Manche
Songwriter sind begabte Poeten, andere einfallsreiche Komponisten,
wieder andere brillante Gitarristen (Bert Jansch). Einer jedoch bietet
alles zugleich: Seit über 30 Jahren schreibt Bruce Cockburn bildkräftige,
intelligente Songlyrik, die unvergleichlich vertont als Folk, Weltmusik,
Reggae, Ska, Jazz, Fusion, Funk, Rock und New Wave in funkelnder Schönheit
und zeitloser Tiefe erstrahlen.
Doch das Schönste
ist: Der Kanadier kann als hervorragender Fingerstyle-Gitarrist
all diese Grooves auch alleine auf sechs Saiten hervorzaubern -
und hat nebenher, von Sunwheel Dance (1972) bis Down
To The Delta (1999), immer wieder Solostücke von seltener
Qualität und emotionaler Kraft eingespielt. Man könnte
ewig mit dem 56jährigen reden, ohne alle Aspekte seines Schaffens
auszuschöpfen!
Bruce,
wer hat dich zu deinem Gitarrenspiel angeregt?
Bruce Cockburn: Das ist eine ziemlich lange Liste. Also, meine musikalischen
Einflüsse liegen woanders - aber Fingerpicking habe ich in
den 60ern gelernt, beeinflusst von Folk-Bluesern wie Mississippi
John Hurt und Bill Broonzy, die ich zu imitieren versuchte. Gleichzeitig
habe ich auch viele Jazz-Gitarristen gehört (Wes Montgomery,
Gabor Szabo), John Coltrane und die ganze damalige Speerspitze des
modernen Jazz - viel frei improvisiertes Material. Auch das ist
in meine Musik eingeflossen. Außer phasenweise mal andere
Songwriter höre ich auch heute nicht viel Musik, die meiner
ähnelt, sondern elektronische, klassische, ethnische von überall,
Jazz. Und beeinflusst werde ich immer noch - wenn mir eine Gitarrenmusik
gefällt, klaue ich etwas...
....und bei
wem?
Bruce Cockburn: Bill Frisell, besonders mit seinem älteren,
abenteuerlicheren Material, wäre mein erstes heutiges Vorbild.
Ich höre auch gerade eine CD von Pat Metheny und Derek Bailey,
absolut frei improvisiert, zum großen Teil sogenannter noise
- toll! Liebend gerne würde ich in einer solchen Band spielen.
Aber ich habe keine solche Band und schreibe keine Songs mit Platz
dafür. Und deshalb wird man so etwas von mir so schnell nicht
hören....
....und die
Akustikgitarre ist dir wichtig.....
Bruce Cockburn: Sie ist schon mein Fundament. Bei Aufnahmen benutze
ich normalerweise die Gitarre, auf welcher der Song entstanden ist
- bei manchen die elektrische, bei anderen die akustische. Eine
Reihe neuer Songs ist jetzt umständehalber komplett auf einer
akustischen entstanden: Ich war viel auf Reisen. Dann ist eben nur
die Akustikgitarre immer greifbar.....Und außerdem hat sich
auf ihr ja auch mein Stil zu spielen, diese ganze Fingerpicking-Sache,
entwickelt. Deshalb ist sie auch ein wichtiger Teil dessen, wo ich
musikalisch gelandet bin.
Spielst du immer
noch eine Linda-Manzer-Gitarre?
Bruce Cockburn: Ja. Die blaue hat Linda für mich in den 80ern
gebaut, auf meinen Wunsch hin besonders tief, weil ich viel Bass
wollte. Aber über die zehn Jahre, wo ich die gespielt habe,
hat sie - wegen dem tiefen Körper und meiner Gitarrenhaltung
- auf einen Nerv im Arm gedrückt, was dann Fingerprobleme auslöste.
Deshalb brauchte ich eine flachere Gitarre und hatte Glück:
Bei Linda war gerade eine fertig - mit einem Körper, der sie
nach der Oberseite (wo die Bass-Saiten verlaufen) etwas flacher
werden lässt. Und das hat meine Bedürfnisse hervorragend
bedient. Und dann war Linda noch so freundlich, die Gitarren mit
mir einfach zu tauschen.
Wie hast du
dein perkussives Spiel entwickelt? Bei deinen Solokonzerten vermisst
niemand ein Schlagzeug ...
Bruce Cockburn: Das kommt eigentlich von Big Bill Broonzy und Mississippi
John Hurt, wo nur der Daumen den Takt hält. Ich habe die beiden
nie völlig nachahmen können, aber dafür etwas Komplexeres
hinzugegeben. So kam irgendwann etwas raus wie mein eigener Stil.
Die Grundlage bildet aber der Daumen - normalerweise mit Viertel-Drones,
manchmal auch Wechselbass. Und was immer man auf den Melodiesaiten
dazu spielt, lässt eine Art akustischen Raum darüber entstehen.
Als ich anfing, mich wirklich mit Songwriting und Fingerpicking
zu beschäftigen, war einer der für mich interessanten
Aspekte, so zu spielen, dass man kein Schlagzeug vermisst. Ich habe
Penny Lane mit Bass und allen Stimmen darüber so
spielen wollen, dass sich das möglichst genauso anhörte
wie auf Platte. Und dieser Vorsatz hat die Entwicklung ins Rollen
gebracht.
Du stützt
dabei auch den kleinen Finger der rechten Hand auf der Decke auf
...
Bruce Cockburn: Das schien Bestandteil des Stils zu sein. Ich habe
es bei anderen Folk-Gitarristen gesehen und gewissermaßen
auch beigebracht bekommen - wenn ich fragte, wie man Fingerpicking
spielt, bekam ich gesagt, dass das dazugehört. Aber gegenüber
Flamenco oder klassischer Gitarre bringt man so einen Druck hinter
das Daumenspiel, der ansonsten unmöglich wäre. In diesem
Sinn gehört das schon zum Stil. Natürlich machen es viele
anders, aber ich habe es so nun einmal gelernt. Was mir niemand
beigebracht hat, war allerdings alle drei übrigen Finger zu
benutzen - statt nur Daumen und Zeigefinger. Und das hat mir mehr
Flexibilität verschafft.
Du bist also
Autodidakt?
Bruce Cockburn: Nein. Ich hatte anfangs ein paar Jahre Unterricht
und habe dann auch an der Berklee School of Music studiert - im
Hauptfach Komposition, daneben Gitarre. Das heißt, ich habe
sehr viel über die Gitarre mitbekommen - aber dort nie Fingerpicking
gespielt, eher Flatpicking. Der Einfluss von Berklee steckt eigentlich
nur in der linken Hand.
Den vollständigen Artikel
finden Sie in AKUSTIK GITARRE 2/2002
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