einem solch stattlichen Sustain kann sie in
fast jeder Stilistik ohne weitere Umstände Punkte machen. Der
gut ausgebaute Mittenbereich gibt dem Klangdesign eindrucksvolle
Wärme zu, ohne jedoch in Dominanz abzugleiten. Das wäre
auch denkbar schade, da der glockenreine Diskant der allgemein guten
klanglichen Gewichtung erst noch die strahlende Krone aufsetzt.
Bei Fingerpickings kommt das in Bereitschaft stehende volle Farbenspektrum
bestens zur Geltung. Dynamisch und anschlagssensibel lassen sich
wunderbar durchsichtige Teppiche legen. Der Ton kommt schnell, ist
leicht formbar und obertonreich, zeigt eindrucksvolle Transparenz.
Ebenso springlebendig, aber auch gutherzig reagiert die L-140 auf
das Flatpicking, mit der Einschränkung allerdings, dass dank
der flach gehaltenen Saitenlage bei kräftigem Anschlag im mittleren
Griffbrettbereich leicht Nebengeräusche provoziert werden.
Das ist aber wie immer eine Frage der Anschlagsstärke und -position
, wohl auch der gespielten Stilistik, Saitenstärken etc.. Grundsätzlich
aber herrscht Freude vor dank des festen, gut modellierbaren Tons,
der fabelhaften Ausgeglichenheit und der flinken Tonentfaltung.
Die Gibson Mensur von ca. 63 cm macht im übrigen auch etwas
härtere Saiten noch gut bespielbar.
Fazit
Treffer! Mit der wohlgeformten L-140 landet Gibson einen Coup, der
die Lücke zwischen den beiden Hauptlinien schließt. Dank
der gehörigen Zargentiefe bewegt die Gitarre trotz ihrer zierlichen
Erscheinung eine ordentliche Luftsäule und macht erstaunlichen
Druck. Neben den typischen Gibson-Sounds bietet sie darüber
hinaus aber auch noch eine beeindruckend transparente Auflösung
und feingliedrige Obertonkultur, ohne den warmen Mittenbereich zu
vernachlässigen. Gute Dynamik, schönes Farbspektrum, schnelle
Tonentfaltung und ein wonnevolles Sustain machen die gut spielbare
Gitarre für Finger- als auch Flatpicker interessant. Na, und
dass sie dazu noch gut aussieht, das macht die Sache ihrem Wert
entsprechend auch optisch rund. Was will man eigentlich mehr.
Den vollständigen Artikel
finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2002
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